DVD Review

Horror Ho-Down Vol.2 – Kurz-Reviews

Standard, 22. 11. 2006, Batzman (Oliver Lysiak), 6 Kommentare

Halloween ist vorbei, doch auch die Winterzeit lädt zum DVD-Gucken ein. Ein knisterndes Feuer, ein paar Leichen im Keller und jede Menge Jasmin-Tee. Zeit also wieder für den Überblick über aktuelle Neuerscheinungen im Bereich Horror- und Thriller.

Feast +++ Sleepwalker +++ I am the Ripper +++ Severance

Feast – USA 2006
[rating:4]

Die übliche Situation. Eine einsame Kneipe im Nirgendwo. Die üblichen Gestalten die dort herumhängen, als plötzliche eine Frau in Panik hereinstolpert und um Hilfe bittet. Sie wird verfolgt, ihr Mann wurde umgebracht. Es bleibt kaum Zeit sie nicht ernstzunehmen, denn schon Sekunden später ist die Kneipe von Monstern belagert, die alles umbringen was ihnen in den Weg kommt. Glücklicherweise kommt in diesem Moment ein Held zur Tür rein und verspricht sich um die Biester zu kümmern..

Ein Horrorfilm in dem Jason Mewes (die lautere Hälfte von Jay & Silent Bob) ein Cameoauftritt hat und tranchiert wird und Muskelrocker Henry Rollins ein Weichei spielt, sollte per se schonmal einen Blick wert sein. Wenn das Ganze dann noch so schamlos jedes Splatterklischee zitiert und parodiert, daß man im Laufe der Jahre kennengelernt hat, dann kommt man an dem Streifen wirklich nicht mehr vorbei. Vergessen seien all die mittelprächtigen Streifen die in den letzten Jahren immer wieder als „Gore-Fest“ und „Braindead-Nachfolger angekündigt wurden.

„Feast“ von John Gulager ist der einzige Streifen in Jahren, der mit einer ähnlichen Spielfreude in Eingeweiden herumsaut, Köpfe wegbläst und alberne Monster auftreten lässt, wie Peter Jacksons legendäre Blut-Komödie. Es tut gut, endlich mal wieder einen Horrorfilm zu sehen, der nicht realistischen Foltervoyerismus abfeiert, sondern sich auf gute Splattertraditionen besinnt. Die Figuren sind Comicfiguren, die Gewalt völlig over-the-top und wirklich keiner nimmt sich ernst.

Technisch ist der Film, der mit Taschengeldbudget als Teil der Project Greenlight-Reihe von Ben Affleck und Matt Damon entstant erstaunlich versiert gemacht. Infernalischer Schnitt wechselt mit klassischen Make-Up-Effekten, harter Rockmusik und extrem spielfreudigen Darstellern die sich mit Inbrunst ihren Klischee-Rollen hingeben. Die spassige Grundstimmung, in der gleich zu Beginn alle Figuren mit einem süffisanten Kommentar als Texteinblendung vorgestellt werden (inkl. potentieller Überlebenschancen) bleibt bis zum Ende erhalten.

Für Gore-Hounds mit Humor gehört dieser Streifen auf die Wunschliste. Derzeit ist er nur als US-DVD zu haben, hoffen wir mal, daß sich bald ein deutsches Label dieses blutigen Juwels annimmt.

+++

Sleepwalker – Schweden / Norwegen 2000
[rating:3.5]

Der schwedische Architekt Ulrik hat eigentlich alles was er braucht. Eine hübsche Frau, zwei wohlerzogene Kinder, ein gutes Auskommen. Doch irgendetwas stimmt nicht. Er leidet seit Wochen unter Schlafstörungen. Eines Morgens wacht er blutverschmiert in seinem Bett auf, die Familie ist verschwunden. Panisch meldet den Vorfall der Polizei und gerät bald selbst ins Visier der Ermittlungen. Ist seine Familie tot? Und warum entdeckt Ulrik bald lehmverschmierte Kleidung von sich, die er nicht erklären kann? Als er den Verdacht hat, daß er im Schlaf Dinge tut, an die er sich nicht tags drauf nicht mehr erinnert, beschließt er seinen Schlaf mit der Kameras zu dokumentieren…

Stimmungsvoll und mit vielen Tricks und Wendungen erzählt Regisseur Johannes Runeborg hier eine doppelbödige Horrorstory, die ohne explizite Goreszenen aber mit ein unwohle Stimmung erzeugt. In seinen Einzelelementen nicht neu, schafft die Kombination vertrauter Motive hier einen Film der einen bis zum überraschenden Ende bei der Stange hält. Selbst das unlogische Verhalten einiger Figuren, macht ergibt im Nachhinein einen Sinn. Hollywood hat sich die Remake-Rechte wohl schon gesichert, hier darf man sich noch einmal das Original anschauen.

Ein packender kleiner Horror-Thriller, für den gepflegten Winterabend.

Sleepwalker - Der Schlafwandler

+++

I am the Ripper – Frankreich 2003
[rating:3]

Ein paar französische Spätteenies auf dem Weg zu seiner Party. Man redet viel dummes Zeug, fachsimpelt über Filme und Popkultur, knutscht und säuft. Bis plötzlich der leibhaftige Tod erscheint und einen nach dem anderen bestialisch umbringt. Die Wohnung wird zur Todesfalle, zu einem Labyrinth in dem Eingänge zu Ausgängen werden und die Grenzen zwischen den Dimensionen zerfließen.

Gleich vorweg: Wer für völlig durchgeknallten Trash im Amateurfilmlook so gar kein Faible hat, der sollte von diesem Film die Finger lassen. Wer sich allerdings für ein einen Low-Budget-Knaller begeistern kann und über das trashige Videokamerabild hinwegsieht, der bekommt hier einen rasanten Film geliefert, der zeigt was man mit vielen Ideen und wenig Geld machen kann. Deutlich beeinflusst von Hong-Kong-Filmen, Matrix und Braindead schafft die wandelnde Personalunion Eric Andersen hier einen hochprozentigen Action-Mix, der sich selbst nicht fürchterlich ernst nimmt.

Wer glaubt das Genre des Teenie-Slashers sei schon völlig ausgelutscht, bekommt hier zudem eine interessante Variante präsentiert – denn wenn nach 30 Minuten alle Protagonisten bis auf einen tot sind, geht dieser Film erst richtig los.

Die deutsche Synchro ist eher durchwachsen, richtig Spaß macht dieser Partyfilm im Original mit Untertiteln – was bei den wenigen Dialogen auch kein Problem ist.

Ton und Bild sind wie gesagt eher auf Amateurfilmniveau, aber das sollte echte Horrorfans nicht weiter abschrecken.

I Am the Ripper

Severance – UK 2006
[rating:2.5]

Als die Angestellten eines Waffenherstellers zwecks Stärkung der Arbeitsmotivation einen Gemeinschaftstrip in den Wald unternehmen, ahnen sie nicht, daß aus dem Motivationstraining für den Teamgeist schnell mehr werden soll. Denn dummerweise wurden sie in einer Gegend untergebracht, die früher einmal als Gefängnis für Kriegsverbrecher diente, noch dümmer das ein paar dieser Kriegsverbrecher anscheinend immer noch tätig sind. Schon bald kämpfen die Mitglieder nicht mehr um Punkte sondern ums nackte Überleben.

Ho-hum. Da ist also mal wieder einer jener vom Fantasy-Filmfest hochgelobten Streifen. Severance (was Doppeldeutig wohl für Trennung oder auch Abfindung bedeuten kann) stammt vom selben Regisseur wie der „Lola rennt vorm Killer weg“-Heuler „Creep“. War dieser bisweilen eher unfreiwillig komisch, versucht sich „Severance“ von vornherein als Horror-Komödie zu etablieren, was ihm für meinen Geschmack aber nur bedingt gelingt. Etwaige satirische Anklänge gehen im belanglosen Geplauder und Gezänk der durchweg unsympathischen Figuren unter, von denen keiner wirklich Profil gewinnt oder auch nur entfernt interessant ist. Die paar Splatterszenen die es gibt (und das sind für einen als Splatterfilm angekündigten Streifen wirklich nicht viele) sind eher ungeschickt umgesetzt, makabere Gags werden solange wiederholt, bis man wirklich nicht mehr drüber Lachen kann. Obendrein ist der Film extrem lahmarschig inszeniert, es dauert ewig bis die Story mal in Gang kommt, was um so schwieriger ist da man viel Zeit in der Gesellschaft von Figuren verbringt, die alle unglaublich uninteressant sind.

Mag Genre-Neulingen das ganze noch irgendwie „frisch“ und „originell“ vorkommen, so entlockt der Film wohl jedem dessen Horrorsozialisation nicht mit SAW begann wohl eher ein fröhliches Gähnen. Unsympathische Langweiler flüchten 90min vor unspektakulären und weder mysteriösen noch charismatischen Psychopathen durch irgendeinen Wald.

Warum dieser Streifen Ende November 2006 nun einen Kinostart erhält und viele bessere Horrorwerke nur auf DVD erscheinen, bleibt wohl eines der großen Rätsel.

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6 Kommentare

  • Reply Marcus kleine Filmseite 24. 11. 2006 at 16:26

    oh, da muss Dir aber was „severance“ angeht widersprechen. auch muss man christopher smith seinen missratenen erstling „creep“ nicht immer vorwerfen. irgendwann ist es genug.

    für mich funktioniert der film gerade in großer runde oder auf einem festival wie dem FFF. dass die charaktere unsympatisch sind (was ich im übrigen nicht auf die beiden überlebenden anwenden will, die sich doch entwickeln), tut dem spaß doch keinen abbruch. eher im gegenteil. der schwarze humor braucht diese harten, schlicht gestrickten typen.

    als horrorfilm funktioniert der film für mich auch nicht, um keine missverständnisse aufkommen zu lassen. ansonsten macht smith für mich vieles richtig, damit der spaß-pegel nicht abebbt. der rückgriff auf die beiden blondchen aus der einleitung ist schlichtweg genail, ebenso der einfall mit dem flugzeug und die sache mit dem bein und…

  • Reply Batzman 24. 11. 2006 at 20:18

    Ist wohl geschmackssache. Ich hab mich ernstlich gefragt wie so ein unspektakulärer und nicht wirklich origineller Film, dessen paar Gags nichtmals so besonders doll getimed sind, als Eröffnungsfilm ausgewählt wurde.

    Wobei das FFF-Publikum meiner Erfahrung nach Filme eh immer sehr viel positiver aufnimmt und Sachen bejubelt die andernorts zurecht als Direct-to-Video erscheinen, liegt vielleicht an dieser Atmosphäre das man unter seinesgleichen ist und Sachen exklusiv sieht…

  • Reply Der_Held 25. 11. 2006 at 13:33

    Ich wette bei Horrorfilmen drückst du im Bett die Katze an dich bis sie fast erstickt, legst Stolperfallen vor der Schlafzimmertür aus und deine Mutter muss während der ganzen Zeit am Telefon bleiben.
    Dann kommst du am nächsten morgen locker fröhlich her und reisst Kommentaren raus wie „Der Horrorfilm gestern -Der Zermatscher Teil IV-, war ja mal wieder für die Füsse. Bin bei eingeschlafen. Gähn“

    „Mag Genre-Neulingen das ganze noch irgendwie “frisch” und “originell” vorkommen, so entlockt der Film wohl jedem dessen Horrorsozialisation nicht mit SAW begann wohl eher ein fröhliches Gähnen.“

    Ja ne is klar ne?

  • Reply Batzman 25. 11. 2006 at 13:40

    Nicht immer von sich auf andere schließen.

    Severance ist halb so spannend wie Schneekugeln schütteln, der Gorefaktor ist lächerlich und die Story ziemlich abgedroschen und eher fade umgesetzt.

    Zudem macht der Streifen optisch so gar nix her, sieht wirklich aus wie ne TV-Produktion. Klar isses eher Low-Budget, aber auch in dem Bereich kenne ich ne Menge Filme die besser aussehen.

  • Reply Der_Held 25. 11. 2006 at 16:20

    mmhh…was hat mich verraten?

  • Reply Alex 19. 7. 2007 at 14:13

    Es ist schon erstaunlich, das dieser Film tatsächlich das FFF eröffnet haben soll.

    Die überzogene Komik kann diesen Film keineswegs retten. Es kommt auf jeden Fal auf den Zuschauer an, mich hat der Film jedoch überhaupt nicht überzeugt.

    Schwachsinnige Story, lahm umgesetzt und völlig belanglos!

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