Milos und ich

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Dies ist die Geschichte über Milos aus dem subjektivsten Blickwinkel den es geben kann: Meinem.

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Milos Forman. Ach ja, Milos Forman. Eine Legende. Zu Recht. Und irgendwie immer vergessen wenn man die besten Regisseure aller Zeiten aufzählt. Komisch eigentlich, denn irgendwas aus seinem Oevre findet wohl jeder gut, wage ich hier einfach mal zu behaupten. Weil “Goyas Geister” vor kurzem anlief, hier mal eine kleine Retrospektive, soll heissen: die Filme von ihm, die ich gesehen habe:

Lásky jedné plavovlásky (1965) ★★★½☆

blondineweb.jpg“Die Liebe einer Blondine” ist der älteste Film den ich von ihm kenne. Grossartig. Erstmal das: Junge Menschen aus den 70er Jahren werden sicher das ein oder andere Aha-Erlebnis haben, denn diesen Film hat er gedreht als er noch in der Tschecheslowakei Filme machte. Da gabe es anscheinend einen festen Stab an Darstellern, auf jeden Fall habe ich den Typen mit dem grossen Kopf wieder erkannt, der immer in den grossartigen Tschechischen Kinderserien den Vater spielte. Also bei “Lucy, der Schrecken der Strasse” oder bei “Die Besucher” etc. pp. In dem Film geht es um ein junges Mädchen das sich einen Mann auf dem Militärball angeln will und dann doch mit dem Pianisten der Band mit in sein Apartment geht und sich in ihn verliebt. Er will aber nacher nix mehr von ihr wissen und sie steht alleine da. Hat ihre Lektion gelernt.

Das Ganze wird mit solch einer unverschämten Leichtigkeit erzählt, das es einen Heidenspass macht zuzusehen. Am tollsten ist die Szene wo der Pianist sie rumkriegen will in seinem Zimmer und ihr deswegen Karate zeigt damit sie sich “verteidigen kann”. Dabei wirft er sie auf sein Bett. Und hat sie da wo er sie haben will. Diese Szene ist so wahnsinnig ungelenk und charmant gespielt, da muss man sie einfach für lieben. Und den Mann der sie beschert hat. Milos.

One flew over the Cuckoo´s nest (1975) ★★★★☆

kuckucksnest.jpgKlar. Fuckin Classic. Wer hat ihn nicht gesehen, wer hat ihn nicht geliebt. Und diese unfaire Ende jedesmal. Warum haben sie Jack Nicholson “das Gehirn rausgenommen”? Das ist nicht fair! Er hat denen doch zum ersten Mal gezeigt, wie das wahre Leben aussieht! Diese fiese Schwester mit dem fiesen Blick, ich hasse sie noch heute und sie ist eine der wenigen Personen ,wo ich wirklich nicht zwischen Darstellerin und Figur unterscheiden könnte. Stünde sie vor mir, ich spückte ihr ins Gesicht. Obwohl ich dafür wohl eingeliefert werden würde…

Übrigens, ich hab es hier auch schonmal in einem Artikel geschrieben, aber ihr könnt ja nicht immer alles lesen: Nicholsons Rolle sollte ursprünglich von Burt Reynolds gespielt werden, der damals als das nächste heisse Ding gehandelt wurde, nach Boormans “Deliverance”. Reynolds lehnte ab, war ihm zu doof. Nicholson bekam den Oscar (irgendwer sagte mir zuletzt, Reynolds hätte ihn, auch in der Rolle, eh nicht bekommen…Leute, überlegt doch mal…).

Hair (1979) ★★★★☆

hair.jpgIch steh auf Musicals. Ich hasse Live-Musicals, aber ich liebe sie als Film. Warum das so ist, hat Milos Forman eindrucksvoll in Hair bewiesen. Ich weiss nicht: Kennt jemand die Broadway-Version? Überlangweiliges überkandideltes Livegesinge, wo am Ende des ersten Akts alle nackt am Bühnenrand stehen und ihre Genitalien zeigen. Doof das.

Ganz anders hingegen der Film: In sehr schönen, z.T. aussergewöhnlich langen Einstellungen wird die Reise von Claude Bukowski gezeigt, der einen Tag bevor er zum Armeedienst muss, in New York eine Gruppe Hippies kennenlernt und sich mit ihnen anfreundet. Sie versuchen alles um ihn von seinem Armee-Plan abzuhalten, scheitern aber letzten Endes, wegen einem Mädchen (Ach was…). Sie versuchen Claude aus der Armee zu “retten” und reiten sich damit selber in die Scheisse.

Absolut fantastisch ist es Beispielsweise in diesem Film, wie Forman zwischen die Songs immer Ruhepausen packt. So ist es kein überfrachtetes Musical, das von Song zu Song hetzt und einem keine Ruhe lässt. Die Spielhandlung ist gleichberechtigt und nimmt sich (mindestens) ebenso viel Platz wie die Musik. Das ist relativ ungewöhnlich für Musicals. Auch gliedern die Lieder sich bestens in die Spielhandlung ein (welche extra für den Film “um die Songs herum” geschrieben wurde) und runden das Bild ab. Ich hab den mit 12 oder so bei meiner Schwester auf Video gesehen und mir immer wieder angeguckt. Ach ja: Grossartige Songs.

Ragtime (1981) ★★★½☆

ragtimeweb.jpgEin schwarzer Pianist streunt durchs New York zur Jahrhundertwende (1900), wird erfolgreich und zieht den Neid der Weissen auf sich, was in einer Katastrophe mündet. Stichwort: Geiselnahme. Ich will nicht zu viel spoilern, denn wahrscheinlich kennen viele diesen Film gar nicht.

Was Forman ja so ausmacht, was ihn so unterscheidet ist der Hang zum epischen zu Ende erzählen von Lebensläufen. Das ist mit Claude so, mit Amadeus, mit Larry Flint, mit Andy Kaufman und eben auch mit Coalhouse Walker Jr., dem Held des Films. Wie er es schafft, diesen ganz persönlichen Lebenslauf mit der Politik von damals zu einem Gesamtbild zu zeichnen und einem dabei, Einzelschicksal hin oder her, noch kostenfreien Geschichtsunterricht en passant mitgibt, das ist schon eine wahre Wucht, die einem während dem zuschauen gar nicht auffällt.

Amadeus (1984) ★★★★☆

amadeusweb.jpgNoch heute muss ich mich sehr über diesen dramaturgischen Kniff wundern: Nicht einfach die Geschichte mit Mozart als Held erzählen, sondern einen vermeitnlichen Konkurrenten den Lebensweg des Salzburger Genies nacherzählen lassen, das hat schon was. Überhaupt scheint ja auch das Genie, das so visionär ist, das es quasi über der Gesellschaft steht, ein Steckenpferd von M.F. zu sein.

Nun kommen bei Amadeus mehrere Faktoren zusammen, die man sicher nicht alle uneingeschränkt dem Regisseur zuordnen kann: Eine grandiose Performance von Tom Hulce, ein sensationelles Buch, ein wunderbar funktionierender Soundtrack. Und dennoch: Das Zusammenspiel machts ja aus und da hatte der Exil-Tscheche alle Trümpfe in der Hand. Das ganze dann auch noch genial umzusetzen ist immer wieder ein anderer Schnack (wenn ich auch meine, und ich weiss das ich damit ziemlich alleine da stehe, das A.I. dem Herrn Spielberg wunderbar gelungen ist – jetzt nur mal so als Beispiel).Aber wer hätte auch besser dafür gepasst, einen amreikanischen Film über das Leben eines Österreichers zu drehen, als ein Tscheche, denn die Tschechen sind ja so von den Österreichern geprägt, das einem Prag an manchen Stellen RotWeissRoter vorkommt als Wien.

The People vs. Larry Flynt (1996) ★★★½☆

larry-flyntweb.jpgPorno. Zieht immer. Die meisten Menschen, vor allemin unserem Kulturkreis, würden wohl gerne wissen wie Hugh Hefner das geworden ist, was er geworden ist, nämlich der Mann der sein Geld damit verdient den ganzen Tag im Bademantel rumzulaufen und geile Chicks um sich herum zu haben. Die weitaus schillernde (und hierzulande sicher unbekanntere) Figur ist und bleibt Larry Flynt. Herausgeber des Hustler. Einem dreckigen Playboy. Nichts was Metacool auf dem Couchtisch liegen kann. Ein Heft dessen Interviews wirklich scheissegal sind und dessen einzige Daseinsberechtigung tatsächlich nur das onanieren ist.

Obwohl…das stimmt auch nicht so ganz, denn in der Geschichte des Flynt geht es um mehr als ums wichsen: Es geht um Meinungsfreiheit, um Pressefreiheit. Und mag das auch im Zusammenhang mit Pornographie Doppelmoralisch wirken: That´s what it´s all about. Ausserdem muss man dem Film noch hoch anrechnen, das er einige der sehr sehr seltenen Momente kreiert hat, in denen man Courtney Love ganz schamfrei sexy finden darf. Danke Milos, obwohl sie Kurt umgebracht hat.

Man on the Moon (2000) ★★★★½

mondmannweb.jpgEin Wahnsinn. Meinte man als Europäer schon die Geschichte Larry Flints kaum zu kennen, so kennt man Andy Kaufman wohl noch viel weniger und man fragt sich verzweifelt: Warum? Wie konnte solch ein grandioser Künstler und seine irrwitzigen Aktionen an mir vorbei gehen? Andy Kaufman, der Held des Films, ist Komiker. Ein Komiker mit einem Humor den zunächst nur er selbst lustig zu finden scheint, aber er ist Komiker, durch und durch. Und er ist der Überzeugung dem Publikum etwas zutrauen zu können. Es fordern zu können. Das klassische Dilemma eines jeden Künstlers: So viele wie möglich erreichen – so authentisch wie möglich bleiben. Andy schaffte beides, wenn auch nie mit dem wirklich gewünschten Erfolg. Er hatte die Aufmerksamkeit, er wurde gesehen, aber er wurde auch gehasst dafür. Man verachtete ihn und seine komischen Aktionen, die unbequemerweise einem immer selbst zeigten wie dumm und leichtgläubig man ist. Und er machte sich damit eine Menge Feinde. Mit den meisten konnte er leben, aber der Rauswurf aus seiner Yogagruppe war für ihn zum Beispiel unverständlich. Als er dann auch noch schwer erkrankt, entschuldigt er sich bei dem Publikum mit der wohl rührendsten Gala die man sich ausdenken kann.

Ein Film in dem Jim Carey Kaufman verkörpert und man merkt ihm an: Er liebt Kaufman über alles und er will seinem grossen Idol so gerecht wie möglich werden. Nun ist Carey ein Schauspieler, der sehr kontrolliert mit sich selber arbeitet, und wenn er das mit voller Leidenschaft tut, dann kommt so etwas fantastisch anzusehendes wie “Der Mondmann” dabei raus. Ausserdem muss man dem Film noch hoch anrechnen, das er einige der sehr sehr seltenen Momente kreiert hat, in denen man Courtney Love ganz schamfrei süss finden darf. Und auch hier wieder des Regisseurs geliebtes Motiv: Das verkannte Genie. Eine Ecriture? Etwa ein Wink mit dem Zaunpfahl?

Das hätte Forman (★★★★★) doch gar nicht nötig. Wenn man mal ganz genau guckt sieht man doch: Er ist ein Genie. Durch und durch.

P.S.: Die Tatsache das alle Filme mit den Amazonlinks versehen sind ist nicht etwa Geldgier der F5 sondern in diesem Fall eine Serviceleistung. Wenn ihr die alle eh schon auf DVD habt, dann ignoriert dies bitte. Wenn nicht: Kaufen, es lohnt sich bei jedem einzelnen.

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4 Comments

  1. matz-o-man

    mmmh ich kenne nur die letzten beiden Filme. (One flew over the Cuckoo´s nest (1975)) steht schon länger auf meiner liste!
    Deine Seitenhiebe auf Courtney Love kann ich nicht nachvollziehen… egal. Wieder ein paar Filme mehr die ich mir noch anschauen sollte :)

  2. Nilz N Burger

    vielleicht hilft dir das hier meine seitenhiebe etwas nachzuvollziehen…:)

    ne, ne, courtney ist schon ok, aber als alter nirvanafan muss man sowas immer sagen..

  3. matz-o-man

    ist das so’n ding wie mit Yoko Ono und den Beatles?

    Ich hatte uebrigens schon komplett vergessen das die gute in “Man o the Moon’ mitgespielt hat. Bei Larry flint ist Sie mir im Gedächnis geblieben. Mmmh ich glaub den ‘Man in the Moon’ muss ich auch mal wieder gucken!

  4. Binding

    “Goyas Geister” ist Forman pur und vereinigt meiner Meinung nach quasi “Amadeus”, “Larry Flynt” und “Einer flog über das Kuckucksnest” in sich. Ein wichtiger Film über Macht, Gewalt und politische Wendehälse. Allerdings nicht die richtige Wahl, wenn man was über Goya lernen will.

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    officialgaygeeks:

    That lightsaber sound lol


    Get the My Neighbor Groot shirt http://buff.ly/1EFUcA2 http://ift.tt/1BEBgm8

    11/16/14

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    pennyfornasa:

    Putting The Cost Of The ESA’s Rosetta Mission In Perspective

    "So what do we get for our €1.4bn? Rosetta is both an astounding feat of engineering (catapulting a tonne of spacecraft across millions of kilometres of space and ending up in orbit around a comet just 4 km across) and an extraordinary opportunity for science (allowing us to examine the surface of a lump of rock and ice which dates from when the Solar System formed).

    Like a lot of blue-skies science, it’s very hard to put a value on the mission. First, there are the immediate spin-offs like engineering know-how; then, the knowledge accrued, which could inform our understanding of our cosmic origins, amongst other things; and finally, the inspirational value of this audacious feat in which we can all share, including the next generation of scientists.

    Whilst those things are hard to price precisely, in common with other blue-skies scientific projects, Rosetta is cheap. At €1.4bn, developing, building, launching and learning from the mission will cost about the same as 4.2 Airbus A380s—pretty impressive when you consider that it’s an entirely bespoke robotic spacecraft, not a production airliner. On a more everyday scale, it’s cost European citizens somewhere around twenty Euro cents per person per year since the project began in 1996.

    Rosetta has already sent us some stunning images of Comet 67P/Churyumov–Gerasimenko and today’s landing will, with any luck, provide us with our first close-up glimpse of the chaotic surface of this dirty snowball. If you’re a sci-fi fan, then, you might consider the mission to have been worth its price tag just for the pictures. The total cost for the Rosetta mission is about €3.50 per person in Europe; based on the average cinema ticket price in the UK (€8.50), it has cost less than half of what it will cost for you to go to see Interstellar.”

    Via Scienceogram: http://scienceogram.org/blog/2014/11/rosetta-comet-esa-lander-cost/

    Find Out How Budget Cuts Canceled NASA’s Own Comet Landing Mission: http://www.penny4nasa.org/2014/11/11/how-budget-cuts-canceled-nasa-own-rosetta-comet-landing-mission/

    11/15/14

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    meatbicyclevevo:

    i never wanted this to end

    10/20/14

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    iambluedog:

    Life is too short to be holding on to old grudges

    10/20/14

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    10/09/14