“I hate everyone. Everyone”
Originaltitel: Little Miss Sunshine
Herstellungsland: USA 2006
Regie: Jonathan Dayton / Valerie Faris
Darsteller: Steve Carell, Toni Collette, Greg Kinnear. Alissa Anderegg, Alan Arkin, Abigail Breslin, Paul Dano






Familie Hoover ist nicht grade mit übermässigem Glück gesegnet. Der Vater (Greg Kinear) träumt vom Durchbruch als Motivationstrainer, Opa (Alan Arkin) kokst und liest Pornohefte, der 16jr Sohn Dwanye (Paul Dano aus L.I.E.) spricht seit einem Jahr nicht mehr, bis er Pilot werden darf (er kommuniziert das Notwendigste per Schreibblock) die Mutter Sheryl (Toni Colette) versucht die Familie halbwegs zu koordinieren, was nicht einfacher wird als sie sich auch noch um den selbstmordgefährdeten schwulen Bruder Frank (Steve Carell mit grusligem Yetibart) kümmern muß, der nicht darüber weg kommt, daß ihm ein Professorenkollege den Lieblingsstudenten vor der Nase weggeschnappt hat.
In diese verkorkste Idylle bricht die Nachricht ein das Olive (Abigail Breslin), das siebenjährige, leicht übergewichtige Nesthäkchen der Familie, die die Welt durch eine viel zu große Brille bestaunt, für einen Kinderschönheitswettbewerb angenommen wurde: Little Miss Sunshine.
Mangels Geld schnappt man sich kurzerhand den klapprigen Uralt-VW-Bus und macht sich auf den Roadtrip quer durch die Staaten, um Olive ihren Traum zu erfüllen.
Kurzkritik: Guckt euch den Film an. Los geht schon.
Okay. Ein paar Worte zur Erklärung. Das Regiedebütantengespann Dayton / Faris (dem man die Herkunft vom Werbefilm nicht anmerkt) schafft es einen liebenswert verschrobenen Roadmovie abzuliefern, der vor allem durch seine rundherum gelungene Besetzung überzeugt.
Nicht nur verdiente Recken wie Altstar Alan Arkin (Catch 22), aktuelle Stars wie Steve Carell (der hier wunderbar zeigt, das er auch Zwischentöne beherscht und nicht nur den klamaukigen Office-Boss und ältliche Jungfrauen spielen kann) oder solide Allzweckmimen wie Greg Kinnear und Toni Collette, auch die heikle Besetzung der Kinderollen ist rundherum gelungen. Paul Dano, als schweigsam-introvertierter Nietzschefan, der seine Gedanken über weite Strecken nur per Mimik und Bleistift ausdrücken darf, aber auch vor allem die junge Abigail Breslin, als linkisches Pummelchen Olive, die es schafft mit ihrem Enthusiasmus die Familie doch ein wenig zu einen.
Optisch wechselt die Inszenierung zwischen Totalen in denen sich die Figuren in ihrem ikonographischen gelben VW-Bus durch eine eher trostlose Landschaft bewegen, vorbei an Einkaufszentren, Motels, Tankstellen, Hochstraßen und Ölpumpstationen und tableauartigen Ansichten der Familie. Mal im Bus zusammenhockend, dann wie Spielfiguren im Raum verteilt.
Die Farben wirken ausgeblichen und fahl, die Musik konterkariert dazu beschwingte Stimmung, die sich nur bedingt auf die Protagonisten überträgt. Natürlich hat jeder auf diesen Trip seinen eigenen Dämon zu bekämpfen, natürlich hat die Reise wie die meisten Roadmovies etwas katharsisches für alle Beteiligten.
Aufgelockert wird die Geschichte, die bei aller Ernsthaftigkeit immer wieder mit skurrilen, absurd-witzigen Momenten überrascht durch erzählerische Schlenker die immer wieder die Grenze zur Frace streifen ohne sie je zu überschreiten.
Was “Little Miss Sunshine” – dessen Realisierung ganze fünf Jahre dauerte, nachdem mehrere Geldgeber abgesprungen waren – aber so unterhaltsam und schön anzuschauen macht, ist der leise Optimismus der die ganze Story durchzieht. Ohne irgendwelche Durchhalteparolen zu propagieren oder einen weiteren sinnentleerte “Man muß nur an sich glauben, dann wird man alles schaffen”-Phrase zu dreschen, schafft der Film das was Disneyfilme oft nur versprechen: Akzeptanz zu schaffen, für die eigenen Unzulänglichkeiten, die Beschränktheiten und Fehler.
Hier wartet keine vom “häßlichen Entchen zum wunderschönen Schwan”-Moral darauf letztlich doch wieder den Status Quo zu bestätigen, hier werden nicht alle Probleme zum Ende hin brav aufgerollt und gelöst und dennoch schaffen es die Macher einen am Ende zu überraschen und mit einem warmen Gefühl aus dem Kinosaal zu entlassen.
Shit happens. Passiert eben.
Jedem von uns.
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Der Trailer zum Film:


Von 






































ja batz, der film wärmt einen das herz. gerade jetzt paasend zur jahreszeit *g*
dass der film doch über weite strecken recht konventionell seinem genre folgt, habe ich ihm auch nicht übel genommen, nachdem er am ende so die sau rauslässt!
“Kurzkritik: Guckt euch den Film an. Los geht schon.”
Was lest ihr noch die Kommentare?
(für mich einer der besten Filme des Jahres)
Ich bin froh, dass gelegentlich noch Filme wie dieser auftauchen! Im Kino (Cinedom Köln) waren im Gegensatz zu “Casino Royale” oder “Borat” fast alle Plätze frei – steigert also die Mundpropaganda für diesen absolut genialen Film!
Habe ihn nun endlich gesehen und bin begeistert. Ohne den Ratschlag hier wäre ich allerdings sicherlich nicht darauf gekommen. Danke.
Der Film ist das beste was ich seit langem gesehen habe. Schon nach den ersten Minuten fängt einen die einzigartige Atmosphäre des Films ein.
Bis auf die Leichen-Aktion ist nichts wirklich realitätsfernes in diesem Film, im Gegenteil.
Wenn die kleine Olive nach all den gedrillten Barbie-Püppchen auf der Bühne steht und ihre von Opa inszenierte Bühnenshow zeigt…pures Gold. Wohltuend und ohne Rücksicht auf amerikanische Ideale brennt sich dieser Film ins Herz.
Gerade gesehen und spontan werfe ich mal 4,5 Sterne in die Runde.
Der schlechteste Film den ich je gesehen habe ist es ja nicht. Aber mich packt er überhaupt nicht. Er verfällt wenigstens nicht in den Kitsch dass sie die Schönheitsköniginnenwahl gewinnt, aber dass durch dieser Herausforderung die sich der kleinen Olive stellt die Familie geeint wird ist in meinen Augen kitschig genug.