“With tits like that, no wonder you don’t need girls…”
Originaltitel: No One Sleeps
Herstellungsland: Deutschland 2000
Regie: Jochen Hick
Darsteller: Tom Wlaschiha, Irat Levi, Jim Thalman, Richard Conti






Geschlafen wird wenig und wenn dann miteinander – oftmals gewalttätig und Leitthematisch begleitet von der Arie “Nessun Dorma” – niemand schlafe – aus Puccinis Turrandot. Elegische Musik im harten Kontrast mit verschwitzter Szenestimmung San Franciscoer Schwulenclubs.
Jochen Hicks – am bekanntesten durch seinen erhellenden Los Angeles Szenetrip “Sex/Life in L.A.” kehrt mit seinem neusten Film nach Amerika zurück und entwickelt diesmal einen für das magere Budget optisch ausgesprochen ansprechenden Science-Faction-Movie.
Angesiedelt irgendwo zwischen Akte X, dem Schweigen der Lämmer und RTLs Großen TV-Romanen erzählt Hicks die Geschichte des aus Leipzig stammenden Medizinstudenten Stefan Hein, der nach San Francisco gereist ist um eine Theorie seines verstorbenen Vaters zu belegen: Der HIV-Virus ist keineswegs zufällig entstanden sondern, so zumindest die Theorie, entstammt Genmanipulationsversuchen, welche die US-Regierung in den 70er Jahren durchführte – wobei sie angeblich Gefängnisinsassen als Versuchskaninchen mißbrachte.
Eine gewagte und nicht gerade populäre These, die Stefan im Alleingang belegen will. Zeitgleich mit seiner Ankunft in San Francisco beginnt ein offenkundig opernbegeisterter Killer HIV-Infizierte Menschen abzuschlachten – meist läuft dazu im Hintergrund Turrandot – die Oper um eine unglückliche Prinzessin die reihenweise Jünglinge die zu ihr streben abschlachten läßt bis sie endlich den richtigen findet
Neben dem smarten Eurobubi Stefan, welcher seine Ermittlungen zunächst wenig wissenschaftlich in diversen Schwulenclubs aufnimmt, versucht eine Kommissarin namens Tolliver, zusammen mit ihrer Schwarzen Assisstentin rauszubekommen wer der der Killer, der mysteriöse Mr. X ist. Irit Levi, gibt Tolliver als grauhaarige ketterauchende und supertoughe Kriminalistin die beherzt jeden Bogart zur Seite boxen könnte.
In einer der witzigsten Szenen befragt sie Stefan, der einen Informanten namens Molina zu treffen versuchte – doch ehe Stefan mit ihm reden konnte wurde Moliana auf einer Party ermordet, was die Ermittlerin Tolliver auf ihn aufmerksam macht.
Allein die Rolle der Kommissarin lohnt das Anschauen von NO ONE SLEEPS. Auch Tom Wlaschiha als Stefan ist durchaus nett anzuschauen, wenngleich das Drehbuch ihn in der ersten halben Stunde zu viel langatmigen Szenetourismus und dem Tragen alberner Boxerleibchen nötigt. Überhaupt dauert es bis der Film in Gang kommt. Nach dem herben Mordauftakt und der Vorstellung der Kommissarin, wartet man darauf das sich Puzzleteile zusammenfügen, das klarer wird ob es eine Verschwörung gibt, wer hinter den Morden steckt, welche Experimente die Regierung damals durchführte… aber Hicks entwickelt zunächst recht langatmig Stefans beziehung zur 3. Hauptperson, dem undurchsichtigen, gewalttätigen und manchmal beschützenswert verletzlichen Jeffrey.
Da folgen Annäherung und Zurückweisung, wüstes Anlangen und Gleichzeitiges verunsichern. Warum sumt Jefrrey nach dem ersten Sex mit Stefan das Opernthema, das auch der Killer stets spielt? Wieso wird Stefan vom FBI verfolgt? Welche Rolle spielt ein Stadtbekannter Neurologe der zwei der ermordeten HIV-Kranken behandelte, bei der ganzen Sache? Hicks legt viele falsche und einige richtige Fährten aus, verwirrt wie im Thriller üblich teilweise geschickt den Zuschauer, teilweise verliert er den Plot aber auch zu lange aus den Augen.
Spannend wird es immer dann wenn die eigentliche Mysterygeschichte und der Serienkiller-Faden wieder aufgenommen werden und Kommissarin Tolliver zum Einsatz kommen darf. Zwischendurch hängt der Film ein ums andere Mal etwas durch und Hicks schwelgt etwas zu lange in kitschigen Orgienbildern, langatmigen Szeneportraits und interessanten Nebenfiguren die nie wieder auftauchen.
Vielleicht waren es manchmal einfach zu viele Ideen für einen Film die dafür sorgen das “No One Sleeps” manchmal etwas fahrig und zusammengeflickt wirkt. Als einer der wenigen mainstreamigen Unterhaltungsfilme aus der Szene und vielleicht erster schwuler Serial-Thriller kann er dennoch überzeugen. Überraschend sicher hat Hicks die rundweg gute Besetzung durch die manchmal wirre Handlung bugsiert zum schlußendlich doch fesselnden Ende.
Enttäuscht werden vielleicht nur diejenigen die sich eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Frage nach der Herkunft des HIV-Virus erwarteteten – das ist lediglich der Hitchcocksche McGuffin und am Ende genauso unwichtig, wie die Frage ob Fox Mulders Schwester nun von Außerirdischen entführt wurde oder mit Elvis in Wuppertal eine Herrenboutique eröffnet hat.
Und nun . Gute Nacht…
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Dezember 27th, 2006 •
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