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“Das ist mein Wald!”

apocalypto.jpgOriginaltitel: Apocalypto
Herstellungsland: USA 2006
Regie: Mel Gibson
Darsteller: Rudy Youngblood, Dalia Hernandez, Jonathan Brewer, Morris Birdyellowhead

★★★★☆

Jäger “Pranke des Panthers” lebt mit seinem Volk abgeschieden von der Außenweld im Regenwald und führt ein glückliches, einfaches Leben. Eines Tages trifft der Stamm auf Flüchtlinge, die erzählen, dass Ihr Dorf zerstört wurde. Eine Begegnung wie ein Omen, denn am nächsten Morgen überfallen kriegserprobte Schergen der Maya das Dorf, metzeln einige nieder und nehmen die meisten Einwohner gefangen. “Panther” gelingt es gerade eben, seine hochschwangere Frau und seinen Sohn in ein Erdloch hinabzulassen. Die Gefangenen werden aneinandergefesselt und machen sich auf den Weg durch Flüsse und gefährliche Abgründe zur Maya-Stadt, wo die Frauen in die Sklaverei verkauft und die Männer den Göttern geopfert werden sollen, da die Maya ihren Boden herabgewirtschaftet haben und Hunger leiden.

*Achtung Spoiler*

Just als “Panther” geopfert werden soll, verdunkelt der Mond die Sonne, was die Hohepriester der Maya als Zeichen der Götter lesen, dass diese “nun genug Blut getrunken haben”. Das Volk jubelt und nebenbei fällt die Anweisung, die restlichen Gefangenen zu erledigen. Woraufhin diese auf ein Feld getrieben werden, wo sie in einem unmenschlichen Wettlauf gegen Speere und Pfeile um ihr Leben rennen. “Panther” kann schwerverletzt entkommen und flüchtet sich in den Wald, nicht ohne zuvor den Sohn des Maya-”Generals” getötet zu haben. Es beginnt eine mörderische Hetzjagd durch den Regenwald, in deren Verlauf die Jäger zu Gejagten werden und an deren Ende die anlegenden Spanier den endgültigen Untergang der Maya-Kultur kennzeichnen.

*Spoiler Ende*

Ich sträubte mich anfänglich diesen Film zu sehen. Einerseits, weil er ausschließlich in Maya-Sprache gehalten ist, andererseits, weil die Maya-Kultur meilenweit am Arsch vorbeigeht. Zum Glück lies ich mich überreden, den Mel Gibson gelingt mit diesem Film ein kleines Wunder.

An die Sprache gewöhnt man sich recht schnell, vor allem, da “Apocalypto” seine Geschichte fast ausschließlich in Bildern erzählt. Und in was für Bildern! Die sichtlich von Zerfall gezeichnete Maya-Stadt ist eine Wucht und die unglaublich furiose Verfolgungsjagd durch den Wald ist ganz einfach derbe fesselndes Action-Kino, das bisweilen zwar extrem blutrünstig ist, wobei die Gewalt allerdings nie zum Selbstzweck verkommt.

Und der Einsatz der subjektiven Kamera, bei der man den letzten Blick eines abgeschlagenen Kopfes einnimmt, ist eine umwerfend gute Idee, die ich so noch nicht gesehen habe.

Leider muss ich hinzufügen, dass Mel Gibson es nicht sein lassen konnte, den polytheistischen Maya, die also an mehrere Götter glaubten, einen monotheistischen Glauben zu verpassen. Sie reden immer wieder von “dem Gott”. Diese, trotz all der betonten Athentizität, Änderung historischer Fakten ist natürlich Mel Gibsons radikaler Glaubensausrichtung zu schulden. Ein merkwürdiger Clash of the Cultures, der dem Film an sich aber keinen Abbruch tut.

Dennoch bleibt Apocalypto ein großes Kinoerlebnis, wenn man mit diesem schon ziemlich zufälligen Zufall der Sonnenfinsternis genau bei “Panthers” Fast-Opferung leben kann. Aber sagen wir es mal so, hätte sich Peter Parker damals beim Schulausflug nicht dazu entschieden, eine Spinne zu fotografieren, hätten wir heute einen Spiderman weniger.

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1 Trackback

  1. 16.01.2007 - F5 - Die Fünf Filmfreunde

16 Kommentare

  1. hm, verglichen mit dem telepolis-review bist du ja enorm gutmütig :)

    Kommentar #1 von pascal am 02.01.2007 um 21:28 Uhr

  2. @ Pascal: Ich hab mir mal erlaubt, den Artikel zu verlinken…

    Darin werden ja auch wissenschaftlich Strittige Einzelheiten zu Ungunsten des Films als Fakt dargestellt, aber so what.

    Apocalypto ist grandioses Action-Kino mit umwerfenden Bildern, und viel mehr will ich darin gar nicht lesen. Dieses Film als Kommentar zum Amerika der Jetztzeit machen zu wollen, wird der einfachen und gradlinigen Story nicht gerecht.

    Kommentar #2 von Renington Steele am 02.01.2007 um 21:43 Uhr

  3. *g* Mal gut, daß ich den Streifen ned geguckt hab, wenn ich das dort lese:

    heise.de/tp/r4/html/result.xht...

    Mag man von Herrn Suchsland halten was man will, aber es klingt durchaus einleuchtend.

    Diese einseitige Sichtweise auf die Vorzivilisation und die konservative “Keine Experimente wagen”-Haltung passt doch gut zu Gibsons beschränkter denke. Wieso versuchen sich Leute die bestenfalls optische Talente haben immer wieder an narrativen Werken, warum gehen sie mit dem Tiefgang ihrer Werke hausieren, wenn das Ganze sowieso nie einem zweiten Blick standhält?

    Und warum ist nie ein Vulkan zur Hand, wenn Mel Gibson mal in Reichweite wäre.

    Kommentar #3 von Batzman am 02.01.2007 um 21:46 Uhr

  4. Wo wir grade bei Narration sind, dann darf man aber auch nicht vergessen, das bei aller meinzwegen zweifelhaften Haltung, das Storytelling wirklich schnörkellos und formal fabelhaft ist.

    Leider kehrt man diese Punkte dank Gibsons Attitüde immer wieder gerne unter den Teppich.

    Kommentar #4 von Renington Steele am 02.01.2007 um 21:52 Uhr

  5. Die Passion hatte ja auch keine Handlung. Da gabs nix unter den Teppich zu kehren. Das war nur eine sadistische Wichsvorlage für Religionsspinner.

    Und irgendwie klingt die ganze Story von Apocalypto doch schon enorm schnarchig und scheint lediglich Tableau für Gibsons Gewaltphantasien zu sein. Vielleicht sollte man sich einfach nochmal Cannibal Holocaust anschauen, wenn man unbedingt Exploitationfilme sehen will, die uns böse Wilde und Humpta Humpta-Naturverklärung als trashiges Gemisch für die Generation Ließchen Müller präsentieren.

    Kommentar #5 von Batzman am 02.01.2007 um 22:20 Uhr

  6. Den Film auf das rassistische Niveau dieses Italo-Schrott drücken zu wollen ist schon dreist… war es dort lediglich eine Zurschaustellung angeblicher Bräuche ist es hier die Präsentation einer zum Untergang verurteilten Zivilisation. Da liegen dann doch Welten dazwischen.

    Und die Story als schnarchig zu beschreiben, naja. Was soll ein Gibson-Hasser da jetzt auch anderes sagen?

    Wie ich schon schrieb: die unglaublich furiose Verfolgungsjagd durch den Wald ist ganz einfach derbe fesselndes Action-Kino.

    Kommentar #6 von Renington Steele am 02.01.2007 um 22:27 Uhr

  7. Wenn man den Kritiken glauben schenken darf, degradiert Gibson die Kultur der Mayas doch auch auf das Niveau blutrünstiger Wilder die sich lustig anmalen und Menschenopfer bringen. Das sie ein hochkomplexes Stadtsystem hatten, Astronomie betrieben und Mathematisch weit fortgeschritten waren geht doch auch mal locker unter.

    Und Cannibal Holocaust wird von Deodato-Fans und Kennern des Exploitationfilms auch gerne als wegweisender Streifen , mit zivilisationskritischer Aussage gehalten und und gilt formal als Vorläufer von “Blair Witch Project” die sich ja mal ganz dreist die Prämisse ausgeborgt haben.

    Dennoch fand ich die Sadismen von CH auch nicht sehr unterhaltsam anzusehen. Und rein optisch kann mich auch das was ich von Gibsons “Nackerte Wilde”-Film gesehen hab nicht wirklich beeindrucken.

    Denn trotz Pseudorealismus und “original Maya-Sprache” zeigt er letztlich doch den Stauneblick des “Discovery-Channel”-Guckers auf eine Kultur von der er keine Ahnung hat und die ihn letztlich auch nicht wirklich interessiert…

    Kommentar #7 von Batzman am 02.01.2007 um 22:52 Uhr

  8. Hm, findet mich kleinkariert, aber:
    Bin ich die einzige, der der Kommafehler auf dem deutschen Kino-Plakat aufgefallen ist?
    Ich meine, wird sowas denn nicht wenigstens von einem armen Praktikanten mit abgeschlossenem Germanistikstudium gegengelesen?!

    Kommentar #8 von Finja am 04.01.2007 um 00:06 Uhr

  9. Ich plädiere dafür, den Film einerseits getrennt als Mel-Gibson-Film und “Einfach so”-Film sowie andererseits mit getrenntem Aufgenmerk auf Inhalt und Form zu bewerten. Nur so kommt man zu Ergebnissen, die allen Aspekten gerecht werden!

    Ich selbst dachte mir beim Sehen des Films dauernd, dass ich es nicht unbedingt erkennen würde, dass es ein Mel-Gibson-Film ist, wenn ich es nicht wüsste. Das Wissen darum – und das damit zusammenhängende Abklopfen des Films auf ideologisch fragwürdige Inhalte und Aussagen – stört ganz eindeutig den Genuss des Films als Film!!! Ich konnte es einigermaßen ausschalten und den Film “genießen”, und für mich hat er deswegen als spannungsreicher, actionorientierter Historienfilm funktioniert. Ich würde ihn folgendermaßen kategorisieren: eine Action-Version eines Terrence-Malick-Films ohne großartigen Tiefgang. Und so gesehen hat er mich auch nicht enttäuscht.

    Eine inhaltliche Analyse (speziell im Hinblick auf Mel Gibson) wird natürlich zu anderen Ergebnissen kommen. Das ist auch legitim und sehr interessant, wird aber dem Film unter künstlerischen Gesichtspunkten nicht gerecht. Bei der Frage, wie gut er da ist, bin ich noch am Hadern. Denn irgendwie fiel mir dazu dauernd auch Michael Manns “Der letzte Mohikaner” und “Mission” ein. Ich finde auf jeden Fall aber, dass “Apocalypto” grundsätzlich überschätzt wird – sowohl hinsichtlich seiner künstlerischen Qualität als auch hinsichtlich seiner Brutalität. Ein Mainstream-Publikum mag zwar von den Gewaltszenen schockiert sein, aber für Genre- und Splatter-Fans ist es doch eher nur die ganz normale Härte! Schon in “Indiana Jones 2″ gibt es ja eine Opfer-Szene, in der gut sichtbar ein Herz herausgeschnitten wird! Für mich hat “Apocalypto” eine große archaische Kraft, aber er wirkt auf mich dennoch ziemlich sinnlos. Schlecht kann ich ihn allerdings deswegen auch nicht finden.

    Die Schluss-Szene mit den Spaniern – speziell die Ankuft des Kreuzes (also quasi des Katholizismus’) – hat bei mir allerdings auch die Frage aufgeworfen, was Gibson damit sagen will. Man kann aber daraus nicht automatisch ableiten, dass es eine pro-christliche Haltung ist. Genauso gut könnte man nämlich auch sagen: “Vom Regen in die Traufe”.

    Und nun noch ein Wort zu den Bezügen zum aktuellen Weltgeschehen: Natürlich will Mel Gibson damit auch was über unsere Zeit aussagen! Allein das Zitat am Anfang kann man da ja zumindest als moralische Warnung betrachten.

    Kommentar #9 von Binding am 07.01.2007 um 13:07 Uhr

  10. Die Zitate des Tages sind wirklich nur geil!!! immer schön mehr reinstellen xD

    Kommentar #10 von jonas am 09.01.2007 um 22:05 Uhr

  11. falls die menschheit in ein paar tausend jahren einen film über das 20ste jahrhundert dreht, werden wir dann als hochkultur auf grund unserer fantastischen technologie dargestellt werden oder eher doch auch als blutrünstige wilde, welche (obwohl doch sehr wohlhabend) prinzipiell an kriegen, seuchen und hunger zu grunde gehen.
    ich tippe auf variante zwei.

    P.S.: fand den film fantastisch :) -> 5 sterne

    Kommentar #11 von Lunatic am 10.10.2007 um 12:13 Uhr

  12. Was noch gar nicht erwähnt wurde ist der vollkommene Verzicht des Films auf CGI. Das wurde alles tatsächlich gebaut, jeder einzelne Stadtbewohner ist ein Statist. Das sieht einfach nur geil aus. Und zur Ideologie: Ich liege bestimmt nicht mit Mel Gibson auf einer ideologischen Linie, aber in diesem Film hat micht wirklich nichts gestört. Er erzählt eine sehr spannende und sehr gute Geschichte und zwar aus der Sicht eines Opfers. Meine Güte, die wollen dem bei lebendigem Leib das Herz rausreißen und seinen Kopf die Stufen der Pyrimade hinabrollen lassen, denkt Ihr, der hätte da einen Blick für die tolle Fortschrittlichkeit der Kultur und die dufte Mathematik? Ich habe lange keinen so mit Liebe zum Detail gemachten Big Budget-Film mehr gesehen und ihn rundum genossen.

    Kommentar #12 von Rock_Holiday am 11.05.2008 um 12:15 Uhr

  13. @Rock_Holiday
    Selbstverständlich arbeitet der Film auch mit CGI.

    gruß
    silencio

    Kommentar #13 von silencio am 09.06.2008 um 18:01 Uhr

  14. Klar, geiles Action – Kino, geile Kamera, geile Bilder, ABER:
    Mel Gibson ist, wenn nicht rassistisch, doch mindestens unerträglich arrogant.
    Mitten in der Opferungsszene nimmt der Priester die Sonnenfinsternis als Zeichen abzubrechen? Solch einen Deus ex machina – Scheiss kann man gerade noch bei “Tim und Struppi im Sonnentempel” ertragen. JEDER Mayapriester hätte von der Sonnenfinsternis Monate, wenn nicht Jahre vorher gewusst, denn die Maya gehörten zu den besten Astronomen der Weltgeschichte.
    Aber davon weiss Gibson wohl nix, denn von Astronomie schnallt er auch nichts: bei ihm ist eine Nacht nach der Sonnenfinsternis schon wieder Vollmond.
    Peinlich, peinlich, peinlich…

    Kommentar #14 von stan am 31.01.2010 um 11:54 Uhr

  15. Maya haben einen indianischen heiligen Baum namens “Wacah Chan”, was bedeutet, “der ewige Jainismus”. Unter disem Baum sitzt ein Mann, der Funktion von modernen Buddha Vairochana hat.Weder im Jainismus, noch im Buddhismus gibt es welche Blutopfer. 21 Tage von Maya Kalender entsprechen den 21 Thirtankahras in Jainismus.
    Maya-und Azetekenkalender entspricht der Mutterschoß-Mandala im Shingon-Buddhismus.
    Darüber hinaus haben wir shintoistische Wasserschreine in den May-Städten. Im shinhtoismus ist es verboten ,alle was mit Tod und Blut zu tun hat. Neunschichtige Welt Ximbalba entspricht den neun jainistischen Wirklichkeiten.Vier Götter mit Kukulcan im Zentrum entsprechen der buddhistischen Lotos-Blume.
    Weder im Buddhimsus noch im Jainismus gibt es welche Blutopfer.Das sind opferlose und gewaltlose Religionen.
    Und Maya-Religion ist eine Verschmelzung von Janismus,Buddhismus und Shintoismus. Von welchen Opfern kann man da sprechen???Es ist unmöglich, dass da jemals Blutopfer gab.Man schreibt den Jainismus Blutopfer zu. Wenn jemand da jemanden töten würde, würde er den Zusammenhang zwieschen Markokosmos und Mikrokosmos zerstören.Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass alle diese Bilder und Zeugnisse alles andere als der Wahrheit entsprechen.In der Paxis würde das ebenfalls nie funktionieren. Das würde sowohl den gesunden Menschenverstand als auch der Logik widersprechen.Laut Grube war es und Peter Hassler nie möglich, den Brustkorb mit Steinmesser zu öfnen.Laut Peter Hassler gibt es überhaupt keinen authentischen Bericht über welche Blutopfer.
    Mich wundert, dass jemand indianischen Jainismus pur Blutopfer zuschreibt.

    Kommentar #15 von Markus am 09.05.2011 um 12:34 Uhr

  16. die Verlockung die Diskreditierung von Gibson nicht mit in seine Wertung einfließen zu lassen ist schon aller Ehren wert. Hätt ich nicht von dir gedacht Rene, so vehement wie du auf diesen albernen Sheen-lol-Zug aufgesprungen bist.

    Kommentar #16 von finalfuck am 16.08.2011 um 05:37 Uhr

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