The Queen

“Will someone please save these people from themselves! “

Originaltitel: Queen, The
Herstellungsland: Frankreich / Großbritannien / Italien 2006
Regie: Stephen Frears
Darsteller: Helen Mirren, Michael Sheen, James Cromwell, Sylvia Syms, Paul Barrett

****

The Queen

August 1997. Tony Blair (Michael Sheen) hat grade einen überwältigenden Sieg eingefahren und ist neuer Premier Großbritanniens. Kaum hat er seinen Antrittsbesuch, mit seiner monarchiekritischen Frau hinter sich gebracht, strudelt die Nation auch schon in eine nationsweite Krise. Diana Spencer, besser bekannt als Prinzessin Diana verunglückt in Paris tödlich und das Königreich erleidet einen Schock.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht plötzlich die königliche Familie, allen vorran die Queen (Helen Mirren). Die mag jedoch nicht einsehen, warum das Ableben von Charles Exfrau irgendeine Reaktion erfordern würde, immerhin war Diana nicht mehr Teil der Royals.

Charles versteht viel eher das Verlangen der Öffentlichkeit nach Anteilnahme und einer öffentlichen Geste, trifft jedoch auf taube Ohren. Es wird an Tony Blair liegen, der das richtige Gespür für populistische Strömungen hat und sie als Politiker gut zu orchestrieren weiß, die Queen und ihre Familie zu überzeugen sich öffentlich zu Dianas Tod zu äußern, will sie nicht verantwortlich sein für die schwerste Krise die die Monarchie im 20. Jhd erlebt hat.

Stephen Frears liefert, bei allen Freiheiten die er sich sicherlich genommen hat, hier einen spannenden und unterhaltsamen Blick hinter die Kulissen einer Boulevardtragödie die die Welt erschütterte.

Ich erinnere mich selbst noch gut an die mir völlig unverständliche Hysterie die losging, als Diana am 31. August 1997 verunfallte. Wir standen kurz vor dem Launch einer Sendung im Lokalradio in Hannover, waren nervös und hatten eigentlich nicht vor, daß ganze über eine Bemerkung hinaus zu thematisieren. Doch dann kamen die Anrufer. Selbst im Funkhaus standen Fernseher die rund um die Uhr liefen und immer neue Bilder trauernder Briten, ja trauernder Menschen weltweit zeigten.

Massenhysterie, erzeugt von einer Frau die zu Lebzeiten die Presse perfekt zu spielen und manipulieren wußte. Mir gingen die Royals und auch Lady Di ziemlich am Arsch vorbei und daher stand ich diesem Massenphänomen ähnlich fassungslos gegenüber wie die Queen im Film.

Was wollen die Leute? Sie kannten Lady Di nicht, sie kannten nur ein Image einer ziemlich berechnenden Frau, die in ihrer Beziehung wahrscheinlich genausoviel Mist gebaut hatte wie ihr Mann und deren Privatleben nun wirklich nicht so spannend war. Selbst ihr Charity-Engagement schien oft eher Kalkül als Herzensangelegenheit zu sein.

Doch man muß sich bis zu einem gewissen Punkt der Masse beugen und des Volkes Willen erfüllen, gleich wie dumm es einem auch scheinen mag. Diese schmerzliche Lektion lernt die, von der wie immer großartigen Dame Helen Mirren dargestellte, Queen in dieser Woche auf die harte Tour.
Alles woran sie glaubt, wonach sie gelebt hat und wie sie erzogen wurde: Würde bewahren, Stärke zeigen, Contenance, war in dieser turbulenten Woche nach Dianas Tod nichts mehr wert. Das Volk wollte eine trauernde, Anteilnahme heuchelnde Königin und sie bekam nur die eiskalte Queen. Kaum verwunderlich, das die Briten damals ernsthaft an der Monarchie zu zweifeln begannen.

Frears und seinem Drehbuchautor gelingt eine spannende Meditation über die moderne Monarchie und die Frage welche Macht sie heutzutage überhaupt noch hat und welche Macht die Boulevardpresse hat, deren Lieblingsthema sie ist. Zudem fasziniert natürlich die Schlüssellockperspektive des Films, bei den Royals in der Zeit ihrer größten Krise einmal Mäuschen spielen zu dürfen. Als Deutscher versteht man wohl erst im nachinein, wieviel für das Königshaus tatsächlich auf dem Spiel stand und wie geschickt Tony Blair – ebenfalls sehr überzeugend gespielt von Michael Sheen – es damals verstand in dieser Woche einerseits die Monarchie zu retten und andererseits geschickt sein eigenes Image zu stärken, seine Machtbasis auszubauen.

Denn natürlich redet er nicht aus reiner Nächstenliebe auf die Queen und ihre Berater ein, er weiß sehr wohl, das es auch zu seinem Nutzen ist, wenn er sich öffentlich für Diana und deren angemessene Beisetzung stark macht. Frears zeigt sowohl die Queen als auch Blair durchaus menschlich und nicht unsympathisch, auch wenn einem viele Entscheidungen und Ansichten des Königshauses wohl mehr als nur ein Kopfschütteln abringen. Es gelingt ihm ein differenziertes, letztlich doch wohlwollendes Bild der Queen, der man am Ende trotz aller Fehler einen gewissen Respekt entgegenbringt.

Wie sehr man selbst dem Glamour der Royals erliegt, merkt man sehr gut in jenen Momenten die Queen Elizabeth ganz privat zeigen, auf ihrem Landsitz in Zivilklamotten, beim Autofahren. In einer Schlüsselszene des Films, erleben wir die Queen auf dem Höhepunkt der Krise, völlig allein auf ihrem weitläufigen Anwesen wie sie einen Motorschaden hat. In diesem Moment der Einsamkeit scheinen wir einen Blick auf die wahre Elisabeth zu bekommen, die für eine Sekunde die Fassung verliert. Natürlich ist das kitschig und natürlich ist dieser Moment völlig erfunden und siche rnicht durch Augenzeugen überliefert – er funktioniert, da er sehr kurz ist im Rahmen des Filmes sehr gut und weckt letztlich doch Sympathien für eine Frau, die stets gezwungen war in einem strengen Reglement zu leben und die nun nicht verstehen will, daß eben diese Regeln plötzlich nichts mehr wert sein sollen.

In wieweit das richtig ist und man über die Notwendigkeit einer Monarchie nicht generell diskutieren mag, steht auf einem anderen Blatt. Filmisch funktioniert das wunderbar, die schnörkellose, augenzwinkernde, aber nie alberne Inszenierung, die glänzenden Schauspieler in allen Rollen (großartig auch James Cromwell als polternder Prinz Phillip) sorgen für eine spannende Politsoap und spannende 97 Minuten.

Und sollte die Queen den Film gesehen haben, kann sie wohl durchaus “amused” sein, denn Frears bricht ihr hier keinen Zacken aus der Krone.

Anzeige

1 Trackback

  1. 26.02.2007 - F5 - Die Fünf Filmfreunde

2 Kommentare

  1. Sie hat… und sie war…

    Kommentar von Jott am 09.01.2007 um 20:57 Uhr
  2. DER FILM DIE QUEEN ist ein sehr intresanter film er kukt hinter die kulissen des palastes wie es vieleicht sein könnte

    Kommentar von BERND am 04.03.2007 um 14:07 Uhr

Sag was!