Flags of our fathers

“I finally came to the conclusion that he maybe he was right maybe there are no such things as heroes maybe there are just people like my dad, I finally came to understand why they were so uncomfortable being called heroes”

Originaltitel: Flags of Our Fathers
Herstellungsland: USA 2006
Regie: Clint Eastwood
Darsteller: Paul Walker, Ryan Phillippe, Jesse Bradford, Adam Beach, Jamie Bell

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Flags of our fathers

Der zweite Weltkrieg liegt in den letzten Zügen. Die Amerikaner kämpfen um die strategisch wichtige Insel Iwo Jima vor der Küste Japans. Von den 22,000 japanischen Soldaten, die sich dort verschanzt hatten, überlebten den Ansturm nur knapp über 1000. Die Amerikaner verloren bei diesem aufreibensten Gefecht des Zweiten Weltkriegs fast 7.000 Männer. Die Moral an der Heimatfront begann zu bröckeln, die Finanzierung des Krieges geriet ins Schlingern.

Der Kampf um Iwo Jima zog sich in die Länge. Ein gestelltes Foto des AP-Fotografen Joe Rosenthal, das beim Hissen der US-Flagge, nach der Eroberung des Berges Suribachi gemacht wurde (bzw. bei der Hissung der Ersatzflagge, weil die zuerst aufgestellte Flagge als Gedenkstück erhalten bleiben sollte) erreichte die Kriegstrategen in der Heimat. Ein ikonographisches Bild, von sechs Soldaten die mitten im Gefecht, eine riesige US-Flagge hissten. Schnell erkannte man den Wert dieses Bildes und sorgte dafür, das die Überlebende der abgebildeten Soldaten zurück an die Heimatfront beordert wurden.

Man machte Helden aus ihnen, ihr Foto ging um die Welt, prangte bald auf jeder Zeitung Amerikas, als Sinnbild für den ungebrochenen Heldenmut und Kampfeswillen der Vereinigten Staaten. John Bradley (Ryan Phillipe) (dessen Sohn James die Buchvorlage des Films schrieb), Rene Gagnon (Jesse Bradford) , Ira Hayes (Adam Beach) durften auf Promotiontour gehen um für Kriegsanleihen zu werben. Man errichtete ihnen ein Denkmal, ließ sie auf Paraden aufreteten und Pappmache-Felsen erklimmen um das berühmte Bild nachzustellen.

Nach und nach wird ihnen klar, wie sehr sie instrumentalisiert werden, wie wenig das Heldenbild, daß man von ihnen zeichnet mit der Realität übereinstimmt.

Ein Kriegsfilm. Und das mir. Ich hasse Kriegsfilme, denn selbst wenn sie einem als Antikriegsfilm untergejubelt werden, haben sie doch zumeist viel falsches Pathos zu bieten und eine eher schwammige Allgemeinplatzaussage von wegen “Krieg ist ja nicht so toll”. Ich hasse “Private Ryan” und ich mochte auch “Platoon” nicht. Das Krieg jetzt nichts ist, das man als angenehmen Zeitvertreib empfehlen würde sollte jedem klar sein, der nicht in einer Kiste aufgewachsen ist, also dienen die Kampfszenen dann doch meist eher voyeristischen Gelüsten, als billiger Thrill und Entschuldigung für den Heldenpathos der dann folgt.

Insofern bin ich nicht grade das ideale Zielpublikum für einen von zwei Filmen, die sich der Aufarbeitung einer der (zumindest für Amerikaner) wichtigsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs verschrieben haben.

Wäre da nicht Clint Eastwood.

Ein Regisseur den ich zugegeben erst sehr spät wirklich schätzen lernte, haftete ihm doch über Jahre das Bild des reaktionären, Rechtsaussen-Haudegens an, das er selbst mit den “Dirty Harry”-Filmen erschaffen hatte. Das Clint nicht nur ein verdammt cooler Cowboy sein kann, lernte ich durch die Sergio Leone-Filme, daß er selbst ein guter Regisseur ist, der sehr differenzierte Werke erschafft wurde mir mit “Unforgiven“, “Midnight in the garden of good and evil” oder “Birdy” klar. Auch wenn mich der vielprämierte Mystic River nur bedingt überzeugte, Clint sollte man auf dem Schirm haben, denn mit seinen mittlerweile 200 Jahren ist er immer noch einer der wachsten Geister die Hollywood zu bieten hat.

Eastwood war der Grund warum ich mir “Flags of our fathers” überhaupt ansah, denn die Herangehensweise an das Thema ist eine andere als in vielen anderen Kriegsfilmen. Obwohl er ausführliche Bilder der Schlacht zeigt, geschickt montiert mit den Bildern der heimgekehrten Soldaten auf Werbetour, fehlt seinem Krieg jeglicher Glanz, jegliche Heldenhaftigkeit und jedes schmierige Pathos.

Es scheint nichtmal ein wirkliches Ziel zu geben, wenn die Soldaten zu Hunderten den Strand stürmen, sich in den Dünen verschanzen und gegen einen unsichtbaren Feind kämpfen, der in den ausgedehnten Bunkersystemen der Insel versteckt ist. Das Chaos des Krieges wird in jenen Momenten völlig glamourfrei vorgeführt und man versteht um so mehr, warum sich die Männer, die zufällig die zweite Flagge hissten nicht als Helden gefeiert werden möchten, warum ihnen, deren Freunde von Bomben zerrissen und von Kugeln zerfetzt wurden nicht nach Paraden und Ehrungen ist.

Gleichzeitig ist Eastwoods Film auch eine Mediation über Massenführung, Kriegs-PR und Manipulation, sowie das Wesen des Heldentums. Ein Begriff der immer wieder inflationär und oft nicht ohne Hintergedanken verwendet wird, wenn man gewisse Ziele erreichen will. Die Masse hungert nach Heldenbildern, weil sie glaubt dadurch einen Touch jener Erhebenheit zu erlangen, die ihnen im Alltag abgeht. Doch diejenigen die zu Helden aufgebaut werden, sind selten diejenigen die tatsächlich jene Verehrung verdienen oder damit umgehen können.

Wieviel die Verehrung wert ist, bekam grade auch der Native American Ira Hayes zu spüren. Zwar ließ man ihn auf Paraden mitfahren und für Kriegsanleihen werben, aber wenn er privat unterwegs ist, darf er sich billige Indianerwitze anhören und wird in der Kneipe nicht bedient.

“We just tried not to get killed”, sagt Ryan Phillipes Figur irgendwann, wenn man sie wieder einmal in die Heldenrolle des Vorzeigesoladetn drängen will und man glaubt ihr aufs Wort, wenn man das sinnlose, chaotische Gemetzel miterlebt, das sie auf Iwo Jima erfahren mussten.

Technisch dürfte dies der wohl aufwendigste Film Eastwoods sein, mit seinem entfesselten Inferno aus Bombenangriffen, Granatfeuer und Leichenteilen und er verblüfft einmal mehr mit dynamischen Bildern, die erstaunlich modern und zeitgemäss die Schrecken der Schlacht, aber auch die knuffelige Verlogenheit der amerikanischen Heimatfront einfängt. Inwieweit Produzent Spielberg hier seinen Einfluss zeigt, kann nur gemutmaßt werden, aber eine optische Nähe zur berüchtigten Eröffnungsszene von “Private Ryan” lässt sich nicht verleugnen.
Kameramann Tom Stern fängt schon wie in Eastwoods letzten Filmen vitale Bilder ein, die dafür sorgen, daß die Schauspieler inden Kriegszenen fast dokumentarisch abgebildet werden, ohne sie im Kampfgetöse ersaufen zu lassen. Die Schauspieler verschwinden allesamt hinter ihren Rollen, selbst Sonnyboy Ryan Phillipe wirkt glaubwürdig als überforderter Held wider Willen. Darunter leidet bisweilen die Charakterzeichnung der Figuren, die bis zum Schluß nur wenig echte Tiefe bekommen und eher Funktionsträger bleiben, als Menschen mit denen man wirklich mitfiebert und mitzittert. Man kann nachvollziehen wie es ihnen geht, man mag sie, aber wirklich nahe kommt man ihnen nicht.

Das Konzept den Kampf um die Insel parallel zur Geschichte der drei Soldaten zu zeigen, die unfreiwillig zur Ikone des Amerikanischen Kampfgeistes wurden, hebt “Flags of our fathers” deutlich über den typischen Kriegsfilm, den ihm dient die Schlacht nur als illustration des Schreckens, nicht als dramaturgisches Element. Es ist letztlich egal ob die Insel erobert wurde oder nicht, es ist kein dramatischer Wendepunkt den es zu erreichen gilt. Das Hissen der Flagge ist nur ein Symbol, das sich ins Auge der Welt gebrannt hat und Eastwood erzählt die Geschichte die dahinter steht.

Im Folgefilm “Letters from Iwo Jima” wird er sich komplett der japanischen Sichtweise auf die Schlacht widmen, die Geschichte der Soldaten erzählen die zahlenmässig hoffnungslos unterlegen waren und sich nur mit viel Taktik der amerikanischen Übermacht erwehren konnten.

Ich bin gespannt auf diese Geschichte.

Lies die Buchvorlage: Die Flaggen unserer Väter

oder das Original: Flags of Our Fathers.

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8 Kommentare

  1. Hallo Batzman,
    kannst Du (kurz) erläutern, warum Du “Private Ryan” hasst?!? ;-)

  2. mmh, ich war nicht so begeistert vom Film.
    1. der ganze Aufhänger ‘Flaggenfoto’ war mir zu schwach für den ganzen Film

    2. kein Wort über die Erzählweise hier? ich fand das gespringe auf der Zeitlinie doch etwas nervig. (vor allem der ‘jetzt’ part) Das wechseln zwischen Insel und Promo hätte mir gereicht.

    Kommentar von matz-o-man am 19.01.2007 um 09:45 Uhr
  3. @1: weil er bis auf die ersten 30 minuten nur schnulzuninteressantes pathos zu bieten hat.

  4. Der Film bietet erst ein ewiglanges detailverliebtes Gemetzel um dann in widerlichen Pathos umzuschwenken…

  5. Die Landungssequenz in “Ryan” ist auch nach “Flags” immer noch unerreicht und bleibt eine der intensivsten Kino-Erfahrungen der letzten Jahre – vor allem, weil dort viel aus subjektiver Kamerasicht gefilmt wurde! Trotzdem ist Spielbergs Film insgesamt leider kaum auszuhalten, das sehe ich auch so. Momentan läuft ja die von ihm produzierte TV-Miniserie “Band of Brothers” wieder im Fernsehen – da kann man auch nochmal erleben, wie einigermaßen pathosfreie Kriegsfilme aussehen können. Aber Eastwoods Film ist da ebenfalls ein sehr würdiger Anwärter. Übrigens fand ich hammerhart, wie genau die Spielfilmszenen den dokumentarischen Fotos am Ende entsprochen haben.

    Kommentar von Binding am 19.01.2007 um 18:38 Uhr
  6. Bin schon gespannt auf den Film und auf “Letters from..”. Werd mir beide allerdings erst auf DVD ansehen.

    Kommentar von Bloo am 21.01.2007 um 11:54 Uhr
  7. Private Ryan ist wirklich wiederlich, weil er wiederlichsten us-pathos und dümmste Kriegsheldenverherrlichung bietet. Schon die Rahmenhandlung und die wehende US-Flagge bei Fanfarenmusik fand ich abstoßen.
    Flags of our Fathers kenne ich noch nicht. Aber Letters from Iwo Jima habe ich gesehen. Und das war ein sehr bewegender Film, der alle Kriegsheldenverherrlichung kritisch hinterfragt und gut als kritischer Kommentar zu aktuellen US-Kriegspolitik gelesen werden kann.

    Kommentar von Yuri am 11.03.2007 um 20:51 Uhr
  8. Eine kleine Ungenauigkeit ist mir aufgefallen, “Birdy” ist nicht von Eastwood sondern von Alan Parker. Der Eastwood Film heisst “Bird” (über Charlie Parker)

    Kommentar von Canta am 09.12.2008 um 23:02 Uhr

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