“I just got married and already feel like a widower”
Originaltitel: Arthur et les Minimoys
Herstellungsland: Frankreich 2006
Regie: Luc Besson
Darsteller: Freddie Highmore, Mia Farrow, Madonna, David Bowie, Robert DeNiro.






Amerika irgendwann in den 60ern. Der kleine Arthur (Freddie Highmore) wohnt bei seiner Großmutter (Mia Farrow), weil seine Eltern zu tun haben. Sogar an seinem Geburtstag lassen sie ihn alleine. Doch Oma hat ihre eigenen Probleme, ihr Mann ist seit drei Jahren verschwunden, die unbezahlten Rechnungen stapeln sich, der Strom wird abgestellt und das Haus soll in zwei Tagen verkauft werden.
Zur Ablenkung erzählt Oma dem 10jr Arthur von den Abenteuern seines Großvaters in Afrika, der dort zwei Völker entdeckte, die hünenhaften Massais und die mikroskopisch kleinen Minimoys, bei denen er einen wertvollen Edelstein versteckt hat, bei dessen Suche er verschwand. Arthur findet heraus, das die Minimoys direkt in ihrem Garten leben und zufälligerweise besteht an jenem Abend die Chance durch ein magisches Teleskop zu ihnen zu reisen, er will den Edelstein finden und seinen Großvater retten.
Die Minimoys, kleine trollartige Wesen, erkennen in ihm ihren Auserwählten, der sie vor dem garstigen Maltazard (David Bowie) retten soll, der plant die Welt der Minimoys zu vernichten. Zusammen mit der drallen Prinzessin Selenia (Madonna) und ihrem hibbeligen Bruder Betameche (Jimmy Fallon) macht er sich auf die Reise durch die sechs Königreiche…
Okay. Luc Bessons erster halb-animierter Film, ist ein Kapitel für sich. Basierend auf seinem eigenen Kinderbuch, werkelte er angeblich sieben Jahre an dieser merkwürdigen Melange aus CGI- und traditionellen Spielfilm. Dabei herauskam eine hektische und ziemlich hysterische Fahrt durch die Filmgeschichte, die sich relativ dreist bei allem bedient, was irgendwann mal Erfolg hatte.
Die Rahmenstory wurde von Goonies übernommen, mit einem Schuß “James und der Riesenpfirsich“. Dazu kommen kräftige Anleihen bei der Arthus-Sage, Matrix, dem jüngst angelaufenen The Ant Bully (dessen Buchvorlage einige Zeit vor Bessons Buch geschrieben wurde), sowie kräftige optische “Inspirationen” bei Jim Hensons “The Dark Crystal” und “Labyrinth” bei dem man nicht nur einige Figuren dreist abkupferte sondern auch gleich David Bowie als Oberschurke übernahm. Sowie kräftige Szenenanleihen bei “Honey I shrunk the kids” und “A Bugs Life” sowie sicher einem dutzend anderer Filme.
Leider gelingt es Besson nicht aus den ganzen Anleihen etwas originelles, neues zu schaffen, vielmehr liefert er eine dramaturgisch völlg unhomogene Nummernrevue ab, der es sowohl an emotionaler Tiefe, wie auch an Charakterzeichnung und Timing mangelt.
Zwar werden, wie im Animationsfilm mittlerweile üblich, auch hier die animierten Figuren (die verdammt nach diesen häßlichen 80er Jahre Trollpuppen aussehen) von prominenten Sprechern verkörpert, was dabei fehlt sind jedoch die typischen Eigenheiten, die schauspielerischen Nuancen, die die Figuren glaubwürdig machen und den Schauspieler hinter dem Pixelgestrüpp spürbar machen. Bestenfalls David Bowie vermag seiner Rolle eine gewisse Lebendigkeit zu verleihen, andere Promis wie Robert DeNiro als Minimoy König und Madonna bleiben dagegen völlig blaß.
Fast scheint es, als habe man fröhlich drauflos animiert und sich erst später darum gesorgt, wer die Rolle neigentlich sprechen und spielen soll, anders lässt es sich auch kaum erklären warum der aus “Charlie and the chocolate factory” und “Finding Neverland” bekannte, überaus sympathische Freddie Highmore, wenn er nach einer halben Stunde Realfilm endlich bei den Minimoys landet und zur CGI-Figur wird, plötzlich aussieht wie der Sänger von Whitesnake oder ein anderes Mitglied einer 80er-Jahre-Heavy-Combo (oder noch viel gruseliger wie sein deutscher Synchronsprecher Bill Kaulitz der tatsächlich so unbeholfen spricht wie man es befürchten durfte).
Keine Nuance, nichts typisches an Mimik oder Gestik wurde vom realen Schauspieler übernommen, genauso wie man keinerlei Ambitionen hatte, die anderen Akteure mit ihren Rollen verschmelzen zu lassen.
Überhaupt tut sich in den Puppengesichtern der Hauptminimoys erschreckend wenig. Das lebendigste an ihnen sind die recht realistisch aussehenden Haare, aber in den glatten Gesichtern spiegeln sich wenig Emotionen oder Nuancen. So detailliert und verspielt manche Hintergründe entworfen sind, so liebevoll man Staubflocken im Gegenlicht tanzen lässt, sowenig echtes Schauspielgespür steckt hinter den Animationen der Gesichter. Da könnten selbst talentiertere Schauspieler nicht gegen anspielen und die in der Hauptrolle als Prinzessin besetzte Madonna (im deutschen Nena) ist nicht grade eine geborene Stimmschauspielerin.
Dazu kommt die permanente Hetze des Films, der sich nie Zeit lässt die Figuren atmen zu lassen. Im hyperkinetischen Tempo eines Videospiels, sprintet Besson durch seine Geschichte und vergisst dabei, das man für den Spannungsaufbau auch ruhige Momente braucht, das man für glaubhafte und liebenswerte Charaktere auch Momente braucht in denen man die Figuren kennenlernt.
Die Luft zum Leben lässt er ihnen jedoch nicht. Von Beginn an, wird man mit Informationen bombardiert und die komplexe Story runtergerasselt die das Setup für Arthurs Reise ins Schlumpfenland bildet. Lässt sich ein Film wie “Die Goonies” zu Beginn Zeit und schafft es kleine Miniaturen zu zeigen, die jede einzelne Figur charakterisieren und lebendig wirken lassen, lässt er den Figuren Momente zu trauern und die Angst im den drohenden Verlust ihres Hauses nachvollziehen, so spult Besson eine ähnliche Story ohne jedes Gespür für Timing ab.
Das ist schade den grade in den Realszenen könnte er auf die Talente seines Hauptdarstellers bauen, aber er schafft es nicht Arthur wirklich eine Persönlichkeit zu verleihen, er lässt die Figuren plappern, wo er uns Bilder zeigen müsste, was “Arthur and the Minimoy” zu einem sehr geschwätzigen Film werden lässt. Mit dem Holzhammer führt er unmotiviert Plotelemente ein, die sofort durchtelegrafieren “Ich werde später nochmal wichtig“. Sei es nun der Bau von Arthurs Aquädukt oder sein Aufziehauto – sie alle sind, wie die Figuren selbst nur Spielsteine die Besson mit ungeschickter Hand vor sich hertreibt.
Es gibt keine Spannung und keine Überraschung weil die Figuren ständig genau sagen was sie machen. Obendrein gibt es auf ihrer Queste keine tatsächlich bedrohlichen oder ausweglosen Situationen, jede Gefahr wird blitzschnell aus der Welt geschafft, es gibt keinerlei Opfer die Malthazars Grausamkeit tatsächlich spürbar machen oder ihm als Bösewicht Größe verleihen. Ließe das Drehbuch Arthur mal zur Ruhe kommen, einen echten Verlust erleben oder wirklich in Gefahr geraten, wieviel epischer und spannender könnte der ganze Film sein. So erleben wir eine Achterbahnfahrt die beständig auf einem Level bleibt, was einen zwar schnell vorranbringt, die Empathie für die Figuren jedoch auf der Strecke bleiben lässt.
Das einzige was sich durch den gesamten Film zieht, sind die beständigen sexuellen Anspielungen und Plänkeleien zwischen Arthur und der Minimoy-Prinzessin, die fast 1000 Jahre alt ist und damit fast so alt wie ihre Synchronsprecherin. Vielleicht bin ich prüde, aber es ist schon sehr creepy sich Freddie Highmore beim Liebesgebalze und Knutschen mit Madonna vorzustellen (von Bill Kaulitz und Nena will ich erst gar nicht reden – das evoziert Bilder die viele Therapiestunden brauchen bis sie wieder vergessen sind). Ich bin sicher nicht der Ansicht das Kinder asexuell und unschuldig sind, aber die sexuellen Untertöne zwischen Arthur und Selenia wirken schon ziemlich bizarr in einem Film der sich in erster Linie an Kinder wendet.
Ob Arthur ihr in einer Notsituation das Leibchen öffnet, ihr beim Klettern zwischen die Beine guckt oder während einer Übernachtung (in einem Blütenkelch, deren Samen ihnen als Bett dienen) die Löffelchenstellung macht, das ganze ist weder lustig noch charmant sondern einfach unpassend, für einen derart kindlichen Charakter wie Arthur es ist. Ein bißchen scheint Besson da die Altmännerphantasie durchgegangen zu sein. Und komm mir jetzt keiner mit “Manchmal ist eine Zigarre nur eine Zigarre”.
Das die affenähnlichen Rasta-Männer die ihnen bei einem Zwischenstopp in einer Kneipe begegnen anscheinend auch nur mit der Prinzessin knattern wollen, passt dann nur zu gut ins Bild, ebenso wie das Klischee vom bekifften leicht schmierigen Neger, der alles easy findet, in jamaikanischen Singsang spricht und Arthur erstmal Joints anbietet, damit er sich in Ruhe an die Prinzessin ranmachen kann.
Immerhin führt dieser Zwischenstopp zur einzig wirklich originellen und inspirierten Szene des Films, als in der Kneipe die Schergen Mathasars hereinplatzen und man sich eine Kampfszene auf dem sich drehenden Teller eines gigantischen Plattenspielers liefert, dessen Nadel von einem Stück zum anderen springt. Zwar wird auch hier wieder die völlige Inkonsistenz der Story deutlich, denn die Platte spielt Stücke die erst weit nach den 60ern entstanden, aber zumindest gibt es ein paar wirklich ganz coole und unterhaltsame Action und Tanzbilder zu sehen.
Die unpassende Musik ist allerdings sympthomatisch für vieles was dem Film letztlich auch seinen Charme raubt und verhindert, daß die Minimoys als Volk mit eigener Kultur ernstzunehmen sind. Anstatt ihnen eine eigene Sprache zu geben, zu zeigen wie sie leben und was ihnen wichtig ist, zeigt Besson sie als irgendwie coole Trolle, die genauso “hip” und “flippig” sprechen wie Jugendliche in den 90ern. Oder das was Besson eben für jugendlich hält. Warum er die ganze Story in einer altmodischen Landschaft und Umgebung ansiedelt und sich in der Ausstattung bemüht Zeitkolorit zu erzeugen, wenn das alles über Bord schmeißt sobald er in die CGI-Welt wechselt ist genauso unverständlich wie das ignorieren schauspielerischer Eigenheiten und Stärken.
Wieviel Lebendigkeit können CGI-Wesen wie Gollum oder auch Davey Jones aus “Potc2″ haben, wieviel Nuancen zeigen sich in ihrer Mimik und Körperhaltung, wieviel Leben in den Augen. In den Hauptfiguren der Minimoys fehlt all das, sie sind bestenfalls Cartooncharaktere die für Slapstick taugen, nicht jedoch als Figuren um die man zittern und bangen möchte, mit denen man sich freuen und fürchten soll.
Rund 86 Mio. Dollar hat dieses Experiment eines europäischen Animationsfilms gekostet, der nach “Back to Gaya” getrost als zweiter Schuss in den Ofen angesehen werden kann.
Kinder, die zu klein sind um die sexuellen Anspielungen zu verstehen oder sich an der Story stören und die sich für die Actionszenen begeistern werden, denen man ansieht, das sie direkt für das parallel erscheinende Spiel produziert wurden, könnten ihren Spaß an dem Film haben, aber ganz ehrlich, auch für sie gibt es wesentliche bessere Filme. Zum Beispiel fast jeden der oben aufgezählten.
Und ich versuch jetzt die Bilder von Nena und Bill Kaulitz beim Sex zu verdrängen. Brr.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Januar 20th, 2007 •
- 10 Kommentare
1 Trackback
- 07.02.2007 - F5 - Die Fünf Filmfreunde


















danke für die beschreibung jetzt sehe ich, dass der film nichts für mich ist.
Kommentar #1 von albert am 20.01.2007 um 09:58 Uhr
hmm, vielleicht wurde die actionszene ja auch von atari produziert und einfach für den film aus dem spiel übernommen (vom bildschirm abgefilmt oder so)? wenn es die einzig gute szene ist wäre das doch naheliegend…
Kommentar #2 von pascal am 20.01.2007 um 11:19 Uhr
Nein die Szene ist wohl nicht aus dem Spiel, sie ist auch nicht unbedingt ein Actionhighlight, sondern für sich genommen recht originell und nett anzusehen. Das Timing ist ganz gut und die Gags mit der Musik sind schon ganz lustig, wenn auch nicht passend für die Story.
Es gibt sicher auch im Film noch ein paar gute Oneliner, aber leider rettet das den Gesamteindruck nicht, daß der Film ein heilloses Durcheinander ohne ordnende Hand ist.
Kommentar #3 von Batzman am 20.01.2007 um 17:45 Uhr
Dein Review unterstreicht meine böse Vorahnung! Vor allem die deutschen Synchronsprecher, die offensichtlich durch ihre Namen Zuschauer in die Kinos locken sollen, finde ich unpassend und / oder voreilig gewählt.
Von Luc Besson hätte ich schon mehr erwartet!
Kommentar #4 von Dog Hollywood am 21.01.2007 um 18:53 Uhr
ja genau, haette auch mehr von Besson erwartet. Ich finde nicht, dass er “grosse” Filme gemacht hat. Aber es war eigentlich immer farbenpraechtige gute Unterhaltung die ich mir gern ansah. Sieht so aus als haette er das diesmal auch nicht hinbekommen. Also ins Kino werd ich nicht gehen, vielleicht leih ich mir mal spaeter die DVD aus…
Kommentar #5 von El-Barto am 23.01.2007 um 23:24 Uhr
Einen Film zerreißen ist einfach. Doch man sollte sich mal etwas mehr informieren. Diese Kritik hatte mich eigendlich abgeschreckt, doch bilde ich mir immer mein eigenes Bild und wurde angenehm überrascht.
Auch darf man nicht vergessen, daß solch ein Film nicht nur von einem mann hergestellt wird, sondern daß daran auch viele Frauen arbeiten. (sexismusvorwurf des Kritikers)
Hier eine Seite mit ausführlicher Info:
pathefilms.ch/libraries.files/...
Kommentar #6 von Petra Rabe am 09.09.2008 um 06:27 Uhr
Liebe Petra,
einen Film zu zerreißen ist nicht so einfach, wie es für eine Frau aussieht. Immerhin haben wir es hier nicht mit dem Putzen eines Klos zu tun, oder dem Aufwärmen des Mittagessens. Nein, was die ausschließlich männliche und damit fachkundige Belegschaft der Filmfreunde hier an kritische Arbeit leistet, ist wohlmöglich für die gemeine Brigitte-Leserin von heute ungefähr damit zu vergleichen, als würde man versuchen einem 6-jährigen Quantenphysik zu erklären.
DAS, liebe Leser, war
SexismusIronie.Kommentar #7 von Mal Sehen am 09.09.2008 um 12:10 Uhr
Diese Frau hat Jura studiert, etliche Leute unter sich und hat das riesige Vergnügen, mindestens einmal in der Woche ihre männlichen Berufskollegen “in die Schranken zu weisen” und denen zu zeigen, daß eine Frau sehr oft mehr kann, als ihre männlichen Kollegen der Gegenparteien.
Kommentar #8 von Petra Rabe am 15.09.2008 um 17:34 Uhr
Dafür schreibt “diese Frau” – um mal in dieser merkwürdigen Anredeform zu bleiben – aber erschreckend naives Zeug. Als weiterführende Quelle ein Presseheft anzugeben ist schon etwas dreist, genauso wie die naive Behauptung das ganze könne nicht sexistisch sein, weil auch Frauen mitgemacht haben. Beim Blick auf die Besetzung- und Stabsliste der meisten Hardcore-Pornos dürften auch genug Frauen mitwirken.
Außerdem, wäre der Text richtig gelesen worden, wäre klar, dass der Vorwurf nicht Sexismus ist, sondern die für einen Kinderfilm etwas fragwürdige sexuelle Konnotation der Szenen zwischen dem vorpubertären Haupdarsteller und einer rund 1000 Jahre älteren Frau.
Außerdem wurde die klischeehafte Darstellung der Rastamänner, als Affenartig kritisiert.
Kommentar #9 von Batzman am 15.09.2008 um 17:48 Uhr