Der moderne Horrorfilm bietet Anlass zum Zweifel. Was ist nur mit ihm los? Plattes Rumgemantsche allerorten, originelle Storys oder gar ikonenhafte Monster sucht man vergebens. Und kommt mir keiner mit der lächerlichen Clown-Puppe aus “Saw”, die taugt vielleicht dazu, einen fünfjährigen zu erschrecken, mich lässt sie kalt. Gab es bis in die Achtziger, stellenweise auch Neunziger Jahre noch halbwegs originelle Vertreter des Genres, sucht man heute zwar nicht ganz vergebens, aber der Mainstream im Horrorkino ist quälend (sic!) langweiliger Mist.
Wo “Braindead” das bis heute unerreichte Maß an Gewaltdarstellung in eine originelle Komödie einbettete, liefert der moderne “Torture”-Film das gleiche Level, nur ganz ohne Kreativität, Niveau oder gar Komik. Es wird ganz einfach nur abgetrennt um des Abtrennens willen. Schockieren will man damit, na klar. Geschenkt. Ein Schock des Schockes Willen ist soviel Wert wie ein Furz im Wind.
Saw, Hostel, Texas Chainsaw Massacre… überall nur sinnbefreites Quälen von unschuldigen Opfern. Wo sich “Nightmare on Elm Street” oder “Hellraiser” noch in ihrer Märchenhaftigkeit ergingen, ist es heute Ziel, ein möglichst realistisches Abbild der Tortur zu liefern. Das Augenmerk liegt bei diesen platten Metzeleien nurmehr auf dem Opfer in Großaufnahme. Da werden Augen entrissen, Brustkörbe zerteilt, Beine zerschlagen, nur eine Story ist hinter all diesem Greuel nicht zu entdecken. Jüngste Vetreter wären “Saw 3″ und “Texas Chainsaw Massacre: The Beginning”, beides Filme mit immensem Splatter-Faktor, der einem Freak wie mir durchaus einen netten Abend bereiten kann. Das Fehlen irgendeiner originellen Story entmenschlicht aber die Opfer in beiden Filmen, und das ist unerträglich. Was ist da los?
Sind es wirklich die Bilder von Guantanamo und Abu Greibh, die all das auslösen? Ist es der ebenfalls sinnbefreite Irak-Konflikt, der die sinnlosen Splatter-Orgien beeinflusst? Könnte das mehr sein, als ein unterbewusstes Abu Greibh? Könnte die Oberflächlichkeit dieser Filme der Oberflächlichkeit in den Mainstream-Medien dieser Tage geschuldet sein? So gesehen, wären Filme wie “Hostel” oder “Saw” tatsächlich ein Spiegel, der unserer Gesellschaft vorgehalten wird. Noch lange kein Grund, sich keine originelle Geschichte oder detailierte Charaktere auszudenken.
Lichtschimmer waren einige Zeit lang der asiatische Horrorfilm, aber ganz ehrlich: ich kann keine schwarzlanghaarigen, kajalbemalten, zitternden Mädchen mehr sehen. Sicher gibt es immer wieder Perlen: der wirklich originell gemachte “Feast” zum Beispiel oder “Slither”. Und die Aussichten sind mit “Grindhouse” und “1408” auch nicht wirklich schlecht. Aber dass man ausgerechnet die uninspiriertesten Filme “Saw” und “Hostel” zum Franchise ausdehnen will, das finde ich bezeichnend. Wo sind denn heutzutage Archetypen wie Dracule, Frankenstein, der Werwolf, gerne auch American, Michael Myers oder Freddy Kruger? Sogar der Scream-Killer hat mit seiner albernen Maske immer noch wesentlich mehr Esprit, als der zynische Spiel-Killer aus “Saw”.
“Zynisch” ist vielleicht genau das richtige Wort für diese Filme. Und ich mag keine Zyniker.
- Renington Steele •
- Februar 7th, 2007 •
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