Ich muß zugeben, ich tue mich immer schwer damit mich in irgendwelche orgiastischen Erwartungs-Extasen hineinzusteigern. Klar es gibt Filme von denen erhofft man sich etwas und bisweilen, wie bei den Trailern zu “Sin City” oder “Lord of the Rings” damals, bin ich von den dort gezeigten Bildern sehr angetan und denke, daß könnte ein spannender Film werden. Dennoch lehrt die Erfahrung einfach, daß man erst nach dem Kino weiß, ob der Film wirklich sein Geld wert war. Und wie schon Spider-Man wußte: Mit großem Hype, kommt oft großer Blödsinn.

Fans funktionieren da leider anders.

Was ich nie nachvollziehen konnte, waren diese Vorabkritiken, die einem Streifen der noch nicht angelaufen ist (und zum Teil nichtmal fertig gedreht), schon bescheinigen, daß er garantiert der beste Film der Welt sein müsse. Fans sind eine besondere Art von Mäusen und viel zu oft merkt man ihnen an, daß Fan von Fanatiker kommt. Da zählen keine Argumente, da zählen keine Fakten, da wird gehyped was geht, jeder Pups der Produzenten wie eine neue Offenbarung des Heilands gefeiert und jeder der es wagt einen Funken Kritik oder auch nur Realitätssinn einfließen zu lassen wird mit einer Hasswelle überrollt, die einen ernstlich am Geisteszustand oder zumindest am geistigen Alter der Diskutanten zweifeln lässt.

Von 14jr Hormonbolzen deren Hirn aufgrund pubertärer Umstrukturierungen eh chronisch unterversorgt mit Blut ist erwartet man ja auch wenig fundierte Aussagen und das die Bravo-Klientel schonmal schmollend mit Tassen wirft wenn man ihre Liebelingsband “dooof” findet, geschenkt. Deswegen ignoriert man irgendwann derartige Ausbrüche einfach und deponiert alle Kommentare zu Eragon und Tokio Hotel in gelben Sonderkompostbeutel.

Leider verwächst sich das emotionsschwangere Fangerülpse nicht zwangsläufig mit steigendem Alter und so geht es auch in vielen Filmforen zu wie auf dem Pausenhof einer Sonderschule für geistig Herausgeforderte. Schön beobachten darf man dieses Phänomen immer in den Diskssionsforen der imdb. Dort wallten die Fangefühle gar mächtig auf, als bekannt wurde, daß die Kritiker auf der Berlinale von Zack Snyders Latschenepos “300” wohl so gar nicht begeistert waren.

It started shortly after the opening credits; small groups of folks began heading for the door. It got worse when the main villain appeared on screen and all the audience could do was laugh. And, yes, it ended when whatever was left of a packed house booed Zack Snyder’s 300 as the end credits scrolled up the screen…

Das die Kritik dem ganzen nicht wirklich so wohlgesonnen ist und dafür auch ganz gute Gründe hat, kann man auch hier nachlesen. Solcherlei Meinung ist für “Echte Fans”, die den Film allesamt natürlich nicht kennen und lediglich Promo-Material gesehen haben, ein Schlag ins Gesicht. Und natürlich wird da gleich die gesamte Palette an Ressentiments herausgeholt, die man als amerikanischer Durchschnittsdoof aufzubieten hat. Europäer sind eh alles Liberale und Kommunisten, die Deutschen sind eh feige Nazis, die sowas geiles wie “300” gar nicht verdient haben, sowieso haben die ja alle gar keine Ahnung und das fieseste was man ihnen aus Sicht des Durchschnitts-Imdb-Nutzers sagen kann kommt auch: Das sind doch eh nur Intellektuelle.
So ziemlich das schlimmste Schimpfwort in Amerika, gleich nach Liberaler und Linker.

Klar wer die Verherrlichung blinden Gehorsams, militärischer Tugenden und testosterongeschwängerten Machotums nicht supergeil findet muß ja irgendwie krank sein.

This is quite sad. Obviously Berliners are a bunch of liberal commie whackos. All and any liberals/leftists will hate this film and not go see it. It is politically incorrect. Furthermore, there is no understanding, nor comphrension of the True Doric Greeks of Sparta. Most of Western Society has been spoon-fed liberal propaganda about the great Athens and abhor the true Western society of Sparta.

Off course it was booed. Europe is the home of bunch of liberal weenies who have forgotten what it means to be a Man. Only true Men can recognize and love Sparta—liberal weenies can not. Are not all Academics and Journalists anti-military and hence anti-masculinity? We live in an anti-male and anti-warrior culture. We live in a matriarchical society where of course the Spartans are loathed.

Das in zahlreichen Postings mit “Heil Hitler” unterschrieben wird, weil einem ansonsten nichts einfällt, verwundert da kaum mehr. Halbwegs Sinn für Humor zeigte nur ein Poster, der anmerkte daß Europäer ja eh mit einem Frank-Miller-Comic nichts anfangen könnten, weils bei ihnen ja nur Tim und Struppi und die Schlümpfe gäbe. Ein anderer ergänzte dann, man solle vielleicht eine Schlumpffassung von “300” drehen:

“Smurfs–tonight we smurf in Smurfing Hell!”

“Our arrows will blot out the sun.”
“Then we will smurf in the smurfing shade!”

“This is SMURF!” (Kicks Tin Tin down the well.)

Also mal ganz im Ernst: Die Fassung würd ich mir angucken.

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  • http://www.ohwhataworld.de martha dear

    mist und gerade jetzt habe ich meinen imdb-zugang vergessen…

    aber es ist wirklich so ein typisches fan-verhalten, dass die viel zu blind sind, um zu erkennen, das ein von ihnen vergöttertes werk schlichtweg scheiße ist. und nach dem, was ich von “300″ gehört habe, muss der film wirklich scheiße hoch 300 sein.

    ich bin mir aber gerade nicht so sicher, ob diese schlumpfversion nicht doch noch gruseliger wäre…

  • justus_jonas

    Ja. Ekelhaft. Einer der Gründe, weshalb ich mir auch die Talkbacks auf AintItCool mittlerweile spare… und bei amazon ohnehin nicht mehr auf die Rezensionen achte. Mir tun diese Leute leid. Ich sehe da dann immer den Simpsons-Comicverkäufer vor meinem inneren Auge, der in einem dunklen Kellerloch (vollgestopft mit StarTrek-Utensilien) seinen Lebens-Frust mittels Talkbacks in die Welt bläst.

  • http://www.myblog.de/cineasten Moviesteve

    Ach ja, der alte “Kampf” zwischen Gut und Bö…, äh… zwischen Kritiker und Fan.

    Ich stimme zu: Fanatische Fans nerven und nicht selten folgt auf riesiges Vorweggeschrei plötzlich die totale Funkstille (wohl weil es nach Filmstart einfach nicht mehr viel schön zu reden gibt).
    Traurig, wenn man seinen “Lieblingsfilm” nicht mit echten Argumenten verteidigen kann, sondern der Wurf mit den Sandkastenförmchen der einzige Ausweg bleibt. Da hilft in der Tat nur Ignorieren, bis sich die Kinderlein ausgetobt haben.

    Nicht weniger sauer stoßen mir aber zahlreiche krittelnde Kritiker auf. Wenn man die Kandidaten, die ich hier meine, überhaupt ernsthaft Kritiker nennen kann.
    Bei denen wird dann nur niedergeschrieben (gern ebenfalls schon vorab), um dadurch eine gewisse Bekanntheit zu erlangen. Bekanntlich gibt es ja keine negative Publicity, sondern einfach nur Publicity.

    Und so muß sich jede/r einfach sehr sorgfältig die Stimmen aussuchen, auf die er/sie hören mag.

  • muzz

    Wow. Ich sollte mich mal bei der IMDb registrieren – die Zitate sind ja fast schon satirisch überhöht.

  • pascal

    der mit dem matriarchat war gut, haha…
    aber da fällt mir ein: was denken sich die democrats eigentlich, den wählern die wahl zwischen pest (einer frau, uahhH!) und cholera (einem schwarzen, hmpfuh!) zu lassen? das hat den deutlichen anschein, dass die einfach nicht präsident werden wollen, denn so werden sie ja wohl von 70% mal garantiert nicht gewählt…

  • http://www.myblog.de/cineasten Moviesteve

    Hab noch was vergessen:

    Ich find ja auch die Argumentationen, warum der Film hierzulande schlecht aufgenommen werden müsse, sehr amüsant.

    Wenn wirklich “liberale Linke” (damit meinen die Verfasser oben zitierter Zeilen anscheinend alle Kinogänger, die nicht ohne jede Rückfragen den kriegerischen Einmarsch in fremde Läner bejubeln) keinen Spaß an Macho-Fantasien und echten Männergebahren haben können, hieße dies dann nicht im Umkehrschluß, daß auch nur echte Mörder, Psychopathen und Killerfreaks Filme wie “Hostel”, “Saw” oder “Das Schweigen der Lämmer” gut finden würden?

  • ThomasFFFF

    sowieso haben die ja alle gar keine Ahnung und das fieseste was man ihnen aus Sicht des Durchschnitts-Imdb-Nutzers sagen kann kommt auch: Das sind doch eh nur Intellektuelle.
    So ziemlich das schlimmste Schimpfwort in Amerika, gleich nach Liberaler und Linker.

    Auch für mich, einen Europäer, ist der Intellektuelle eine Beleidigung. Für mich gleichzusetzen mit Schulhofschlägern und selbst ernannten Nerds.

  • http://www.calibanblog.de caliban

    Hmmm… ganz ehrlich: Wundervoller Beitrag. Sehr witzig. Aber ich finde es nicht gut, bible belt-Amis mit Fans jeglicher Popkultureller Fänomene gleichzusetzen.
    Mein Gott, ich war auch schon “Fan” gewisser Sachen und habe mich für meinen “Hit” eingesetzt… Trotzdem bin ich (und viele andere, die sich mal als Fan bezeichnen) ja doch noch zu einer Debatte bereit und fähig.

    Hier geht es aber ja nicht um Fans. Ob Hype oder nicht: Hier geht es um Urtriebe der US-Amerikanischenen right-wing-populismus über Europäer.

    Ich stell mir gerade ernsthaft die Frage, wie Du das mit einem Tokio Hotel Fan über einen Kamm scherst *kopfkratz*

  • ThomasFFFF

    Und die guten Gründe, die in der Berliner Morgenpost gennant werden, sind einfach falsch:

    Die Todessehnsucht der Krieger wird unaufhörlich glorifiziert.

    Das ist falsch, weil nur der König der Spartaner selbst überzeugt vom Tod ist, die Spartaner sind das nicht.

    Im Juli 480 v. Chr. zieht Sparta in den Krieg, 300 Soldaten – historisch waren es wohl 1000, darunter viele Nichtspartaner – halten am Thermopylenpass das Heer des Xerxes auf, bis die Perser durch Verrat einen Weg über die Berge finden und in den Rücken der Spartaner vorstoßen.

    Im Comic wird auch gezeigt, dass viele Nichtspartaner, und am Anfang noch tausende, marschieren. Der Film übrigens auch.

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Batzman

    @Caliban

    Hardcore Fans, und um solche Leute geht es, sind immer unerträglich. Egal ob gewisse Trekkies, Star Wars-Fans oder jede andere Gruppierung aus Film und Musik – Leute die sich zusehr in etwas reinsteigern, verlieren in der Regel ihre kritische Distanz und ihren Sinn für Humor.

    Ich erinnere mich auch an Leute aus der Schule, die mich damals gefragt haben, wie ich über MAD-Verarschen lachen könne, wenn man sich da über Filme lustig macht die ich mag. Da spiegelte sich auch dieses “Ganz oder gar nicht” denken wieder. Entweder man mag etwas und muß es dann kritiklos rundherum toll finden oder man ist kein wahrer Fan. Das ist einer der Gründe warum ich Seiten wie AICN oft so unglaublich öde finde. Da schreibe viele Leute die erstmal alles hochjubeln und sich über jedes Zucker der Industrie so freuen, daß sie jeden Realitätssinn vergessen. Und einen Film im vorhinein nur auf Grund von Trailern und Postern derartig zu hypen wie das bei “300″ passiert (und bei vielen anderen Blockbustern), ist einfach albern find ich. Man zwingt sich ja als Fan dadurch quasi dazu, den Film hinterher toll finden zu müssen, weil man sisch sonst eingestehen müsste das man monatelang einen dummen Drcksstreifen mit Vorablob überkübelt hat…

    Klar es gibt viele Filmfans die auch Abstand haben oder nur einfache Fans sind, aber es gibt eben auch sehr viele “Comic Book Guys”.

    @ThomasFFF

    Schlimm genug, das intellektuell auch bei dir als Schimpfwort gilt, denn auch wenn es auch unter solchen Idioten gibt, wie überall, find ich es bedenklich (aber sehr typisch) wenn Intelligenz und Reflektion als etwas angesehen werden, daß suspekt ist.

  • http://www.calibanblog.de caliban

    Trotzdem finde ich das gleichsetzen mit den Leuten die die zitierten Kommentare abgeben relativ schwierig…
    Auch Lustig: Torben am Morgen sieht das ja ganz anders:
    torgen-am-morgen.blogspot.com/...

  • http://www.calibanblog.de caliban

    Ups… der falsche Link!
    Meinte den hier:
    torgen-am-morgen.blogspot.com/...

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Batzman

    @Caliban

    Der Artikel definiert aber doch sehr klar, welche Form von Fanverhalten ich ätzend finde. Das damit nicht jeder gemeint ist, der sich auch für einen regisseur, Musiker oder Schauspieler begeistern kann, ist denke ich klar.

    Auch Klar es wird auch zu “300″ andere Ansichten geben, aber Torben hat die reguläre Premiere gesehen und nicht die Pressevorführung. Promis und Hardcorefans die zu Premieren gehen, sind meist nicht grad das kritischste Publikum der welt und grad bei Promis die da massenweise hingekarrt werden, sind viele beid ei dnicht grade oft ins Kino gehen und daher leicht zu beeindrucken sind. Alleine der Kick einen Film vor allen anderen und dann noch mit dem Regisseur zusamemn zu sehen, schränkt die kritische Rezeption schon erheblich ein, meiner Erfahrung nach.

    Ausserdem wirds sicher auch genug Leute geben, die auf Videoclip-Rumgeholze stehen und denen bei ernstgemeintem Machismo die Hose aufgeht.

    Aber um mal mit einer Werbefloskel zu sprechen: “Wer ist eigentlich, Torben?” ;)

    PS: Hier noch eine weitere eher verhaltene Kritik zum Film:

    n24.de/lifestyle/entertainment...

    “Anders als die verbündeten Griechen – natürlich mag ein Spartaner diese durch Philosophie und Knabenliebe verweichlichten Schlappschwänze nicht – sind die Soldaten des Leonidas echte Natural Born Killers. Nicht nur, dass sie schon im zartesten Kindesalter aufs Kämpfen gedrillt worden wären – du weckst sie zu einer beliebigen Zeit in der Nacht, und sie beten dir die Werte herunter, für die es sich im Männerbund zu töten oder sterben lohnt: Die heimgebliebenen Frauen, mehr aber noch die Söhne und am meisten das Vaterland – und einen Ruhm, der im Unterschied zum irdischen Gekrauche nie vergeht.

    “300″ führt den verblüfften Besuchern des Berlinale-Wettbewerbs ein beinahe zweistündiges Gemetzel vor, in dem kaum ein Register des Splatterfilms ungezogen, kaum eine Leni-Riefenstahl-Einstellung unversucht gelassen wird(…) “300″ ist ein Film, der in der Nacherzählung ungleich interessanter werden muss, als er es auf der Leinwand ist. Man kann stattdessen glatt abraten.

    Wie dieses durch und durch unironische Blut-und-Boden-Spektakel allerdings in den Wettbewerb gerade dieses Festivals gelangt ist, bleibt unbegreiflich. In seiner erschreckenden politischen Eindeutigkeit und ästhetischen Unverblümtheit taugt es höchstens zur Aufpäppelung der Kampfmoral amerikanischer Soldaten im Irak.
    Schließlich ist der eigentliche Feind der tapferen Spartaner auch nicht die schreckliche asiatische Horde mit ihrem unermesslichen Hinterland, der eigentliche Feind sitzt zu Hause: abgrundtief böse sind nämlich die Politiker und intriganten Pazifisten, die lieber debattieren und abwägen, als endlich den dringend benötigten Nachschub an die Front zu schicken. George W. Bush dürfte daran seine helle Freud haben.”

    und noch eine aktuelle Kritik beim Perlentaucher:
    perlentaucher.de/artikel/3040....

    “Aus Stahl sind die Körper und aus hirnloser Grütze die Dialoge. Blut spritzt. Pfeilhagel fliegt. Frauenkörper, halbnackt, winden sich, Männerkörper, halbnackt, schlagen sich, grün und blau, und der Film schwitzt aus allen Poren Jungsfantasien. Wer natürlich die Cover billiger SciFi-Paperbacks für große Kunst halten sollte, wer in David Hamilton einen Poeten des weiblichen Körpers sieht, wer Farbfilter liebt, hinter denen die mühsam errechnete Berge, Schluchten, Ebenen Griechenlands mal gülden, mal blechern glänzen, wer das alberne Spucken großer Töne partout mit Poesie und Heldenmut verwechseln oder sich einfach nur mal mit faschistischem Camp oder campigem Faschismus amüsieren will, der wird gewiss vor dieser bleischweren Comic-Verfilmung wie Leonidas vor dem wundersam gepiercten König und Halbgott Xerxes in die Knie gehen. Der Rest der Welt tue dann, wie die Spartiaten tun, und werfe in Richtung dieses Machwerks Worte wie Speere in der freilich vergeblichen Hoffnung, ihm den Garaus zu machen.

    Besucher der Pressevorführung, kommst Du nach Sparta, so verkündige dorten, du habest die Kritiker lachen, buhen und Reißaus nehmen gesehen. 300 Spartiaten geh’n futsch bei den Thermopylen, König Leonidas isst einen Apfel, Köpfe rollen, Kiefer malmen, der Antike, der englischen Sprache und der Schauspielkunst wird ein Leid’s getan und du kannst sagen, du seist dabei gewesen.”

  • http://www.calibanblog.de caliban

    Ich kenn den auch net *lach* Ich fand das nur gerade schön absurd, weil es so genau eine gegenteilige Meinung ist.

    Ob der Film gut ist hin oder her – wir werden hier bei Euch ja noch eine ausführliche Kritik bekommen – ich finde Fan-Verhalten eben nicht schlimm. Da unterscheidet sich unsere Meinung.

    Klar, wenn es soweit kommt, dass keinerlei freie Meinung mehr möglich ist (hab das ein, zwei Mal bei Star Trek Fans böse miterlebt), dann wirds übel.
    Aber bei den meisten Menschen, die sich zu irgendetwas als “Fan” bekennen, hab ich selten einen solchen Fanatismus erlebt (wie gesagt, mit wenigen Ausnahmen).

    Ich finde es eher umgekehrt schön, wenn man so viel Kind beibehält, und sich als Fan einer bestimmten Sache verhält…

  • http://www.myblog.de/cineasten Moviesteve

    Ich find an dem Fan-Hype eigentlich am schlimmsten, daß er auch die ganze “ernsthafte” Filmkritik verdirbt.
    Wenn einen die feucht gewordenen (ich meine natürlich Sabber ;-)) Euphoriker richtig auf den Wecker fallen, können als Antwort eigentlich nur Verrisse folgen.

    Um als Rezensent bloß nicht mit den blinden Fanboys in einen Topf geworfen zu werden, fühlen sich viele Schreiber geradezu gezwungen, einen Film klein zu schreiben – oder schlimmer richtig mies zu machen (diesen Eindruck habe ich z.B. oft bei Filmbesprechungen auf SpiegelOnline).

    Irgendwie fehlt das gesunde Mittelmaß.

    Ich bin auf die ersten Texte zu “300″ sehr gespannt. Hoffentlich findet sich jemand, der da wirklich mal objektiv rangeht.

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Batzman

    SpOn-Kritiken waren aber selten wirklich gut, aber das ganze Magazin hat oft genug ja eher Gala oder Super-Illu-Niveau insofern, sehe ich die auch nicht als ernsthafte Kritik an.

    Zu unterstellen, daß Leute die Verrisse schreiben die nur deshalb schreiben um sich abzusetzen find ich auch immer schwierig. Der Vorwurf “Du findest das jetzt blöd nur weils alle gut finden”, kommt bei jedem Verriss eine vielbeachteten Mainstreamfilms und ist meist ein Totschlagargument, weil man sich nicht mit den inhaltlichen Kritikpunkten des jeweiligen Reviews auseinandersetzen möchte.

    Klar es gibt grad in der deutschen Kulturschreiberszene immer noch große Berührungsängste zu allem was nicht ins klassische Bild der ernsten und wichtigen Kunst gehört, klar gibts zum Teil verrisse die völlig an den Werken vorbeigehen, aber das bleibt immer in jedem Einzelfall zu werten. Ein Kritiker der gut argumentiert hat für mich auch dann wenn ich ihm nicht zustimme, ein lesenswertes Review verfasst.

    Der Schrei nach Objektivität der immer wieder aufkommt ist glaube ich auch deplatziert. Kritik ist per Definition nicht Objektiv. Sonst ist es keine ernsthafte Kritik, es ist immer die persönliche Meinung des Rezsensente, der angehalten ist diese möglichst verständlich und gut nachvollziehbar darzulegen.

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de renington steele

    Dieser Torgen am Morgen zitiert übrigens auch nur aus der offiziellen Warner-Pressemitteilung, was er nicht als Zitat kennzeichnet. Die Worte “awesome kickass” stammen allerdings von ihm. Immerhin.

  • Pumuckl

    Wieso regst du dich überhaupt so auf? Das auf imdb nur Fucktards im Sinne von Penny Arcade (“Normal Person + Anonymity = Complete Fucktard”) herumlungern ist doch allseits bekannt. Daraus auf “typische Amerikaner” zu schließen, wie einige es hier tun, ist nicht weniger dümmlich.

    Davon abgesehen ist “300″ GENAU die Art Film, die auf Festivals wie der Berlinale offenbar jedes mal wieder gezeigt werden, speziell um all den Kritikern Gelegenheit zu geben mal wieder ihre BETONTE intellektuelle Überlegenheit zu demonstrieren.

    Es ist ein verdammter Frank Miller Film! Hat sich irgendwer ernsthaft über die Moral von “Sin City” aufgeregt?! Also! Es ist ein Macho-Film und wer sowas nicht mag, der soll sich selbst an den Kopf greifen dass er drin war.

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Batzman

    Mit Verlaub, zwischen dem was ich bisher von “300″ gesehen habe und “Sin City” liegen ein paar Lichtjahre. Letzterer sah optisch wesentlich interessanter aus, hatte eine Mordsbesetzung, Humor und verlangte nicht, daß man seine Testosteron-Bolzen ernst nahm. Er war bewusst eine übersteigerte Karikatur klassischer Schwarze Serie-Figuren.

    Abgesehen davon, nur weil man ein Werk von Miller mag, ist man glaube ich nicht gezwungen jeden Scheiss von ihm zu beklatschen. Man kann seine Batman-Sachen mögen, Watchman oder Sin City und 300 dennoch für fragwürdig halten. Gibt ja bei Künstler durchaus dieses Recht, auch wenn manche “Fans” das anscheinend als Sakrileg empfinden. Ich kann Zack Snyders “Dawn of the Dead” mögen und das was ich bisher von “300″ gesehen habe, trotzdem für langweiligen Schrott halten.

    Klingt komisch. Is aber so.

  • M. Lopez

    Klar ist Kritik immer eine subjektive Meinung. Aber idealerweise sollen sich natürlich aus deren Vielfalt verschiedene Perspektiven bieten. Das ist natürlich nicht einfach wenn die unterschiedlichen Lager nur stur ihre Sichtweisen und Klischees vertreten.

    Aber jetzt zum Film:
    Wie Pumukel schon sagt, 300 ist eine Comic – Adaptipon. Man kann hier keine tief literrisch verankerten Moralvorstellungen erwarten. Die Erzählstruktur ist klar. Außerdem zeichnen sich Frank Millers Comics besonders durch sein Gespür für Perspektiven und Kontraste aus. Die visuelle Umsetztung dieser Eigenart ist in der Verfilmung wirklich gelungen.
    Also bei aller Kritik darf man das Genre und die Erwartungshaltungen die damit verbunden sind nicht vergessen.
    Somit ist meiner Meinung nach 300 echt gelungen und sehenswert!

  • Pumuckl

    “Letzterer sah optisch wesentlich interessanter aus” ist halt Meinungssache. Ich fand “Sin City” auch nett gemacht, aber so völlig umgehauen hatte mich das nun auch wieder nicht. Ich hab normalerweise jede Menge gegen Filter-/Renderorgien (“Underworld Evolution”, *schauder*), aber hier funktionierts für mich.

    Ich schätze, es ist wirklich der Humor, der SC für die Leute erträglich gemacht hat, die sonst arges Bauchgrimmen bei Miller-Stories bekommen würden. Hmm, kannst du jetzt rein-interpretieren was du willst, aber ich mag solche Riefenstahl-Style-Epen manchmal sehr gerne gucken obwohl ich Kriegsdienst-Verweigerer bin =) Ich guck ja auch gern “Dirty Harry”…

    P.S.: “Watchmen” ist von Alan Moore und Dave Gibbons, nicht von Miller.

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Batzman

    da hasch recht :)

    Sowohl was den Humor als auch was Watchman angeht.

    Machismo finde ich in der Tat nur als Karikatur erträglich, die nicht ernst genommen, ja comic-mässig überzeichnet und damit auch demontiert wird. Batman ist letztlich ein Soziopath und niemand der wirklich zur Identifikation einlädt, ähnliches gilt für die Sin City-Figuren.

    Da “300″ sich aber an “wahren” Ereignissen abarbeitet und das ganze völlig ironiefrei tut, hat es wirklich eine andere Qualität als die anderen Sachen die ich von Miller kenne. Ich gehe durchaus davon aus, daß genug Leute sich das angucken und es tatsächlich cool und bewundernswert finden, wenn die barbusigen Kerle in “300″ dort ihren “Wir sind geboren um zu kämpfen und gehen gefolgsam in den Tod”-Sermon abliefern.

    Und man muß keine Überinterpretation betreiben um sich vorzustellen, wie grade US-Zuschauer wohl den “Kampf gegen die bösen Perser” heute aufnehmen werden. Es mag von Miller damals nicht so intendiert worden sein (immerhin ist er ja nicht grade Fan der Bush-Administration wie man in Dark Knight 2 merkt), aber dennoch drängt sich auch dem Durchschnittsgucker sicher die Paralelle zum derzeitigen Kampf der Kulturen auf und dürfte mit sicherheit nicht grade dazu führen, die Leute gegen den Krieg einzunehmen. Das Maß an Abstraktion das es braucht um das ganze nur als “Märchen aus alter Zeit” wahrzunehmen, dürfte grade bei der avisierten Zielgruppe der knapp postpubertären Jungs wohl kaum so ausgeprägt sein.
    Sin City schreckte alleine schon durch seine harsche Schwarz/Weiß-Optik wesentlich mehr Leute ab, die sowas ja immer gleich mit Arthaus gleichsetzen und hatte daher ein doch etwas älteres Publikum als man es für den glossigen Renderlook von “300″ erwarten darf.

  • Pumuckl

    Ich bin mal gespannt was die FSK daraus machen wird. In den Staaten hat das Teil ja wohl ein “R” bekommen.

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Dog Hollywood

    Ich schätze auf FSK 12 heruntergeschnitten. Vielleicht FSK 16…, mal sehen.

  • http://www.myblog.de/cineasten Moviesteve

    @Batzman: Ok, das mit der “Objektivität” trifft den Kern in der Tat nicht so wirklich.
    Ich meinte viel mehr eine Art “objektive Distanz” zum Gewäsch (ob nun positiv oder negativ), das vorab durch den Blätterwald rauscht.

    Gut argumentierte Kritiken, die meiner Meinung widersprechen, lese ich sogar sehr gern.

    Genauso wie ich Filme, die meinen Ansichten und Moralvorstellungen nicht wirklich entsprechen, mitunter trotzdem etwas abgewinnen kann, wenn sie handwerklich gut gemacht sind und ihren Standpunkt nachvollziehbar rüberbringen.
    So etwas erhoffe ich eigentlich von “300″.

    PS: Kann es sein, daß das Kommentar-Abo nicht funktioniert? Oder liegt’s an mir?

  • Andreas Zeller

    Also ich habe den Film gestern gesehen und meine Pubertät ist auch schon länger vorbei. Dennoch verwundert mich so manches hier gesagte: ich fand den Film sehr amüsant und die Inszenierung beeindruckend. Wie man den Film allerdings so ernst nehmen kann, darin Parallelen zum “derzeitigen Kampf der Kulturen” zu entdecken, ist mir schleierhaft. Übrigens ist es imho genauso abwegig eine Analogie zur Situation im Irak zu ziehen, nur weil die Griechen sich gegen eine Übermacht von persischen Aggressoren tapfer entgegenstellen.

    Erzählt wird eine 2500 Jahre alte Geschichte, die in einer Comic-Serien nacherzählt wurde. Und als Comic-Verfilmung funktioniert 300 wunderbar. Ich habe noch nie einen Film gesehen, der durch seine visuelle Gestaltung so sehr an ein Comic erinnert hat, auch nicht Sin City. Ausserdem ist dieser Film ist in jedem Detail, jedem Bild und jedem Ton auf grösst möglichen Effekt hin inszeniert. Das kann man mögen oder nicht. Ich fand die Konsequenz beeindruckend. Das die Figuren, genauso abstrakt sind ist imho evident. An dieser Stelle Charakter wie aus einem Fassbinder-Film zu erwarten ist Unsinn.

    Eine Kritik wie in dem verlinkten Morgenpost-Artikel finde ich etwas merkwürdig, da hier eine Auseinandersetzung mit der geopolitischen Gegenwart erwartet wird, die imho nicht zu erwarten ist. Das ist genauso abwegig, wie sich Hulk von Ang Lee anzusehen und ein Popkornkino-Spektakel zu erwarten.

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Batzman

    Nein es wird keine Auseinandersetzung erwartet, aber gewisse Parallelen drängen sich einfach auf. Guck dich in Foren um und ließ wie die Leute drüber schreiben, da haben auch die blödesten mitbekommen, daß es da im Film ja um ein westliches “modernes” Heer geht, daß sich als Minderheit den bösen Persern gegenüberstellt und siegreich ist, weil es hart ist und keine Gnade gegen sich selbst zeigt. Hm, welche heutigen Länder gehörten nochmal zu Persien?

    Genau.

    Da muß man nix reininterpretieren, diese Anwendbarkeit auf die heutige Zeit ist einfach gegeben. Wäre der Film vor Bush und 9/11 gedreht worden, würd man ihn anders rezipieren, aber er ist eben heute gedreht und das wissen auch die Macher…

    Und Ange Lees Hulk halte ich trotz brillianter optischer Ideen insgesamt für eine Gurke, was nicht zuletzt an den lausigen Tricks liegt, aber auch an der unausgegorenen Story die zwischen Konsolenspiel-Action und Drama kein vernünftiges Gleichgewicht findet.

  • http://www.myblog.de/cineasten Moviesteve

    Nö. :-P

    “Hulk” von Ang Lee setzt die Comicvorlage hervorragend um. Meiner Meinung nach sogar weitaus besser als der Power-Rangers-Klon, den Raimi unter dem Namen “Spider-Man” angeboten hat.
    Darum mußte “Hulk” zwangsläufig beim comickultur-uninteressierten Mainstreampublikum weniger erfolgreich sein (um nicht das böse F-Wort zu benutzen).

    Das schreibe ich ohne jede Verbitterung. Es war klar, daß der Film nicht den Massengeschmack treffen würde (das haben “Der Eissturm” oder “Brokeback Mountain” auch nicht). Aber wenn man quasi-literatur/filmwissenschaftlich Hulk-Comics mit dem Film vergleicht, paßt es einfach einwandfrei.

    Und ich persönlich mochte auch die Effekte. :-)

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Batzman

    Das Hochzeitsbankett und Eissturm mag ich, Brokeback Mountain fand ich unsäglich und der Hulk hat mich lediglich in der Umsetzung des Panel-Konzeptes beeindruckt, sobald die Schauspieler der Computerspielfigur weichen mussten wurd der Film zu grandiosem Trash, der auch alle weiteren dramatischen Momente runtergezogen hat.
    Ganz ehrlich fand ich die olle TV-Serie spannender und emotional glaubwürdiger, als dieses CGI-Ungetüm das so gar nichts von einem lebenden Wesen hatte.

    Zudem find ich, daß Stan Lees Fähigkeiten grad als Dialogschreiber auch überschätzt werden. Gemessen an seiner Zeit ist er sicherlich ein Pioniert gewesen, aber ich kann mir kein en Superheldencomic aus den 60ern durchlesen ohne Bauchweh zu kriegen, bei den Stories und Dialogen…

  • http://www.myblog.de/cineasten Moviesteve

    Bei Stan Lee hast Du womöglich Recht. War aber einfach ne andere Zeit, weshalb man da schwer drüber urteilen kann. (Wieder mal Todschlagargument. ;-))

    Den CGI-Grünen fand ich eigentlich recht glaubwürdig. Vor allem in der “Absturz-Szene” leidet man doch schon mit ihm. Ich finde auch, daß die Persönlichkeit von Eric Bana, der seine Sache sehr gut macht, irgendwie im Computer-Koloss nachhallt.
    Lou Ferigno hingegen war ja wohl einfach nur ein Witz. Da waren ja sämtliche Bösewichte aus der alten Batman-Serie bedrohlicher.

    Aber bei solchen Standbild-Fantasiewesen ist eine filmische/bewegte Umsetzung zu aller Zufriedenheit wohl nie möglich.

  • Chris

    Irgendwie wird mir hier zu sehr der Eindruck vermittelt, man müsse nur die Rendermaschine anschmeissen, und schon ist der CGI-Schinken fertig. Jeder der sich mit digitaler Graphik auseinandersetzt weiss, dass die Bildwelten, ihre Homogenität und alles, was dazugehört Ergebnis eines intensiven kreativen Arbeitsprozesses ist. Die inhaltliche Kritik kann ich durchaus nachvollziehen, aber deswegen muss nicht gleich der ganze Film schlecht sein.

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Batzman

    Vielleicht liegt es auch am Konzept des HULK selbst – eine Figur die nur dumm rumholzt und ihr Alter Ego ständig ich die Kacke reitet, ist nunmal nicht grad das Gelbe vom Ei. Bei der TV-Serie hatte man das erkannt und setzte stattdessen auf die menschliche Seite und den Fokus auf Banner, alias Bill Bixby. Denn immer wenn der Hulk auftauchte war er eben eine Witzfigur die alles zerdeppert, deswegen hat man seine Auftritte auch möglichst kurz gehalten.

    Bei Ang Lee sieht man den großen dummen Grünen viel zu oft, er bekommt eine Screentime, die der Figur nicht angemessen ist, da sie keinerlei inhaltliche Tiefe oder emotionale Bandbreite hat. Und wenn ich bedenke, das zur selben Zeit Gollum entstand, dann erschreckt es mich was die Renderbeamten von ILM da für eine trashig aussehende Knallcharge hingelegt haben. Der X-Men-Weg die Figuren ans Medium anzupassen anstatt den Look 1:1 zu übernehmen, wäre wohl auch für den Hulk besser gewesen…

  • Andreas Zeller

    @27
    Sicher, Du hast recht, dass der Film heute gedreht wurde. Und Du hast sicherlich auch recht, dass sich viele Menschen in erster Linie über die Gewalt und das simple “gut vs. böse”-Schema freuen werden. Aber ist das wirklich ein Grund diesen Film zu verdammen? Das würde doch bedeuten, dass man Filme nicht mehr machen kann, die auch von simpel gestickten Menschen nur oberflächlich reflektiert werden. Das würde auch bedeuten, dass man bestimmte Filme in bestimmten Zeiten nicht mehr machen kann.

    Das halte ich grundsätzlich für falsch. Man kann nicht alles unterdrücken oder weglassen, was von einigen evtl. falsch verstanden werden könnte. Das gilt für Filme, wie Computerspiele oder, damals, Comics und Rock’n'Roll.

    Inhaltlich ist 300 sicherlich kein Meisterwerk, das habe ich auch nicht behauptet. Ich sehe ihn aber als ästhetisch sehr gelungene und konsequente Comic-Verfilmung. Gerade weil, wie geschrieben, jedes Detail auf die Spitze getrieben ist: die Slowmo ist extrem, die Körper sind klar definiert, die Bilder gehen ins ikonographische die Gewalt ist überstelisiert.

    Schon alleine wegen seiner unnatürlichen Ästhetik enthebt sich der Film imho einer zeitgenössischen Rezeption. Aber ich wiederhole mich.

  • http://yetused.blogger.de Yetused

    Wow. In amerikanischen Blogs versucht man jetzt die Sache umzudrehen. Dort behauptet man:

    “UPDATE :: You’ll be pleased to know that 300 received a standing ovation in the sold out Berlinale Palast last night. The screening was interrupted again and again by spontaneous applause and cheers from the 1700 strong audience. Said director Zack Snyder: “It was awesome to be at the Berlin Film Festival World Premiere and experience the amazing reaction.””

    Hervorhebung von mir.

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Batzman

    Naja es ist nicht falsch so etwas zu schreiben, denn in der Tat lief es der Premierenvorführung vor Promi / Fanpublikum so wie beschrieben. Was sie unterschlagen ist, daß die Kritikervorstellung eben ein Disaster war und dort gebuht wurde und die Leute massenweise früher gingen…

  • http://www.dramatick.de/blog DraMaticK

    WN: In the film, a tiny bunch of European freedom fighters hold off a huge army of Iranian slaves. Everyone is sure to be translating this into contemporary politics.

    Snyder: Someone asked me, “Is George Bush Leonidas or Xerxes?” I said, “That’s an awesome question.” The fact they asked tells me that this movie can mean one thing to one person and something totally different to another. I clearly didn’t mean either. I was just trying to get Frank’s book made into a movie.

    That kind of debate is unavoidable right now. I don’t live in a cave, but on the other hand, the film’s about a 2,000-year-old conflict. People will say, “You made this because we are going to war with Iran.” I’ll say, “We are? Not if I have anything to do with it.”

    wired.com/news/culture/0,72775...

  • Arminius

    Nun, ich habe den Film noch nicht gesehen und dennoch kann ich hier ein paar Richtigstellungen anbringen. Die Story in 300 wird hier immer wieder mit der “aktuellen geopolitischen Lage” verglichen und als Bush-Amerikapatriotismus-Propaganda-weissichnichtwas verschriehen. Das Argument ist schwach. Es ist ja eine Verfilmung eines Comics und so wie man an anderen Orten gelesen hat, lehnt sich diese wirklich sehr stark in Sachen Inhalt und Form an der Vorlage an. Nun gut: Der Comic ist meines Wissens gut 10 Jahre alt. Damals gab es noch keinen Bush jun. noch braute sich ein Irak- oder gar Irankrieg zusammen. Auch Snyder plant den Film, nach eigenen Angaben seit 6 Jahren. Der vergleich mit der heutigen weltpolitischen Situation ist an den Haaren herbeigezogen und riecht für mich nach Verschwörungstheorieparanoia. Falls es einen Zusammenhang gibt, ist dies eher Zufall. Und immerhin bassiert wenigstens der Rahmen auf historischen Ereignissen und 480 v.Chr. hiess es halt einfach Griechen gegen Perser!
    Diejenigen, welche sich über das heroisieren des Abendlandes gegenüber dem Osten aufregen und gleichzeitig einen penetranten, undifferenzierten Antiamerikanismus versprühen, sollen sich mal auf ihre kulturelle Toleranz und unvoreingenommenheit hinterfragen. Natürlich gibt es einige Gründe, warum man die Amerikanische Politik nicht mag. Natürlich gibt es einige Amerikaner, grössere oder kleinere Bevölkerungsgruppen, die eine “spezielle” Weltsicht haben. Aber all das gibt es hier in Europa auch.

  • arstan

    ich habe den film in der weltpremiere gesehen und war am nächsten tag heilfroh die kritiken zu lesen, weil sie mir das gefühl gaben nicht allein auf der welt diesen film für ein unerträgliches reaktionäres, ja tatsächlich in teilen faschistoides machwerk zu halten.
    ja, die zuschauer bei der weltpremiere haben geklatscht. mir hat der applaus auch wirklich weh getan, aber ich habe auch schon begeisterteres publikum auf der berlinale erlebt. es haben sich mitnichten 1700 leute jubelnd von ihren sitzen erhoben und buhrufe gab es auch bei der weltpremiere.

    ich finde die prallele zur gegenwart übrigens nicht notwendig, um in dem film die beschriebenen tendenzen zu sehen.

    es kämpft schlicht das 300 mann starke heer von 1a-gebauten angehörigen der superkämpferrasse (ziemlich genau so wird das auch vermittelt) gegen die flut der asiaten, farbigen, transsexuellen, entstellten und perversen. einige hermaphroditen im hintergrund von xerxes hofstaat dürfen dabei nicht fehlen und der einzige verräter am spartanischen männerbündnis ist dann auch der einzige behinderte spartaner, ein homunkulus, der entgegen dem brauchtum nicht bereits als säugling aussortiert und von der klippe geworfen wurde.
    (okay, es gibt natürlich auch noch den korrupten “politiker”, der seinen eigenen leuten in den Rücken fällt, aber der hat auch nicht so ne tolle figur wie die anderen ;-))

    die spartaner zeichnen sich nicht nur dadurch aus, dass sie einander wie echte soldaten beistehen, miteinander scherzen im angesicht der vernichtung und umeinander trauern, sondern zugleich durch ihre brachiale und extrem lustvolle gewalt (anmerkung: ich bin jemand, der sich bei braveheart darüber gefreut hat, dass endlich jemand mal ordentliche schlachtszenen inszeniert hat) und vor allem durch ein ständiges brüllen (ja wirklich brüllen) von begriffen wie “freedom, liberty, justice, law and order, reason (vernunft!) etc. für die sie da kämpfen. wenn man für solche werte und gegen “tyranny, barbary und anarchy” kämpft, dann darf man halt brüllend (da isses wieder) die feindlichen gesandten vernichten und die leichen der besiegten als “mörtel” beim mauerbau verwenden.

    da bleibt einfach nicht viel interpretationsspielraum offen.

    ich weiß – auch aus meinem persönlichen umfeld – nicht jeder sieht das so. aber ich bin ehrlich erstaunt, wie man darüber hinwegsehen kann, so unglaublich dick und zugleich ohne jede ironieist das ganze aufgetragen.

    der film hat optisch einiges zu bieten und wer auf schön choreographierte kämpfe steht kommt durchaus auf seine kosten. aber über die sowohl visuell als auch verbal extrem eindeutige botschaft hinwegsehen zu können fand ich schlicht nicht möglich und es erschien mir auch heuchlerisch, wenn snyder so tut, als wäre das alles herbeiinterpretiert und nicht so gemeint. denn dass sich weder miller noch snyder überhaupt etwas bei dieser story gedacht haben kann und will ich bei dieser eindeutigkeit nicht glauben.

    aber – und damit beziehe ich mich auf den obenstehenden artikel – am meisten nerven mich diese fans, die einem in vielen foren begegnen und die, ohne den film überhaupt schon gesehen zu haben, mit aller gewalt abwehrschlachten gegen kritik an diesem film oder am besten gleich gegen den kritiker sebst schlagen. ich hab sie erlebt :-).

  • Pingback: Schwule, Heten und andere Katastrophen » Being a warrior class, the Spartans almost certainly did practice homosexuality

  • Binding

    Nachdem ich “300″ jetzt in der Pressevorführung gesehen habe, muss ich leider auch fragen, ob der Geist von Leni Riefenstahl in Zack Snyder gefahren ist. Die Übermenschen-Ästhetisiererin hätte es jedenfalls nicht besser hinkriegen können, würde sie heutzutage noch Spielfilme drehen!

    Am schlimmsten ist aber eigentlich, dass die Perser als diabolisch-barbarische Unholde dargestellt werden – das ist leider so was von platt in diesen unseren Zeiten.

    Ich muss zugeben, dass ich bei dem Gemetzel (ich tippe auf FSK 16) auch meinen Spaß hatte. Aber ein sich absolut ernst nehmender Militär-Erbauungsfilm mit einer solchen ideologischen Ausrichtung ist nun leider völlig daneben! Er transportiert eindeutig faschistoides Gedankengut, keine Frage. Für mich ist “Flags of Our Fathers” das passende positive Gegenstück dazu, denn Eastwoods Film funktioniert sowohl als Kriegsaction-Spektakel als auch als superkritischer Antikriegsfilm – vor allem hinsichtlich eines völlig überkommenen und lächerlichen Heldenmythos von Soldaten.

    So, und am Schluss noch was zu den Bildern: Toll anzusehen, ja. Aber im Hinblick auf die ästhetische Linie “Gladiator” – “Königreich der Himmel” – “Sin City” kommt leider nichts Neues bei rum. Sorry, eine ziemliche Enttäuschung auf ganzer Linie! Höchstens als gute Umsetzung des Comics punktet der Film. Aber das allein reicht halt nicht.

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