Teddy-Awards 2007

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Freitag abend war es mal wieder so weit. Die Teddy-Awards suchten neue Preisträger.

Als einzig großes Festival berücksichtigt die Berlinale seit 1992 Jahren auch die Filme des Queer-Cinema gesondert, die sonst hauptsächlich auf eigenen Festivals präsent sind und dort eher das spezifische Zielpublikum der Schwuppen und Lesben erreichen. Auch wenn diese naturgemäß auch auf der Teddy-Verleihung die Mehrheit der Gäste darstellen, erreicht der Preis durch die Einbindung in die Berlinale ein wesentlich größeres Publikum.

Die Verleihungs-Gala fand in diesem Jahr in fast übertrieben großen Rahmen, im Hangar2, einer Riesenhalle am Flughafen Berlin-Tempelhof, statt und wollte anscheinend dem Bambi und Deutschen Filmpreis in nichts nachstehen. Promis von Barbara Schöneberger, Georg Uecker, Judy Winter, Javier Bardem, Laurent Daniels, Marianne Rosenberg und dem omnipräsenten Klaus Wowereit gaben sich die Ehre und erlebten vor fast ausverkauftem Haus eine große Gala, mit leichten Abzügen in der technischen B-Note.

Mangels abgestuften Sitzen oder einer Übertragung auf Großbildleinwand konnte die Mehrzahl der Zuschauer wohl oft nur erahnen, was auf der weit entfernten Riesenbühne abging und viele der Einspieler waren auch nur mehr schlecht als Recht zu erkennen, da Bühnenscheinwerfer in die Leinwand hineinstrahlten. Da dann vielleicht nächstes mal doch die Hetero-Techniker ranlassen, denn bisweilen lag mir schon der Gedanke “Tucken und Technik” auf der Zunge. Oder vielleicht waren auch ein paar extrem homophobe Heten bei der technischen Planung dabei, wer weiß.

Inhaltlich konnte die Veranstaltung jedoch überzeugen, setzen die Macher doch bewusst und dem üblichen Gala-Getue zum Trotz auf politische Aussagen und Forderungen und scheuten dabei bewusst auch vor sperrigen Themen nicht zurück.

Festival-Vater Wieland Speck, der auch die Sektion Panorama der Berlinale betreut, erinnerte in der von Gustav Hofer und Annette Gerlach zweisprachig moderierten Verleihung noch einmal an die Anfänge des Awards, aber auch daran, daß trotz einiger Erfolge immer noch viel zu tun bleibt, für die Emanzipation von Schwulen, Lesben, TransIdenten und des Queer-Cinemal.

Konsequent verweigerte die international besetzte Jury die Vergabe des Kurzfilmpreises, da es dieses Jahr kein entsprechender Film ins Berlinaleprogramm geschafft hatte, lobend erwähnt wurden dafür die Spots des Projekts Maneo, das sich der Bekämpfung homophober Gewalt verschrieben hat.

Besonderes Augenmerk, lag neben einem sehenswerten und wichtigen Spotlight zum fast vergessenen Thema AIDS (Bestes Zitat des Abends: “Bareback-Problem? Die Schwulen haben halt nur für das einen Namen was die Heten schon immer gemacht haben: Ohne Gummi vögeln!”) auch auf die Brennpunkte der Homophobie in anderen Ländern, besonder hervorgehoben der Iran, Polen und Russland. Volker Beck sprach sich nochmal eindringlich dafür aus, auch auf politischer Ebene nicht wegzuschauen wenn EU-Länder und Partnerländer die Menschenrechte missachten. Er selbst hatte beim nicht genehmigten CSD in Moskau letztes Jahr am eigenen Leib erfahren müssen, wie wenig von Staatsseite dort getan wird um Schwule und Lesben vor prügelndem Pöbel zu schützen. Gleichzeitig verwies er zurecht darauf, daß man zuerst auch immer ins eigene Land schauen müsste, in dem längst nicht alles so problemlos und rosig aussieht, wie man bisweilen den Eindruck haben könnte.

Doch neben den gewichtigen und erfreulich unverkitscht vorgebrachten politischen Inhalten, hatte man auch die Unterhaltung nicht vergessen. Die “O-Tonpiraten” eröffneten die Veranstaltung mit einem Sketch, Lucy van Org machte mit zwei eingängigen Rocksongs-Druck (was vom eher braven Publikum wg. der S/M-Optik der Nummer etwas befremdet zur Kenntnis genommen wurde), die ehemalige Fassbinder-Gattin Ingrid Caven huldigte ihrem Ex und dem verstorbenen Filmkomponisten Peer Raben und Helmut Berger, der für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde, unterhielt auf gewohnt konfuse Weise das Publikum und die ehrfürchtig Abstand haltenden Moderatoren.

Filmikone Berger, Lebenspartner und Lieblingsstar von Visconti neigt ja zu überraschungen und hatte mit seinen vernuschelten Ausführunge, irgendwo zwischen Falco und Professor Hastig zumindest einen großen Unterhaltungswert. Letztlich freute er sich aber wohl doch über die Ehrung, die, wie er sagte zu seiner Hochzeit Anfang der 70er noch nicht vorstellbar gewesen sei.

Bei all dem, und das muß auch angemerkt werden, hatte die Veranstaltung wieder einmal mehr von einem engagierten und professionell gemachten Gay-Pride-Event, da die eigentlichen Filme doch etwas in den Hintergrund rückten, was natürlich auch daran liegt, das nur in wenigen Kategorien Preise verliehen werden. Ein wenig mehr Fokus und Überblick über queere Filme weltweit, evtl auch unterstützt durch mehr Einspieler würden dem ganzen durchaus gut tun, bei aller Anerkennung der insgesamt gelungenen Veranstaltung. Das sei angemerkt, ohne die Wichtigkeit einer Institution wie des Teddys schmälern zu wollen.

Hier die Gewinner mit der jeweiligen Begründung der Jury:

Der TEDDY für den besten Spielfilm

CI-QUING
Spider Lilies
von Zero Chou

Prämiert für seine symbolische und vielschichtige Reflektion von Liebe, Verlust und das Wiedererleben von Gefühlen durch Erinnerung.

Besondere Erwähnung
für kinematographische Qualität

LA LEÓN

von Santiago Otheguy

In Anerkennung seiner erhabenen Kinematographie bei der Darstellung einer isolierten Existenz in Argentinien.

Der TEDDY für den besten Dokumentarfilm

WALK INTO THE SEA: DANNY WILLIAMS AND THE WARHOL FACTORY

von Esther B. Robinson

Die Rekonstruktion eines an eine zügellose Pop-Art-Bewegung verlorenen Künstlers, dessen Leben und Tod geheimnisvoll verschleiert sind.

DER TEDDY BALLOT VOLKSWAGEN Zuschauerpreis

NOTES ON A SCANDAL
Tagebuch eines Skandals
von Richard Eyre

DER EHRENPREIS ging wie schon erwähnt an Helmut Berger.

Wer sich die Höhepunkte im TV anschauen mag: Arte zeigt morgen ab 14:50 einen Zusammenschnitt (bei dem man garantiert besser sieht, als im Publikum).

Mehr Informationen gibts auf der offiziellen Seite der Teddys.

Fotos und Impressionen von der Verleihung und der sagenumwobenen Teddy-Party, die ja unter der Hand als beste Berlinale-Party bezeichnet wird, gibt es hier zusehen.

In : News, Thema

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

8 Comments

  1. pascal

    die haben *vier* preise vergeben?! wenn ich mir alles aussenherum dazurechne kann doch diese veranstaltung nicht länger als 20min gedauert haben, oder?

  2. Batzman

    Ähm… naja.. mit allen drumherum hat es etwas über zwei Stunden gedauert…

    Insofern die genaue Gegenveranstaltung zu den Golden Globes, die in derselben Zeit mehr als 4x soviele Preise vergeben…

  3. Dog Hollywood

    Mir ist es egal ob jemand schwul oder hetero ist, niemand sollte aufgrund sexueller Neigungen oder Herkunft oder was weiß ich, ausgegrenzt werden.
    Dennoch scheinen sich, um mal hier beim Thema zu bleiben, manche Schwule gerne auszugrenzen, was mitunter auch auf den äußeren Druck der übrigen Gesellschaft zurückgeführt werden kann.
    Ich finde solche Veranstaltungen heben das Anderssein, wenn davon gesprochen werden kann, noch mehr hervor, im Sinne von: “Wir wollen gleich behandelt werden, aber seht her, wir sind anders!”

    Ich will die Veranstaltung nicht schlecht machen oder Batzmans Beitrag kritisieren, aber letztlich verstehe ich diese Absonderung nicht, wenn der Wunsch nach Gleichberechtigung doch so groß ist. Dann sollten alle Filme, die es so gibt, auf einem großen Event zelebriert werden.

  4. dopey

    Seit wann schliessen sich Gleichberechtigung und ein Bekennen zum Anderssein aus?

  5. Renington Steele

    Gleichberechtigung und Anders sein schließen sich nicht nur nicht aus, sondern bedingen einander. Wenn niemand anders wäre (Gott bewahre!), gäbe es auch keine Gleichberechtigung. Wobei ich Gleichberechtigung irgendwie ein zu bürokratisches Wort für Akzeptanz halte.

  6. Batzman

    Sorry Dog, aber diese Idee von wegen alle Zusammen funktioniert meist eben nicht. Guck dir das Fernsehprogramm an, guck dir Filme und Serien, da kommen Schwule und Lesben wenn man ehrlich ist nur in Ausnahmefällen und eben nicht selbstverständlich vor. Solange es aber kein Repräsentation gibt, braucht es eben immer Events die für Sichtbarkeit sorgen.
    Leider wird das immer schnell als Absonderung verstanden, wobei die Veranstaltung ja ausdrücklich auch Heteros einlädt und keineswegs nur Homos erreichen will. Leider ist es so, daß die meisten Heten eben nicht sehr locker oder unverkrampft mit dem Thema umgehen.

    Für ne Hete, und das kenne ich aus dem Freundeskreis, ist es immer noch ein Riesenakt, wenn sie sich mit schwulen Dingen näher beschäftigt. Das fängt bei kleinen Dingen an, wie das zwar von einem erwartet wird in Cafes oder Discos zu gehen die Heterosexuell sind, aber sofort ein leicht panischer Gesichtsausdruck einkehrt, wenn man umgekehrt vorschlägt sie könnten ja auch mal in eine schwulesbische Lokalität mitgehen. Grad Heteromänner halten sich dann ja gern für so unwiderstehlich, das sie glauben mit dem Rücken zur Wand stehen zu müssen, auch wenn die tatsächliche Chance auch nur eines zweiten Blickes gewürdigt zu werden eher überschaubar ist. Genauso werden viele Durchschnittsheteros auch nicht zu einem schwulen Filmfest gehen, auch wenn dort manch spannender und interessanter Film läuft. Man kann sich alle möglichen Filme ansehen, man empfindet es nicht als Ausgrenzung wenn es Festivals für deutsche Filme, für Fantasy-Filme oder sonstwas gibt, aber wenn sich dem Queeren Film gewidmet wird, fühlt man sich ausgegrenzt. Irgendwie seltsam, oder?

    Grenzen die Horror- und Fantasyfilmfans sich aus, dadurch das sie zum Fantasyfilmfest gehen? Oder schauen sie einfach Filme dort, die woanders kein entsprechendes Forum bekommen?

    Klar es gibt alle Jubeljahre mal Filme mit homosexuellen Hauptfiguren, die den Mainstream erreichen – aber meist wird das ganze dann von vornherein so in Watte gepackt, daß sich niemand mehr dran stösst. Und natürlich muß Schwulsein dann auch Thema sein, wie in den unsäglichen Filmen “Philadelphia” oder “Brokeback Mountain”. Aber abseits solcher Werke will der Durchschnittsgucker keine Schwuppen oder Lesben in Filmen sehen, außer vielleicht als lustige Nebenrolle. Selbst wenn die Homosexualität nichtmal das Hauptthema des Films ist wird es so wahrgenommen und überschattet oft alles andere. Bei einer witzigen typischen Liebeskomödie würde niemand auf die idee kommen und sagen: Oh ein Film der sich um Heterosexualität dreht, wird dasselbe mit Homo-Figuren erzählt wirds zum Schwulenfilm, den sich keien Heteromann freiwillig anguckt, weil er sich damit unwohl fühlt und argumentiert: Das wäre ja nicht so sein Thema. Selbst ein schwuler Actionheld, der zu 90% das macht was Bruce Willis sonst macht, würde wohl damit zu kämpfen haben, daß die Mainstreamgucker den Film als Schwulenfilm wahrnehmen und nicht als Actionfilm.

    Bevor man von der Eigenausgrenzung der Schwuppen und Lesben redet, sollte man sich erstmal klarmachen, daß Homos die Hetero-Szene ganz selbstverständlich mitnutzen, weil es für sie normal ist. Da gibts keine Frage ob man Serien guckt, Filme sieht, Bücher liest, Veranstaltungen aufsucht in denen in erster Linie Heterosexualität zelebriert wird, in der Heterogebalze und Partnersuchspielchen zum Alltag gehören, genau wie beständige Referenzen auf die heterosexuelle Veranlagung (“Ich war neulich mit meiner Freundin im Kino…”) Genau das fehlt umgekehrt völlig. Da ist es eben immer Thema, da ist es was das einen nicht betrifft mit dem man nichts anfangen kann. Filmfans die sich rührend in die emotionale Situation ausserirdischer Rassen versetzen können, fühlen sich oft trotzdem unwohl würden sie einen “Schwuppenfilm” gucken und glauben das wäre ja ein Spezialbereich, der sich ja ausschließlich an die Homozielgruppe wende – derweil sie natürlich davon ausgehen, das sich Filme mit heteros immer an alle wenden.

    Solange sich da nichts ändert, solange dieses Denken vorherrscht und eben nicht selbstverständlich (und auch ohne gleich groß ein Thema daraus zu machen, aber gleichzeitig ebenso deutlich wie bei jeder heterofigur) Schwule und Lesben in den Medien und im Alltag vorkommen, solange braucht es Veranstaltungen wie den Teddy, den CSD und viele andere Queere Events.

  7. diaet

    @Dog: Deine Ansichten ehren Dich (ohne Schleimerei, sondern ganz ernsthaft!) – leider gehen sie tatsächlich so sehr an der Realität vorbei, wie Batz das hier ausführlich…äh…ausführt.

    Versuch mal einfach den Standpunktwechsel: für “uns” ist es vollkommen normal, den Lebenswandel inklusive Romanzen und Libido von “euch” mitzubekommen. Trotzdem bekommt man selbst bei einem wahnsinnig offenen und toleranten Freundeskreis öfter Fragen zu hören, die mit den Worten “Wie ist das denn bei euch Schwulen…” anfangen.

    Was ich einerseits super finde – weil es sie überhaupt interessiert, weil sie es als Teil Ihres Alltags wahrnehmen wollen. Aber was mir andererseits auch zeigt, wie weit es von normal gelebtem noch entfernt ist. Solange muss man wohl noch etwas lauter darüber reden. (Auch wenn es mir ebenfalls lieber ist, wenn ich meinen Zukünftigen in einer Pizzabude um die Ecke kennenlernen kann.)

  8. rob

    Hallo,

    das war doch wieder mal ein Knaller oder? Besonder gut “Gustav Hofer” – der sah doch wieder umwerfend aus!! Ob der schwul ist??

    Gruß rob

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    … Damn.
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    fozmeadows:

    imsirius:

    Your character falls into the “friend zone” - Is this primarily a man’s problem, or are women put in the friend zone as well? x

    DANIEL RADCLIFFE FOR ALL THE AWARDS

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