„Er ist ein Monster.“
Originaltitel: Hannibal Rising
Herstellungsland: USA 2007
Regie: Peter Webber
Darsteller: Gaspard Ulliel, Rhys Ifans, Li Gong, Dominic West





So ein Hannibal hat’s nicht leicht. Als Kind muss er erst zuschauen, wie seine Eltern bei einem Fliegerangriff getötet werden, dann gerät er mit seiner Schwester auch noch in die Fänge des SS-Spezis Grutas, der Schwesterlein dann auch noch wegen allgemeiner Hungersnot und harten Winters zusammen mit seinen Kameraden verspeist. Nein, das ist nicht nett. Im Waisenhaus, das einmal das Schloss seiner Eltern war („Castle Lecter“), fristet er 8 Jahre lang ein eher stummes Leben, nur nachts, da hört man ihn schreien in seinen Träumen. Deshalb darf er die eine oder andere Nacht in einer Einzelzelle verbringen.
Schließlich kann Hannilein nach Frankreich fliehen und findet Unterschlupf bei seiner Tante Lady Murasaki. Beim Einkauf auf dem Wochenmarkt wird diese von einem Schlachter gedemütigt und Hannibal fasst sich ein Herz und ein Samuraischwert und enthauptet die Sau. Den Fisch, den Schlachter vorher gefangen hat, verspeist er zusammen mit seiner Tante und präsentiert ihr den Kopf des Enthaupteten, so wie man das eben macht als Samurai. Geplagt von der Erinnerung an den winterlichen Schwesternsnack vor 8 Jahren macht er sich schließlich auf die Suche nach der Bande um Grutas, bringt sie nach bester Slasher-Manier einer nach dem anderen zu Klump, wobei er von seiner Tante gedeckt und von Inspektor Popil verfolgt wird, der selbst seine Familie im Krieg verlor.
Hannibal Rising also. Was soll ich sagen zu einem Film, der ganz offensichtlich aus rein monetären Gründen entstand, nachdem The Cannibal Anthony Hopkins bekanntgab, nie wieder den Hannibal zu geben. Da hatten die Produktion ja nur die Möglichkeit, ein Prequel zum Sequel zu drehen. Man engagierte also den jungen Schauspieler Gaspard Ulliel, der derzeit auch mit Paris, je t’aime im Kino zu sehen ist, lässt Robert Harris himself ein Drehbuch zusammenschrauben und voila, schon hat man die nächste Franchise-Kuh, die man schlachten kann.
Ulliel macht seine Sache gar nicht so schlecht, wenn man vielleicht davon absieht, dass sein teuflisches Grinsen eher nach Batmans Joker aussieht, als nach Hannibal Lecter. Das war es dann aber auch schon. „Hannibal Rising“ ist niemals originell. Ach. Hannibal hatte eine schwere Kindheit? Hört, Hört. Der Film erzählt nichts neues, beziehungsweise das, was der Figur hinzugefügt wird, wirkt völlig albern und fehl am Platz. Die japanischen Anleihen sind dämlich deplatziert, Lectors Gegenspieler hat keine Dimension außer der eines Tieres, psychologische Erklärungen für die Figur Hannibal bleiben oberflächlich, wenn sie überhaupt geliefert werden. Das Drehbuch hat keinerlei Dramatik, eine Spannungskurve sucht man vergebens. Von Spannungsaufbau hat Harris scheinbar nie etwas gehört. Nach der Ermordung des Schlachters bleibt Hannibal auf dem gleichen Level diabolisch, eine Entwicklung der Figur findet nicht statt.
Wenn der Film dann aber wenigstens ordentlich splattern würde, aber nada, nix. Mehr oder weniger unoriginell bringt Hannibal seine Opfer um, vergisst dabei aber nie, sein Joker-Grinsen aufzusetzen. Das Drehbuck von Robert Harris ist schlicht doof, völlig unspannend und oberflächlich. Dass „Das Schweigen der Lämmer“ eine Klasse für sich unter den Thrillern ist, haben wir wohl eher Jonathan Demmes Inszenierkunst zu verdanken als Robert Harris Vorlage. Apropos Inszenierung: Die Bilder von Peter Webber sind anfangs sehr schick, die Szenen des Fliegerangriffs reißen durchaus mit. Leider wird die Inszenierung im Verlauf des Films immer belangloser und orientiert sich zunehmend an 08/15-Slasherstreifen. Zusammen mit der fehlenden Spannungskurve und dem oberflächlichen Drehbuch kann man nur abwinken.
Wie es im Inneren eines Massenmörders aussieht, das kann man gut in „Henry – Portrait of a Serial Killer“ oder auch „Monster“ sehen, beides Filme, die für mich sehr gut funktionieren und nicht an der Oberfläche kratzen, sondern die ganze kaputte Seele über einem ausschütten. Da kann „Hannibal Rising“ leider nie mithalten, der sich an einer billigen Rache-Story abarbeitet und dabei einfach furchtbar langweilig ist.
Hannibal the Cannibal, hoffentlich rised er nicht noch einmal.
- Renington Steele •
- Februar 19th, 2007 •
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