Hannibal Rising

10 Comments

„Er ist ein Monster.“

hanni.jpgOriginaltitel: Hannibal Rising
Herstellungsland: USA 2007
Regie: Peter Webber
Darsteller: Gaspard Ulliel, Rhys Ifans, Li Gong, Dominic West

★★☆☆☆

So ein Hannibal hat’s nicht leicht. Als Kind muss er erst zuschauen, wie seine Eltern bei einem Fliegerangriff getötet werden, dann gerät er mit seiner Schwester auch noch in die Fänge des SS-Spezis Grutas, der Schwesterlein dann auch noch wegen allgemeiner Hungersnot und harten Winters zusammen mit seinen Kameraden verspeist. Nein, das ist nicht nett. Im Waisenhaus, das einmal das Schloss seiner Eltern war („Castle Lecter“), fristet er 8 Jahre lang ein eher stummes Leben, nur nachts, da hört man ihn schreien in seinen Träumen. Deshalb darf er die eine oder andere Nacht in einer Einzelzelle verbringen.

Schließlich kann Hannilein nach Frankreich fliehen und findet Unterschlupf bei seiner Tante Lady Murasaki. Beim Einkauf auf dem Wochenmarkt wird diese von einem Schlachter gedemütigt und Hannibal fasst sich ein Herz und ein Samuraischwert und enthauptet die Sau. Den Fisch, den Schlachter vorher gefangen hat, verspeist er zusammen mit seiner Tante und präsentiert ihr den Kopf des Enthaupteten, so wie man das eben macht als Samurai. Geplagt von der Erinnerung an den winterlichen Schwesternsnack vor 8 Jahren macht er sich schließlich auf die Suche nach der Bande um Grutas, bringt sie nach bester Slasher-Manier einer nach dem anderen zu Klump, wobei er von seiner Tante gedeckt und von Inspektor Popil verfolgt wird, der selbst seine Familie im Krieg verlor.

Hannibal Rising also. Was soll ich sagen zu einem Film, der ganz offensichtlich aus rein monetären Gründen entstand, nachdem The Cannibal Anthony Hopkins bekanntgab, nie wieder den Hannibal zu geben. Da hatten die Produktion ja nur die Möglichkeit, ein Prequel zum Sequel zu drehen. Man engagierte also den jungen Schauspieler Gaspard Ulliel, der derzeit auch mit Paris, je t’aime im Kino zu sehen ist, lässt Robert Harris himself ein Drehbuch zusammenschrauben und voila, schon hat man die nächste Franchise-Kuh, die man schlachten kann.

Ulliel macht seine Sache gar nicht so schlecht, wenn man vielleicht davon absieht, dass sein teuflisches Grinsen eher nach Batmans Joker aussieht, als nach Hannibal Lecter. Das war es dann aber auch schon. „Hannibal Rising“ ist niemals originell. Ach. Hannibal hatte eine schwere Kindheit? Hört, Hört. Der Film erzählt nichts neues, beziehungsweise das, was der Figur hinzugefügt wird, wirkt völlig albern und fehl am Platz. Die japanischen Anleihen sind dämlich deplatziert, Lectors Gegenspieler hat keine Dimension außer der eines Tieres, psychologische Erklärungen für die Figur Hannibal bleiben oberflächlich, wenn sie überhaupt geliefert werden. Das Drehbuch hat keinerlei Dramatik, eine Spannungskurve sucht man vergebens. Von Spannungsaufbau hat Harris scheinbar nie etwas gehört. Nach der Ermordung des Schlachters bleibt Hannibal auf dem gleichen Level diabolisch, eine Entwicklung der Figur findet nicht statt.

Wenn der Film dann aber wenigstens ordentlich splattern würde, aber nada, nix. Mehr oder weniger unoriginell bringt Hannibal seine Opfer um, vergisst dabei aber nie, sein Joker-Grinsen aufzusetzen. Das Drehbuck von Robert Harris ist schlicht doof, völlig unspannend und oberflächlich. Dass „Das Schweigen der Lämmer“ eine Klasse für sich unter den Thrillern ist, haben wir wohl eher Jonathan Demmes Inszenierkunst zu verdanken als Robert Harris Vorlage. Apropos Inszenierung: Die Bilder von Peter Webber sind anfangs sehr schick, die Szenen des Fliegerangriffs reißen durchaus mit. Leider wird die Inszenierung im Verlauf des Films immer belangloser und orientiert sich zunehmend an 08/15-Slasherstreifen. Zusammen mit der fehlenden Spannungskurve und dem oberflächlichen Drehbuch kann man nur abwinken.

Wie es im Inneren eines Massenmörders aussieht, das kann man gut in „Henry – Portrait of a Serial Killer“ oder auch „Monster“ sehen, beides Filme, die für mich sehr gut funktionieren und nicht an der Oberfläche kratzen, sondern die ganze kaputte Seele über einem ausschütten. Da kann „Hannibal Rising“ leider nie mithalten, der sich an einer billigen Rache-Story abarbeitet und dabei einfach furchtbar langweilig ist.

Hannibal the Cannibal, hoffentlich rised er nicht noch einmal.

In : Review

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10 Comments

  1. Simon

    Schade, als bekennender Lecter-Fan hatte ich mich schon ein wenig auf den Film gefreut…

    Und: Der gute Mann heisst THOMAS Harris…

  2. Tom

    O_o
    Also der Film war sicherlich Inhaltlich nicht die Höhe. Aber das hat ja wohl keiner erwartet ?
    Ich war von dem Film recht überrascht da er von der Atmosphäre sehr überzeugte (Am anfang gabs n paar richtig schöne Bilder wie du schon sagtest und die Musik passt gut darein). Besonders wie er sein erstes Opfer am See um den Kopf erleichtert und dabei diese fröhlich Melodie pfeift kam gut rüber – ohne dieses ganze rumgesplattere was man heutzutage ständig ertragen muss; darauf ‘verzichte’ ich gerne.
    Ulliel macht das alles ziemlich gut und das er keinen Anthony Hopkins mimen kann ist verständlich(Ok dann soll mans ganz mit der Verfilmung lassen, aber darauf in der Kritik rum zu hacken …).
    Unterm Strich wie ich finde ein guter Film der keinesfalls weniger Punkte als Eragon verdient hat!

  3. Marc

    Warum sollte ich den Film denn gucken? Ich weiß doch jetzt schon, dass der Typ nicht erwischt werden wird.

    Aber die Leute sind ja auch in “Titanic” gerannt…

  4. Dog Hollywood

    Der Film war nicht schlecht, ich hab ihn gestern gesehen und daraufhin noch mal “Das Schweigen der Lämmer” im Fernsehen.

    Mir fiel auf, dass man “Hannibal Rising” einfach als eigenständigen Film betrachten muss, denn die Klasse des Klassikers mit Anthony Hopkins und Jodie Foster hätte er sicher nie erreichen können, aber wer hätte damit auch gerechnet?

    “Hannibal Rising” zieht seine Spannung aus der Vorgeschichte des späteren Massenmörders, wie er zu dem wurde, wie man ihn später in Erinnerung behalten sollte. Leider verfliegt diese Spannung schnell, wie Renington oben schon schreibt.
    “Das Schweigen der Lämmer” hingegen präsentiert sich als grandioses Psychospiel zwischen Hannibal und Clarice, wir alle kennen die Geschichte, die an Spannung und intelligenter Inszenierung kaum zu übertreffen ist.

    Wie gesagt, nüchtern betrachtet, zwei komplett unterschiedliche Filme, allein von der unterschiedlichen Erzählweise und Machart her betrachtet – mit mehr habe ich auch nicht gerechnet.

  5. lucky_Luke

    Also ich fand den Film hervorragend, insbesondere die optische Inszenierung von Peter Webber war beeindruckend.
    Der Film hat einen hohen Unterhaltungswert, einfach gut gemachtes “Popkorn-Kino”.

  6. Muhkuh

    Ja, Thomas Harris hätte nach dem zweiten aufhören sollen, und zwar nach dem zweiten BUCH: Selbst als Romane konnten “Hannibal” und “Hannibal Rising” nicht überzeugen, aber diese “Meet the killer when he was young”-Aufmachung im HR-Film … brrr. Von der Ikone des Bösen zum Psycho-Teenie – Prequels sind schon was Tolles.

  7. Joggy

    der Film war voll die Pleite

  8. Martin

    ich habe mal ne frage zu hannibal… es geht um ein filmzitat, welches ich gern samplen würde:

    “Die Menschen sagen einem nicht immer, was sie denken. Sie sorgen einfach nur dafür, dass man im Leben nicht weiter kommt.”

    In welchem Hannibalteil war das nochmal und wo ungefähr sagt er das?

  9. Arbo

    “Hannibal rising” habe ich letztes Jahr gesehen und mir gingen einige Dinge wirklich auf den Keks. Insbesondere diese Samurai-Story. Ehrlich, das hätten die sich sowas von sparen können. Mir selbst war die Vergangenheit von Hannibal vorher nicht sonderlich stark bewusst, daher beinhaltete der Film einige interessante Aspekte. Vielleicht unfreiwillig komisch: Im Kyrillischen steht “c” eigentlich für “s” … weshalb es eigentlich Hannibal Lester heißen müsste. Dann kam die Burger Lester ins Bild und ich musste an die Adams Family und einen kahlköpfigen Lester denken. ;)

    Tja, ansonsten fand ich den Film wirklich ziemlich gut. Ja, geschmälert hat das alles vor allem diese Samurai-Story. Aber vor allem der Anfang (solche Aufnahmen habe ich vorher noch nicht gesehen!) und die diabolischen “Ein Männlein steht im Walde … “-Szenen, die hatten schon etwas. Bei Ulliel musste ich anfangs auch an “the Joker” denken. Im Nachhinein denke ich jedoch, dass Ulliel der Richtige für diese Rolle war. Wirklich interessant und fast schon “tragisch”, wie sich in Rückblenden die Geschehnisse mit den Kollaborateuren vom Anfangen entblättern. Ich empfand diesen Part dann doch als ziemlich intensiv.

    Kurz: Mir hat er gefallen (würde ihm eine 3,5 geben).

  10. triefer

    unterhaltsam bis zum schluss auch wenn ich mit den anderen der meinung bin dass man diese samurai geschichte hätte lassen können.hannibals diabolisches grinsen und seine sadistische art haben mir aber gefallen allerdings waren die restlichen charaktere eher zu blass.ein netter film den man aber nicht gesehen haben muss

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    officialgaygeeks:

    That lightsaber sound lol


    Get the My Neighbor Groot shirt http://buff.ly/1EFUcA2 http://ift.tt/1BEBgm8

    11/16/14

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    pennyfornasa:

    Putting The Cost Of The ESA’s Rosetta Mission In Perspective

    "So what do we get for our €1.4bn? Rosetta is both an astounding feat of engineering (catapulting a tonne of spacecraft across millions of kilometres of space and ending up in orbit around a comet just 4 km across) and an extraordinary opportunity for science (allowing us to examine the surface of a lump of rock and ice which dates from when the Solar System formed).

    Like a lot of blue-skies science, it’s very hard to put a value on the mission. First, there are the immediate spin-offs like engineering know-how; then, the knowledge accrued, which could inform our understanding of our cosmic origins, amongst other things; and finally, the inspirational value of this audacious feat in which we can all share, including the next generation of scientists.

    Whilst those things are hard to price precisely, in common with other blue-skies scientific projects, Rosetta is cheap. At €1.4bn, developing, building, launching and learning from the mission will cost about the same as 4.2 Airbus A380s—pretty impressive when you consider that it’s an entirely bespoke robotic spacecraft, not a production airliner. On a more everyday scale, it’s cost European citizens somewhere around twenty Euro cents per person per year since the project began in 1996.

    Rosetta has already sent us some stunning images of Comet 67P/Churyumov–Gerasimenko and today’s landing will, with any luck, provide us with our first close-up glimpse of the chaotic surface of this dirty snowball. If you’re a sci-fi fan, then, you might consider the mission to have been worth its price tag just for the pictures. The total cost for the Rosetta mission is about €3.50 per person in Europe; based on the average cinema ticket price in the UK (€8.50), it has cost less than half of what it will cost for you to go to see Interstellar.”

    Via Scienceogram: http://scienceogram.org/blog/2014/11/rosetta-comet-esa-lander-cost/

    Find Out How Budget Cuts Canceled NASA’s Own Comet Landing Mission: http://www.penny4nasa.org/2014/11/11/how-budget-cuts-canceled-nasa-own-rosetta-comet-landing-mission/

    11/15/14

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    meatbicyclevevo:

    i never wanted this to end

    10/20/14

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    iambluedog:

    Life is too short to be holding on to old grudges

    10/20/14

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    10/09/14