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“Whats you’re novel about?”
“The sex-life of hobbits…”

Originaltitel: Whole New Thing
Herstellungsland: Kanada 2005
Regie: Amnon Buchbinder
Darsteller: Aaron Webber, Brian Heightonm, Rebecca Jenkins, Robert Joy

★★★★½

Whole New Thing

Emerson ist Schriftsteller und Intellektueller. Zumindest in seinem eigenen Selbstverständnis. Denn er ist auch erst 13 und der Sohn eines Späthippiepärchens, das am Rande einer kanadischen Kleinstadt wohnt und den Sohn bisher selbst unterrichtete.

Doch es stehen Veränderungen an, denn nach langer Zeit im Dienste der guten Sache und des ökologisch korrekten Lebens knirscht es im Ehegebälk der Familie und die Mutter macht sich sorgen, ob Emerson im wahren Leben bestehen kann. Mit ein wenig Überredungskunst wird der Junge an der örtlichen Schule angemeldet, daß erste Mal das sich Emerson mit Gleichaltrigen auseinandersetzen muß, die dem altklugen wie gewitzten Jungen alle unendlich primitv und langweilig vorkommen.

Das er gleich am ersten Tag Schläge kassiert und sich als “Schwuchtel” beschimpfen lassen muss, bessert seine Laune nicht wirklich. Schon bald will er die Schule schmeißen, wäre da nicht sein Englischlehrer Mr. Grant. In ihm erkennt Emerson einen verwandten Geist, jemand der ihn ernst nimmt und auf seine Initiative schonmal die plump-pädagogische Schullektüre “Snowboard Snowjob” gegen ein Shakespearestück eintauscht.

Während die Spannungen zuhause zunehmen als sich Emerson Mutter in eine Affäre verstrickt, entdeckt der Junge in den Wirrungen der Pubertät, daß er nicht wirklich auf Mädchen steht und für seinen Lehrer mehr als nur platonische Zuneigung empfindet. Grant, der sein Schwulsein nur heimlich auslebt, hat derweil mit sich selbst genug zu tun. Er leidet an der Trennung von seinem langjährigen Lebensgefährten, sucht sich anonyme Sexdates auf Klappen, fürchtet in seiner Schule geoutet zu werden und ist mit der unerwarteten Verehrung von Seiten seines 13j Schülers völlig überfordert…

Was für ein Thema für einen spekulativen Reisser. Der unschuldige Knabe und eine zwilichtige Affäre mit seinem mehr als doppelt so alten Lehrer. Schon alleine bei der Inhaltsangabe jaulten US-Zuschauer auf und überboten sich in Foren mit Vorwürfen und Befürchtungen. Ein Plädoyer für Kinderschänder wäre das, schwule Propaganda und was nicht alles.

Nichts davon stimmt natürlich, denn der Film von Amnon Buchbinder zeichnet sich vor allem dadurch aus, daß er gekonnt Erwartungen unterläuft und Klischeesituationen unerwartet auflöst.
Nicht nur, daß der Lehrer keinerlei sexuelles Interesse an seinem Schüler hat und ihn lediglich als Mensch ernst nimmt, auch ansonsten spielt der Film geschickt mit Situationen die bekannt sind, denen er aber letztlich eine realistische Wendung gibt.

Emerson ist eine glaubwürdige Figur, weil er zwar alle Merkmale eines frühreifen, hochintelligenten Teenagers besitzt, aber dennoch kein perfekter, allwissender Junge ist. Grade die Momente die ihn zu überschwenglich, zu emotional und zu irrational handeln lassen, die im krassen Kontakt zu seiner gewählten Ausdrucksweise und seinem intellektuellen Witz stehen, machen aus ihm einen lebendigen Dreizehnjährigen. Die Unaufgeregtheit und unhysterische Art und Weise mit der der Film Emersons Werben um die Zuneigung seines Lehrers zeigt, wie auch der Schock der Ablehnung und der Schmerz der Erkenntnis, das sein Lehrer in ihm nur einen Schüler sieht, heben den Film weit über alles spekulative heraus.

Es gibt dutzende Filme und Stories in denen sich pubertierende Mädchen in ihren Lehrer verknallen und fast niemand der sich darüber groß echauffieren würde. Hier gelingt es, eine ähnliche Geschichte mit einem jungen Schwulen zu erzählen, ganz ohne den Krampf üblicher Coming-Out-Stories, denn für Emerson ist es nie eine Frage ob er schwul oder hetero ist. Dazu ist er viel zu liberal und akzeptant erzogen. Er steht zu sich und beobachtet neugierig seine Welt, seine eigenen sich entwickelnden Gefühle und die Veränderungen in seiner Familie.

Buchbinder hat mehr zu erzählen, als nur ein ein Coming-Out und macht nie den Fehler die übrigen Figuren als dramaturgische Füllsel zu betrachten. Sowohl Emersons Eltern,die ihre eigene Krise zu meistern haben, als auch Lehrer Grant sind ausgearbeitete Figuren mit einem Leben jenseits ihrer Beziehung zu Ermerson. In kurzen, amüsanten wie dramatischen, wortwitzigen und anrührenden Szenen, wird hier ohne Pathos von Menschen im Übergang erzählt. Ein “Coming of Age” nicht nur für den Dreizehnjährigen, sondern auch für seine Eltern und seinen Lehrer.

Optisch eher solide, ohne jede Sperenzchen aber mit sicherem Gespür für Details, besticht “Whole New Thing” durch eine dichte Atmosphäre, sympathische, glaubwürdige Schauspieler (allen vorran der Newcomer Aaron Weber als Emerson und der entfernt an Bob Hoskins erinnernde Co-Drehbuchautor Daniel McIvor als Donald Grant) sowie eine melancholisch-heimelige Musik von David Buchbinder, die einen nachdenklich aber optimistisch durch die Geschichte begleitet und schließlich mit einem positiven Gefühl aus dem Kino entlässt.

Ein kleiner, wunderbarer Film, dem ein unbedingt ein großes Publikum zu wünschen ist.

Offizielle Website deutsch (mit Kinoliste)
Offizielle Website englisch

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1 Kommentar

  1. “Whole New Thing” ist wirklich ein superschöner Film. Ich empfehle den Film mindestens zweimal sich anzuschauen, da man beim ersten Mal durch die Untertitel doch sehr mit dem Lesen beschäftigt ist (so man das kanadische Englisch nicht versteht). Erst beim zweiten Mal offenbart sich die wunderbare schauspielerische Leistung des Newcomers Aaron Webber als Emerson und die fantastische Kameraführung. Ein großes Lob auch der Regie.

    Ich verteile das Prädikat besonders wertvoll.

    Kommentar #1 von Wolfgang am 27.09.2007 um 16:39 Uhr

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