Batzingers Oscar-Nacht & Alle Gewinner

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Batzcars

Okay diesmal hab ich mich in weiser Voraussicht nicht aufs Live-Bloggen eingelassen, weil ich fürchtete am Ende wieder allein dazuhocken.. Also statt eines Updates im Sekundentakt hier nur ein paar Eindrücke und Kommentare zum Event, nachdem ich es zur Gänze und bis zum Schluß angeschaut habe.

Red-Carpet-Show braucht keine Sau, wie meine Kollegen sehr richtig anmerken. Ich habe nie kapiert warum dieser Einmarsch der Gladiatoren wichtig sein soll, außer man möchte sich einen Eindruck von den derzeit schmierigsten US-Moderatoren verschaffen, die es regelmäßig schaffen auch nicht die kleinste interessante Information aus den Besuchern herauszukitzeln. Wer welches Kleid geschneidert hat und wer was für ein Diadem spazieren trägt, geht mir ziemlich am Dings vorbei.

Das Opening:
Statt eines witzigen aufwendig gemachten Films, gabs diesmal Talking-Heads aller Nominierten. Nett gemeint, aber leider nicht wirklich spektakulär und spätestens nach der ersten Minute sehr langweilig. Den Auftakt zu wichtigsten Filmpreisverleihung des Jahres stelle ich mir anders vor.

The Hostess: Ellen DeGeneres, liefert wie versprochen einen weitgehend Ecken- und Kantenfreien Opener und ist ansonsten sichtlich bemüht das ganze als harmlose Feelgoodveranstaltung auf Kumpelniveau zu geben. Sie ist gnadenlos sympathisch, was es schwer macht ihr wirklich böse zu sein (trotz einer überragend hässlichen Garderobe die ausschaute wie die eingelaufene Schuluniform von Harry Potter), aber sowohl die Eröffnungsnummer, als auch die folgenden Conferencen sind mir zu harmloses Geplänkel. Vom Schattenspiel des ausgelutschten Snakes on a Plane-Gags, bis zu den “Kinderquatsch-mit-Michael“-Moderationen im Publikum. Alles ist irgendwie nett, bleibt aber auf Sitcom-Niveau und wirklich zitierenswerte Highlights fallen mir, ganz im Gegensatz zur spitzen Moderation Jon Stewards im vergangenen Jahr, nicht ein. Schade eigentlich, aber wenn schon eine Hostess, dann doch lieber Whoopie.

Die Präsentation: Das Bühnenbild war gewöhnungsbedürftig und schien mit übergoßen Requisiten alter Gameshows bestückt zu sein, während das Screendesign den zweifelhaften Versuch unternahm hippe MTV-Movie-Awards-Ästhetik zu erhaschen. Nicht ganz ausgegoren. Warum bei fast allen Nominiertenfilmchen dasselbe Dirty-Harry-Zitat erschien, wissen wohl auch nur die Grafiker.

Die Musik: Das Orchester unter Leitung von William Ross gab diesmal eine leise Vorwarnung, wenn die Zeit knapp wurde und ließ den Gewinnern eine Chance zum Schluß zu kommen, anstatt wie in vorherigen Jahren brachial mit voller Wucht loszubrettern. Ein feiner Zug, da sich die meisten eh schon knapp hielten und ich mit wenigen Ausnahmen allen Gewinnern den Preis auch gönne. Langweilig wie in den letzten Jahren waren wieder einmal die Musikstücke. Der sehr geschätzte Randy Newman spielte dasselbe Stück das er immer für Pixar-Filme komponiert, Mellissa Ethridge sang gegen das Ozonloch an und der Rest war glaube ich Dreamgirls. Alles musikalische Banalitäten aus der Kategorie gehört und vergessen.
Ennio Morricone, ebenso oller wie genialer Filmmusikhobel, wurde mit einer Performance von Celine Dion gestraft, obwohl man ihn doch eigentlich ehren wollte und bedankte sich hinterher wortreich auf italienisch, hilfreich übersetzt von Old Man Eastwood, dem man auch seine Versprecher gerne verzieh.
Witzig hingegen das gesungene Lamento von Jack Black, John C. Reilly und Will Ferrel, über die Last der von den Juroren immer schmählich ignorierten Komödianten.

Die Gewinner: Rückblickend muß ich zugeben, auch wenn ichs nicht so auf dem Schirm hatte, war es ein gutes Filmjahr, mit vielen Nominierten die es wert waren zu gewinnen. Fast in allen Kategorien siegte ein verdienter Streifen, auch wenn andere denen ich es ebenso gegönnt hatte dafür verloren. Erstaunlich sind die drei Oscars für “Pan’s Labyrinth“, auch wenn es nicht das ganz große Los wurde, aber immerhin drei Preise für einen fremdsprachigen Film.

Überraschend auch, daß der Preis für den besten Schauspieler, nicht wie üblich als Gnadenpreis an einen altgedienten und bisher übergangenen Akteuer, in diesem Falle Peter O’Toole (der aussah als würde er nicht mehr viele Verleihungen erleben), ging, sondern an Forrest Whittacker (für Last King of Scotland), der sich leider sülzig und viel zu langatmig bei Gott und der Welt und Gott… bedankte. Forrest ist ein ganz passabler Darsteller, aber er hat die Tendenz mir auf den Sack zu gehen. Esoschwurbel-Religionsbrabbel kann ich nur in ganz homöopathischer Dosierung ertragen.

Liebenswerter da die wundervolle Helen Mirren, die wie erwartet und gegen beachtliche Konkurrenz den Goldi für “The Queen” mitnahm.

Lobenswert insgesamt, das die Preise verteilt wurden und dadurch vielen Filmen eine Anerkennung zuteil wurde. Einen klassischen Streak- einen Film der alles abräumte gab es nicht, auch wenn The Departed mit vier Oscars, inkl beste Regie, Drehbuch, Schnitt und Film des Jahres, verdient gewann. Umso erstaunlicher, da brutale Filme normalerweise nicht grade Oscar-Favoriten sind.
Schöne Anerkennung gab es für Little Miss Sunshine (Bestes Originalbuch und Alan Arkin als beste männliche Nebenrolle), die genialen Tricks in “Pirates of the Caribean 2“, die Animation in “Happy Feet” (auch wenn ich es “Monster House” ebenso gegönnt hätte – aber wenigstens wars nicht “Cars“)
Als Verlierer des Abends muß wohl, neben den mit einem Nebenpreis abgespeisten “Babel“, der hochgehandelte aber reichlich belanglose “Dreamgirls” gelten, für den es lediglich die beste weibliche Nebenrolle und Soundmix gab – bei den zahlreichen Nominierungen schon eine Schlappe. Und welche von den drei Frauen hat eigentlich Eddie Murphy gespielt? Die Dicke da, die die beste Nebenrolle prämiert bekam? Mann, mann, der Kerl ist wirklich ein Chamäleon.

Das Eastwoods-Doppelgespann “Flags of our fathers / Letters from Iwo Jima” mit nur einem Preis nachhause ging, mag daran liegen, daß die Juroren zurecht den Eindruck hatten, daß ein Oscar mehr oder weniger für den großen alten Mann, jetzt auch nix mehr ausmachte. Genau wie Jack Nicholson hat er sich seinen Thron auf dem Olymp der Meister erkämpft und kann sich der Wertschätzung aller Kollegen sicher sein. Auch ohne Goldmännchen.

Ärgerlich und etwas unglaubwürdig fand ich den Ökoanstrich den sich die Oscars diesmal geben wollten, was in zwei Preisen und viel Promo für Al Gores Mahnende Zeigefingerdoku “An Inconvinient Truth” mündete. Man wollte ein Zeichen setzen, aber schien im Grunde eher sein eigenes Engagement zu feiern, das bei allem Hype um Gore und seine prominenten Mitstreiter etwas selbstzweckhaft geriet. Ein Oscar für die angriffslustige Doku “Jesus Camp” wäre kontroverser und mutiger gewesen, aber nachdem selbst Bush auf Klimaschutzkurs zu schwenken scheint, gerät die Unbequeme Wahrheit doch eher zum Common Consense. Was nicht heißt, daß man wirklich was macht, aber man ist sich einig, daß man was machen müsste. Irgendwie.

Etwas überraschend, aber aus Lokalpatriotischer Sicht natürlich erfreulich, der Sieg für “Das Leben der Anderen“, auch wenn ich andere deutsche Filme schon stärker fand. Aber lieber für dieses Werk als für den grauenhaften “Untergang“.

Schmählich ignoriert wurde leider der grandiose pessimistische “Children of Men“, jener cineastische Schlag in die Magengrube, der wenigstens den Preis für die beste Kameraarbeit verdient hätte (der dann an “Pan’s Labyrinth” ging). Vielleicht war Alfonso Cuarons Werk der Jury dann doch zu düster und realitätsnah.

Die Gastpräsentatoren waren insgesamt ganz schick nett anzusehen, boten solide Frotzeleien und, wie die gesamte Veranstaltung gute, überraschungsfreie Unterhaltung. Es gab keinerlei Ausbrüche nach oben und unten, weder spektakuläre Pannen, politische Statements, noch extreme Peinlichkeiten. Die Show machte Spaß, hat aber im Gegensatz zu früheren Academy Awards etwas Drive und Eigenleben verloren. Ellen DeGeneres moderierte zügig und ganz nett, war aber nix das man wiederholen müsste. Die Einspielfilme zu verschiedenen Themen waren durchwachsen. Die damit beauftragten prominenten Regisseure schienen sich alle nicht wirklich verausgabt zu haben. Besonders enttäuschend Michael Manns beitrag zum Thema “Die Welt im Spiegel Hollywoods”, das arg belanglos geriet und etwas zuviel patriotisches Pathos atmete. Besser gerieten da die Zusammenschnitte der im letzten Jahr verstorbenen Filmschaffenden (warum diese Rubrik diesmal nicht “The Departed” hieß, ist mir ein Rätsel) und die Erinnerungen an 50 Jahre Fremdsprachenfilm-Oscar.

Was ich vermisste waren ein paar der spitzen, der großen Bühneneffekte früherer Tage, wenn anläßtlich des Special-Effekt-OScars schonmal Robocop auf der Bühne erschien, sich Präsentatoren anzickten oder Moderatoren wirklich böse austeilten.

Andererseits war es unterhaltsamer als die erste Moderation Steve Martins damals oder die freudlosen Gags von Chris Rock im Jahr 2005.

Ich bin mal gespannt aufs nächste Jahr und freue mich auf daß, was 2007 noch bringen wird!

Alle Gewinner gibts HIER AUF EINEN BLICK.

Für ein sehr drolliges Live-Blogging-Protokoll verweise ich, neben den Versionen von Nilz und Renington nochmals auf Maltes Oscarnacht. Der ist immerhin wachgeblieben bis zum Ende :)

In : News, Thema

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

13 Comments

  1. Zapps Blog

    Nochmal Oscar…

    Mein persönlicher Höhepunkt war die Dankesrede von Helen Mirren (Beste Hauptdarstellerin in The Queen), die sich bei Elizabeth Windsor (sic!) bedankte….

  2. Abspannsitzenbleiber » Im TV: Academy Awards 2007

    […] Ansonsten gibt es ja immer noch zahlreiche Blogs zu lesen, die live mitgebloggt haben: Batz, René und Nilz von den Fünf Filmfreunden, Anke, der Popkulturjunkie, die Fernseherin, zappingduster, Malte vom Spreeblick, F!XMBR, 3Toastbrot, Oh what a world, das Internetbrain-Blog, affectionista, Brummfisch, Torten, Tanzmusik & Totale Voetbal, das Tivoli-Blog, DWDL und EXTReeeME.Org. Hab ich wen vergessen? […]

  3. Dodo

    Mir scheint so, als wäre hier nicht ganz klar, wie die Leute zu ihrem Oscar kommen. Man ist nicht darauf bedacht, so viele Filme wie möglich zu ehren, sondern 6000 Leutles aus 15 Berufszweigen stimmen wie in einer Briefwahl ab…was dabei herauskommt ist dann entweder mehr oder weniger erstaunlich…

  4. Batzman

    Das ist bekannt, aber es ist kein Zufall, wenn ein Film in allen Kategorien abräumt. Zumal es ja auch Academy-Mitglieder gibt die in mehr als einem Bereich abstimmen dürfen…

  5. SchönerDenken » Blog Archive » Goldjungs

    […] Goldjungs Okay – ich habe meine Wette verloren. Scorsese hat seinen Oscar. Und “Departed”. Und hurra! Donnersmarck. Für alle weiteren Details wenden Sie sich bitte vertrauensvoll an Batzmann von Fünf Filmfreunden und Andreas Haaß von SWR.de. […]

  6. loreley

    Das mit Al Gore war nicht ärgerlich. Ausserdem war er ganz witzig zusammen mit DiCaprio.

  7. Himbeerlola

    Batzman, du bist ne alte Miesmuschel! =;o)

    Meinste nicht, dass du das ganze Oscardingens ein bisschen zu ernst siehst? Wo bleibt bei dir der Spass? Natürlich war die diesjährige Ausgabe nicht eine der dollsten und ich wünsche mir seeehnlichst den Billy Crystal zurück, aber ich wünsch mir auch einen 6er im Lotto und krieg ihn nicht. So what. Ich hatte trotz der Mängel ne lustige Nacht, konnte ordentlich rumlästern, hab mir nen Keks gefreut, wenn eins meiner Hassobjekte leer ausgegangen ist und mich geärgert, wenn ein anderes nicht leer ausgegangen ist, hab genüsslich Seinfeld, Celine, Beyoncé und andere Unfälle verachtet und bespuckt, bin Renington hier aufn Sack gegangen, hab Schabernack getrieben, was getrunken, lecker gegessen und die Nacht rumgekriegt. Ich fands schön. Komm doch nächstes Mal bei mir gucken, dann ist dir nich so langweilig…;o)

  8. blog:x » Blog Archive » oscars 2007

    […] So und jetzt könnte ich hier auch noch einmal alles zusammenfassen, mache ich aber nicht … schaut bei der Anke oder bei den fünf Filmfreunden, die haben es verdient, denn die sind wach geblieben! […]

  9. Batzman

    @Lola

    Mir war überhaupt keine Spur langweilig. Ich hab mit Freunden zusammen geschaut, auf großer Leinwand, wir haben zusammen gekocht und gefuttert und gelästert. Ich schreib deswegen ja auch, daß die Veranstaltung solide war, man konnte sie als Unterhaltung so weggucken, ich hab den meisten Gewinnern ihre Preise gegönnt und mich kaum gelangweilt. Ich hatte allerdings im Gegensatz zu wirklich großen Oscar-Shows nicht das Bedürfnis gehabt eine der Conferencen oder Einspieler nochmal zusehen, weil es dazu einfach zu banal war. Und letztlich geht es bei einer Besprechung der Show ja doch darum, wie sie im Vergleich zu ihren Vorgängern abschneidet und da würd ich dann nächstes Jahr doch lieber jemand vom Kaliber eines Jon Steward, Billy Crystal oder Whoopie sehen, als die handzahme Ellen mit ihrem “Ich moderier hier als wärs der Kindergeburtstag von meinem Neffen”-Charme.

  10. Himbeerlola

    Miesmuschel! ;-P

    *wegduck*renn*

  11. hilfreiche tutorials ? « mon petit web – chindogu

    […] bloggerdorf. fern ab von gossip und meinet wegen ausgedehnten Academy postings. [via] [..]Batz René,  Nilz,  Anke,  Popkulturjunkie, Fernseherin, zappingduster, Spreeblick […]

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    officialgaygeeks:

    That lightsaber sound lol


    Get the My Neighbor Groot shirt http://buff.ly/1EFUcA2 http://ift.tt/1BEBgm8

    11/16/14

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    pennyfornasa:

    Putting The Cost Of The ESA’s Rosetta Mission In Perspective

    "So what do we get for our €1.4bn? Rosetta is both an astounding feat of engineering (catapulting a tonne of spacecraft across millions of kilometres of space and ending up in orbit around a comet just 4 km across) and an extraordinary opportunity for science (allowing us to examine the surface of a lump of rock and ice which dates from when the Solar System formed).

    Like a lot of blue-skies science, it’s very hard to put a value on the mission. First, there are the immediate spin-offs like engineering know-how; then, the knowledge accrued, which could inform our understanding of our cosmic origins, amongst other things; and finally, the inspirational value of this audacious feat in which we can all share, including the next generation of scientists.

    Whilst those things are hard to price precisely, in common with other blue-skies scientific projects, Rosetta is cheap. At €1.4bn, developing, building, launching and learning from the mission will cost about the same as 4.2 Airbus A380s—pretty impressive when you consider that it’s an entirely bespoke robotic spacecraft, not a production airliner. On a more everyday scale, it’s cost European citizens somewhere around twenty Euro cents per person per year since the project began in 1996.

    Rosetta has already sent us some stunning images of Comet 67P/Churyumov–Gerasimenko and today’s landing will, with any luck, provide us with our first close-up glimpse of the chaotic surface of this dirty snowball. If you’re a sci-fi fan, then, you might consider the mission to have been worth its price tag just for the pictures. The total cost for the Rosetta mission is about €3.50 per person in Europe; based on the average cinema ticket price in the UK (€8.50), it has cost less than half of what it will cost for you to go to see Interstellar.”

    Via Scienceogram: http://scienceogram.org/blog/2014/11/rosetta-comet-esa-lander-cost/

    Find Out How Budget Cuts Canceled NASA’s Own Comet Landing Mission: http://www.penny4nasa.org/2014/11/11/how-budget-cuts-canceled-nasa-own-rosetta-comet-landing-mission/

    11/15/14

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    meatbicyclevevo:

    i never wanted this to end

    10/20/14

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    iambluedog:

    Life is too short to be holding on to old grudges

    10/20/14

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    10/09/14