Common Nonsense – 10 Filme die (fast) jeder toll findet…

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Es gibt, wie ich immer wieder merke, ein paar heilige Grale die man tunlichst nicht anrührt, wenn man auf einer Cocktailparty mit einem Manhattan in der Hand steht und, derweil man des Refills harrt, anfängt mit den Umstehenden harmlose Konversation über Filme zu vollziehen.

Oder auch in Foren. Oder auf Parties, zu fortgeschrittener Zeit, ehe irgendjemand eine Gitarre aus der Ecke hervorkramt und man gemeinschaftlich “Laila” oder “Cats in the cradle” anstimmt.

Es gibt sie, diese Werke die der Freundeskreis mag. Die sehr viele geschätzte Menschen mögen, die man also nicht per se als “Filme für Blödnasen” abtun darf. Leicht kann man sich darauf einigen, daß Vin Diesel eine hohle Nuss ist oder Michael Bay eine Kriegserklärung an den guten Geschmack. Aber bei gewissen Werken wird es frostig, wenn man zu verstehen gibt das man sie für mißlungen hält, will man sich nicht dem dämlichen Totschlagargument “du magst den ja nur nicht, weil ihn alle mögen” bzw “Na hauptsache contra, was?” aussetzen.

Hier also zehn Filme, von denen man tunlichst nicht sagen sollte, daß man sie wirklich doof findet.

1) Die Fabelhafte Welt der Amelie

Für die einen herzig-poetische Offenbarung, für mich der längste Zuckerschock der Welt. Sorry, aber eine Frau wie Amelie hätte ich irgendwann erschlagen. Niedlichkeit allein ist nicht abendfüllend.

2) Lost in Translation

Tokio Hotel der Film. Was Frau Coppola für eine einsichtige Charakterstudie hält sind halbverdaute Allgemeinplätze aus besseren Filmen. Und wenn man sich über “Hollywood Blondchen” wie Cameron Diaz lustig macht, sollte man selbst einen Funken Humor besitzen. R/L-Witze sind nicht lustig.

3) American Beauty

Happiness für die Masse. Schön harmlos. Und wenn man es schafft fliegende Mülltüten als poetische Metapher zu verkaufen, hat man eh schon gewonnen. Und nein, nur daß sich Kevin unter der Dusche einen hobelt ist nicht gewagt.

4) Eternal Sunshine of the spotless mind

Michael Gondry hat viel mit Frau Coppola gemeinsam. Keinen Sinn für Humor zum Beispiel. Und den Hang zum Auswalzen von Ideen, die eigentlich nur einen Kurzfilm abgeben.

5) Gattaca

Ein weiterer Fall aus der Rubrik: Wir nehmen uns ein hartes Thema und machen dann viel Lärm um nix. Was ist an der Grundaussage des Films eigentlich so toll? Genetisch Nichtmanipulierte Menschen sind genausoviel wert und sollen dieselben Chancen haben wie genetisch perfekte Menschen – voraussgesetzt sie sind ihnen in allen Belangen ebenbürtig oder überlegen?

6) Before Sunrise

Mir würd nicht im Traum einfallen, den Film als schlecht zu bezeichnen. Isser garantiert nicht! Ich find ihn dennoch unglaublich langweilig. Und Ethan Hawke wirkt immer so angestrengt bei allem was er seit Explorers gemacht hat.

7) Dead Poets Society

Ich hab den Film geliebt als ich ihn damals im Kino sah. Er hat ein paar nette Momente, aber wenn ich ihn heute sehe, kommt er mir doch sehr seicht vor. Mehr als Steh zu dir selbst und ließ mal ein Gedicht hat er nicht zu bieten. Kein wirklicher Flop, aber unglaublich überschätzt.

8) Schindlers List

Emotionen statt Inhalt. Bauch statt Hirn. Spielberg manipuliert perfekt, aber inhaltlich bleibt das Ganze doch reichlich dünn. Der Holocaust war schrecklich, Juden umbringen ist scheisse, Nazis waren grausam, Herr Schindler war töfte.

9) Söntke Wortman-Filme

Ausser “Kleine Haie” find ich sein Gesamtwerk hochgradig vergessenswert. Besonders seine Fussballstreifen.

10) Forrest Gump

Ich gebe zu, er ist brilliant gemacht. Inszenierung, Timing, selbst Tom Hanks ist überzeugend. Hochgradig effektiv manipuliert Zemeckis die Zuschauer und über die gelungenen Gags vergisst man beinah, was für eine fragwürdige und erzreaktionäre Botschaft der Film vertritt. Dummheit und Gehorsam ist toll. Protestler sind alles fragwürdige Gestalten und wer nicht alles toll findet was “The Powers that be” bereithalten ist ein verbitterter Spinner der zu Gott finden muss. Nee Danke.

In : Thema

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

61 Comments

  1. pascal

    also besonders Amelie gefällt mir sehr — wenn man die Story ignoriert, sind die Bilder und insbesondere die Musik wirklich nett! Ist doch ein wenig wie bei Buchverfilmungen, deren Originale man schon kennt: die Story kann einen höchstens enttäuschen wenn sie schlecht adaptiert wurde, also ignoriert man sie…

  2. sebo

    da geb ich dem verfasser ja recht. aber wirklich schlüssig sind die hier aufgeführten argumente auch nicht. sicherlich hätte man amelie irgendwann erschlagen. aber es ist doch ein film und nicht das leben. hauptsache dagegen, was? ;-)

  3. Batzman

    Die Kurzkommentare sind auch jeweils nur eine geraffte Zusammenfassung meienr jeweiligen Meinung zu dem Film, die natürlich noch weiter ausgeführt werden könnte. Aber dann hätte ich zu jedem Film einen eigenen Beitrag schreiben können und der Listencharakter ginge verloren.

    Amelie verkauft Poesie mit dem Holzhammer und ist so unglaublich amerikanisch schmierig, daß nervt mich. Ich muß niemand mit einem Megaphon haben der neben mir steht und schreit: “GUCK MAL DAS IST EIN POETISCHER MOMENT!”

  4. Nilz N Burger

    ahh! danke batz!

    zu 1.) mir kommt der film immer vor wie ein showreel für irgendeine neue kamera. so von wegen “guckt mal was unsere xj-4647-200 alles kann! jetzt bestellen, wir haben nur noch 500 stück auf lager!” oder wie kinderzimmer productions so schön rappten: das gegenteil von gut ist gut gemeint.

    zu 2.) ich könnte auch ein merian reiseführer “tokio” aufschlagen und scarlett johanson bilder als lesezeichen reinlegen. es wäre 1:1 das gleiche erlebnis wie den film zu sehen.

    zu 4.) etwas hat mich immer an diesem film gestört. ich fand den nebenstrang mit kirsten dunst komplett überflüssig. wirkte so aufgepfropft. aber das gondry keinen humor hat, da bin ich noch gar nicht drauf gekommen! das ist es! wirklich mal jetzt! manchmal ist alles so einfach…und es stimmt. DAS ist das hauptproblem des films…

    die anderen, naja. ich kenne niemanden, der gattaca für einen wichtigen film hält. klar, club der toten dichter fanden sie alle toll. bei mir wars immer eher ferris bueller. der würstchekönig von chicago.

    schindlers liste stimme ich dir voll und ganz zu. wobei du hier mit dieser liste den giftschrank ja auch nur ein ganz ganz kleines stückchen weit aufgemacht hast. was war zum beispiel mit flatliners? oder wo wir bei frau roberts sind: erin brokovich? was ist mit – auf dieser seite und erst recht hinter den kulissen häufig diskutierten – matrix? die meisten filme von jim jarmusch? kaurismäki? das spätwerk von almodovar? die filme aus dem horrorsegment: the ring? ich könnte noch ewig so weiter machen…müssen wir wohl ne serie draus machen..;)

  5. sebo

    das kritik verboten ist, weil ja “alle” den film gut finden und damit der euphorische moment zerstört wird – das nervt. nicht zu vergessen auch das milieu – ich las es eben nochmal am anfang des beitrags

  6. renington steele

    Nun ja, Amelie ist einfach goldig, mir reicht das ;-)

    Über den Rest können wir streiten. Ich fand American Beauty durchaus gelungen, dafür Gattaca ebenfalls furchtbar.

    Was mir aufgefallen ist: Du schreibt wiederholt, die Regisseure würden die Zuschauer manipulieren. Nun, was macht den gutes Kino, außer den Zuschauer zu manipulieren? Ihm vorzumachen, da gäbe es eine Welt, die parallel zu der echten existiert? Es geht doch um Träume, Phantasien, Geschichten abstrusester Art…

  7. Batzman

    Ich sage nicht, daß die Manipulation etwas schlechtes ist, bei Spielberg und Zemeckis wird das ja perfekt praktiziert. Ich finde es dann fragwürdig, wenn die dahinterstehende Aussage zweifelhaft ist. Ein gut gemachter Film, der seinen Zuschauern fragwürdige Inhalte perfekt verkauft oder der aufgeblasen Banalitäten als große Erkenntnisse oder wirklich relevant annonciert ist für mich eben sehr ärgerlich.

    Manipulation ist eben nur dann negativ, wenn sie im Dienste der falschen Sache geschieht, denn natürlich ist jeder gute Filme auch eine gute Manipulation. Die Frage, gerade bei harten Themen ist nur ob er dabei nur fabuliert oder wirklich lügt um eine bestimmte Agenda zu pushen.

  8. muzz

    Man kann in einem Film verschiedene Charaktere vorstellen. Man kann sie ihre Eigenheiten ausspielen lassen. Man kann dem Zuschauer einfach (relativ) unverblümt die Vorgänge zeigen.
    Spielberg allerdings präsentiert ein sowieso schon eideutiges Thema (klar sind die Nazis die Bösen) unkompliziert, vorverdaut und (no pun intended) schwarz-weiß.

    Ich würde zu der Liste noch “Pulp Fiction” hinzufügen, aber dafür reicht ein einfacher Blogkommentar wohl nich. (Außerdem werd ich dann mal wieder dafür gesteinigt.)

  9. Renington Steele

    Da hast Du Recht. Bei Forrest Gump würde ich aber dagegenhalten, dass der Figur des Forrest Ideen wie „Ziviler Ungehorsam“ kaum kommen würden. Daneben finde ich, dass seine Liason mit seiner Jugendliebe eben für eine Versöhnung beider Seiten steht.

    Wirklich aufgefallen ist mir das bei „Pursuit of Happyness“, der einfach nur neoliberale Kacke in einer ergreifenden Aufsteigerstory präsentiert. Dass er gleichzeitig aber sagt, dass alle Armen böse und Banker das beste auf dem Planeten sind, wird unter großem Kitsch zugekleistert. Außerdem kann man es laut diesem Film nur schaffen, wenn man einen Zauberwürfel in 20 Minuten lösen kann.

    Ich hatte da ein langes Review getippt und dann ist der Browser abgestürzt.

  10. Zapp

    Als Molekularbiologe finde ich Gattaca allein schon wegen des Titels toll, und weil ich mal ein paar Monate an der Uni gearbeitet habe, zu der das dreieckige Gebäude gehört. ;-)

    Ansonsten steckt in der Liste aber viel Wahres drin, insbesondere was Sönke Wortman angeht.

  11. Batzman

    @Renington

    Zu Forrest Gump, ich zweifle ein wenig and er These der Versöhnung. Bestenfalls ist es Großmut, der konservativen die sagen: Ja die linken machen nur fehler und sind verblendete Fanatiker, aber wir geben ihnen trotzdem eine Chance. An keiner Stelle des Films werden die politischen Ziele der vermeintlich unangepassten Ernst genommen oder als valide dargestellt. Umso ärgerlicher, da der zugrundeliegende Roman eine böse Satire ist, die Forrest als Metapher benutzt um mit dem Wahnsinn der Welt abzurechnen und die dabei genau die Werte aufs Korn nimmt, die der Film glorifiziert.

    PS: Steinigt Muzz.

    Nein im ernst, ich denke es ist schwer einen Film wie Pulp Fiction zu sehen, nach all dem Hype der um ihn gemacht wurde und vielleicht mochte ich ihn auch nur deshalb, weil ich ihn damals zum ursüringlichen Release ohne allzuviel TamTam im Vorfeld miterlebt habe.

    Und was ihn für mich einfach wesentlich liebenswerter macht ist das er nichts verspricht, daß er nicht halten kann. Alleine der Titel verspricht Groschenroman-Stories. Es wird nicht vorgegeben Arthaus zu machen oder sich mit wichtigen thmen zu beschäftigen, da erzählt einfach jemand etwas das ihm Spaß macht. Der Film ist, wie einige Joe Dante-Sachen auch, ein Resultat dessen was der Regisseur gerne mag und so wirkte er auf mich auch. Und er nimmt sich nicht so furchtbar ernst…

    Klar der Hype der Pulp Fiction umweht ist schwer einzulösen, aber im Grunde ist es genau wie Reservoir Dogs und Jackie Brown ein recht bodenständiger Film. Den kann man mögen oder doof finden, aber er gibt nie vor etwas zu sein was er nicht ist. Das unterscheidet ihn von den meisten anderen Filmen auf der Liste.

  12. Nilz N Burger

    boah, zapp! du bist molekularbiologe! wie cool ist das denn? was beschreibt gattaca denn (ich gebe zu, habe mich null mit dem film beschäftigt, sah nur hawke/thurman auf plakat und irgendwas mit zukunft und hatte schon keine lust mehr).
    OT: fällt die stringtheorie auch unter molekularbiologie? ja, oder? (und nein, das ist alles nicht ironisch gemeint, ich finde sowas wirklich spannend!)

  13. Nilz N Burger

    ok, pulp fiction.
    können wir, also die fans und die hater des films, uns wenigstens darauf schonmal einigen, das man guten gewissens die soundtrack-cd zu hause nicht mehr im regal stehen haben kann ohne sich verdächtig zu machen, aus vollstem herzen gerne zu ü30-partys zu gehen?

  14. Renington Steele

    Stringtheorie ist Molakularbiologie, har har.. Nilz: Strings sind Quantenphysik, Mulekarorbiologie ist Dingsbums… hat nix miteinander zu tun, das ist aber auch alles, was ich davon weis.

    Und die Soundtracks von Tarantino sind Pflicht.

  15. Zapp

    > was beschreibt gattaca denn?

    Also zur Filmhandlung musst du dich schon selbst schlau machen, es ist schon ziemlich lange her, dass ich den gesehen habe und ich mag jetzt nichts falsches Tippen ;-)
    Aber der Witz ist, dass der Titel GATTACA aus den Grundbausteinen der DNA gebildet ist.

    [extrem vereinfachte Vorlesung] DNA ist eine Kette von einzelnen Bausteinen, von denen es nur vier verschiedene gibt: Adenin (A), Thymin (T), Guanin (G) und Cytosin (C). Die Reihenfolge dieser Bausteine codiert dann die Erbinformation. Wenn man sich also ein Gen anschaut, kann man es als eine Buchstabenkette aus diesen vier Buchstaben darstellen. (z.B. ATGGCCTACTGA usw.) Die Gene mit denen ich arbeite, haben z.B. eine effektive Länge von ca. 1500 Buchstaben. [/Vorlesung]

    Bei GATTACA kann man sofort erkennen, dass der Titel ebenfalls aus diesen vier Buchstaben zusammengesetzt ist. Im Zusammenhang damit, dass es in dem Film um genetisch optimale bzw. suboptimale Menschen geht, hat das für “Insider” einen gewaltigen Nerd-Faktor.

    > fällt die stringtheorie auch unter
    > molekularbiologie?

    Schön wär’s. Das ist glaube ich Astro- und/oder Quantenphysik, hat wahnsinnig viel mit Mathe zu tun und übersteigt meinen Horizont bei weitem.

    Ich hoffe jetzt mal, dass ich keinen absoluten Schwachsinn zusammengeschrieben habe. Die Oscar-Nacht sitzt mir noch etwas in den Knochen. ;-)

  16. Batzman

    Naja, aber mal ehrlich um diesen “Insider” zu verstehen muß man nicht wirklich was von der Materie verstehen, das haben wir in der 8. Klasse in NW gelernt… das ist ja doch sehr sehr geringes Grundwissen.

    Aber trifft irgendwie doch wieder die Gesamthaltung des Films, der sich supersmart vorkommt, wo er klug sein sollte.

  17. Michael_DF

    Nunja – diese Liste als der Weisheit letzter Schluß darzustellen halte ich jetzt doch für etwas eingebildet.
    Jeder Mensch hat einen anderen Geschmackt, jeder mag andere Filme, jeder mag andere Filme nicht.

    Ich würde jedenfalls deine Liste so nicht unterschreiben.

  18. Zapp

    > das haben wir in der 8. Klasse in NW gelernt

    Ja klar, das ist keine grosse Wissenschaft und die Bedeutung wurde IIRC damals mit dem Film ja auch klar gemacht. Trotzdem fand ich das eine ziemlich gute Idee, auf die man erst mal kommen muss.

    Gattaca ist jetzt auch nicht der absolute Kultfilm für mich, sondern einfach nettes Popcornkino ohne wirklich tiefsinnige Aussage.

  19. Nilz N Burger

    oh gott. jetzt hab ich mich als megadepp geoutet…:)

  20. Batzman

    @Michael

    Ich hab mich schon gefragt wann das Argument mit dem “Jeder hat einen anderen Geschmack” kommt, mit dem man jedwede Diskussion oder Auseinandersetzung abwürgen kann. Und wer spricht von Weisheit letzt Schuß? Ich sage wie immer meine Meinung und argumentiere dafür.
    Ich verlange nicht das man die teilt, Diskussionen sind ja durchaus das was die F5 spannend macht. Nur solche “Hm das is wohl Geschmackssache”-Postings die immer mal wieder kommen, bringen so rein gar nix.

  21. Hendrik

    Hmm, etwas beliebige Liste, oder ? Kann jetzt nur aus meiner eigenen Erfahrung sagen, dass “Before Sunrise” und “Eternal Sunshine…” absolut nicht den Cocktailparty-Bekanntheitsgrad von etwa “Forrest Gump” oder “Lost in Translation” haben – vielleicht bin ich da aber auch immer nur unter den falschen Leuten…

    Dead Poets Society würde ich jetzt aus jugendlichen Sentimentalitäts-Gründen verteidigen; ansonsten ist es aber schon nicht so völlig falsch, dem Film nicht ganz die Tiefe zuzugestehen, die ihm die Englisch-Lehrer dieser Welt so gerne zuschreiben….finde da aber die Moralkeule und Platitüden von American Beauty unendlich viel schlimmer.

    Ganz energisch muss ich jetzt aber bei Before Sunrise und Eternal Sunshine widersprechen – wenn mir die einer miesreden (oder in eine Reihe mit Forrest Gump stellen) wollte, würde ich ihm aber ganz ungepflegt meinen Cocktail in’s Gesicht kippen ;) Ersterer ist (zusammen mit dem Sequel) einer der absolut tollsten Liebesfilme aller Zeiten und zum zweiten sage ich jetzt mal nur Charlie und Kaufmann. Dessen geniales Skript plus Gondrys Gespür für den Surrealismus – ganz entschieden einer der besten Filme diesseits des Milleniums!

  22. Batzman

    @hendrik

    Before Sunrise will ich auch wirklich niemandem madig machen, wie gesagt kein schlechter Film, ganz sicher nicht. Ich find ihn halt nur unglaublich öde und hab halt meine Probleme mit Hawkes Künstlerattitüde. Ich denk immer der Junge sollte mal den Stock aus dem Arsch ziehen, dann wär er lockerer.

    Bei Eternal Sunshine, den ich wirklich für blöde halte, verweise ich auf mein Review, da hab ich das genauer aufgedröselt was mich nervt.
    http://www.fuenf-filmfreunde.de/2006/07/27/eternal-sunshine-of-the-spotless-mind/

    Von Kaufmann mochte ich bislang auch nur Being John Malkovich, auch wenns im Grunde nur ein Gimmick-Film ist. Aber der hat wenigstens Humor.

  23. Zapp

    @Nilz:

    Kopf hoch. Du würdest unter meinen Grundstudiumspraktikanten nicht negativ auffallen :o)

  24. Zapp

    @Nilz:
    Kopf hoch. Du würdest unter meinen Grundstudiumspraktikanten nicht negativ auffallen :o)

    PS: Euer Kommentarsystem mag mich wirklich nicht. Der Kommentar, der im Spamfilter hängen geblieben ist, darf dort ruhig bleiben.

  25. imYemeth

    Was an Pulp Fiction (und diversen anderen Tarantinos)stört ist diese alberne Erzählreihenfolge. Hauptsache cool anders… gnarf. Denn ausser hipper Andersartigkeit bringt es genau nix.

    Bei Amelie muss ich 100% zustimmen, der Film ist pausenlos damit beschäftigt allen zu zeigen wie künstlerisch und poetisch er doch ist… als ob man so was nicht für sich selbst beurteilen könnte.

    Gattaca fand ich nett, hab mich aber nie näher damit beschäftigt um den jetzt explizit doof zu finden.

    Und was Forrest Gump angeht, ich weiss nicht, dem Film eine besonders ätzende Message vorzuwerfen ist mir bisher nicht eingefallen. Es ist ein netter, arg klischeehafter Film, der aber wundervoll zu unterhalten weiss. In all den Klischees mag auch viel konservativer Mist enthalten sein, aber irgendwie passt alles zusammen. Sicher Ansichtssache und abhängig davon was man von einem Film erwartet.

    Was auf jeden Fall fehlt, und womit man sich wunderbar bei jeder Party Feinde machen kann: Peter Jacksons vollkommen überbewertetes Herr der Ringe Epos.

  26. Hendrik

    Hmm, das mit Hawke habe ich jetzt absolut nicht so empfunden – wenn ich an dem Film auf Gedeih und Verderb etwas kritisieren müsste, dann dass Julie Delpys Part sprachlich doch stellenweise arg konstruiert wirkt. Klingt immer etwas nach Erstsemester-Hausarbeit……aber hey, ich liebe diesen Film!!(trotzdem).

    Und danke für den Link zu Eternal Sunshine! Hatte ich auf der Seite bislang irgendwie übersehen…muss ich mir dann mal antun, aber ich bereite mich auf’s Kopfschütteln vor ;)

  27. Batzman

    @Yemeth

    Aber Tarantino versucht zumindest nie zu sagen, das er seine Sachen aus einem anderen Grund macht, als weil er es so cool findet. Finds aber völlig okay, wenn man mit ihm nix anfangen kann. Wobei die angeblich so komplexe Verschachtelung von Pulp Fiction ja gar nicht so verschachtelt ist. Im Endeffekt ist es ein Episodenfilm der mit sehr wenig Spielereien und Zeitspringen auskommt.

    Forrest Gump find ich eben weil er sehr unterhaltsam ist so gefährlich, weil er diese stockkonservative Message verbreitet. Alles was Links von der mitte steht ist in dem Film negativ besetzt, dumm, verblendet und unwissend. Kein Wunder das Jenny am Ende an AIDS krepieren muss. Strafe muß sein für kritisches Denken und Leben abseits des Gehorsams.

    Und Zu Herr der Ringe, selbst als ausgesprochener Fan von Jackson und den Ringfilmen, gibts genug was ich daran zu kritisieren hab. Besonders beim zweiten Teil, bei dem ich locker ne Stunde rauskürzen könnte…

    Ich bin eh dafür, daß man auch bei Filmen die man mag ruhig zweimal hingucken kann und Schwachstellen diskutieren. Leute die am Objekt ihrer Verehrung keine Kritik zulassen und bei Frotzeleien gleich pikiert reagieren sind mir sehr suspekt…

  28. imYemeth

    Komplex ist die Verschachtelung eben nicht. Es gibt keinen “Aha”-Effekt wenn man die letzte Episode gesehen hat, man fragt sich nur, warum es überhaupt so erzählt wurde, und nicht ganz normal. Aber hast schon recht, Tarantino kann man nicht vorwerfen dass er seine Message verstecken würde, er macht es, weil er es cool findet… und meistens ist es auch cool, derbe.

    Hmm, Forrest Gump kann man wohl wirklich auf ganzer Linie als modernes Märchen sehen, inclusive einer konservativen “sei immer fein artig und hör auf deine Eltern”-Moral. Find ich gut wenn man das doof findet, und richtig das aufzuzeigen. Aber wie bei einem Märchen darf man sich glaube ich auch einfach von der Geschichte unterhalten lassen, zumal der Film eben ziemlich deutlich zeigt, dass er eine Geschichte erzählt.
    Im Prinzip muss ich Dir letztlich Recht geben :-), ist schon ne Frechheit was einem da teilweise untergejubelt wird.

    Wo mir grade noch was zu Schindlers Liste einfällt (wirklich schlecht ist der Film ja nicht, aber gnadenlos überbewertet), wirklich gestört hat mich dieser rote Farbklecks: Wieder ein Film der mit dem Holzhammer Emotion und Poesie vermitteln möchte.

  29. Khesrau

    Sorry, mir kommt es vor, als würdest du absichtlich “gegen den Strom” schwimmen wollen. Das scheint heutzutage irgendwie in zu sein: mies machen wo auch immer es geht, daraus eine Diskussion starten, die man sich auch hätte sparen können – und somit über fehlenden Inhalt hinwegtäuschen, wie es in diesem Artikel hier der Fall ist.

    Aber weiß du was? Find ich toll sowas :)

    Also:

    Amélie fand ich großartig. Nicht nur, weil wir das hier in Kassel auf die Bühne gebracht hatten und ich einen verrückten Steinefanatiker spielen durfe.

    American Beauty ist ein ganz großer Film. Und die Tüten-Szene (haha) muss der Regisseur als gar nichts verkaufen: Sie ist einfach wunderschön und wirkt nicht überzogen oder gar aus den Fingernägeln gesogen.

    Dasselbe halte ich von Eternal Sunshine, was zu meinen absoluten Lieblingsfilmen zählt.

    Den Rest unterstreiche ich gerne, auch wenn ich Schindlers Liste wohl doch ein wenig besser finde, als du ihn hier darstellst.

    Forrest Gump hab ich nie gesehen. Spätestens der Satz mit der Pralinenschachtel hat die DVD aus dem Laufwerk gejagt.

    Mehr von sowas bitte :)

  30. Frau B.

    Es sind darunter Filme, die zu dem Moment das, was man so Zeitgeist nennt oder das Lebensgefühl getroffen haben (wir bewegen uns ja irgendwie in der Zeitspanne der 30+). Und deswegen findet man ihn großartig. Nehmen wir “Before Sunrise” – mit Anfang 20 genau mein Film. Als ich ihn mir zehn Jahre später nochmals angeschaut habe… Wahrscheinlich wäre es auch ein Fehler mir heute nochmal “Dead Poets Society” anzusehen.

    Und Forrest Gump ist per se unerträglich.

  31. DraMaticK

    …und nächste Woche bitte mal die Liste mit Filmen die deiner Meinung nach unterbewertet wurden, in Wahrheit jedoch all-time-classics sind…

  32. Himbeerlola

    1) Die Fabelhafte Welt der Amelie

    Totaler Hass. Echt jetzt. Als ich mir das Machwerk damals auf Befehl eines guten Freundes (der von dem Scheiss bis heute komplett verstrahlt ist) angetan hab, hatte ich bereits nach 20 Minuten Mordgelüste. Stinklangweilig, blöde Story, nervige Optik und erst Amelie selbst: Wenn ich diese verpeilte Braut mit ihren Bambiaugen nur seh, dann läuft mir die Galle über. Wenn die beschliessen würde mein Leben aufzumischen, dann würde ich sie ohne Zögern totschlagen…*ahrg*aufreg* ;o)

    2) Lost in Translation

    Hab ich nur wegen Herrn Murray angeguckt, weil ich den echt verehre (Thema Altenpflegerin…zu Renington schiel…*fg*). Und dann passierte Merkwürdiges. Beim ersten Mal hab ich den Streifen gehasst und dachte nur ‘ok…und was sollte der Quatsch jetzt??’. Durch diverse Zufälle hab ich ihn dann noch ein zweites und ein drittes Mal gesehen und dann hat er bei mir ohne Vorwarnung eingeschlagen.Plötzlich find ich den total schön, kann aber nicht ums Verrecken sagen wieso. (Und die Johansson kann ich schon gar nicht ab…)

    3) American Beauty

    Ich liebe Kevin Spacey, aber American Beauty geht ja wohl üüüberhaupt nicht. Das mit der Mülltüte hats schön auf den Punkt gebracht.

    4) Eternal Sunshine of the spotless mind

    Nie gesehen und habs auch nicht vor.

    5) Gattaca

    Fand den Film in seiner Aussage schon beinahe kriminell. Er kommt nicht zu Potte und verherrlicht für mein Empfinden Diskriminierung geradezu.

    6) Before Sunrise

    Nie gesehen, steht auf meiner ‘muss ich nochmal irgendwann gucken Liste’ ziemlich weit unten.

    7) Dead Poets Society

    Ich finde auch, dass er überschätzt wird. Ich überschätze ihn sogar selbst, denn ich hab ihn trotz schwindsüchtigem Drehbuch spontan geliebt und tue es immer noch. Vielleicht weil sich die Darsteller so derbe den Arsch abgespielt haben. Irgendwie ne wunderbare Feel-Good-Coming-of-Age-Story. Oh Captain, mein Captain!

    8) Schindlers List

    Ich fand ihn unsagbar langweilig. Dazu kommt, dass sich mir bereits im Vorfeld beim Gedanken ‘ein Jude macht einen Film über den Holocaust’ alles gesträubt hat, was sich sträuben konnte (Bitte nicht falsch verstehen!). Und als man hinterher erfahren hat, dass sich Herr Spielberg in Bezug auf Herrn Schindler auch noch diverse geschichtliche Tatsachen hübsch zurecht- und gerade gebogen hat, wars dann ganz aus, denn damit hatte sich das Gesträube bestätigt.

    9) Sönke Wortman-Filme

    Vergessenswert triffts haargenau. Sönke wer?

    10) Forrest Gump

    Hab den vor Jahrmillionen mal gesehen und kann mich kaum noch dran erinnern. Ich weiss nur noch, dass ich damals fand, dass es ne nette, wenn auch viel zu zahme American Dream Verarsche war. Gesehen und gleich wieder vergessen…

  33. Binding

    Könnt Ihr eigentlich nicht mal versuchen, etwas objektiver über die Filme zu debattieren??? Natürlich ist das Wahrnehmen eines Filmes immer subjektiv – das geht ja gar nicht anders! Es gibt aber schon auch so etwas wie Filmkunst (wenngleich man da natürlich auch wieder drüber streiten kann, was sie ausmacht). Und als Cineast (Streitobjekt, die Dritte!) sollte man doch zumindest dafür einen Blick haben. Und der bezieht sich dann eben nicht nur auf die eigene Meinung! Denn es geht hier um audiovisuelle Kunstwerke, und deshalb muss die Frage immer lauten, auf welche (innovative) Art es ein Film schafft, seine Geschichte mit den Mitteln der Filmsprache zu erzählen. Das macht dann seinen Wert als Filmkunstwerk aus. Und ja: Kinokunst ist immer manipulativ! Darum geht es sogar in erster Linie – je besser ein Regisseur seine Zuschauer zu manipulieren versteht, ein desto größerer Filmkünstler ist er!!! Das andere heißt Propaganda.

  34. Binding

    @ Himbeerlola: Du kannst Dir nicht zufällig vorstellen, dass genau das, was Du an “Gattaca” bemängelst, seinen Wert ausmacht? Gute Science-Fiction ist immer auch ein Kommentar zu unserer aktuellen Situation und will nur Dinge problematisieren, die theoretisch einmal passieren könnten. Verstehst Du nicht, dass genau das “Gattacas” Kritik an unserer Welt ist, die sich doch schon jetzt an Vollkommenheit um jeden Preis orientiert? In “Gattaca” ist das lediglich auf die Spitze getrieben. “Gattaca” ist einer der besten und wichtigsten Science-Fiction-Filme der letzetn Jahre! Das ist mehr oder weniger Konsens unter Fachleuten. Ich finde auch, dass es ein Meisterwerk ist.

  35. Batzman

    Und dein Punkt war gleich noch was…?

    Inhaltlich kann es der größte Schrott sein, hauptsache es ist handwerklich gut gemacht?

    Ich kann die technischen / handwerklichen Meriten eines Films durchaus anerkennen, wie ich das bei Forrest Gump tue, ihn aber dennoch inhaltlich ziemlich verabscheuen, weil er eine reaktionäre Agenda verfolgt.

    “Birth of a Nation” is auch ein handwerklich toller Film…

  36. Binding

    Michel Gondry (ohne “a”!) hat keinen Sinn für Humor? Vielleicht gibt es ja auch unterschiedliche Definitionen von Humor? Das war übrigens eine rhetorische Frage! Ja, ein Regisseur für Schenkelklopf-Humor-Filme ist er sicherlich nicht, das stimmt. Das empfinde ich aber eher als positiv. Aber egal, denn wenn ich mir seine Filme “Human Nature” und “The Science of Sleep” ansehe, weiß ich leider überhaupt nicht mehr, wie man zu so einer Aussage kommen kann.

  37. Binding

    @ Batzman: Die Antwort ist in meinem Beitrag vorher bereits formuliert: Es geht darum, “auf welche (innovative) Art es ein Film schafft, seine Geschichte mit den Mitteln der Filmsprache zu erzählen”. Ich erwähnte das Wort “Geschichte” und verknüpfte es nicht unwesentlich mit den filmsprachlichen Mitteln. ;-)

    In der Tat muss man manchmal aber auch wirklich trennen können zwischen Inhalt und Form. “Birth of a Nation” bleibt einer der wichtigsten Beiträge der Filmgeschichte überhaupt – da kannst Du Dich noch so winden! Das noch viel bessere Paradebeispiel ist Leni Riefenstahl.

  38. DraMaticK

    Verfolgt Matt Groening mit Homer auch eine reaktionäre Agenda, weil der Trottel obsiegt?

    Mich stört (auch letztens bei der 300 Diskussion), dass immer in jeden Dialogfurz eine achsotiefe Bedeutung interpretiert wird.

  39. Batzman

    Sorry Binding, aber GATTACA ist Schrott im Arthaus-Look. Wenn du glaubst der Film würde sich mit seinem Thema auseinandersetzen, hast du vielleicht einfach zu sehr dem vertraut was die Filmemacher suggerieren. Die ganze Diskussion von wegen auch “nicht perfekte Menschen haben einen Wert” wird dadurch unterlaufen, das Hawke eben doch perfekt ist und den genetisch-erstellten Menschen überlegen sein muß, damit er Erfolg hat. Das wird im Film dann als Triumph abgefeiert und als wichtige Aussage zelebriert…

    Was bleibt ist die Fancy-Variante vom Kleinen tapferen Zug, der es geschafft hat, bzw ein Disneysches Vertrau auf dich selbst, dann kannst du alles schaffen.”

    Ansonsten: Man muss nicht alles mögen, was filmhistorisch wichtig ist. Es gibt Klassiker die ich mag, und solche die ich lediglich als Filmhistorisch interessant ansehe. Wenn ich hier eine Liste aufstelle, welche Filme ich nicht ausstehen kann und das begründe, ist es ziemlich sinnfrei mit filmhistorischer Relevanz anzukommen oder “objektivität” anzukommen. Und ich hab wahrlich keinen Bock eine Riefenstahl / Griffiths-Diskussion zu führen – die Filme schaut sich eh keine Sau an, außer ein paar echte Freaks. Es geht hier um Filme die sehr viele Leute gesehen haben, zumeist Werke die Tiefe suggerieren wo keine da ist. Es ist per Definition ein subjektive Auswahl, die meien Meinung wiederspiegelt. Die Objektivität kann in sofern nen Tag freimachen.

  40. Binding

    Und an alle “Amelie”-Hasser: Abgesehen davon, dass es ein genialer Paris-Film ist, ist er eine ultrakreative cineastische Explosion. Mehr sag’ ich dazu nicht, denn genau für sowas wurde das Kino erfunden!

  41. Binding

    @ DraMatick: Dialoge? Genau, hier geht es um Film – nicht um Literatur oder Theater!

  42. Binding

    @ Batzman (“Gattaca”): Klar, da können die Meinungen auseinander gehen – und Ideologiekritik ist immer wichtig. Aber hallo? Das ist Hollywood! Und es gibt so unendlich viel wirklichen Schrott, da muss man doch eher mal das halbwegs Positive wenigstens auch loben. Unterm Strich bietet der Film jedenfalls mehr Gehirngrütze als 75 % der Kino-Gesamtproduktion.

  43. Batzman

    Wenn ich diese es geht doch nur um die Bilder-Aussagen höre, frage ich mich warum die Leute sich nicht vor nen Bildschirmschoner setzen oder vorn Computerspiel…

    Filme prägen Meinungen, Filme sind das Niedrigstschwelligste Medium, weil sie auch die Leute ansprechen, die von Literatur keinen Schimmer haben. Filme sind nicht nur Spiegelbild ihrer Zeit, sie prägen maßgeblich Meinungen und Vorstellungen von etwas. Und einerseits GATTACA als wichtigen Film zu bezeichnen und dann zu behaupten Dialoge und Inhalte seien unwichtig, geht gar nicht zusammen.

    @DraMatick

    Die Simpson sind Satire, die Homers Idiotien regelmässig durch andere Figuren einordnen und als falsch bewerten lassen, sie vertreten selten platte Aussagen und hinterfragen ihre eigenen Aussagen beständig. Klischees und Allgemeinplätze werden oft genug als solche enttarnt, auch wenn man sie selbst verwendet hat.
    Forrest Gump und 300 fehlt diese Distanz zu den eigenen Aussagen, sie präsentieren 1:1 reaktionäre Aussagen, die an keiner Stelle als satirisch oder fragwürdig bezeichnet werden, sondern im Gegenteil als erstrebenswerte Ziele.

  44. Binding

    @ Batzman: Ich gebe Dir teilweise sogar recht, aber you simply don’t get it. Wir scheinen aneinander vorbeizureden. Wir haben andere Zugänge.

    Film ist natürlich ein AUDIOVISUELLES Medium und Inhalte und Schauspieler sind auch wichtig. Aber man muss doch immer fragen, was das spezifische Wesen einer Kunst ausmacht – und zwar im Unterschied zu anderen Künsten. Und da bleibt beim Kino nur die eigentliche Filmsprache, die sich aus einer bestimmten Art, etwas zu filmen, bestimmten Kameraeinstellungen, dem Schnitt und dem Einsatz des Tones zusammensetzt. Schauspieler und Dialoge sind (so gesehen!) Relikte aus der Theaterzeit. Natürlich ist Film trotzdem auch immer ein Gesamtkunstwerk, und es gibt auch immer verschiedene Interpretationsweisen innerhalb der Filmkritik, und meine Linie ist natürlich sehr werkimmanent orientiert, wie die Literaturwissenschaftler sagen. Aber wenn es wirklich um Film als Kunst gehen soll, gibt es keinen anderen Zugang. Psychologische, ideologische, etc. Herangehensweisen haben jedenfalls nicht direkt etwas mit Cineasmus zu tun. Eine ideale Filmkritik würde optimalerweise zwar dies alles berücksichtigen, aber das würde dann bei jedem Film automatisch zu einem größeren Essay führen.

  45. Batzman

    Dann hat dein Cineasmus aber wenig bis gar nichts mit dem zu tun, was Film im Realen Leben bewirkt.

    Klar es gibt dem Film eigene Werkzeuge, die ein Regisseur mehr oder wenige rgut einsetzt. Aber nur weil jemand ein guter Handwerker ist, macht ihn das nicht zu einem guten Regiesseur und einen Film nicht zu einem guten Film.

    Du beurteilst nur handwerkliches Geschick und lässt die Inhaltliche Ebene gar nicht gelten, damit degradierst du Kino zum reinen Überwältigungsakt das nur als Gewaltdramaturgie, als Tinnef ohne Nährwert eine Daseinsberechtigung hat.

    Klr gibts gute, optisch brilliante Werke, die keine tiefere Aussage haben. Aber gutes visuelles Kino gibt meistens auch nicht vor mehr zu sein als spassige Kinetik.

    In dem Moment wo ein Film ein Thema aufgreift und sich damit auseinandersetzt, muß es in der Kritik berücksichtigt werden wie gut er es bearbeitet und ob seine Aussagen und Botschaften nachvollziehbar, Blödsinnig oder gefährlich sind. Kino existiert nicht im Luftleeren Raum und Filme die die Leute anlügen und verblöden,weil sie einen Anspruch antäuschen der keine Substanz hat, müssen dafür kritisierbar sein.

  46. DraMaticK

    Zu 300 kann ich im Detail nichts sagen, da ich ihn noch nicht gesehen habe. Aber ich finde einfach, dass man diesen Film nicht gleich als geopolitisches Statement sehen darf.

    Forrest Gump: Die Vietnam Episode alleine genommen (Medaille für Sinnloses hin- und herrennen; Kriegsveteranenelend im Anschluss) ist das doch wohl kaum konservativ besetzt.
    Zemeckis erzählt einfach eine schöne Geschichte und die kann ich mir ansehen, anhören, mitfiebern ohne einen Subtext suchen zu wollen.

    Mich würden hier übrigens insgesamt mal ein paar weibliche Meinungen mehr interessieren (LiT, Amelie, Eternal Sunshine, Before Sunrise (der wirklich langatmig/weilig obwohl schön ist)…

  47. Batzman

    @DraMatick

    Das Problem ist bei Forrest Gump doch, was nehmen die Leute aus der Story unterbewusst mit? Jede Figur die das System in Frage stellt wird entweder als gefährlich oder verwirrt dargestellt. Ob Jenny, Lt. Dan, die Friedensbewegung, die Black Panther, die Hippies… selbst die Jogginganhänger folgen “einem falschen Gott”. Jenny krepiert als Strafe für ihr verirrtes Leben am Ende. Der gehorsame Tor, der sich immer milde und nachsichtig gegenüber ihren Fehltritten gezeigt hat überlebt als Multimillionär.

    Und daß Zemeckis und seine Drehbuchautoren NUR eine Story erzählen wollten fällt, bei aller kunstfertigkeit mit der sie ihre Story erzählen, schwer zu glauben. Es braucht einen Gewissen Willen um aus einer explizit linken Buchvorlage, einen Film zu machen, der alle Aussagen des Buchs ins genaue Gegenteil verkehrt. Und ich meine jetzt nicht irgendwelche Abweichungen in der Handlung oder Kürzungen oder sonstwas, sondern um den grundsätzlichen Tonfall und die politische Stoßrichtung die eine völlig andere ist. Sowas passiert nicht mal eben so aus versehen…

  48. DraMaticK

    Da muss ich jetzt passen, da ich das Buch nicht kenne. Subjektiv habe ich aber den Film anders empfunden als du. Machste nix ;)

  49. Himbeerlola

    hach…das binding mal wieder. war ja klar.

    gattaca:
    du brauchst um meinen iq keine angst zu haben, denn ich habe durchaus “verstanden” worum es ging. der hohle hochglanzmist will einem vorgaukeln, dass er eigentlich die gesellschaft anprangert, die versucht jeden zur sau zu machen, der (vor allem) äusserlich nicht einer idiotischen norm entspricht, die sich irgendwelche kranken hirne mal ausgedacht haben – und denen es auch noch irgendwie gelungen ist ihre metale diarrhöe per medienterror in die vakuumversigelten ohrenzwischenräume der willigen masse einzupflanzen. die absicht in allen ehren, aber warum erfüllt sie der streifen dann nicht? der “held” der story lehnt sich nicht etwa gegen die ganzen ungerechtigkeiten auf – nö, er ist vielmehr vor lauter angst emsig damit beschäftigt sich anzupassen und per illegaler mittel sein defizit, makel, behinderung, was auch immer zu verbergen, denn er will ja unbedingt auf diese verschissene raummission. wie verlogen ist DAS denn? erinnert mich irgendwie an eine gewisse zeit, als ein österreicher hier was zu sagen hatte. und was noch schlimmer ist: dass sich so gut wie niemand über diesen film aufgeregt hat!

    amelie:
    der absolut bedeutungslose mist ist es nicht wert, dass ich auch nur noch einen einzigen gedanken dran verschwende. ich hasse ihn und du magst ihn. na und? ich kann sehr gut damit leben.

    @die fünf filmfreunde: habt ihr schonmal dran gedacht ein forum zu eröffnen? es wäre höchste eisenbahn…

  50. Himbeerlola

    @DraMaticK
    “Die Vietnam Episode alleine genommen (Medaille für Sinnloses hin- und herrennen; Kriegsveteranenelend im Anschluss) ist das doch wohl kaum konservativ besetzt.”

    das sicherlich nicht, aber ehrlich gesagt habe ich diese episode damals als schlag ins gesicht für jeden soldaten empfunden. das war einfach nur pfui.

    “Mich würden hier übrigens insgesamt mal ein paar weibliche Meinungen mehr interessieren (LiT, Amelie, Eternal Sunshine, Before Sunrise (der wirklich langatmig/weilig obwohl schön ist)…”

    beachte mich in diesem zusammenhang einfach nicht bzw. werte mich nicht als frauenmeinung, denn ich kann mit den meisten mädchenflmen nix anfangen oder habe gaaanz andere ansichten (zu was auch immer) als 95% der anderen damen. gutes beispiel: brad pitt und tom cruise sind widerliche hackfressen…du verstehst, was ich meine…hehe

  51. DraMaticK

    @himbeerlola:
    “aber ehrlich gesagt habe ich diese episode damals als schlag ins gesicht für jeden soldaten empfunden. das war einfach nur pfui.”

    warum?

    “beachte mich in diesem zusammenhang einfach nicht bzw. werte mich nicht als frauenmeinung”

    ich glaube auch jedes mir bekannte weibliche wesen würde mir bei amelie kritik die augen auskratzen… gesichter sind dagegen immer geschmackssache…

  52. Himbeerlola

    warum? weil das nix mit antikriegsstatement oder simpler krieg-ist-schlecht-aussage zu tun hatte, sondern einfach nur ein hinterhältiger und verdammt respektloser tritt in die eier für jeden war, der sich irgendwo auf der welt gerade die kniescheibe wegschiessen lassen muss (und jetzt bitte nicht die leidige berufssoldaten sind doch selber schuld diskussion…*winsel*)

    amelie: ich kratze garantiert niemandem die augen aus, nur weil er amelie scheisse findet, aber das dürfte klar geworden sein…*g* und wegen den gesichtern: logisch ist das geschmackssache, wie überhaupt alles. ich hab nur die beiden super lesbischwerdgründe rausgepickt, um zu verdeutlichen, dass ich eben anders ticke als die anderen mädels. wenn man mal vom clooney schorsch absieht…schleck. ok…spass beiseite. ich denke, dass du verstanden hast worauf ich raus will. ne durchschnittliche frauenmeinung wirste bei mir eher selten finden. und jetzt kannste nich behaupten, dass ich dich nich gewarnt hätte…;o)

  53. caliban

    Schööööööööööööner Beitrag^^
    Und die 53 Kommentare geben ja völlig recht *grins*
    Klar, mir persönlich hat GATTACA gefallen, aber die Kritik kann ich nachvollziehen.
    Mir hat auch American Beauty gefallen, aber die Kritikpunkte kann ich nachvollziehen.
    etc, etc…

    Was mir auffällt: von 10 Filmen sind 8 aus den USA. Sönke Wortmann wird hier kaum in den Kommentaren erwähnt und es ist auch kein Konkreter Film beschrieben.
    Da fällt dann nur noch Amelie aus der Reihe. Und das ist bei aller Liebe fürs französische Kino wirklich eine Zumutung^^

  54. Chris

    Die Liste kann ich ziemlich gut nachvollziehen.
    Wer sich mit französischem Kino auseinandergesetzt hat, viele Filme aus Frankreich gesehen hat und nicht nur auf das omnipräsente, amerikanische Kino fixiert ist, der kann Amelie nicht wirklich gut finden. Anderseits verstehe ich, dass man Amelie für einen tollen Film hält, wenn man hauptsächlich amerikanische Filme kennt.
    Ein weiterer Film, den ich für sehr überschätzt halte, ist “Der englische Patient”. Ein hoher Nervfaktor war für mich die “leidende” Synchronstimme des Hauptdarstellers.

  55. kontenfee

    Die Wunderbare Welt der Amelie auf Platz 1 ??? Halloooohoooo ??? Der ist ja wohl schon eher speziell!

  56. Spekulant

    was mir bei deinen kritiken auffällt ist das du den unterhaltungswert der filme in den hintergrund stellst. Bedarfs immer absoluter inhaltlicher logik um einen film für dich sehenswert zu mnachen? ich geh ins kino um spass zu haben, um mich von der story packen zu lassen oder bildgewaltige momente zu erleben. Filme bis aufs kleinste anlaytisch auseinanderzunehmen und aufgrund vielleicht vorhandener logischer fehlern etc das große ganze zu reduzieren führt meiner meinung nur dazu das der spass am film an sich verloren geht. Fazit ist, geh mit freunden ins kino um dich zu amüsieren, ansonsten dokus anschaun, that´s real life.

  57. Spekulant

    kritik findet sich an allem, aber leg doch einfach mal während der vorstellung notizblock und stift weg und have fun!

  58. Spekulant

    und noch was: kritik an forrest gump? tsss

  59. Danny Shapiro

    ich muss jetzt mal was zu forrest gump loswerden, auch wenn die diskussion schon ne weile her ist. ich hab jetzt schon so oft gehört, das der film erzkonservativ ist und eine botschaft rüberbringt, die sagt, dass die unangepassten verlieren (aids) und der dumme der sieger bleibt.

    wenn das die botschaft ist, dann ist das doch die beste aussage, die man über den film machen kann. eine gesellschaft in der genau diese botschaft stimmt und genau diese moral herrscht, ist eine sehr kritikwürdige. wir sehen in dem film eine gesellschaft, die auf diesem prinzip beruht und wir sehen menschen, die ausscheren aus dem system und scheitern. und dan sehen wir gump, einen idioten, alles erreicht ohne auch nur das geringste davon zu haben. sein ganzes leben dreht sich um jenny, die ihm wegstirbt, sie stirbt ihm weg, weil seine moral (die “iditiosche” moral in der die dummheit siegt) die moral der ganzen gesellschaft ist. jennys tod kann man auch als forrests strafe sehen. er kann ja die gesellschaft und das leben um ihn herum nur deswegen ertragen, weil er es gar nicht richtig mitkriegt, weil er viel zu “doof” ist. das beschreibt ja auch sehr schön den zustand, in dem viele menschen wahrscheinlich wirklich leben. daher gesehen finde ich es eher bedenklich, wenn dem zuschauer unterstellt wird, dass er zu blöde ist, das zu erkennen und sich von der vermeintlichen propaganda weissmachen ließe, dass forrest gump der glücklichste trottel der welt ist und mit dem man unbedingt sein leben eintauschen will, nur weil er reich ist. das er mit konservativen idealen so weit kommt, das ist doch gerade das schlimme. da frag ich mich wirklich, wer hier auf welche ideologie eigentlich reingefallen ist bzw. für wie dumm man die zuschauer halten muss, damit eine kritik propaganda entlarvt. der film sollte nicht absolut ironiefrei gesehen werden.

    und übrigens: lieutnant dan, jenny und die anderen ausscherer sind gerade die spannenden figuren im film. dass jenny stirbt ist keine strafe, sondern macht sie im gegensatz zu gump zu einem lebenden menschen. und lebende menschen sterben (auch an aids). wenn das wirklich als strafe gemeint war, wäre jenny sicher viel platter ausgearbeitet wurden, aber ihre geschichte ist eben die spannende, die mehr in der realität verankerte geschichte und die von gump eben nur die einer idee, einer art traumrealität. wenn die botschaft so konservativ wäre, würde ja auch kein mensch mit gump um seine jenny trauern, dann wäre sie ja selbst schuld und eigentlich dürfte gump dann auch nicht traurig sein, sondern ein glücklicher trottel.

  60. xyz

    Hört, hört!

    Im Film Forrest Gump eine erzkonservative Botschaft zu suchen wäre mir wohl niemals eingefallen. Ich finde auch nicht, dass Jenny, Dan und die Friedensbewegung wirklich negativ dargestellt werden.
    Abgesehen von Jennys… was war der noch gleich? Diesen “Freund” meine ich, ihr wisst schon, wen ich meine. Aber von ihm wurde doch nicht gleich auf die gesamte Bewegung geschlossen – zumindest hatte ich nicht den Eindruck. Jenny und Dan sind in meinen Augen stets Sympathieträger des Publikums und werden nicht wirklich als fehlgeleitete Widerständler die “bestraft” werden müssen dargestellt.

    Übrigens, was die Soldaten-Diskussion angeht: Sinnloses Hin- und Herlaufen? Ich meine, Gump hätte mit diesem Hin- und Herlaufen so ziemlich allen Mitgliedern seines Trupps das Leben gerettet, wenn ich den richtigen Film gesehen habe. Ist das sinnlos?

    Das Originalwerk ist mir durchaus bekannt, und ich kann nachvollziehen, wie die Leute unter Hinzuziehung des Romans auf die Idee kommen, der Film sei konservativ. Dazu müssten die Macher den Roman allerdings wirklich gründlich missverstanden haben – was ich nicht glaube.
    Der Film geht da in eine andere Richtung und sollte vielleicht doch etwas losgelöster von der “Vorlage” gesehen werden.

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