The Last King of Scotland

6 Comments

“Go home and tell the truth about Amin. They will believe you. You are the white man.”

Originaltitel: The Last King of Scotland
Herstellungsland: Großbritannien 2006
Regie: Kevin Macdonald
Darsteller: Forest Whitaker, Gillian Anderson, James McAvoy, David Oyelowo, Kerry Washington

★★★☆☆

Last king of Scotland

Nicholas Garrigan (James McAvoy) ist ein junger, ambitionierter Arzt, den es zum Beginn seiner Karriere, anfang der 70er Jahre, eher durch Zufall nach Uganda verschlägt, ein Land im Aufruhr das erst seit knapp zehn Jahren wieder unabhängig ist.

Hatte er eigentlich vor in einem ländlichen Krankenhaus der Bevölkerung zu helfen, ändert sich dies schnell, als er durch einen weiteren Zufall General Idi Amin (Forrest Whitacker) über den Weg läuft, der mit seinen Mannen grade die Macht ergriffen hat und President Obote in einem Putsch absetzte, als dieser grade außer Landes war. Die westlichen Ländern sehen Amin zunächst mit Wohlwollen, erhoffen sie sich doch von ihm einen beständigeren Verhandlungspartner, der ihren Interessen entgegenkommt.

Schnell wird Nicholas in den engeren Kreis der Macht befördert, als Amin ihn kurzerhand erst zu seinem Leibarzt und kurz darauf zu seinem Berater in allen Lebens- und Politlagen macht. Anfänglich noch geschmeichelt undangetan, von den Verlockungen und Privilegien der Macht, muß Nicholas langsam erkennen, daß er es bei Amin mit einem Soziopathen zu tun hat, dessen Handeln über die Jahre zunehmend paranoider und grausamer wird.

Als sich Nicholas mit einer der Frauen Idis einläßt, gerät er selbst ins Visier des jovialen Diktatoren und muß die Konsequenzen für seine Ignoranz tragen.

Ho. Hum. Ein leichtes Thema hat sich Regisseur Kevin MacDonald, wie schon bei seiner preisgekrönten Dokumentation “One Day in September” nicht ausgesucht und wie auch bei dieser, verhebt er sich für meinen Geschmack etwas an der wuchtigen Vorlage.

So ehrenwert daß Anliegen ist, die Herrschaft des legendären, als Monster und Menschenfressers verschrienen Idi Amin aufzuarbeiten und einem breiteren Publikum vorzustellen, vorhersehbar und klischeehaft ist diese Umsetzung gelungen. Sicher Forrest Whitacker spielt sich als freundlicher Kuschelpsychopath einen Wolf und gibt das überzeugende Portrait eines Mannes der seine Unsicherheiten durch eine unterschwellige Aggression kompensiert, der vor allem Anerkennung sucht, weil er fürchtet selbst nicht genug zu wissen, aber trotz dieser respektablen Leistung bleibt inhaltlich wenig mehr als eine typische “Entdecke dein Gewissen”-Story, wie man sie dutzendfach gesehen hat. Ob nun Idi Amin oder Meryll Streep in “The devil wears prada“, immer gerät ein Aussenstehender in den inneren Kreis der Macht und muß am Ende eine Gewissensentscheidung treffen oder die Konsequenzen tragen.

Mag das in der Modewelt noch ganz spaßig sein, so hat es hier doch etwas ärgerliches, daß man meint, die Zuschauer nur für eine afrikanische Thematik interessieren zu können, indem man ihnen einen (erfundenen) westlichen, weißen Arzt als Identifikationsfigur anbietet, der für uns einen Blick ins Fremde Land wirft.

Durch diesen abgegriffenen Kunstgriff, vermeidet es die Story wirklich viel über das Land unter der Herrschaft Amins zu erzählen, über politische Implikationen und die Auswirkungen auf die Bevölkerung. Es fokussiert auf Whittackers Portrait dieses Mannes, der letztlich aber auch wenig mehr Tiefe hat, als andere charismatische Leinwandschurken. Der durchaus talentierte McAvoy schafft es nie wirklich, seine Figur über ihre offensichtliche dramaturgische Funktion hinaus interessant zu machen. Wir erfahren zu wenig über ihn und das was wir erfahren lädt nicht grade zur Identifikation ein, da hält sich dann auch das Mitleid in Grenzen, wenn er am Ende die Auswirkungen von Amins Zorn zu spüren bekommt.

Es bleibt der schlechte Geschmack, daß man bei allem Aufwand der hier getrieben wurde, letztlich doch eine Story serviert bekommt, die, wenn man den realen Hintergrund mal wegnimmt, unglaublich schematisch erzählt wird und streckenweise trotz solider Schauspieler etwas ermüdet.
Auch wenn sich Whitacker Mühe gibt und sicherlich eine beeindruckende Performance abliefert: Irgendwann wurde ich seines Gebelles und seines ugandischen Dialektes müde, zumal der Film wenig Überraschungen bereithält, die einen mitfiebern lassen, wie das Ganze denn ausgeht.

Wenn Nicholas sich irgendwann aufrafft Amin zu vergiften, dann ist das genauso langweilig, wie die Versuche in den Star Wars-Prequels Spannung damit aufzubauen, ob Anakin denn wohl zur dunklen Seite der Macht wechselt. Wir wissen das er es tut, wir wissen das Amin nicht vergiftet wurde sondern später ins Exil flog, wo er nach gescheiterten Comebackversuchen 2003 verstarb.
Wie spannend wäre ein Film, der jemanden zeigt, der sich mit Hitler anfreundet und langsam das erkennt, was man als Zuschauer eh schon weiß, daß Adolf eben nicht nur ein begnadeter Landschaftsmaler und charmanter Gesprächspartner war sondern auch ein kleiner Massenmörder und Geisteskranker erster Güte?

Obendrein ist Dokumentarfilmer MacDonald auch niemand, der mit subtilen Bildern oder Botschaften arbeitet. Wie schon bei “A Day in September” holt er gerne mal die große Gefühlskanne aus dem Schrank um dem Zuschauer holzhämmernd mitzuteilen, was es jetzt grade zu denken udn fühlen habe. Zwischentöne und Nuance, moralische Ambivalenzen, die die Geschichte spannend gemacht hätten, leistet sich MacDonald in dieser sehr freien Romanverfilmung nicht.

Das ist typisches Hollywoodkino, vom Schlage eines “Schindlers Liste”, daß viel zeigt und wenig erklärt und im Zweifel auf Klischees und Gefühlsdrückerei setzt und wie üblich bleibt außer einem gewissen Bauchgefühl wenig Substanz über, wenn der Abspann rollt.

Hol dir die Buchvorlage: Der letzte König von Schottland.

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About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.
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  • Tom

    Kann es vielleicht sein, dass hier mit falschen Erwartungen rangegangen wurde? Jeder halbwegs gebildete Mensch weiss schon vor der ersten Sekunde Film über das Ende Bescheid, also wie kann so ein Argument dann greifen? Der Film ist eine Literaturverfilmung nach einem Buch des Journalisten Giles Foden. Und seine Hauptfigur spiegelte Boden aus der Realität, nämlich durch einen gewissen Bob Astles, der zwar kein Arzt war, aber auch Vertrauter Amins wurde. Also, Hausaufgaben machen und wenn ihr was spannendes wollt, kauft euch ein Überraschungsei :)

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Batzman

    Meine Hausaufgaben habe ich gemacht, daß es sich im eine Literaturverfilmung handelt ist mir natürlich bekannt, daher auch der Satz in meinem Review: “Zwischentöne und Nuance, moralische Ambivalenzen, die die Geschichte spannend gemacht hätten, leistet sich MacDonald in dieser sehr freien Romanverfilmung nicht.”

    Wirklich eng hält sich der Film nicht an die Vorlage. Es bleibt eine hochgradig fiktive Story, die wenig ins Detail geht und für meinen Geschmack eine reale Figur nur nutzt um typisches Klischeekino aufzubauen.

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