Indy 4: Auf der Suche nach dem guten Rat

11 Comments

Indy 4

Wie die meisten Fans von damals, habe auch ich ein sehr zwispältiges Verhältnis zum neuen Indiana Jones Film, der fast 20 Jahre nach “The last Crusade” noch einmal die Abenteuer des wagemutigen Archäologen weiterspinnen soll.

Indy war Teil meiner Kindheit und die Filme haben, wie viele Action Ikonen der 80er, wenig von ihrem Drive und Charme eingebüsst. Sie stehen für Klischeehafte Stories, die mit viel Witz, Selbstironie und überkandidelter, aber dennoch erdgebundener Action gewürzt wurden. Die Bedrohungen waren real und dennoch überlebensgroß, die Gefahren konnte man bei aller Absurdität ernst nehmen.

Im Sommer fällt nun die erste Klappe für die bisher unbenannte Fortsetzung und viel Wasser ist seit dem den Nil heruntergeflossen. Nach dem letzten Film war George Lucas ein genialer Produzent, der die beste Trickschmiede der Welt führte und Spielberg war, trotz Ausflügen ins ernste Fach, in erster Linie ein brillianter Popcornregisseur, der genau die richtige Mischung zwischen Spannung und Komik komponieren konnte.

Doch danach ging es bergab. Erst wurde Indiana Jones in einer kriegsverherrlichenden Pseudoschulfernsehserie als Young Indy verheizt, eine Serie der alle Elemente fehlten die die Filme spannend machten. Spielberg bäumte sich mit Jurassic Park noch einmal auf, ehe durch Schindlers Liste sowohl die Spiritualität als auch die Ernsthaftigkeit entdeckte und fortan Filme machte die irgendwie “gewichtiger” sein wollten. Es folgten Flops wie “Jurrassic Park II“, “Amistead“, Kubrick-Adaptionen und Survivor-Projekte. Mediocre TV-Serien von “SeaQuest” bis “Taken” und irgendwann war Spielberg nur noch irgendein Regisseur, dessen Filme längst nicht mehr so sehnsüchtig erwartet wurden wie früher einmal. Selbst wenn er solide Unterhaltung ablieferte wie in “Catch me if you can“, der Zauber der 80er in denen alles was er anfasste diesen besonderen Touch hatte, selbst wenn er nur produzierte, er ist lange vergangen.

Und Lucas? Er der nie ein großer Regisseur war, der seit dem ersten Star Wars-Film schon Ende der 80er zehn Jahren nicht mehr im Regiestuhl gesessen hatte? Er verlor zusehends sein Gespür für alles was magisch war. Analog zu seinem geistigen Verfall, der ihn glauben ließ er könne auch ohne fähige Leute die ihm Drehbuchschreiben und Regie abnehmen wirklich großes schaffen wenn er alles allein macht, analog zu seinem gesteigerten Größenwahn ging es auch mit ILM bergab.
Seit der digitalen Revolution durch The Abyss und T2 verließen immer mehr der altgedienten Recken die Industrie-Magier und gründeten eigene Firmen, zurück blieben Effektbeamte die mit jedem Jahr langweiligere Arbeit ablieferten und erst aufwachten, als ihnen Peter Jacksons WETA einen grandiosen Arschtritt versetzte.

Seit dem letzten Indy, sind drei furchtbar, grauenhafte, CGI-Monstrositäten erschienen, die sich als Prequels der “Star Wars”-Reihe ausgaben, die Nachbearbeitungen und digitalen Veränderungen die die Original-Trilogie, wie auch “E.T.” über sich ergehen lassen mussten stehen noch immer als Mahnmal dafür, daß man Regisseuren niemals zuviel macht über ihr Werk einräumen soll. Das ging schon bei Goethe nicht gut.

Nach soviel Schrott mit dem zwei einstmals große Popcorn-Erzähler die Zuschauer in den letzten 20 Jahren belästigt und vergrätzt haben, wollen sie jetzt noch einmal Indiana Jones ins Visier nehmen. Mit einem Hauptdarsteller, dessen Karriere leider nicht ganz zu unrecht seit Mitte der 90er zunehmend in der Bedeutungslosigkeit versickerte. Der mittlerweile so alt ist wie sein Vater im letzten Film und der leider nicht halb so interessant und würdevoll gealtert ist, wie Sean Connery. Kein Wunder, daß man als Fan der Serie Magenschmerzen hat.

Verhindern wird man den Film nicht. Ignorieren dürfte auch schwer werden. Aber man kann sich diese Tipps an die Macher durchlesen, die in der Cinematical veröffentlich wurden. Und hinterher wenn der Film fertig ist sagen: “Warum hat niemand auf diese Tipps gehört?”

Tipps wie diesen hier:

“7. Speaking of CGI, let’s limit it substantially or ban it from the production all-together. Yes, CGI is just like any other tool in the filmmaker’s toolbox, open to either creative use or misuse, but George Lucas is a misuser. An abuser. When I first heard that unsourced British tabloid rumor about him wanting to use CGI for Indy’s whip this time around, I knew immediately that it was true. It stunk of Lucas. I’m appealing to Spielberg personally here — trust that little voice in your head that tells you ‘Indy 4′ shouldn’t be a CGI extravaganza. Limit yourself to the tools that were available in say, 1989, and stick to those. Call it tying one hand behind your back if you want — a creative challenge. In Temple of Doom, you dropped Indy out of a plane and into roaring rapids, all without the use of CGI. If you could do that then, you don’t need CGI now. Indy is an analog kind of guy, and there’s something terribly disheartening about imagining him doing his thing in front of a greenscreen.”

In : Thema

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

11 Comments

  1. Claas

    Ich hoffe so sehr, dass Spielberg – der filmische Übervater meines Wunsches selbst Filme zu machen – diese kleine Stimme noch hört.

  2. Björn

    Theoretisch könnten sie was draus machen, wenn Harrison Ford im neuen Indy eine charakterlich ähnliche Rolle wie damals Sean Connery einnähme. Das würde zu seinem Alter passen, und da könnte man einen witzigen Film draus machen. Etwas weniger nackte Oberkörper-Action, dafür etwas mehr witz, Rafinesse und Charme. Ich glaube das würde gut gehen, vor allem wenn sie es hinbekommen, das Indy den Charme seiner alten Tage aufrecht erhält, nur jetzt eben etwas älter. Schief wirds hingegen gehen, wenn sie versuchen aus einem alten Indy einen jungen zu machen, der genauso agiert wie der alte. Das würde nicht klappen, denke ich.

    Naja, ich erwarte mal das schlimmste, hoffe aber auf das Beste, wie immer :)

  3. Rene Kriest

    @Björn

    Yep, das ist ein brillanter Gedanke. Vielleicht wäre River Phoenix ja auch der neue Indiana Jones geworden, wenn er damals nicht die Nadel in der Vene gehabt hätte und den Löffel abgab.

    Auch sonst bin ich weitgehend Deiner Ansicht. Für mich hat Lucas seinen Zenit überschritten. Schon mit Star Wars EP 1-3 konnte ich nicht anfangen, außer daß Lucas einen Prequel-Story-Hype ausgelöst hat (vgl. Hannibal Lector usf.).

    Viele Grüße,

    René Kriest

  4. echox

    Und trotzdem haette es rein von den Schauspielern noch schlimmer kommen koennen…
    Z.B. wenn Spielberg auf die absurde Idee gekommen waere, man braeuchte unbedingt einen juengeren Schauspieler der nicht so sehr durch seine Koerpergroesse beeindrucken kann und dann den hier aussucht: http://tinyurl.com/2atl5y

  5. links for 2007-03-25 at flokrus Blog

    [...] F5 – Indy 4: Auf der Suche nach dem guten Rat Batzman von den fünf Filmfreunden macht sich Sorgen über den vierten Teil der Indiana-Jones-Reihe. (tags: Indiana_Jones Film George_Lucas Steven_Spielberg CGI) [...]

  6. Moviesteve

    Als blauäugiger Filmguckidealist habe ich noch immer Vertrauen in Mr. Spielberg. Er hat imho bisher keinen schlechten Film abgeliefert. (Batzman bitte hier reinschlagen! ;-)) Ich glaube nicht, daß sich das ausgerechnet mit Indy 4 ändern wird. Darüber hinaus bin ich sicher, daß sowohl er als auch Harrison Ford über genug Weitblick und realistische Selbsteinschätzung verfügen, um sich nicht in albernen Unglaubwürdigkeiten zu verrennen (also die Fantasy-Elemnte mal außen vor, versteht sich) und Henry Jones Jr. als Power-Rentner zu präsentieren. Da wird ganz bestimmt genug Selbtsironie unter dem Motto “Ich bin zu alt für den Scheiß!” eingearbeitet werden.

    Ob eine Fortsetzung von Indy sein muß? Klares Nein.
    Ob sie aber unbedingt ne enttäuschende Mega-Gurke werden muß?
    Auch hier recht zuversichtliches Nö.

  7. Cineast

    Ich glaube ja nicht, das sowohl Lucas als auch Spielberg ihr Können verloren haben. Vielmehr sind ihre Fans aus den Achtzigern inzwischen erwachsen geworden und idealisieren die Filme aus dieser Zeit in den Himmel, während neuere Filme natürlich dagegen nicht anstinken können. Zusätzlich kommt eine allgemeine Hype-Maschinerie, die jedes neue Projekt als Neuerfindung des Rades verkauft, was es dann natürlich nicht ist. Ein großer Teil des Erfolges von JP ist die zurückhaltende Werbekampagne gewesen, die so gut wie nichts von den Dinosauriern gezeigt hat. In Zeiten von youtube ist sowas schlicht unmöglich. Außerdem kann man heutzutage keine selbstironische Popcorn-Action mehr machen wie in den Achtzigern. Der letzte Versuch in diese Richtung war “Sky-Captain” und man hat ja gesehen, wie der abgeschmiert ist. Indy 4 wird höchstwahrscheinlich viele Enttäuschungen hervorrufen, entweder weil es er zu retro wird oder nicht retro genug. Oder beides. An den Nostalgie-Charme der Originale wird er so oder so nicht heran kommen. Da hilft auch kein Sich-Beschränken auf die Technologie der 80er, eine durch und durch blödsinnige Idee. Das würde dann nämlich in dieselbe Retro-um-des-Retros Willen-Richtung abschmieren wie die jüngsten Tarantino-Filme.

  8. justus_jonas

    @Moviesteve: Hook? “Hook” war grottig. Da muss man auch nicht großartig argumentieren.

    Neben Cate Blanchett hat jetzt auch Ray Winstone (The Departed, Sexy Beast) eine Rolle in “Indy 4″ ergattert. Von der Castingseite her liegt der Film eindeutig im grünen Bereich… bislang.

  9. Léon~der~Profi

    also ich hab immer gehofft es würde noch einen 4.Teil geben…und nun ist es endlich soweit….seien wir doch froh das es wieder Harrison Ford macht,ich bin mir sicher das es ein toller 4ter Teil wird,Ihr macht euch viel zu viele gedanken…..das einziegste Thema was mann nicht mehr hätte anfassen dürfen war “Miami Vice”
    diese Serie ist Kult und unantastbar…
    und nun seht euch diese Neuauflage davon an..nee.

  10. Jay

    Leute, der Film wird geil. Freut euch einfach drauf – oder lasst es sein. Ich für meinen Teil bin überglücklich, dass es endlich soweit ist!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked (required)

Fünf Facefreunde
Fünf Filmtumblr