Wie die regelmässigen Leser dieser Seite wissen, steht in diesem Jahr ein Double-Feature der besonderen Art an. Quentin Tarantino und Robert Rodriguez haben sich zusammengetan um die Zeit der billig produzierten Schockerfilme der 70er wieder aufleben zu lassen. Grindhouse, das waren trashige Filme die versuchtem mit viel Sex, Gewalt und absurden Stories ihr Publikum zu begeistern.
Meist liefen diese Filme im Doppelpack und auch in Amerika kommen die Grindhousefilme der beiden Kultregisseure als Double-Feature daher, komplett mit gefakter Werbung und Fake-Trailern.
Ausserhalb der USA, in denen Grindhouse kein Begriff ist, entschloß sich die Produzenten den Film als zwei Einzelfilme zu vermarkten, ein Schachzug bei dem Geld sicherlich auch eine Rolle gespielt hat.
Das doppelte Eintrittsgeld können die Weinsteinbrüder vielleicht bald dringend gebrauchen, zumindest wenn sich der Trend fortsetzt, der am Eröffnungswochenende in den Staaten zu beobachten war: Grindhouse floppte. Mit nichteinmal 13 Mio Dollar Einspielergebniss legte das vielgehypte Werk einen mehr als enttäuschenden Start hin, selbst pessimistische Stimmen waren von 20 Mio. ausgegangen.
Zudem sind die Kritiken auch eher gemischt, selbst bei ausgewiesenen Fans der beiden Regisseure. Während man Rodriguez-Werk “Planet Terror” zumindest bescheinigt den Tonfall des Grindhouse-Genres zu treffen und einen zwar nicht sehr originellen, aber unterhaltsamen Splatter-Trash abzuliefern, gehen die Meinung bei Tarantinos “Death Proof” deutlich auseinander.
Zuwenig spektakulär und zu geschwätzig sei der Film geworden, monieren zum Beispiel die Tarantino ansonsten wohlgesonnenen Kritiker Kurt Loder, Mark Dujsik und Libertas
Death Proof is not a grindhouse film. Were it a good film, that would be okay, but it’s an awful film. (…) Grindhouse films were many things with many flaws, but never talky. Death Proof is unforgivably talky. (…)
Had it been released in 1971, Death Proof would’ve done what few films ever did to a grindhouse audience ready for anything: bored them to death. Even bad films stirred that audience’s energy because those films at least moved. There was always something new to make fun of. But Tarantino just sits there in the same place minute after tedious minute showing off with his camera and getting off on the sound of his own mundane dialogue.
Sollte sich das bewahrheiten, könnte Tarantino den ersten wirklichen Stinker seiner Karriere abliefern. Sollte “Death Proof” allerdings tatsächlich so öde sein, wie die Reviews befürchten lassen, dann wäre es fast begrüssenswert, wenn Rodriguez Film durch ihn nicht runtergezogen wird und alleine sein Publikum findet.
Obendrein vergrätzen die Weinsteins derzeit auch die US-Fans mit der Ankündigung, daß GRINDHOSUE für die DVD-Veröffentlichung geteilt wird um zweimal abzukassieren. Zudem hat man die US-Werbekampagne geändert und bewirbt nun statt “Two Movies for the price of one“plötzlich “A Theater only experience” um den Leuten zu suggerieren, sie müssten ins Kino um beide Filme so zu sehen, wie sie eigentlich konzipiert waren.
“The running time of the movie, an ode to exploitation films of yesteryear, had been expected to be something of a drag on B.O., and Monday-morning quarterbacks may say the two parts should have been split and released separately, as they are abroad. TWC had reportedly toyed with the idea, but the filmmakers wanted their pics to remain as a double bill.
Harvey Weinstein defended the decision to keep the two together Sunday, telling Daily Variety it was artistically the right move and that the movie will be a moneymaker thanks to its foreign sales as separate films and an upcoming DVD rollout, which also will release the films as two separate titles.
But he acknowledged that it “has taken a while to educate the public” on how the pairing would work, as some moviegoers in areas outside Gotham and Los Angeles went into multiplexes not realizing they were in for two distinct pics.
(…)
Harvey Weinstein said the distrib will tweak the movie’s marketing materials to reinforce to auds that “Grindhouse” will only be a theatrical experience and won’t be rolled out on homevideo as one film.”
Damit bestätigt sich zumindest die Ansicht vieler deutscher Fans, das Tarantino und Rodriguez keinesfalls happy damit sind, wenn ihr Film geteilt wird und dem Split für den Internationalen Markt wohl eher widerwillig zugestimmt haben. Wenn es für Amerika “künstlerisch richtig ist”, den Streifen als Einheit zu präsentieren, warum soll es dann im Rest der Welt richtig sein ihn zu teilen?
Warten wir mal ab, wie sich die Besucherzahlen entwickeln und was das Publikum letztlich von diesem Experiment hält.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- April 10th, 2007 •
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- 10.04.2007 - poppulus.de - immer neu:gierig
- 07.05.2007 - Filmjournalisten.de
- 14.05.2007 - F5 - Die Fünf Filmfreunde


















Ach die Amis, die hypen auch 300 bis zum geht nimmer…
Zwischen den beiden Startterminen liegt ja (Glück im Unglück) nur ein Monat, und ich hoffe ja sehr, dass zumindest ein Kino hier in der Nähe dass Double-Feature auch so, wie es von den Machern geplant war, zeigen wird…
“Künstlerisch richtig” my ass, vielleicht lassen wir uns auch einfach nur zuviel gefallen. Dass es bei diesem Schritt nur um die Kohle geht dürfte wohl klar sein.
Kommentar #1 von Jeriko One am 10.04.2007 um 03:06 Uhr
13 Millionen sind tatsächlich erstaunlich wenig, man kann nur raten, warum das so ist… vielleicht ist er doch auf ein zu spezielles Publikum zugeschnitten?
Kommentar #2 von Renington Steele am 10.04.2007 um 07:47 Uhr
Ich denk mal viele lassen sich auch von der Dauer abschrecken, 3h 40m will ja auch erstmal bewältigt werden.
Kommentar #3 von Jeriko One am 10.04.2007 um 09:11 Uhr
dabei dauert er laut imdb nur 191min
Kommentar #4 von manbatz am 10.04.2007 um 11:29 Uhr
Möglicherweise war es auch nicht die cleverste Entscheidung GRINDHOUSE am Osterwochende anlaufen zu lassen. Da geht man in den USA wohl eher gemeinsam mit der Familie ins Kino. Das sieht man denn auch in den TOP 3 der US-Top-Ten: “Blades of Glory”, “Meet the Robinsons” und “Are We Done Yet”.
In der Pressemitteilung von SENATOR wird Tarantino zu der Einzelausstrahlung der GRINDHOUSE-Filme übrigens wie folgt zitiert:
„Robert und ich mussten unsere Filme für das US Double-Feature sehr stark kürzen. Aber wenn man sich die Filme einzeln anschaut, bekommt man die volle Ladung DEATH PROOF – ungekürzt. Ich musste Einiges schneiden (….). Die Version von DEATH PROOF, die man in Deutschland sehen wird, reflektiert mein Drehbuch besser.“
Im Übrigen erinnert mich das ganze Szenario (schlechte Einspielergebnisse, Nerd-Hype) auch ein wenig an das SNAKES ON A PLANE-Fiasko.
Kommentar #5 von justus_jonas am 10.04.2007 um 11:55 Uhr
IMDB Wertung von 8.6, Top 108 of all time :D
Ach o.O
Kommentar #6 von Shady IIV am 10.04.2007 um 12:11 Uhr
fragt sich, welcher grindhouse film schonmal annähernd 113mios eingespielt hat… so viel mal dazu
Kommentar #7 von Jan am 10.04.2007 um 14:50 Uhr
Hm spontan fielen mir da die SHAFT-Filme und andere Blaxploitation-Heuler ein. Wenn man deren Gewinne Inflationsbereinigt umrechnet, kommt da sicher mehr als 13 Mios raus….
Kommentar #8 von Batzman am 10.04.2007 um 14:57 Uhr
Ich habe da andere Meinungen gehoert.
Die Kritiken in den Zeitungen sind allgemein sehr gut und die Zuschauer waren begeistert, unter anderem ob der Absurditaet. Und waehrend Rod die Unfaehigkeit zur Kunst erheebt (Regiefehler werden zelebriert) machte QT einen schoenen Oldschoolfilm. Die NYT sagt das es die Kombination ist die beide so sehenswert macht und explizit OT Teil lobt.
Und ich fand beide Filme super, Hab ich gelacht.
Kommentar #9 von drjoersch am 10.04.2007 um 18:44 Uhr
Meine Meinung zu Death Proof?
Ein bemerkenswerter Autounfall aber zu viele Füße und viel zu viel Gelaber.
Kommentar #10 von Tiziana Imageberatung am 11.04.2007 um 12:55 Uhr
Die SZ schreibt (sueddeutsche.de/kultur/artikel...) :
Anpassung an das Publikum
Es scheint, als habe dem amerikanischem Publikum der Sinn für diese Verfremdung gefehlt. Ein Teil des Publikums bekam die Doppelgesichtigkeit gar nicht mit und verließ nach dem ersten Teil das Kino. “Ich glaube, die Leute haben nicht kapiert, was wir da machten”, resümierte enttäuscht der Produzent des Films, der unternehmungslustige Harvey Weinstein.
Nun denkt er an einen Neustart nach, Film für Film. “Ich verstehe die Mathematik nicht, aber ich möchte mich dem Publikum anpassen.”
Kommentar #11 von justus_jonas am 14.04.2007 um 12:29 Uhr
Uuups. Im zweiten Wochenende ist das GRINDHOUSE-Box Office noch einmal um 62 Prozent gefallen. So hält sich der Film nur noch knapp in den TOP TEN. Das ist wirklich bitter.
Kommentar #12 von justus_jonas am 15.04.2007 um 22:59 Uhr