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30 Dokumentationen die man kennen sollte – Teil 1

Standard, 19. 4. 2007, Batzman (Oliver Lysiak), 19 Kommentare

Nicht erst seit Michael Moors polemischen Rundumschlägen erfreien sich Dokumentationen weltweit wieder einer erhöhten Aufmerksamkeit. Fristeten sie früher als Belehrende Bildungsprogramme ein Nischendasein auf Festivals und den dritten Programmen, so erweisen sich einige heute als veritable Kinohits und DVD-Topseller. Doch wo es viel Licht gibt, da gibts auch viel Scheisse und so gibt es neben vielem sehenswerten auf viel erfolgreiches, daß einen Schreien lässt. Von schwurbeliger Pinguin-Verklärung bis zu Guido Knopps gruseligen Nazi-Soaps.

Wir möchten euch hier eine Reihe von Dokumentationen vorstellen, die wir selbst für sehenswert und wichtig halten. Die Reihenfolge beinhaltet keine Wertung.

1) Why we fight – eine ebenso erhellende wie ernüchternde Analyse des Militärisch-Industriellen-Komplex‘ die ausgehend von der Abschiedsrede Dwight D. Eisenhowers aufzeigt wie untrennbar Wirtschaft, Rüstungsindustrie und Politik verbunden sind.

2) Root of all evil – In diesem Zweiteiler geht Richard Dawkins der Frage nach, ob nicht alle Religionen als schädlich, ob Glaube nicht als Virus anzusehen ist, der der Menschheit letztlich schadet.

3) The war room – Ein Blick hinter die Kulissen des Clinton-Wahlkampfes. D.A. Pennbaker und Chris Hegedus erhielten uneingeschränkten Zugang zu allen Besprechungen und Veranstaltungen und schufen so ein exemplarisches Bild über den Unterschied zwischen Wahrhaftigkeit und PR.

4)The Yes Men“ – Eine Gruppe von Globalisierungsgegner schlägt die Welthandelsorganisation mit ihren eigenen Waffen. Als WTO-Sprecher erschleichen sie sich Zutritt zu Konferenzen, Interviews und Meetings und enthüllen mit entwaffnender Ehrlichkeit die wahren Motive der Konzernwirtschaft.

5) The Corporation – Konzerne sind Psychopathen? Wenn man an sie dieselben Maßstäbe anlegt wie an Menschen, dann trifft diese Argumentation ganz eindeutig zu. Diese dreiteilige Dokumentation beleuchtet viele Aspekte der Weltwirtschaft und argumentiert, daß Konzerne immer nur ihre eigenen Interessen im Sinn haben und deswegen der Gesellschaft im Ganzen eher schaden.

6) Jesus Camp – Die religiöse Rechte marschiert und züchtet sich ihre eigene Armee. Diese Doku begleitet Kinder die von ihren Eltern von Kleinauf religiös indoktriniert werden, ob beim Heimunterricht oder in fundamentalistischen Ferienlagern, den Jesus Camps.

7) The Century of the Self – Von Sigmund Freud zur modernen Massenführung, zeigt diese spannende Dokumentation wie effektiv sich psychologische Steuerungsmechanismen seit Anfang des vergangenen Jahrhunderts politisch durchgesetzt haben und wie die moderne Konsumgesellschaft durch die Interessen von Wirtschaft und Politik dirigiert wird.

8) The Power of Nightmares – Wie real ist die Bedrohung durch den Terrorismus wirklich? Wer hat Interesse daran die Bevölkerung in Panik zu halten und warum? Adam Curtis, der auch schon „Century of the self“ produzierte widmet sich ausführlich dem Zusammenspiel von Terrorangst und Manipulation.

9) Our brand is crisis – Eine weitere Doku, die sich ausführlich und erhellend mit der Macht der Manipulation auseianndersetzt. Am Beispiel der Bolivianischen Präsidentschaftswahl 2002, wird aufgezeigt wie eine PR-Agentur versuchen der Bevölkerung eine Politik zu verkaufen, die letztlich eher zu ihrem Nachteil ist und weltwirtschaftliche Interessen über das Wohl des eigenen Landes stellt.

10) Death of a president – Eine Fake-Documentation, eine Gedankenspiel. Was wäre, wenn Präsident George W. Bush 2007 einem Anschlag zum Opfer fiele. Welche Auswirkungen hätte dies auf die Weltpolitik, wie würde die Regierung reagieren, wie die Öffentlichkeit? Ein spannender Versuch, der weit weniger reißerisch ist als seien Prämisse vermuten ließe.

Im zweiten Teil widmen wir uns neben der Politik und Religion dann auch anderen Themen.

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19 Kommentare

  • Reply EarMaster 19. 4. 2007 at 7:46

    Als Empfehlung für die nächsten Teil kann ich „Kubrick, Nixon und der Mann im Mond“ (org. Titel: „Opération Lune“). Eine arte Doku, die man wirklich bis zur letzten Minute genießen sollte.

  • Reply Andi 19. 4. 2007 at 7:53

    Letzteres ist eher eine Mockumentary – und passt vielleicht nicht ganz in’s Schema…
    (Ist natürlich trotzdem klasse – und gibt’s bei Google-Video: http://video.google.com/videoplay?docid=3288261061829859642)

  • Reply Kiki 19. 4. 2007 at 8:30

    Ich empfehle noch Barbara Kopples „Harlan County, U.S.A“, eine harte Doku über einen Streik der Minenarbeiter besagten Ortes, Mitte der 70er. (Die wie meist perfekte Criterion DVD ist noch in print, glaube ich)

  • Reply falki 19. 4. 2007 at 9:26

    danke für die liste! „why we fight“ ist wirklich eine absolut krasse dokumentation über die amerikanisch militärmaschinerie und hat genau den richtigen platz bei eurer auswahl!!

  • Reply ben_ 19. 4. 2007 at 10:59

    Wenn auf den Plätzen 11-30 nicht noch „When we were Kings“ auftaucht, bin ich enttäuschter als jetzt.

  • Reply justus_jonas 19. 4. 2007 at 15:50

    Ebenfalls empfehlenswert sind die Filme von Errol Morris (http://www.imdb.com/name/nm0001554/). (insbesondere „The Thin Blue Line“ und „Fog of War“).
    Absolut empfehlenswert – und immer mal wieder in den Regionalprogrammen zu sehen – ist zudem „Missing Allen“ (http://www.missingallen.com/) Spannender und beunruhigender als (fast) jeder Thriller.

  • Reply jAnsen 19. 4. 2007 at 16:48

    mmhh… „why we fight“ ist ja eher „war propaganda“ und agitation. dann müßte auch was von riefenstahl in eure liste…

  • Reply Batzman 19. 4. 2007 at 16:56

    @jansen

    du verwechselt da glaube ich die gleichnamige Propagandafilmreihe von Capra aus der 30ern mit der Doku von 2005

  • Reply Pumuckl 19. 4. 2007 at 17:18

    Kann mir jemand sagen wie man an „War Room“ hierzulande kommen kann? Oder muss ich zum Importeur?

  • Reply fennek 19. 4. 2007 at 19:06

    vllt hab ich ja was übersehen, aber:
    ist es zufall, dass keine der dokus deutsch ist?
    gibts keine guten sehenswerten deutschen dokus – oder kennen die F5 sie nur nicht?

  • Reply Sebastian Sachse 19. 4. 2007 at 20:03

    Herr Wiechmann von der CDU ist großartig :-)

  • Reply jAnsen 19. 4. 2007 at 22:41

    @batzman
    in der tat! mein fehler.

  • Reply Micha 26. 4. 2007 at 9:27

    Ich hoffe ihr vergesst nicht:

    „Who killed the electric car?“
    oder
    „the emperor naked army marches on“

  • Reply thomas 28. 4. 2007 at 15:20

    Schade, dass Frederick Wiseman und die Maysles Brothers (bislang) nicht berücksichtigt wurden – kommt aber vielleicht noch?

    [falls nicht, darf das Posting als Empfehlung verstanden werden: Schaut Euch deren Dokus mal an, so ihr ihrer habhaft werdet. Die sollte man nämlich gesehen haben. ;-) ]

  • Reply thomas 28. 4. 2007 at 15:22

    … und dann fehlt natürlich noch IN THE YEAR OF THE PIG. Und kommen noch die Dokumentationen von Werner Herzog? :-)

    [jaja, ich hör ja schon auf ;-)]

  • Reply F5 - Die Fünf Filmfreunde 15. 5. 2007 at 9:19

    […] 30 Dokumentationen die man kennen sollte – Teil 1 […]

  • Reply Dreißig Dokus | trice.de 15. 5. 2007 at 13:45

    […] Die Fünf Filmfreunde arbeiten gerade am Filmkanon der Dokumentarfilme, oder anders: an den 30 Dokumentationen, die man kennen sollte. Teil 1 & Teil 2. Teil 3 steht dagegen noch aus. […]

  • Reply Daniel 21. 6. 2009 at 12:59

    Jesus Camp ist echt unheimlich – wenn man bedenkt wieviele solche Kinder in einem solchen Fanatismus „herangezüchtet“ werden…
    „Die spinnen, die Amerikaner…“

  • Reply Die besten Dokumentationen @ 7. 9. 2010 at 1:33

    Die besten Dokumentationen…

    Eine Dokumentation braucht kein Drehbuch, keine Schauspieler, keinen Regisseur. Sie berichtet aus dem wahren Leben, und findet……

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