30 Dokumentationen die man kennen sollte – Teil 1

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Nicht erst seit Michael Moors polemischen Rundumschlägen erfreien sich Dokumentationen weltweit wieder einer erhöhten Aufmerksamkeit. Fristeten sie früher als Belehrende Bildungsprogramme ein Nischendasein auf Festivals und den dritten Programmen, so erweisen sich einige heute als veritable Kinohits und DVD-Topseller. Doch wo es viel Licht gibt, da gibts auch viel Scheisse und so gibt es neben vielem sehenswerten auf viel erfolgreiches, daß einen Schreien lässt. Von schwurbeliger Pinguin-Verklärung bis zu Guido Knopps gruseligen Nazi-Soaps.

Wir möchten euch hier eine Reihe von Dokumentationen vorstellen, die wir selbst für sehenswert und wichtig halten. Die Reihenfolge beinhaltet keine Wertung.

1) Why we fight - eine ebenso erhellende wie ernüchternde Analyse des Militärisch-Industriellen-Komplex’ die ausgehend von der Abschiedsrede Dwight D. Eisenhowers aufzeigt wie untrennbar Wirtschaft, Rüstungsindustrie und Politik verbunden sind.

2) Root of all evil – In diesem Zweiteiler geht Richard Dawkins der Frage nach, ob nicht alle Religionen als schädlich, ob Glaube nicht als Virus anzusehen ist, der der Menschheit letztlich schadet.

3) The war room – Ein Blick hinter die Kulissen des Clinton-Wahlkampfes. D.A. Pennbaker und Chris Hegedus erhielten uneingeschränkten Zugang zu allen Besprechungen und Veranstaltungen und schufen so ein exemplarisches Bild über den Unterschied zwischen Wahrhaftigkeit und PR.

4)The Yes Men” – Eine Gruppe von Globalisierungsgegner schlägt die Welthandelsorganisation mit ihren eigenen Waffen. Als WTO-Sprecher erschleichen sie sich Zutritt zu Konferenzen, Interviews und Meetings und enthüllen mit entwaffnender Ehrlichkeit die wahren Motive der Konzernwirtschaft.

5) The Corporation – Konzerne sind Psychopathen? Wenn man an sie dieselben Maßstäbe anlegt wie an Menschen, dann trifft diese Argumentation ganz eindeutig zu. Diese dreiteilige Dokumentation beleuchtet viele Aspekte der Weltwirtschaft und argumentiert, daß Konzerne immer nur ihre eigenen Interessen im Sinn haben und deswegen der Gesellschaft im Ganzen eher schaden.

6) Jesus Camp - Die religiöse Rechte marschiert und züchtet sich ihre eigene Armee. Diese Doku begleitet Kinder die von ihren Eltern von Kleinauf religiös indoktriniert werden, ob beim Heimunterricht oder in fundamentalistischen Ferienlagern, den Jesus Camps.

7) The Century of the Self – Von Sigmund Freud zur modernen Massenführung, zeigt diese spannende Dokumentation wie effektiv sich psychologische Steuerungsmechanismen seit Anfang des vergangenen Jahrhunderts politisch durchgesetzt haben und wie die moderne Konsumgesellschaft durch die Interessen von Wirtschaft und Politik dirigiert wird.

8) The Power of Nightmares - Wie real ist die Bedrohung durch den Terrorismus wirklich? Wer hat Interesse daran die Bevölkerung in Panik zu halten und warum? Adam Curtis, der auch schon “Century of the self” produzierte widmet sich ausführlich dem Zusammenspiel von Terrorangst und Manipulation.

9) Our brand is crisis – Eine weitere Doku, die sich ausführlich und erhellend mit der Macht der Manipulation auseianndersetzt. Am Beispiel der Bolivianischen Präsidentschaftswahl 2002, wird aufgezeigt wie eine PR-Agentur versuchen der Bevölkerung eine Politik zu verkaufen, die letztlich eher zu ihrem Nachteil ist und weltwirtschaftliche Interessen über das Wohl des eigenen Landes stellt.

10) Death of a president – Eine Fake-Documentation, eine Gedankenspiel. Was wäre, wenn Präsident George W. Bush 2007 einem Anschlag zum Opfer fiele. Welche Auswirkungen hätte dies auf die Weltpolitik, wie würde die Regierung reagieren, wie die Öffentlichkeit? Ein spannender Versuch, der weit weniger reißerisch ist als seien Prämisse vermuten ließe.

Im zweiten Teil widmen wir uns neben der Politik und Religion dann auch anderen Themen.

In : Thema

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

19 Comments

  1. EarMaster

    Als Empfehlung für die nächsten Teil kann ich “Kubrick, Nixon und der Mann im Mond” (org. Titel: “Opération Lune”). Eine arte Doku, die man wirklich bis zur letzten Minute genießen sollte.

  2. Kiki

    Ich empfehle noch Barbara Kopples “Harlan County, U.S.A”, eine harte Doku über einen Streik der Minenarbeiter besagten Ortes, Mitte der 70er. (Die wie meist perfekte Criterion DVD ist noch in print, glaube ich)

  3. falki

    danke für die liste! “why we fight” ist wirklich eine absolut krasse dokumentation über die amerikanisch militärmaschinerie und hat genau den richtigen platz bei eurer auswahl!!

  4. ben_

    Wenn auf den Plätzen 11-30 nicht noch “When we were Kings” auftaucht, bin ich enttäuschter als jetzt.

  5. justus_jonas

    Ebenfalls empfehlenswert sind die Filme von Errol Morris (http://www.imdb.com/name/nm0001554/). (insbesondere “The Thin Blue Line” und “Fog of War”).
    Absolut empfehlenswert – und immer mal wieder in den Regionalprogrammen zu sehen – ist zudem “Missing Allen” (http://www.missingallen.com/) Spannender und beunruhigender als (fast) jeder Thriller.

  6. jAnsen

    mmhh… “why we fight” ist ja eher “war propaganda” und agitation. dann müßte auch was von riefenstahl in eure liste…

  7. Batzman

    @jansen

    du verwechselt da glaube ich die gleichnamige Propagandafilmreihe von Capra aus der 30ern mit der Doku von 2005

  8. Pumuckl

    Kann mir jemand sagen wie man an “War Room” hierzulande kommen kann? Oder muss ich zum Importeur?

  9. fennek

    vllt hab ich ja was übersehen, aber:
    ist es zufall, dass keine der dokus deutsch ist?
    gibts keine guten sehenswerten deutschen dokus – oder kennen die F5 sie nur nicht?

  10. Sebastian Sachse

    Herr Wiechmann von der CDU ist großartig :-)

  11. jAnsen

    @batzman
    in der tat! mein fehler.

  12. Micha

    Ich hoffe ihr vergesst nicht:

    “Who killed the electric car?”
    oder
    “the emperor naked army marches on”

  13. thomas

    Schade, dass Frederick Wiseman und die Maysles Brothers (bislang) nicht berücksichtigt wurden – kommt aber vielleicht noch?

    [falls nicht, darf das Posting als Empfehlung verstanden werden: Schaut Euch deren Dokus mal an, so ihr ihrer habhaft werdet. Die sollte man nämlich gesehen haben. ;-) ]

  14. thomas

    … und dann fehlt natürlich noch IN THE YEAR OF THE PIG. Und kommen noch die Dokumentationen von Werner Herzog? :-)

    [jaja, ich hör ja schon auf ;-)]

  15. Dreißig Dokus | trice.de

    […] Die Fünf Filmfreunde arbeiten gerade am Filmkanon der Dokumentarfilme, oder anders: an den 30 Dokumentationen, die man kennen sollte. Teil 1 & Teil 2. Teil 3 steht dagegen noch aus. […]

  16. Daniel

    Jesus Camp ist echt unheimlich – wenn man bedenkt wieviele solche Kinder in einem solchen Fanatismus “herangezüchtet” werden…
    “Die spinnen, die Amerikaner…”

  17. Die besten Dokumentationen @

    Die besten Dokumentationen…

    Eine Dokumentation braucht kein Drehbuch, keine Schauspieler, keinen Regisseur. Sie berichtet aus dem wahren Leben, und findet……

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    officialgaygeeks:

    That lightsaber sound lol


    Get the My Neighbor Groot shirt http://buff.ly/1EFUcA2 http://ift.tt/1BEBgm8

    11/16/14

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    pennyfornasa:

    Putting The Cost Of The ESA’s Rosetta Mission In Perspective

    "So what do we get for our €1.4bn? Rosetta is both an astounding feat of engineering (catapulting a tonne of spacecraft across millions of kilometres of space and ending up in orbit around a comet just 4 km across) and an extraordinary opportunity for science (allowing us to examine the surface of a lump of rock and ice which dates from when the Solar System formed).

    Like a lot of blue-skies science, it’s very hard to put a value on the mission. First, there are the immediate spin-offs like engineering know-how; then, the knowledge accrued, which could inform our understanding of our cosmic origins, amongst other things; and finally, the inspirational value of this audacious feat in which we can all share, including the next generation of scientists.

    Whilst those things are hard to price precisely, in common with other blue-skies scientific projects, Rosetta is cheap. At €1.4bn, developing, building, launching and learning from the mission will cost about the same as 4.2 Airbus A380s—pretty impressive when you consider that it’s an entirely bespoke robotic spacecraft, not a production airliner. On a more everyday scale, it’s cost European citizens somewhere around twenty Euro cents per person per year since the project began in 1996.

    Rosetta has already sent us some stunning images of Comet 67P/Churyumov–Gerasimenko and today’s landing will, with any luck, provide us with our first close-up glimpse of the chaotic surface of this dirty snowball. If you’re a sci-fi fan, then, you might consider the mission to have been worth its price tag just for the pictures. The total cost for the Rosetta mission is about €3.50 per person in Europe; based on the average cinema ticket price in the UK (€8.50), it has cost less than half of what it will cost for you to go to see Interstellar.”

    Via Scienceogram: http://scienceogram.org/blog/2014/11/rosetta-comet-esa-lander-cost/

    Find Out How Budget Cuts Canceled NASA’s Own Comet Landing Mission: http://www.penny4nasa.org/2014/11/11/how-budget-cuts-canceled-nasa-own-rosetta-comet-landing-mission/

    11/15/14

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    meatbicyclevevo:

    i never wanted this to end

    10/20/14

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    iambluedog:

    Life is too short to be holding on to old grudges

    10/20/14

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    10/09/14