“I talked to God for seven years. He told me to bring us all to Heaven. “
Originaltitel: Sunshine
Herstellungsland: Großbritannien 2007
Regie: Danny Boyle
Darsteller: Cillian Murphy, Chris Evans, Michelle Yeoh, Rose Byrne






2057 dümpelt die Erde in einem solaren Winter dahin. Die Sonne brennt nur noch auf Sparflamme und das Raumschiff Ikarus II soll wieder anzünden. Mit ihrer acht Personen umfassenden Manschaft soll sie vollbringen, was ihr Vorgängerschiff die Ikarus nicht schaffte: Eine gewaltige Bombe in der Sonne zünden um so einen neuen Stern zu erschaffen. Oder so ähnlich.
Kurz bvor sie ihr Ziel erreichen stolpert das Raumschiff, das sich hinter einem gewaltigen Hitzeschild verbirgt über einen Notruf der Ikarus. Man überlegt Kontakt zum Schiff aufzunehmen und Bombenexperte Capa (Cillian Murphy) fällt die Aufgabe zu die Entscheidung zu treffen. Da zwei Bomben besser sind als eine, ändert man den Kurs um die Ikarus zu treffen.
Dummerweise unterläuft dem Navigator dabei ein schwerwiegender Fehler. Der erste Stolperstein einer ganzen Reihe, die die Mission gefährden und die Zurechnungsfähigkeit der Mannschaft auf die Probe stellen…
Nach dem kleinen Glaubensheuler “Millions” wandte sich Danny Boyle wieder der großen Leinwand zu und beackert mit “Sunshine”, wiederum unter der Drehbuchägide von Alex Garland erstmals klassisches Science Fiction-Terrain. Ein wenig zu klassisch, für meinen Geschmack, denn diese Mischung bekannter SF-Motive klaut inbrünstig bei allem was man an Weltenrettungsphantasien die letzten Jahre gesehen hat.
Von Armageddon, über The Core, Silent Running, The Black Hole, Event Horizon, Das Boot und besonders 2010 – The year we make contact (zu dem der Film mehr als nur kleine Parallelen aufweist) bedient man sich diverser Versatzstücke und nimmt das ganze dabei ausgesprochen ernst. Ernster als man es sollte, wenn man nicht eine einzige originelle Idee im ganzen Film zu bieten hat.
Wir sind geboren um zu leiden und für die Menschheit unser Leben zu lassen. Inbrünstig wehklagen und zähneknirschen die Helden von der ersten Minute an, wenn sie sich nicht grade weltraumkollernd aufs Maul geben oder stundenlang Techbabble wiederkäuen. Die menschliche Psycho soll hier seziert werden, aber so richtig sympathisch wird einem keine der Figuren und so nimmt man auch ihr Ableben eher teilnahmslos hin. Wenn hier Moral verhandelt wird, dann nur in der inszenatorischen Zahnlücke, die bald darauf wieder einer mittelprächtigen Actionszene weicht.
SPOILER AHEAD
Das etwas Abstraktes wie das Ende der gesamten Menschheit nicht wirklich fesselt, merkt auch Autor Garland und so zaubert er dann im letzten Akt auch noch einen messerschwingenden religiösen Psychopathen aus dem Hut, der die verbliebenen Schauspieler nach Slasher-Art durchs Raumschiff jagen darf und dabei murmelt er habe Gott gesehen. Wäre der Film trashiger, wäre das vielleicht sogar noch ganz lustig, auch “Event Horizon” war ja wenig mehr als eine aufgejazzte “Spukschloss im Weltall”-Scharade, kam aber wenigstens nicht ganz so bedeutungsschwer daher.
SPOILER ENDE
In “Sunshine” wird dauernd sinniert, gestritten und bedröppelt dreingeschaut, Geschwitzt, gelitten und lamentiert. Fast sehnt man sich nach einer coolen Sau wie Bruce Willis der Sätze sagt wie: “Ich hab hier oben noch ein Loch zu bohren”, doch Humor kommt bei Boyle überhaupt nicht vor.
SPOILER AHEAD
Bierernst und mit viel pathetischer Musik versetzt, leiden sich die Weltenretter durch lange 107 Minuten und wenn zum Happy End Capa (der einen Großteil des Showdowns als Folienkartoffel umherstapft) in religiöser Verzückung eins wird mit seinem neuen Stern, dann ist der Punkt erreicht, an dem die Symbolik vollends zum Holzhammer wird.
Optisch ist das ganze Spektakel durchwachsen. Für einen britischen FiIlm durchaus ganz ordentlich getrickst, gingen mir die ewig gleichen Umkreisungen und Aussenshots der Ikarius II, die jedes mal mit einem dräuenden Swoooosh von der Tonspur begleitet werden, irgendwann auf die Nerven. Dazu kommt Boyles Vorliebe für wacklige Handkamera und Closen, sobald es mal etwas actionlastiger wird, was im Finale dazuführt das man streckenweise kaum mehr erkennen kann was überhaupt passiert oder warum.
Das auch die innere Logik des Films mehrfach strapaziert wird und die ganze Sonnenanzündaktion letztlich doch nur ein gigantischer Aufhänger für eine klassische “U-Boot in Not”-Story mit einem Hauch Slasher, ist sei da nur am Rande erwähnt. Der Bordcomputer ist immer grade so schlau oder dumm, wie ihn das Drehbuch braucht. Mal leitet er selbstätig eine Kurskorrektur ein, wenn die Mission bedroht ist, war aber vorher nicht in der Lage zu merken, das das Hitzeschild nicht auf den neuen Kurs angepasst wurde. Das der Computer zwar weiß das sich eine nichtidentifizierte Lebensform an Bord befindet, sich diese Information aber nur mühsam aus den Elektroden ziehen lässt, stört da auch kaum mehr.
SPOILER ENDE
Schauspielerisch geht das Ganze in Ordnung, die DarstellerInnen machen das Beste aus dem was man ihnen gibt. Cillian Murphy, der schon als Psychopath in Red Eye überzeugen konnte, ist auch hier sicherlich das Highlight der Cast.
Vielleicht mögen Fans von Techbabble und mittelspannender Durchschnittskost, die schon lange auf einen kinotauglichen Science Fiction-Streifen gewartet haben, dem bestenfalls soliden Ganzen etwas abgewinnen, ich kämpfte streckenweise immer wieder mit der Langeweile und die esoterischen Momente zum Schluß mussten nun wirklich nicht sein. Wenn ich ehrlich bin hat mir selbst eine Popcorn-Gurke wie “Lost in Space” wesentlich mehr Spaß gemacht.
The Sun always shines on TV. Und da kann diesen Film wohl auch am besten gucken.


Von 






































Hallo Filmfreunde, ich lese euren Blog wie viele andere wirklich gerne. Aber warum warum warum baut ihr immer wieder Spoiler in Eure Besprechungen ein?
Schreibt Ihr Eure Beiträge mit Absicht nur für Leute, die den Film schon gesehen haben und sich von Spoilern deshalb nicht vom Lesen abschrecken lassen? Oder nicht auch für solche, die sich vor dem Besuch des Films informieren wollen?
Man kann eine gute Filmkritik schreiben, ohne Spoiler unterzubringen. Wäre wenigstens meine herzliche Bitte an euch.
In der Tat schreibe ich die Kritiken als ausführliche Auseinandersetzung mit dem Film, die oftmals gewisse Spoiler unabdingbar macht. Wenn ich den und den Aspekt des Ganzen kritisiere komme ich nicht umhin ihn zu erwähnen, daher auch die Spoilerwarnung.
Wie soll ich Elemente des Endes und die Einfalslosigkeit des Skripts kritisieren, daß sich am Ende in einen Madman-on-the-lose-Plot verwandelt, ohne eben daß zu erwähnen?
Wer lediglich wissen will wie ich den Film fand kann sich die spoilerfreie Inhaltsangabe am Anfang durchlesen und an den Sternchen orientieren, wer den Film gesehen hat und eine andere Meinung dazu hören möchte, liest das ganze Review.
Nee, tut mir leid. Dem kann ich, von einem kleinen Absatz mal abgesehen, nicht ansatzweise zustimmen. Vor allem: “Sunshine” im Fernsehen? Dieser Film lebt doch geradezu von seinem audiovisuellen Bombast, im Fernsehen würde er das alles verlieren und dann, ja, dann wäre es wahrscheinlich echt nicht mehr beeindruckend.
Meine spoilerfreie Kritik gibt’s bei Interesse auf meinem Blog.
Ja, die Spoiler fallen mir hier auch immer wieder mal unangenehm auf. Also die ungewarnten, meine ich.
Bei Detailanalysen muß man natürlich auch inhaltliche Dinge verraten bzw. klar aussprechen. Aber davor oder danach sollte man die eigene Meinung schon mal kurz in Worte fassen können, ohne gleich Plot Points auszuplaudern.
Eine gute Rezi sollte beides enthalten, finde ich. Aber da hat halt jeder so seine eigenen Ansprüche und Vorstellungen.
Das heute bei mir angezeigte “Zitat des Tages” aus Fight Club war ja auch der Hammer. Ok, sicherlich gibt’s nicht viele, die den Film noch nicht gesehen haben. Aber als Ausschnitt unbedingt die Auflösung des Twist anzuzeigen, ist schon irgendwie ärgerlich.
@Batzman:
Ich verstehe schon, dass manche Aspekte einer Filmkritik besser mit Inhalten illusitriert, die Spoiler sind. Aber ich weiß nicht, ob es für eine rundum gute Kritik wirklich _notwendig_ ist.
Vor allem aber würde der Sunshine-Kritik dann wenigstens handwerklich definitiv eine Spoiler-Ende-Markierung fehlen. Ich finde nur SPOILER AHEAD, aber kein “SPOILER BEHIND”.
Ist ja insgesamt auch nur eine Anregung, aber eine Anregung eines leidenden Lesers ;-)
mhm, also wenn sunshine schon eher mit dem überflüssigen 2010 und nicht dem genialen 2001 verglichen wird, dann sagt das schon einiges über den film aus. schade, die vorschau versprach viel
Ähem, der Drehbuchautor heißt Garland, nicht Gardner – zumindest auch in deinem Spoiler-Teil… ;-)
Ich bin aber auch der Ansicht, dass man bei manchem Film um Spoiler nicht herumkommt, wenn man sich umfassend zu ihm äußern möchte.
In diesem Beispiel macht der *SPOILER!* amoklaufende Captain der Ikarus I (Was ist das eigentlich für ein selten-dummer Name bei so einer Mission?) den Film im letzten Drittel eindeutig kaputt.
Bin recht ähnlicher Meinung, bin aber Sci-Fi Fan, weswegen der Film bei mir etwas mehr Punkte bekam =)
Eh aber noch ein son Satz gegen Event Horizon und ich komm persönlich bei dir vorbei und geb dir ne Schelle Batz!
Scifi+Horror, gehts noch geiler? :)
@Surfguard und Moviesteve
Was die Spoilerwarnungen und Spoiler-Ende MArkierungen angeht gelobe ich Besserung, da habt ihr Recht. Deswegen habe ich die oben auch noch ergänzt und das eine Gardner in Garland geändert ;)
Sicher gibt es Kritiken die vollends Spoilerfrei sind, aber dann verbietet man sich einfach zuviele Beispiele an denen man seine Kritik festmachen kann, was letztlich ddazu führt daß man diese konkreten Beispiele dann in den Kommentaren trotzdem anführt, weil wieder alle fragen “Was war denn bitte genau unlogisch” usw.
Aber zumindest die Kennzeichnung wo Spoiler lauern werde ich in Zukunft deutlicher machen, versprochen ;)
Batzman spricht mir aus der Seele! Als Danny-Boyle-Fan hatte ich viel von “Sunshine” erwartet, aber leider kommt darin außer der Sonnen-Thematik wirklich absolut nichts Neues in Sachen SciFi vor.
Stattdessen sind nahezu alle Szenen zusammengeklaut – nämlich vor allem aus “2010″, “Event Horizon” und “Solaris”. Aber man entdeckt zum Beispiel auch viele Kleinigkeiten aus “Alien”, “Lautlos im Weltraum” und “2001″ – nur dass das heute halt leider nur noch langweilt bzw. peinlich rüberkommt (Beispiel: die Monolithen-Ansammlung im Schnee auf der Erde). Außerdem kann ich wirklich keine Leute mehr durch Raumschiffe rennen und luftdichte Türen hinter ihnen zufallen sehen, denn das ist inzwischen sowas von abgenudelt und langweilig! Wo bitte ist die Kreativität in diesem Film?
Er ist – isoliert betrachtet – zwar nicht unbedingt schlecht, aber trotzdem braucht den doch echt niemand in dieser Form – eben weil (fast) alles davon irgendwie anderswo schonmal gesehen werden konnte. Ich sag’ nur Holo-Deck. Und der blöde Freddy-Krueger-Depp vom alten Raumschiff hat dem Ganzen sowieso den Rest gegeben!
Danny Boyle: Setzen, sechs!
Danke!
Man wird es mit Rezis sowieso niemals allen Recht machen können, ist schon klar.
Aber es schadet ja nicht, ab und zu mal über die Form zu diskutieren.
Sollte ich es hinkriegen, den Film jetzt auch endlich mal zu sehen (mag die bisherigen Boyle-Garland-Sachen und Garlands Romane), werde ich mich dann auch zu “Sunshine” selbst äußern.
Die erste Kritik hier, die mich etwas verwirrt, da sie so ziemlich das ganz genaue Gegenteil von dem aussagt, was ich während des Sehens von Sunshine gefühlt habe. Im TV? Ich muss mich jetzt echt zusammenreißen. warscheinlich hast du den Film in irgendeinem beschissenen Progremmkino mit 20 Euro-Boxen geguckt. Die Bilder und vor allem der Ton waren ein unglaublicher Hammer. Vom erlebnis her mein bombastischestes im Kino. UNglaublich, ehrlich. Ich war hin und weg und ungeheuer fasziniert. Das Ende ist sicher unnötig, aber ich liebe solche Szenen, wie die bei der kaneda von dem Feuersturm erfasst wird oder wo Harveys Leiche zerspringt. Bedrückend und doch wunderwunderschön. Wenn auch kein meisterwerk, ein großer Film. Und das ich ihn mir trotz Zeitdruck 2mal angesehen habe, will was heißen.
@Thadeaus
Nee ich geh nicht in Schachtelkinos, das war schon ein großer Saal mit Riesenleinwand. Dennoch fand ich die Bilder spätestens nach ner halben Stunde ermüdend. Immer dieselben Vorbeiflüge an der Ikarus und diese Pathosschwangere Inszenierung als es Kaneda zerbatzt. Und den Harvey-Gag hat man ja doch schon in einigen Filmen gesehen.
Der Film war “groß” darin schamlos abzukupfern und das nichtmal sonderlich gut. Ich kann jeden der Filme bei denen er sich bedient hat eher empfehlen als Sunshine.
Da kann ich mich wieder nur anschließen! Ich fand die Bilder übrigens gar nicht so psychedelisch und auf gar keinen Fall visionär. Auf mich haben sie gerade mal wie normales “Hubble”- oder TV-Doku-Niveau gewirkt. So gesehen sind sogar die kosmologischen Bilder von “The Fountain” – trotz ihrer potenziellen Lächerlichkeit – wesentlich schöner, beeindruckender und interessanter. Dafür wurde dort übrigens auch viel mehr künstlerischer Aufwand betrieben.
Was mir sonst noch nachträglich einfiel: Speziell ab dem SOS-Signal der “Icarus I” wurde er nach meinem Empfinden völlig uninteressant, und eine starke Dosis von John Carpenters “Dark Star” hätte ihm auch sehr gut getan! Irgendwo hab’ ich übrigens gelesen, dass das, was in “Dark Star” (bereits 1974 !!!) als Parodie gedacht war, in “Sunshine” ernst gemeint ist. Jetzt weiß ich also einen Grund mehr, warum ich ihn öde fand.
Spoiler ahead:
Ich poste schon mal auf amerikanischen Boards, von daher bin ich es gewohnt, so etwas anzukündigen – die Amis sind verdammt militant, da bekommt man das eingeprügelt…
Back to topic: Der Film bekommt auf meinem eklektischen Blog keine Kritik, dafür ist er zu schwach, wo er hätte gut sein können. Mir gefiel die etwas psychedelische Musik mit den Außenaufnahmen, der technokratische Look und die ganze Sonnenanbetung in schicken Bilder. Geklaut, aber immer noch eyecandy
Definitiv den Film verdorben hat mir der letzte Akt – wieso baut man so eine elegische Stimmung in zwei Akten auf, wenn man im letzten Akt einen Slasher-wannabee macht? Und dann die inkonsequente Logik (Danke Batzmann, du bist einer der wenigen, die sich daran gestoßen haben, deswegen werde ich vorerst von Sanktionen wegen deiner Event Horizon Kritik absehen … vorerst). Wie gesagt, die Sache mit dem Computer? Lächerlich, HAL9000 hätte da einfach nur “I`m sorry madman.” gesagt und den Typen aus der Luftschleuse gepustet, bevor der auch nur einen Schritt auf die Ikarus II gesetzt hätte. Und was das beste ist: Wir schicken den einzigen, der sich mit der Bombe auskennt, auf genau zwei (!) gefährliche Rettungsmissionen (einmal am Spielschild, einmal auf das andere Schiff) – uhu, sicher, klar …
Hätte man sich auf die elegischen Bilder konzentriert, hätte ich den Film genossen, quasi als technokratisches Manifest, selbst wenn er nur eine Pralinenschachtel mit geklauten Süßigkeiten ist – aber so? Nöh, einfach nur ärgerlich.
P.S.
Kann es sein, dass in letzter Zeit öfters Filme Opferbereitschaft fordern?
Fand den Film doch recht brauchbar.
Kein Meilenstein, aber im Kino recht wirkungsvoll.
Solider (Weltall-)Sci-Fi, der vor allem audio-visuell überzeugt (das Licht-Dunkel-Spiel kommt auf großer Leinwand im dunklen Kinosaal sehr effektvoll rüber).
Vielleicht war ich nicht aufmerksam genug, aber mir sind auch nicht sooo wahnsinnig viele Anspielungen oder geistige Diebstähle aus anderen Filmen aufgefallen. Einige Ähnlichkeiten zu früheren Werken dürften eher Genre-bedingt sein.
Der Film ist in Wahrheit natürlich ein seriöses Remake von Carpenters Dark Star. Mit den künstlerischen Freiheiten, die Remakes so mit sich bringen. Statt aufgeblasenem Schabernack-Alien gibt es einen aufgeblasenen Killer, statt sprechender Bomben einen labernden Killer. Die launische Pornostimme des Computers und die zickigen Besatzungsmitglieder sind aber noch da… “Es werde Licht” :)
Eines vorab: Ich bin kein wirklicher Sci-Fi-Fan und habe “Sunshine” nur auf Empfehlung gesehen. Was mir indes sofort an diesem Film auffiel, war, dass die handelnden Figuren sich eben nicht durch eine erkennbar handfeste Charakterzeichnung unterschieden, sondern vielmehr sämtlich durch Coolness und nett geschnittene Gesichter brillierten.
Armageddon hatte vielleicht ein paar miese Effekte, aber man sieht eben den Unterschied zwischen A- und C-Schauspielern.
Doch nicht allein die Besetzung war ärgerlich. Technisches Geschwafel nervt. Ich hatte ständig das Gefühl, dass Tom Cruise irgendwann noch einen Cameoauftritt haben müsse… Die demokratiefeindliche Haltung des Filmes ( Wie stimmen nicht ab, der Fähigste entscheidet. ) und die atheistische Perspektive ( Religion = Fundamentalismus zum einen und der von Menschen geplante und dann realisierte zweite Urknall als Initialzündung eines neuen Zeitalters ) steht in krassen Widerspruch zum genialen “2010″, die Bessenheit der agierenden Personen von der Sonne die Unfähigkeit zu sozialer Kompetenz, die Kühle in den Gesichtern und die ohrenbetäubende Totalverweigerung des Drehbuchautors, die Möglichkeit eines Ausweges in die Geschichte einzubauen, machen das Ganze zu einer Farce, einem Albtraum, einer Fiktion ohne Vision, ohne Selbstvertrauen, ohne all das, was den selbstbewussten “Outland” zu einer Hommage an die Menschlichkeit machte.
Sean Connery oder Clint Eastwood hätten – so mein Gefühl – an Bord wieder für Ordnung gesorgt, aber Schauspieler dieses Formats passen nicht in die Szenerie…
Stattdessen wird die Intelligenz des Zuschauers beleidigt, indem man ihm vormacht, es gäbe keine anderen Möglichkeiten, als die, von den handelnden Personen wahrgenommenen.
Den letzten Kommentar find ich lustig, weil er suggeriert, dass Schauspieler mit groesseren Namen umso besser sind.
Also, ich hab auch Sunshine nicht gesehen, aber gerade wenn ich etwa an Danny Boyles letzten grossen Film, 28 Days later, zurueck denke, faellt mir der absolut unbekannte, aber grandiose Hauptdarsteller ein.
Auch wenn “Mein Leben in der Provinz” wohl sehr unbekannt ist, hatte er einige der besten Schauspielleistungen, die ich je gesehen habe (ich weiss gerade ehrlich gesagt nicht, warum mir dieser Film dabei im Gedaechtnis blieb. Ich schaetze, weil er sich wirklich 100% real anfuehlte…)
Vermutlich auch deswegen, weil die Rollen eben auf entsprechenden Typ gecastet worden. Die meisten Darsteller wuerden wohl kaum gut in eine andere Rolle passen.
Allgemein, Ken Loach und seine Filme mit Laiendarsteller, sind auch klasse.
Ich mag zwar Sean Connery & Clint Eastwood, aber bei denen habe ich das Gefuehl, dass sie meist einen Charakter oder ihren eigenen Mythos spielen.
Und gerade bei Armageddon von A-Schauspielern zu sprechen: Ben Affleck? Liv Tyler?
Grosse Namen machen keine grosse Kunst.
Siehe auch Julia Roberts, die meist mehr ihr gerade durch Pretty Woman geformtes Rollenbild immer wieder recycelt.
Ich meine, man sieht sie gern, aber sie ist kaum eine Ueberraschung.
Nett, grinsend, aufgedreht, ein wenig zickig und scheu.
Auch zugegeben, Sci-Fi-Filme sind eigentlich schwer ernsthaft zu spielen. Armageddon war ja groesstenteils eben solides Effekt-Feuerwerk-Actionkino mit einer entsprechenden Dosis Patriotismus am Ende.
Wie soll man da eine ernsthafe Glanzleistung hinlegen? Die wuerde ja total fehl am Platz scheinen…
nicht
Nach wie vor verstehe ich nicht, wieso so viele Zuschauer immer das in einem Film Gezeigte mit dessen Aussage gleichsetzen (siehe auch “300″-Debatte).
Wie kommt man sonst zum Schluß, der Film habe eine “demokratiefeindliche Haltung”?
Nur weil in “Sunshine” nicht gemeinsam abgestimmt wird, sondern “der Fähigste entscheidet”, bedeutet das doch nicht, daß Boyle dieses Vorgehen beführwortet.
Der weitere Handlungsverlauf zeigt wohl mehr als deutlich, daß die Einzelentscheidung gradnios nach hinten losgeht – sie mündet in der Katastrophe.
Komischer Weise kommt aber nie jemand auf die Idee, Spielberg wolle mit “Schindlers Liste” die Taten der Nazis als das angestrebte Verhaltensmuster zeigen, nur weil er sie überhaupt zeigt.
Zur Antwort auf die rhetorische Einwortglanzleistung Mr_Noyes:
Ich wuerde mal sagen, dass in in Actionfilmen wie etwa Stirb Langsam, Triple X und was weiss ich eine differenzierte Schauspielleistung sehr aus dem Rahmen fallen und auch schlicht unmoeglich sein wuerde. Meist sind die Scripts sehr eindimensional, also nur schwarz-weiss maessig und sie setzen keinen Wert auf character building, sondern nur auf bleihaltige Luft.
In solche Filmen kannst du nur eine Schablone verkoerpern, nicht mehr.
Es ist darauf ausgelegt, dass der Schurke ein fieses Grinsen im Gesicht traegt, oft am Ende den ganzen Plan erzaehlt und nicht mehr Motiv als die pure Lust am Zerstoeren hat.
Der Held dagegen ist immer mutig, muskuloes und kaempft fuer Frieden und Freiheit oder so.
Wenn du dies anders siehst und auch ueberzeugende Argumente hast wuerde ich sie mir gerne anhoeren.
Ok, Ozzie, ich mußte zuerst überlegen, wieso in meinem RSS Feed in deiner Antwort etwas von einer “Einwortglanzleistung” stand … dann musste ich lachen, als ich meinen “Beitrag” las … Da war der Computer böser als der Schreiber, denn mein Beitrag bestand aus ein paar Worten mehr, aber der göttliche ‘puter hatte da andere Pläne. Also nochmal:
Lol. Komiker!
Ich würd das ja gerne toppen, aber Beitrage mit Minus-Wörtern kann man ja leider nicht schreiben.
Also, formmäßig akzeptiere ich deinen Sieg, allerdings behalte ich ihn argumentativ weiter mir vor. :P
Glaub mir, diese Seite hier hat mehr Humor als ich, denn die hat meinen Post abgehackt, sieh hierzu auch meine zwei darauffolgenden Versuche, den restlichen Beitrag zu posten und den dritten, letzten Versuch über einen alternativen Namen … ich werds in einem separaten Beitrag noch einmal versuchen, sollte es nicht klappen, hätte es halt nich sollen sein …
Nope, jetzt behauptet die Seite, der Eintrag, den ich zwischengespeicher habe, wäre schon gepostet.
Glaub mir, ich mag zwar Humor, aber ich mag mich mindestens genauso sehr mit anderen austauschen ;)
Da in diesem Fall aber die Seite nicht will, hätte es nicht sollen sein.
Ehm, na gut, wenn’s nicht gehen will, schick’s mir per E-Mail, ich posts’ dann auch hier.
Darin kannst du mir dann sicherlich auch weis machen, warum deine Erklärungen immer erscheinen, aber nie deine Gegenargumente.
Ich bin mir sicher, dass dies mir einleuchten wird!! *mitdemkopfnick*
Ähm Leute ;) Vielleicht möchtet ihr das Privat fortführen, sonst macht unsere Kommentarspalte langsam den Eindruck eine Shoutbox zu sein.
Nix für ungut und frohe Pfingsten…
Wie, das ist se nicht?
Dann habe ich wohl von dieser Seite den falschen Eindruck erhalten.
Naja, ebenso frohe Pfingsten wünsche ich…
Scheiße ist der Film schlecht… Mir wurde er ja empfohlen…aber…nein. Den muss ich bestimmt nicht wieder sehen. Ich kenne mich in diesem Genre des Films wirklich nicht sehr aus, aber auch mir ist aufgefallen, dass ungeniert geklaut wurde. Ich habe in letzter Zeit nur wenige Filme gesehen, die dieses schlechte Format hatten. Ich denke, dass man “Sunshine” getrost in eine Riege mit “Hannibal Rising” und “Ghost Rider” stecken kann: “Filme, die man höchstens unter Androhung physischer Gewalt gegen Katzenbabys gucken sollte…”.
Also ich kann der Kririk nicht zustimmen. Ich bin an den Film mit mäßigen Erwartungen angegangen und er hat mich vom Hocker gehauen. Ich liebe das Sci-Fi-Genre und kenne mich zu gut aus mit monumentalen Bildern.
Sunshine war in der Mitte etwas langatmig, aber am Ende war er sehr ergreifend und spannend. Der Filmcharakter “Kapa” hat dem Film einen besondern Charm verliehen, weil er sich – als hoch intelligenter junger Mensch – aus der Rationalität heraus, dass er unbedeutender ist wie die Menschheit, bedinungslos geopfert hat.
Sowas ist doch ergreifend.
Sunshine ist einer meiner Top-Filme 2008.