Irgendwann fand ich ihn mal richtig klasse.
“Roger & Me” ist oberflächlich betrachtet eine fantastische gemachte und fesselnde Dokumentation, die nicht nur wichtige Fragen stellt sondern auch gut unterhält. Vorausgesetzt, man glaubt der Darstellung Michael Moores.
Spätestens nachdem ich vor einigen Jahren über einige Ungereimtheiten in seinem “Bowling for Columbine” stolperte, die der dicke Dokumentarfilmer auch nicht völlig wegerklären konnte, war meine Begeisterung für Michael Moore dahin. Sein Predigerhafter Tonfall, den er in seinen Filmen und Büchern anschlägt, die penetrante Selbstinszenierung hinter denen die Themen zu verschwinden drohen, die emotionalisierung dort, wo oft eher nüchterne Fakten gefragt wären, daß alles macht seine Werke fragwürdig, auch wenn man mit seinen Zielen sympathisieren mag.
Eine neue Dokumentation zeigt jetzt im Detail, welche gestalterischen Freiheiten sich Michael Moore in seinen “Dokumentarfilmen” genommen hat: “Manufacturing Dissident”
Hier ein Beitrag der 3Sat Kulturzeit zum Film.
[via: Messenger-Tipp von Julian]
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Mai 4th, 2007 •
- 13 Kommentare
2 Trackbacks
- 20.05.2007 - filmblog.ch - Michael Moore zum Abschuss frei gegeben
- 24.05.2007 - F5 - Die Fünf Filmfreunde


















Dringend notwendig Michael Moore endlich das Phänomenen abzusprechen. Momentan übrigens auch auf dem Dok.Fest in München zu sehen.
Kommentar #1 von Soraly am 04.05.2007 um 21:51 Uhr
Naja, wer dieser Scharade aufsitzt ist wohl selber schuld. Seine Selbstinzenierung, dümmliche “wir erklären Weltpolitik für Grundschulkinder”-Szenen und reißerisch aufgemachten Schlagworte sprachen von Anfang an eine deutliche Sprache. MTV hatte sogar schon mal Moore (wenn auch eher unabsichtlich) parodiert und zwar mit einer Reportage über Courtney Love im Moore-Stil, in der die Dame zur Hexe mit übernatürlichen Kräften hochstilisiert wurde, der der heldenhafte Reporter nicht gewachsen ist. (“Ich wollte Sie zur Rede stellen, aber als Sie auf mich zukam, mußte ich weglaufen!”). Ein weiteres Beispiel über die dunkle Seite des amerikanischen Business-Glaubens: Linke Ideologien verkaufen sich gut, also geben wir dem Volk, was es braucht – koste es, was es wolle.
Schade nur, dass durch Moore auch die Kritik an Bush leidet, dabei gibt es mehr als genug einfache, deutliche und auch für Laien ersichtliche Patzer der US Regierung (z.B. offizielles Statement, dass keine Massenvernichtungswaffen im Irak gefunden wurden).
Kommentar #2 von Mr_Noyes am 04.05.2007 um 23:26 Uhr
Gut, dass Michael Moore die Fakten seiner Filme ins Unkenntliche frisiert, ist schon länger bekannt, und dass man jetzt einen Dokumentarfilm darüber gemacht wurde, finde ich interessant. Doch so zweifelhaft seine Filme auch sein mögen, sie haben es geschafft, dass Dokumentationen wieder mehr bei den Leuten gefragt sind (und damit meine ich nicht nur welche über sprechende Pinguine oder umweltaktive Ex-Vize-Präsidenten).
Kommentar #3 von Lennart am 04.05.2007 um 23:37 Uhr
Dass es wichtig und notwendig ist, auch Michael Moore kritisch zu betrachten ist richtig und wichtig. Die Sache mit dem Gewehr ist mir auch schon länger bekannt. Eine gute und überzeugende Dokumentation hat so etwas nicht nötig.
Aber Fakt bleibt auch in diesem Fall, dass eine Bank Gewehre verschenkt. Durch die Kritik an Moore verschwinden teilweise wieder die eigentlichen Fakten – über die es wert wäre zu reden – im Hintergrund.
Und die Sache mit dem gestohlenen Übertragungswagen wird jetzt auch nicht wirklich belegt:
“Eine brillante Pointe. Frei erfunden. >>Das war alles erfunden. Moore hat jemanden angestellt, der einen erfundenen Fernsehbericht, über einen erfundenen Übertragungswagen macht. Ein Dokumentarfilmer sollte so etwas nicht tun.
Kommentar #4 von Paule am 05.05.2007 um 12:04 Uhr
bin jetzt auch nicht überrascht, dass moore kein heiliger ist. Jeder bekommt eben seine “15 Minuten Ruhm”. Ob nun Moore oder die Tante mit dem Film über Moore. Fakt ist doch, dass man erzählen kann was man will, egal ob NoName Moore oder BigName Bush. Was für ein Aufsehen hätte jemand erzeugt, der nur still und leise seine Filme machen würde? Wer weiß schon genau, warum diese Frau jetzt diesen Film macht?
Kommentar #5 von wolfgang am 05.05.2007 um 15:43 Uhr
mmmhh… man kann jetzt natürlich nicht laut schreien: “ich hab´s gewusst! moore, du alte sau!” man müsste halt erstmal die behauptungen dieser dokumentarfilmerin überprüfen…
Kommentar #6 von jAnsen am 05.05.2007 um 17:46 Uhr
Das Reißerische ist ja nicht von ungefähr, man wählt immer das Stilmittel, mit dem man sich den meisten Erfolg verspricht. Aber es ist schon wahr, Moore hat sich Methoden bedient, die ihm für seine Sache nicht zustanden.
Ich hab 2 Bücher und mehrere Filme von ihm gelesen, bzw. gesehen und fand sie damals gut und schlüssig. Als ich den Mann dann aber mal live in Augsburg sehen durfte hielt sich meine Begeisterung auch in Grenzen. Zu viel von dem was er erzählte wirkte einstudiert und von wenig wirklichem Wissen über unser Land und die Menschen hier geprägt.
Kommentar #7 von Seraja Ten am 07.05.2007 um 00:15 Uhr
Klar weiss man hinterher immer alles besser, aber ganz ehrlich: Wenn man Moores Filme und Bücher nicht mit Wir-hassen-alle-George-Bush-und das ist toll-Scheuklappen gesehen hat, dann bemerkt man dass es an etlichen Stellen an Substanz fehlt.
Moore ist reißerisch und poientiert, und das überaus unterhaltsam, aber er hat auf mich nie wie ein “seriöser” Dokumentarfilmer gewirkt der auch eine zweite Meinung oder differenziertere Sichtweise zuläßt.
Kommentar #8 von imYemeth am 08.05.2007 um 08:06 Uhr
Huch, was ist denn jetzt los?
Moore mochte ich noch nie, der ist genauso flach & platt wie die die er kritisiert … aber genau das fand doch die Zielgruppe “Alternativ & Student” (A&S) so klasse, sie beteten Moore an … und nun werden S&S kleinlaut und haben – natürlich – schon immer Moore auch kritisch gesehen!
Wir brauchen weder Bush noch Moore … und ich hoffer das Moore nach Bush Verschwinden auch verschwindet!
Kommentar #9 von Damian am 14.05.2007 um 11:27 Uhr
Wer Moore als reinen Dokumentarfilmer sieht, hat ihn falsch begriffen. Er sagt ja selbst, dass er vor allem unterhalten will (“die Leute sollen sagen, dass sie einen guten Film gesehen haben”).
Ihn kleinlich zu kritisieren finde ich erbärmlich. Moore hat es wie kaum ein anderer geschafft, das öffentliche Interesse auf real existierende (kann das jemand bestreiten?) Probleme zu fokussieren. Natürlich darf man ihm – wie auch jedem anderen – nicht einfach auf treu und glauben nach dem Mund reden. Aber die Frage, ob er das Gewehr jetzt direkt oder später erhalten hat, ändert definitiv nichts an der Tatsache, das in den USA mehr Menschen durch Schusswaffen umkommen als in jedem anderen Land, dass sich nicht im Krieg befindet. Wenn man vor lauter kleinen Kritteleien den großen Rahmen nicht mehr sieht, sollte man wirklich mal die Scheuklappen abmontieren.
Kommentar #10 von Simon Columbus am 03.07.2007 um 16:43 Uhr
@Simon
Hm, also heiligt der Zweck die Mittel und “Verlogene Propaganda” für ein “gutes Ziel” ist gerechtfertigt?
Sorry, aber Lügen sind Lügen und machen angreifbar. Durch seine zweifelhaften Methoden schadet Moore seinen Zielen mehr, als das er ihnen nützt. Was bringt es die Leute zu bestätigen die eh schon seiner Meinung sind und ihm seine Manipulationen nachsehen, wenn er gleichzeitig den unentschlossenen und dem politischen Gegner wunderbare Munition liefert um ihn unglaubwürdig zu machen und zu diskreditieren.
Andere Dokumentarfilmer schaffen es auch ihren Punkt rüberzubringen, zu unterhalten und dennoch nicht die Methoden des Boulevardjournalismus und Sensationalismus zu bedienen.
Und zum Thema unterhaltsam: Sicko ist über weite Strecken getretener langweiliger Quark, mit den üblichen berechenbaren Moore-Selbstinszenierungs-Publicity-Stunts, die auch schon in Fahrenheit 9/11 zum Kotzen waren.
Ob ich seine generellen Ziele gutheisse oder nicht: The enemy of my enemy.. is not my friend.
Kommentar #11 von Batzman am 03.07.2007 um 17:57 Uhr