30 Dokumentationen die man kennen sollte – Teil 3

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Wenn man an Dokus denkt, hat man erstmal keinen Bock. So generell. Das man aber dann doch mehr gesehen hat, wenn man mal ein bischen drüber nachdenkt, und das das andere auch gesehen haben sollten, dafür ist diese Dokumentation über Dokumentationen gedacht. Also, auf gehts: Übrigens, in keiner wertenden Reihenfolge. Sehen muss man die alle.

Kurt and Courtney, von Nick Broomfield

Eine ganz komische Dokumentation, die ich mir als Nirvana-Fan natürlich sofort angucken musste. Dazu gab es ja noch das gerausche im Hintergrund, das Courtney höchstpersönlich wollte, das dieser Film verboten wird. Erster Reflexgedanke: Wer was zu verstecken hat, der will nicht das darüber geredet wird. Ganz klar. Man wird älter und manche zum Glück vielleicht auch weiser, und so komt einem nach Jahren der Gedanke, das man selber wohl auch einen Film verbieten lassen wollen würde, in dem man als potentieller Mörder dargestellt wird. Macht durchaus Sinn. Aber so waren wir Kurt-Verehrer halt: Courtney hat Kurt umgebracht, genauso wie Yoko die Beatles.

Der Film ist dennoch schön gemacht, lustig unsauber recherchiert und ich denke auch, das man ihn als ironischen Kommentar lesen kann. Verschwörungstheorien galore! Muss aber jeder mit sich selbst ausmachen:

[YouTubeDirektMisogynistism]

Die Hochstapler, von Alexander Adolph

Moment mal Herr Burger. Der Film ist erst vor einem Monat ins Kino gekommen und jetzt schon auf der Bestenliste? Ja. Ohne Zweifel. Wir hatten ein Seminar an der Hochschule mit Michael Gutmann und Alexander Adolph und im Rahmen dessen hat er uns seinen Film gezeigt (als übrigens noch gar nicht klar war, ob der ins Kino kommt oder ins Fernsehen oder sonstwohin) und ich muss sagen: Er hat mich umgehauen. Das hier ist nicht Michael Moore, das hier ist die Wirklichkeit. 4 Typen sitzen da und erklären ganz ruhig und gelassen, wie sie es geschafft haben, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Und wir reden hier nicht von Typen, die irgendwelchen Omas 20 Euro im Monat für den Tierschutzbund abquatschen, oder 9live-Moderatoren, die sogar on air erzählen, wie lange sie die Zuschauer noch ausnehmen wollen. Wir reden hier von Geld. Zum Beispiel 5 Millionen Dollar für einen Flug zum Mond. Schön blöd denkt man. Unglaublich Blöd denkt man, wenn man dann hört, wieviele sich nicht nur darauf eingelassen haben, sondern dem Mondflugbehaupter ihr Geld sogar förmlich aufgezwungen haben! Oder der Mann, der in ein Kaff im Osten fährt und sich als amerikanischer Sicherheitskonferenzveranstalter ausgibt und somit ein ganzes Dorf in Aufregung versetzt. Das Spannende daran: Alle 4 Protagonisten haben eine unterschiedliche Art und Weise, mit den Betrügereien umzugehen. Während der eine irgendwann nicht mehr zurück kann, ist der nächste so in seiner Rolle aufgegangen, das er selbst vergessen hat, das er gerade alle betrügt. Ruhige, spannende Interviews. Erwartet keine Archivaufnahmen von Festnahmen oder so. Erwartet das euch 4 Leute ihr Schicksal sehr spannend und mitreissend erzählen. Das reicht absolut und macht den Film zu einem absoluten Meisterwerk. Echt jetzt mal.

[YouTubeDirektMondflug]

The most hated family in America, von Louis Theroux

Louis Theroux ist in England bekannt geworden mit seiner Serie “Weird Weekends” wo er sich immer ein Thema ausgesucht hat, das er nicht begreift und dann einfach losgefahren ist um es zu verstehen. So hat er ein Wochenende zum Beispiel mit Wrestlern verbracht um sich erklären zu lassen, was die Faszination an dem Sport ausmacht. Oder mit UFO-Fanatikern. (Einfach mal tuben, da findet ihr das schon) Dann wurde es einige Zeit still um ihn und er hat nicht mehr so viel gemacht. Vor kurzem lief dann der Film über die meistgehasste Familie Amerikas bei der BBC, und man merkte sofort, warum man Theroux so vermisst. In dem Film (auch bekannt als “God hates fags”) geht es um die Familie Phelps in Amerika. Die sind Mitglieder der Westborough Baptist Church und haben einen etwas, nun ja, sehr fundamentalen Glauben. Sie denken das alle ausser sie, in ihrer 80 Mann starken Gemeinde, verflucht und der Hölle vorgesehen sind. Das schwulsein abnorm ist (gut, das behaupten andere auch, aber nicht mit solcher Rigidität) und das Soldaten im Irak nur deswegen sterben, weil sie eben schwul seien. Das klingt verquer, irrational, verblendet. Das ist es alles auch. Aber Theroux schafft es in seinem Film, dem ganzen noch etwas anderes hinzuzufügen: Nämlich das es eigentlich ganz normale Menschen sind, die das behaupten. Sie lachen, essen, reden wie jeder andere auch. Die Mädchen sind eigentlich normale junge Menschen, bis auf die Tatsache, das sie eben keine Jungs Daten, weil sie so verzogen sind, das sie es für reine Sünde halten. Und der grosse Patriarch, der Priest der WBC, ist so ein klassischer alter Sack, der keinem etwas sagt und hasserfüllt gegen alles und jeden scheint. Ein spannender Film in dem Theroux alle seine Trümpfe perfekt ausspielen kann. Er hört zu und interessiert sich, er will niemand vorführen ausser die Leute machen da von selbst. Seine grösste Stärke: Er WILL verstehen. So wie man selbst, wenn man fassungslos auf den Fernseher starrt. Unbedingt anschauen.

Scratch, von Doug Pray

Hip Hop wäre nichts ohne sie, ja, Hip Hop würde nicht einmal existieren, wenn es sie nicht gäbe: Die DJs. Die 6-Jahre alte Dokumentation Scratch erzählt woher die DJs kamen, wie sie überhaupt das scratchen erfunden haben und wie daraus eine eigene Bewegung, nämlich der sogenannte Turntableism, entstehen konnte. Man erfährt wie man sich ein eigenes kleines Imperium baut, nur durchs Vinyl zerkratzen (DJ Q-Bert). Es kommen auch die Söldner zu Wort, so eine Art Studio-Scratcher, falls ein Act keinen eigenen DJ hat. Fast alle in diesem Film berufen sich auf “Rockit” von Herbie Hancock. Das war die Initilazündung. Spannend wird es vor allem dann, wenn kleine Anekdötchen zu Tage treten, so wie bei DJ Shadow. Shadow ist dafür bekannt auf seinen Mixtapes immer Songs aus dem Hut zu zaubern, von deren Existent niemand auch nur geahnt hatte. Wo kriegt der das vergessene Soul und Disco Zeugs her? In New York gibt es einen Plattenladen, wo Shadow immer hinging. Wo er tolle Sachen fand, meist den ganzen Tag verbrachte und mit einem Riesenstapel wieder raus ging. Nach ca. 5 Jahren bot der Besitzer ihm an, doch auch mal im Keller zu gucken, er hätte da noch viel mehr Platten. Und was Shadow dort fand, war das Paradies auf Erden, für jeden der schonmal Platten gesucht hat. Das kann man nicht in Worte fassen, das muss man gesehen haben. Eben in dieser sehr gelungenen Dokumentation, die auch für Rocker oder Opernfans ihren Reiz hat, denn es geht hier eigentlich um die Stärke, die Kraft, das verbindende Element von Musik. Und wer Vinyl liebt, der bucht sich sofort nach dem Film ein Ticket nach New York um diesen Laden zu finden. Hammer.

[YouTubeDirektKellerkind]

Der Boxprinz, von Gerd Kroske

Die YouTube-Generation hat nur eine klitzekleine Szene aus dem Film berühmt gemacht. Henschel, in den 60/70ern selbst ein grosses Tier auf der Reeperbahn, geht mit dem Kamerateam bei Abenddämmerung über die verwaiste Grosse Freiheit in Hamburg und schwelgt in Erinnerungen. Ein betrunkener bleibt stehen und guckt doof in die Kamera. Henschel, offensichtlich selbst nicht der geduldigste Mensch auf Erden, bedeutet dem Besoffski kurz, er solle schnell weitergehen und als dieser das nicht tut, verpasst er ihm eine Schelle, das der Säufer aus dem Bild fliegt. Eine Szene, die man lustig finden kann, die man bestaunen kann. Die aber eigentlich viel mehr zu sagen hat, vor allem im Kontext des Films: Die schweren Jungs der 70er Jahre, die haben nicht, gezögert. Da wurde nicht geschrieen wie stark man ist, da gabs direkt was auf die Nuss. Ohne Kompromisse. Henschel selbst kam wohl nicht damit klar, das er heute keine grosse Numer mehr ist, das die Zeiten sich geändert haben und nahm sich Mitte letzten Jahres das Leben. Ausgerechnet im Keller der “Ritze”, eine Intitution auf dem Hamburger Kiez, eine Kneipe mit Boxring im Keller. Und deswegen auch ein idealer Ausgangspunkt für den Film. Es geht um Norbert Grupe, besser bekannt als “der Prinz von Homburg”, ein Boxer der in den 60ern den Kontakt zum Rotlicht nicht scheute. Im Gegenteil, er arbeitete für die Jungs. Berühmt geworden ist Grupe in ganz Deutschland als er im aktuellen Sportstudi sass und dem Interviewer keine einzige Frage beantwortete, sondern die ganze Zeit schwieg, weil er sich verarscht vorkam. Der Film erzählt den Lebensweg von Grupe, anhand von Zeitzeugen, Freunden, Wegbegleitern, aber auch Grupe selbst kommt oft genug zu Wort. Er ist dann nach Amerika ausgewandert, wo er später in die Schauspielerei wechselte. Seine bekannteste Rolle: Vigo, der unheimliche Typ aus dem Bild in Ghostbusters 2. Grupe selbst hat wirklich ein spannendes und bewegtes Leben gehabt, das der Film detailliert nacherzählt. Eine deutsche Legende, die kaum noch jemand kennt. Und Henschel kommt nur in 3 Szenen vor, eine kennt ihr ja schon…

[YouTubeDirektParzifal]

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4 Comments

  1. roninarts

    […] – F5 – 30-dokumentationen-die-man-kennen-sollte-teil-3/ schönn, weiter gehts! den f5 sei […]

  2. das_Produkt

    Oh mann, das Kaff im Osten (Das aus Hochstapler) ist bei mir um die Ecke… haha

  3. Daniel

    Für alle die diesen Dokumentarfilm noch nicht kennen: “Shermans March” von Ross McElwee.
    Da war er noch ganz jung ist ist mit seiner Kamera losgezogen um den Feldzug von Sherman zu dokumentieren – wird aber ziemlich schnell von verschiedensten Frauen abgelenkt… weil er wohl die Prioritäten etwas falsch setzt…
    Ein toller Film über die Südstaaten, Liebe und sonst so. Hm – einfach anschauen!

  4. haha & muhaha

    die blume der hausfrau

    eine doku darüber wie man staubsauger verkauft (und wie nicht). oder kennt ihr etwa nicht vorwerk?

    h&m

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