Review

S.H.I.T. – Die High-School GmbH

Standard, 28. 5. 2007, Batzman (Oliver Lysiak), 8 Kommentare

„Oh great, an abandoned psychiatric hospital! Now I can get Hepatitis! „

Originaltitel: Accepted
Herstellungsland: USA 2006
Regie: Steve Pink
Darsteller: Justin Long, Adam Herschman, Jonah Hill, Blake Lively, Mark Derwin
[rating:3.5]

Accepted

Zunächst mal eine Anmerkung: Die deutschen Titelerfinder dieses Films sollten ernsthafte disziplinarische Maßnahmen verordnet bekommen. Ganz ehrlich.

Bartelby Gaines (Justin Long) wurde von jedem College zurückgewiesen bei dem er sich beworben hat. Aus Angst von seinem Vater als versager abgestempelt zu werden, erfindet er zusammen mit ein paar Kumpels das South Harmon Institute of Technology (dessen Abkürzung etwas unglücklich wirkt) und mietet ein leerstehendes Gebäude an. Dummerweise wird die gefakte Website der Uni auch von anderen abgelehnten Studenten entdeckt, die sich dank Express-Immatrikulation bald zu Dutzenden im neuen College einfinden.
Nach der initialen Schockphase erkennt Bartleby in den anderen Studenten sich selbst wieder: Ausgestoßenen denen man an den elitären Colleges keine Chance gibt, junge Leute die schon von Anfang an das Gefühl vermittelt bekommen nichts wert zu sein. Er beschließt aus dem falschen Institut ein echtes College zu machen, bei dem die Schüler ihre Lernziele selbst definieren.

Der deutsche Titel des Films, der nach jetzt mit einem dreiviertel Jahr Verspätung doch noch in deutsche Kinos kommt, verspricht Grauenhaftes (und beweist das die deutschen Texter den Unterschied zwischen High School und College nicht kennen). Die Werbezeile “von den Machern von American Pie” ebenfalls. Der deutsche Trailer ist eine einzige klamaukige Katastrophe, die den Schwerpunkt auf Slapstick und Pennälerhumor legt, was dem Film so gar nicht gerecht wird.

Und das ist wirklich schade, denn “Accepted” ist eine sehr warmherzige, liebenswerte, durchaus berechenbare aber immer unterhaltsame Komödie, die den Bereich des Fäkalhumors weiträumig ausspart und stattdessen ein witziges, humorvolles Plädoyer für Aussenseiter hält, gespickt mit leichten satirischen Seitenhieben auf das amerikanische Schulsystem. In Zeiten in denen Wissen und Bildung nur noch an ihrer wirtschaftlichen Vermarktbarkeit gemessen werden, stellt Accepted nebenbei die Frage nachdem was wirklich wichtig ist zu lernen und wie man am besten lernt. Damit bildet er, wenn auch stilistisch völlig anders, eine Paralelle zu dem jüngst angelaufenen „History Boys„, der sich ebenfalls mit dem Wert und der Zielsetzung von Bildung auseinandersetzt.

Nebenher bietet er kleine In-Jokes (etwa die überpräsenz von Apple-Computer am gefakten College, die als Seitenhieb auf Justin Longs Werbeeinsatz als „Apple Guy“ in einer Reihe von Werbespots zu verstehen ist), zitiert munter Filme, von Saw, über Battle Royal bis zu den College-Comedy-Klassikern wie „Animal House“ und „Breakfast Club“.

Das Regiedebüt des Drehbuchautoren von “High Fidelity” ist mit Justin Long (demnächst in Die Hard 4.0 zu sehen) in der Hauptrolle sympathisch besetzt, der dem Film auch über einige Klischees und vorhersehbare Momente hilft. Vielleicht kein Muß fürs Kino, auf DVD (die US-Scheibe ist bereits erhältlich) jedoch eine schöne, witzige Wochenendunterhaltung, jenseits gemeiner Teenieklamotten.

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8 Kommentare

  • Reply dan 28. 5. 2007 at 18:08

    Habe ihn durch Zufall im Kino gesehen und kann Batz nur zustimmen. Der Streifen wartet zwar mit einigen typischen Teeniefilmklischees auf, aber bringt sie völlig sympathisch rüber. Gerade wenn man einen Film aus dem besagten Genre schon lange nicht mehr gesehen hat, ist Accepted (der deutsche Titel zieht den Film völlig ins lächerliche) auch im Kino ein Lacher…

  • Reply Mental Savage 1. 6. 2007 at 15:53

    Accepted (S.H.I.T. – Die High-School GmbH)…

    “Do you know what makes a great college: Rejection. The exclusivity of any university is judged primariliy by the amount of students it rejects.”
    Als ich das Filmplakat letzte Woche im Kinofoyer gesehen hatte, dachte ich, wer um Gottes …

  • Reply Mockingbird » Archiv » S.H.I.T. - Accepted 8. 6. 2007 at 0:20

    […] den Fünf Filmfreunden bin ich mehr zufällig auf Accepted gestoßen – und! Sehr genialer Film! Geheimtipp! Abgelegt unter Zeit totschlagen […]

  • Reply Finja 8. 6. 2007 at 0:27

    danke für den tipp! ich hab mich scheckig gelacht!

  • Reply westernworld 8. 6. 2007 at 19:08

    „…und beweist das die deutschen Texter den Unterschied zwischen High School und College nicht kennen…“

    „…, von Saw, über Battle Royal bis zu den College-Comedy-Klassikern wie “Animal House” und “Breakfast Club”.“

    ihr kennt aber auch den unterschied zwischen high-schol und college nicht – the breakfast club spielt in der high-school und ist daher keine collegekomödie);-)scnr

  • Reply Batzman 8. 6. 2007 at 19:26

    doch kenne ich. ist nur 300 jahre her, daß ich breakfastclub gesehen habe…

  • Reply Discursive Thoughts » Blog Archive » Accepted 7. 7. 2008 at 15:31

    […] Viel mehr möchte ich über den Plot auch nicht sagen, auch habe ich keine Lust eine ausführliche Review zu schreiben (dafür gibt’s ja die Filmfreunde).  […]

  • Reply Accepted (S.H.I.T. – Die High-School GmbH) | Mental Savage 26. 10. 2014 at 12:39

    […] jede Motivation, einen solchen Film zu schauen, im Keim erstickt. Zum Glück bin ich bei den Fünf Filmfreunden über eine überraschend positive Kritik gestolpert, so dass mir diese kleine Perle doch nicht […]

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