S.H.I.T. – Die High-School GmbH

7 Comments

“Oh great, an abandoned psychiatric hospital! Now I can get Hepatitis! “

Originaltitel: Accepted
Herstellungsland: USA 2006
Regie: Steve Pink
Darsteller: Justin Long, Adam Herschman, Jonah Hill, Blake Lively, Mark Derwin
★★★½☆

Accepted

Zunächst mal eine Anmerkung: Die deutschen Titelerfinder dieses Films sollten ernsthafte disziplinarische Maßnahmen verordnet bekommen. Ganz ehrlich.

Bartelby Gaines (Justin Long) wurde von jedem College zurückgewiesen bei dem er sich beworben hat. Aus Angst von seinem Vater als versager abgestempelt zu werden, erfindet er zusammen mit ein paar Kumpels das South Harmon Institute of Technology (dessen Abkürzung etwas unglücklich wirkt) und mietet ein leerstehendes Gebäude an. Dummerweise wird die gefakte Website der Uni auch von anderen abgelehnten Studenten entdeckt, die sich dank Express-Immatrikulation bald zu Dutzenden im neuen College einfinden.
Nach der initialen Schockphase erkennt Bartleby in den anderen Studenten sich selbst wieder: Ausgestoßenen denen man an den elitären Colleges keine Chance gibt, junge Leute die schon von Anfang an das Gefühl vermittelt bekommen nichts wert zu sein. Er beschließt aus dem falschen Institut ein echtes College zu machen, bei dem die Schüler ihre Lernziele selbst definieren.

Der deutsche Titel des Films, der nach jetzt mit einem dreiviertel Jahr Verspätung doch noch in deutsche Kinos kommt, verspricht Grauenhaftes (und beweist das die deutschen Texter den Unterschied zwischen High School und College nicht kennen). Die Werbezeile “von den Machern von American Pie” ebenfalls. Der deutsche Trailer ist eine einzige klamaukige Katastrophe, die den Schwerpunkt auf Slapstick und Pennälerhumor legt, was dem Film so gar nicht gerecht wird.

Und das ist wirklich schade, denn “Accepted” ist eine sehr warmherzige, liebenswerte, durchaus berechenbare aber immer unterhaltsame Komödie, die den Bereich des Fäkalhumors weiträumig ausspart und stattdessen ein witziges, humorvolles Plädoyer für Aussenseiter hält, gespickt mit leichten satirischen Seitenhieben auf das amerikanische Schulsystem. In Zeiten in denen Wissen und Bildung nur noch an ihrer wirtschaftlichen Vermarktbarkeit gemessen werden, stellt Accepted nebenbei die Frage nachdem was wirklich wichtig ist zu lernen und wie man am besten lernt. Damit bildet er, wenn auch stilistisch völlig anders, eine Paralelle zu dem jüngst angelaufenen “History Boys“, der sich ebenfalls mit dem Wert und der Zielsetzung von Bildung auseinandersetzt.

Nebenher bietet er kleine In-Jokes (etwa die überpräsenz von Apple-Computer am gefakten College, die als Seitenhieb auf Justin Longs Werbeeinsatz als “Apple Guy” in einer Reihe von Werbespots zu verstehen ist), zitiert munter Filme, von Saw, über Battle Royal bis zu den College-Comedy-Klassikern wie “Animal House” und “Breakfast Club”.

Das Regiedebüt des Drehbuchautoren von “High Fidelity” ist mit Justin Long (demnächst in Die Hard 4.0 zu sehen) in der Hauptrolle sympathisch besetzt, der dem Film auch über einige Klischees und vorhersehbare Momente hilft. Vielleicht kein Muß fürs Kino, auf DVD (die US-Scheibe ist bereits erhältlich) jedoch eine schöne, witzige Wochenendunterhaltung, jenseits gemeiner Teenieklamotten.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

7 Comments

  1. dan

    Habe ihn durch Zufall im Kino gesehen und kann Batz nur zustimmen. Der Streifen wartet zwar mit einigen typischen Teeniefilmklischees auf, aber bringt sie völlig sympathisch rüber. Gerade wenn man einen Film aus dem besagten Genre schon lange nicht mehr gesehen hat, ist Accepted (der deutsche Titel zieht den Film völlig ins lächerliche) auch im Kino ein Lacher…

  2. Mental Savage

    Accepted (S.H.I.T. – Die High-School GmbH)…

    “Do you know what makes a great college: Rejection. The exclusivity of any university is judged primariliy by the amount of students it rejects.”
    Als ich das Filmplakat letzte Woche im Kinofoyer gesehen hatte, dachte ich, wer um Gottes …

  3. Finja

    danke für den tipp! ich hab mich scheckig gelacht!

  4. westernworld

    “…und beweist das die deutschen Texter den Unterschied zwischen High School und College nicht kennen…”

    “…, von Saw, über Battle Royal bis zu den College-Comedy-Klassikern wie “Animal House” und “Breakfast Club”.”

    ihr kennt aber auch den unterschied zwischen high-schol und college nicht – the breakfast club spielt in der high-school und ist daher keine collegekomödie);-)scnr

  5. Batzman

    doch kenne ich. ist nur 300 jahre her, daß ich breakfastclub gesehen habe…

  6. Discursive Thoughts » Blog Archive » Accepted

    [...] Viel mehr möchte ich über den Plot auch nicht sagen, auch habe ich keine Lust eine ausführliche Review zu schreiben (dafür gibt’s ja die Filmfreunde).  [...]

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