
Hollywood-Filme widmen sich gerne “Wichtigen Themen”. Das Problem mit echten Problemen, ist allerdings das sie echt sind. Das heisst sie gehorchen nur selten einer wirklich guten Dramaturgie und obendrein muß man beim potentiellen Zuschauer erstmal den Ekelhemm überwinden. Also jene Stelle im Gehirn, die ihm verbietet sich mit Sachen zu beschäftigen die nicht explodieren, nicht tricktechnisch aufwendig gemacht sind und sich nicht im wesentlichen der Grundstory “boy-being meets girl-being beneath a silvery moon, which then explodes for no adequately explored reason” zuschreiben lassen.
Zur Überwindung des Ekelhemms versucht man im Marketing nun immer ganz geschickt, unter den Teppich zu kehren worum es eigentlich geht und betont die Universalität der Story.
In Brokeback Mountain gehts auch nicht um ein schwules Cowboy-Pärchen, das miteinander klöppelt, sondern um eine “Liebesgeschichte” die sich nur eben zufällig zwischen zwei Cowboys abspielt.
In “Rain Men” gehts auch nicht um Autismus, sondern um die Annäherung zweier Brüder, die sich lernen müssen zu akzeptieren.
In Transamerica, so betonen die Macher, gehts auch gar nicht um Transexualität, sondern darum “der zu sein der man sein will” und “sich der Verantwortung zu stellen, ein Kind zu erziehen.”
In “Gottes vergessene Kinder” ging es auch nicht ums Taubsein, sondern um eine Liebesgeschichte, die sich durch gegenseitige Akzeptanz auszeichnet.
In Philadelphia gings auch gar nicht um AIDS. Es ging nur darum, was Tom Hanks doch für’n lieber Kerl ist und das es doch schade wäre, wenn er krepiert.
In unzähligen Making-Ofs und Promo-Interviews, betonen die Darsteller und Macher stets, das es ja um universelle Themen gehe, zu denen jeder einen Bezug habe. Sie sagen: Kommt und schaut den Film. Ihr müsst keine Angst haben. “Hat sich nicht jeder schon einmal einsam und ausgegrenzt gefühlt?”
Und sie tun das aus gutem Grund, denn das Publikum will vorsichtig an die Hand genommen werden, denn es hat große Angst vor dem Unbekannten.
Allerdings nur, wenn es sich dabei um halbwegs reale Themen dreht. Wenns um Dinge geht die explodieren, um Monster, Superhelden oder kollidierende Planeten, dann hat es keine Angst.
Michael Bay wird nie sagen müssen: “Meine Klippklapp-Roboter stehen ja gar nicht für Roboter die die Erde vernichten wollen, es geht ja um viel allgemeinere Themen. Die Angst vor Rost und steigenden Benzinpreisen. Vor Autoaufklebern die nicht mehr abgehen und ausgelaufenen Batterien. Probleme die jeder kennt.”
Nicht umsonst verpackt ein David Cronenberg seine Stories von Krankheitund der Dekonstruktion des Körpers, in phantastische Umhüllung. Als Krebsdrama hätte “The Fly” niemals jemand sehen wollen. Als offenes Story um die Ausgrenzung von Schwulen und anderen Minderheiten, würde niemand in die X-Men-Filme gehen.
Der Mainstream hat Angst. Und verträgt “Issues” immer nur dann, wenn man ihm vorlügt, daß es eigentlich um was ganz anderes geht.
Schade eigentlich.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Juni 2nd, 2007 •
- 9 Kommentare









































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