“…aber da sind ja auch Christen.”
Originaltitel: Full Metal Village
Herstellungsland: BRD 2006
Regie: Sung Hyung Cho
Darsteller: Wacken





Ist es überhaupt legitim noch eine Kritik zu schreiben, wenn eigentlich “Das ist mal ganz großes Kino!” als Beschreibung vollkommen ausreichend wäre? Bin ich überhaupt der Richtige, der hierzu ein paar Zeilen schreibt, war schon von vornherein klar, dass ich den Film lieben werde (TRANSFORMERS! ICH! AH AH AHHHH!)? Nimmt man es überhaupt ernst, wenn ich den Film in den Himmel lobe?
Na, ich hoffe doch! Der Film übertraf all meine Erwartungen und selbst wenn man kein Freund von Heavy Metal, Festivals oder Dokus ist, sollte man sich diese 90 Minuten Zeit nehmen, um in das Leben dieses charmanten Dorflebens einzutauchen. Teilweise mit einer unfreiwilligen Komik, oft mit gezielten Gags schaffte es eine vollkommen außenstehende Person nicht nur einen Teil des Flairs eines Heavy Metal Festivals am Rande aufzunehmen, sondern auch den Deutschen an und für sich stilecht rüberzubringen (schlagt mich ruhig dafür).
Dieser Film handelt nicht vom Wacken Open Air, das jährlich eine Heerschar an durchgeknallten “Metalheads” nach Norddeutschland zieht, sondern von Menschen, die mit diesem Festival leben, als wäre es inzwischen das Natürlichste der Welt. Und obwohl dies eine Dokumentation über diese Menschen ist, die sich unvorstellbar natürlich vor der Kamera verhalten, hat man nicht einmal das Gefühl als Voyeur einem Haufen dummer Bauern gegenüberzusitzen, sondern einen Einblick in eine bekannte Welt zu bekommen, durch die Augen eines Fremden. So wirkt das spießige Leben auf dem Dorf urplötzlich wie ein perfektes Paradies.
Und während ich darüber nachdenke warum ich gerade weitere 20 Zeilen Lobhudelei weglösche, die darüber sinieren wie toll das Timing ist (die Katze!), wie unwahrscheinlich manche Aufnahmen wirken, wie großartig die Musik von Peyman Yazdanian die Stimmung im Dorf einfängt, komme ich zu folgendem Schluss:
Das ist mal ganz großes Kino!
- Mal Sehen •
- Juni 3rd, 2007 •
- 10 Kommentare


















Das ist nicht nur ganz großes Kino, sondern sicher bald auch großartiges Fernsehen: Arte und NDR haben ordentlich cofinanziert – wenn ich den Abspann noch richtig im Gedächtnis habe.
Kommentar #1 von Petr Pivo am 04.06.2007 um 16:50 Uhr
Auf jeden Fall ganz GROßES Kino!
Wahrscheinlich die einzige Doku, die ich mir jemals auf DVD kaufen würde :D
Kommentar #2 von Wurzag am 18.06.2007 um 20:38 Uhr
hab mir die doku gestern im örtlichen independentkino angeschaut (eine schande, dass der nicht in den “grossen” multiplex-kinos läuft!) und fand sie richtig gut. hab es selten erlebt, dass das komplette publikum vor lachen am boden liegt.
mich würde aber mal eure meinung zur “integration des autors” in die doku interessieren: war es notwendig/sinnvoll, dass sie selbst in wenigen (3?) interviewsituationen protagonistin war?
Kommentar #3 von jAnsen am 26.06.2007 um 22:11 Uhr
Was ist schon Sinn? Ich fand es grandios, wie sie sich nicht in den Mittelpunkt stellte, sondern als eine Figur in ihrem eigenen Stück. Wenn ich mir die Einschätzung erlauben darf..!
Kommentar #4 von Mal Sehen am 26.06.2007 um 22:14 Uhr
So toll er auch war. Wäre das ganze von einer Deutschen gemacht, nicht halb so gut gewesen.
Kommentar #5 von sonnenscheinguru am 28.06.2007 um 11:41 Uhr
Warum das denn??? So ein Quatsch!
Kommentar #6 von Mal Sehen am 28.06.2007 um 11:42 Uhr
Ja, so ein Mist!
Das kommt doch nicht auf die Herkunft eines Menschen an, sondern auf die Person selbst und in diesem Fall auch noch aufs Team!
Kommentar #7 von Johannes am 10.07.2007 um 09:13 Uhr
naja, wie bei den meisten dokus steht und fällt das ganze mit den interviewten. sind die interessant/skurril/herzerweichend/volltrottel hat man erstmal ganz gutes ausgangsmaterial. alles weitere ist dann natürlich vom talent der regie abhängig. egal ob deutsch oder was auch immer.
@MalSehen: ich fand ihre auftritte sehr unentschieden. entweder man ist halt selbst tragender protagonist (siehe moore) oder man bewahrt die angemessene distanz zum zu untersuchenden subjekt (->man dokumentiert, anstatt zu agieren). hab es einfach als unnötige, da relativ sinnlose einschübe wahrgenommen.
Kommentar #8 von jAnsen am 17.07.2007 um 15:46 Uhr
grandioser Film, Szenenapplaus und Schlußapplaus im Kino – wann gibt’s das schon mal!
Sehr liebevolle Darstellung von Leuten, die wissen, wie das Leben so läuft. Ich schlage vor, Wackens Bürgermeister als Bundeskanzler und den “Kuhbauern” als Bundespräsidenten zu nehmen.
Ich glaube, ich zieh’ um!
Kommentar #9 von Stefan am 28.07.2007 um 22:22 Uhr
Hast du die weggelöschten 20 Zeilen noch da? Die würd ich ja doch gern lesen, wenn jemand offensichtlich den Film genauso gut fand wie ich ;)
Die Szene mit der Katze war großartig und im allgemeinen fand ich die Leute und ihre nordische Art sehr sympathisch.
Ich finde die Herkunft der Autorin und auch ihre Integration in die Szenen nicht unwichtig, da die interviewten Leute auch dementsprechend anders mit ihr reden, beispielsweise die Frage, ob man dieses und jenes auch unter diesem und jenem Namen kennt oder die rindspezifischen Bezeichnungen ;)
Werd mir die DVD auf jeden Fall in die Sammlung stellen.
Kommentar #10 von Marcus am 10.08.2007 um 22:34 Uhr