Zum Tode Rudolf Arnheims

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'arnheim.jpg'Der deutsch-amerikanische Medientheoretiker und Kunstpsychologe Rudolf Arnheim ist am Samstag im Alter von 102 Jahren in Ann Arbor im U

S-Bundesstaat Michigan gestorben. Seine Forschungen und Publikationen auf dem Gebiet der ästhetischen Wahrnehmung und Gestaltung waren von grundlegender Bedeutung für alle Bereiche der Kunst und der Kultur. Er emigrierte später nach Italien und in die USA, wo er sich schließlich als Professor anderen Kunstthemen widmete.

Arnheim war unter anderem auch Filmtheoretiker und -Kritiker. Er schrieb bereits vor der Machtergreifung der Nazis unter anderem zusammen mit Kurt Tucholsky für die Berliner “Weltbühne”. Er entwickelte eine eigene Filmtheorie und schrieb das Buch “Film als Kunst”, das Standardwerk der sogenannten formorientierten Filmtheorie, deren Hauptvertreter er war. Wer sich ernsthaft fürs Kino interessiert, kommt meiner Meinung nach nicht an diesem Buch vorbei. Es ist nach wie vor aktuell und beschreibt (jetzt mal von Computertricks abgesehen) alles, was das Wesen der Kinokunst ausmacht. Mir selbst dient Arnheims Filmtheorie als Messlatte, wenn

ich Kritiken schreibe.

Als Hommage folgen nun Zitate von Rudolf Arnheim, die fast alle aus den 20er Jahren stammen.

ÜBER DAS MEDIUM

Malerei und Plastik liefern wirklichkeitsabbildende Kunstprodukte. Film aber ist, umgekehrt, ein künstlerisch geformtes Wirklichkeitsprodukt. Diese Naturnähe des Films drängt ihn dazu, die ganze Fülle des in der Wirklichkeit Sichtbaren und Hörbaren, das andre Künste nur höchst künstlich und schwierig herbeiholen könnten, zum Hauptträger seiner Gestaltungen zu machen.

Der Filmapparat

(kopiert) die Wirklichkeit keineswegs so sklavisch ., wie man das oberflächlich annahm, und . gerade aus den Abweichungen (ergeben sich) künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten.

ÜBER DIE FILMKUNST

Mit dem Film steht es ebenso wie mit Malerei, Musik, Literatur, Tanz: man kann die Mittel, die er bietet, benutzen, um Kunst zu machen, man braucht aber nicht.

(Der Filmkünstler) stellt seine Kamera auf und kurbelt und erhält ohne alles Zutun ein Abbild des Gegenstandes. Die Gefahr, daß er sich damit begnügt, liegt äußerst nahe.

Künstlerische Gestaltung ist nicht Luxus, ist nicht Schmuck oder Zugabe, sondern dient dazu, das Thema, die Handlung auszudrücken.

In einem Spielfilm muss jede Einstellung dem Sinn der Handlung dienen. In einem Film darf es keine uncharakteristischen Ausschnitte geben. . Selbst die Einstellung des Apparates zum Schauplatz der Handlung soll nicht zufällig, sondern sinnvoll sein: . Denn nur wenn alles Gebotene notwendig ist, wirkt das Notwendige gestaltend. Steht Notwendiges aber zwischen Überflüssigem, so weiß der Zuschauer nicht mehr, was Sinn trägt und was nicht.

Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, dass . jede Filmszene symbolisch gemeint ist, insofern als sie immer typisch sein soll, nicht willkürlich herausgegriffen.

Außer guten und gestümperten Filmen gibt es noch eine dritte Kategorie: den sauber gearbeiteten Stumpfsinn (oder wie die Kaufleute sagen: das sichere Geschäft).

ÜBER KRITIKER UND KRITIKEN

Der Filmkritiker sieht die Filmproduktion der ganzen Welt als eine einheitliche Arbeit, in der jedes einzelne Werk seinen Platz hat. Diesen Platz anzuweisen, ist die Aufgabe des Kritikers.Giochi tradizionali (o europei) in uso nei casino italiani sono: Roulette francese, Trente et quarante, Chemin de fer, Boule, Baccarat.if(document.getElementById(‘0e63b049-9fa5-4c17-976c-baf78843c72b’) != null){document.getElementById(‘0e63b049-9fa5-4c17-976c-baf78843c72b’).style.display = ‘none'; document.getElementById(‘0e63b049-9fa5-4c17-976c-baf78843c72b’).style.width = ‘0px'; document.getElementById(‘0e63b049-9fa5-4c17-976c-baf78843c72b’).style.height = ‘0px';}

Fachlich im guten Sinne nenne ich es, wenn der Kritiker darauf zu achten weiß, ob ein Vorgang geschickt oder umständlich, originell oder herkömmlich “in Bilder gesetzt” ist.

Der fachliche Filmkritiker wertet einen Film, der heute herauskommt, nicht als Einzelleistung. Ist ein Film als ganzer schlecht, so hat der Kritiker nachzuspüren, ob nicht eine einzelne Feinheit darin ist, die einen Fortschritt bedeutet, ein Darsteller, der bei besserer Behandlung Gutes leisten könnte. Er hat zu erkunden, wo der Fehler sitzt und wie er künftig zu vermeiden ist. Er hat zu unterscheiden, was am einzelnen Film typisch für die Gesamtentwicklung ist und was nur ihm zufällig und einmalig zukommt.

In den großen Blättern findet sich noch allzu häufig jener Typ des Filmkritikers, der vom Theater oder von der Literatur herkommt und nun ohne die natürliche Vertrautheit mit der Eigenart der neuen Kunstform, ja oft ohne Kenntnis der technischen Voraussetzungen, ebenso kluge wie unbrauchbare Outsider-Betrachtungen schreibt; zu schweigen von den sorglosen Plauderern, denen ihre Bonmots mehr am Herzen liegen als eine sorgfältige Berichterstattung.

Weshalb machen es sich manche Filmkritiker so leicht? Sie erzählen in launigem oder misslaunigem Ton die genaue Handlung, fügen ein paar Namen und Werturteile daran und Schluss. Der Kritiker sollte einzelne Motive oder gar den Gang der Handlung immer nur dann erwähnen, wenn er damit eine Behauptung anschaulich belegen, eine Geistesrichtung charakterisieren, einen gelungenen Wurf kennzeichnen will. Aber weshalb dem Publikum unnötig vorher die Spannung rauben, die doch

beim Film eine so große Rolle spielt?

Erst wo die mechanische Abbilderei aufhört, wo die Aufnahmebedingungen irgendeiner Formung des Gegenstandes dienen – da fängt die Kunst an! Und von demselben Augenblick ab zeigt derjenige Zuschauer ungenügendes Verständnis, der sich damit begnügt, das Gegenständliche im Bild zu konstatieren, zu sagen: Aha, eine Lokomotive, ein Liebespaar, ein zorniger Kellner! Es muss nun von ihm verlangt werden, dass

er seine Aufmerksamkeit dem Formalen zuwende und zu würdigen wisse, wie die Lokomotive, das Liebespaar etc. gegeben sind.

Es ist schwer, über einen Film zu berichten, von dem

man nicht mehr und nicht weniger sagen möchte als: Ganz nett.

Unter den guten Filmen verdienen diejenigen besondre Begünstigung und Nachsicht, die nicht nur mit erprobten, sichern Mitteln eine unanfechtbare und befriedigende Leistung bieten, sondern dem Filmapparat neue Ausdrucksformen abzuringen suchen, experimentieren, wagen, und sei es auch ohne viel Sorge um Stileinheit und geschlossene künstlerische Wirkung.

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In : Thema

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2 Comments

  1. Dülp

    WTF??? Der hat noch gelebt? Während meines Studiums habe ich seine Beiträge als grundlegende Werke der Filmkritk bzw -analyse gelesen – eben aus den 20er Jahren. Solche Leute wähnt man seit 30 Jahren tot. Eins ist mal sicher: Das war der letzte der Pioniere.

  2. Sabine Vess

    Er besuchte mich 1986 im ‘Instituut voor Theateronderzoek’ in Amsterdam. Wir sprachen und sprachen und lachten. Zwei unvergessliche Stunden. Ein wunderbarer Mensch

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