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FSK

Standard, 14. 6. 2007, Renington Steele, 28 Kommentare

Thomas über die Maßnahmen der FSK bei „Hostel 2“:

Die FSK hat mal wieder zur Überarbeitung gebeten. Corpus Delicti ist der heute startende Hostel 2. Sicher, geschnitten hat ihn die FSK nun nicht; doch wenn einer ungeschnittenen Filmfassung die schon aus juristischen und nicht zuletzt wirtschaftlichen Gründen notwendige Freigabe selbst noch für Erwachsene verwehrt wird, was bleibt einem da noch anderes übrig als eben die Schere anzusetzen? Die FSK ist und bleibt in solchen Fällen eine Instanz der Vorabzensur.

Ich habe den Film bereits gesehen und muss sagen: klar ist er an manchen Stellen derbe, aber wo sie 5 (!) Minuten rausschneiden wollen, erschließt sich mir nicht wirklich. Ganz so heftig ist er nämlich nicht.

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28 Kommentare

  • Reply Olly 14. 6. 2007 at 12:58

    Keine Ahnung, woher der Thomas diese Info hat, aber meines Wissens nach fehlt nur ca. eine Minute. Beanstandet wurde wohl eine Szene, in der ein Kind misshandelt wird. Wenn dem so ist – ich kenne den Film nicht – dann muss sowas auch echt nicht sein.

  • Reply Andreas Zeller 14. 6. 2007 at 13:16

    Diese ganzen „Zensur“-Massnahmen sind doch lächerlich. Ich habe schon Dinge im freien TV in D gesehen, z.B. Saw, die vor Jahren weder im Kino noch auf Video hätten gezeigt werden dürfen.

    Ausserdem kann ich mich noch gut erinnern, wie es vor 20 Jahren Diskussionen gab, weil bei Evil Dead einem Monster ein Bleistift in den Fuss gerammt wurde.

    Laut Wikipedia liegt sogar ein Beschlagnahmebeschluss des Amtesgerichts Berlin-Tiergarten von 2002 für die „Ultimate Edition“ von Evil Dead vor! Ich kann mir nicht vorstellen, dass die „schlimmer“ ist als Hostel oder Saw…

  • Reply Thomas 14. 6. 2007 at 14:57

    Ich habe gerade in der Printausgabe der Frankfurter Rundschau einen großen Artikel darüber gelesen. Die fünf Minuten erklären sie wohl zum Beispiel an der Kastrationsszene am Ende, das erschossene Kind und die erste Folterszene. Da könnten schon fünf Minuten zusammen kommen. Und gerade hab ich den Artikel auch noch online gefunden: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/film/?em_cnt=1154005

    Ich persönlich hatte ja mal was für Slasherfilme übrig, aber mit Hostel & Co. hat sich mir das ganze von der grotesken Grundstimmung zu einer billigen Gewaltorgie bewegt. Sowas muss man sich dann nicht antun, das überlasse ich dem Mainstreampublikum, dass sich seine eigenen Gewaltphantasien nicht eingestehen will.

  • Reply Thomas 14. 6. 2007 at 17:24

    @Olly

    Ich weise ihn zwar nicht direkt als meine inhaltliche Quelle aus, wohl aber verlinke ich in meinem Posting den in Kommentar 3 bereits angesprochenen Artikel von Daniel Kothenschulte aus der heutigen Ausgabe der „Frankfurter Rundschau“. Dieser ist meine Quelle bzgl. der Laufzeit. Und selbst wenn’s nur zwei Minuten wären – es geht hier nicht um Längenangaben, sondern um ein Prinzip.

    Grüße,
    Thomas

  • Reply Binding 14. 6. 2007 at 18:23

    Habt Ihr nicht auch das Gefühl, dass es inzwischen eher so läuft, dass die „grenzwertigen“ Filme fürs Kino geschnitten werden (müssen), dann aber fast alle auf DVD uncut rauskommen?
    Das hört sich eher nach einer Absprache unter der Hand oder einem stillen Konsens zwischen den Prüfbehörden und den Verleihern an, finde ich.
    Jedenfalls wird dadurch der Zensur-Vorwurf zumindest dahingehend entkräftet, dass man die Filme später uncut sehen kann. Früher (also in der Video-Ära) war das auf jeden Fall viel schlimmer. Denn ohne (illegale) Connections hat man da null Chancen gehabt, die Uncut-Versionen überhaupt jemals sehen zu können. Insofern ist das heute geradezu paradiesisch – und eher verlogen und geheuchelt. Trotzdem bin ich natürlich generell gegen Zensur.

  • Reply Dülp 14. 6. 2007 at 23:10

    Ich sag’s mal so: In einem freien Staat sollte jeder Erwachsene wissen, was er sich antun will und was nicht.

    Aber ich halte dieses Feuilleton-Gedöns, von wegen Groteske und Satire für ziemlich naiv, denn es blendet die 90% der Zuschauer aus, die die Ironie nicht erkennen (sprich dazu kognitiv nicht in der Lage sind), sondern sich an der Gewaltdarstellung weiden.

    Daher ist die Frage: Wann muss eine Instanz Erwachsene vor sich selbst schützen? Wann wird es zu heftig? Wenn die FSK eine Existenzberechtigung haben will, muss sie eben solche Szenen auch beanstanden, wenn es zu weit geht.

    Jeder sollte sich selbst fragen und mal in sich gehen, ob das in Ordnung ist, was er sich zur „Unterhaltung“ reinzieht. Ich persönlich finde es geschmacklos und abstoßend. Und originell ist es schonmal gar nicht, sondern billige Effekthascherei. Wahrscheinlich habe ich meine Reizschwelle einfach nie genug strapaziert, um sowas wie „Hostel“ Vergnügen abgewinnen zu können.

  • Reply Thomas 14. 6. 2007 at 23:28

    @Dülp

    1. Absatz: Damit hast Du eigentlich alles wesentliche gesagt.

    2. Absatz: Mir liegen keine soziologischen Untersuchungen darüber vor, wie die Filme im einzelnen betrachtet werden. Von daher erstaunt mich Dein Fachwissen etwas – und entspricht es nicht eigentlich sogar der klassisches Logik der Zensoren: „Ja, also, /uns/ macht das natürlich nichts aus, aber die anderen, also /die/ müssen ja…“ ? Weiterhin: Die Aufgabe des Filmkritikers ist es ja nun gerade nicht, einfach nur nochmals das zu wiederholen, was vielleicht die meisten Menschen aus einem Film mitnehmen, wie sie ihn sehen, usw. – mal davon abgesehen, dass das kaum geht, wäre es auch reichlich spekulativ. Seine Aufgabe ist es vielmehr, einem Film mit hinreichend Kenntnis zu begegnen, ihn zumindest annäherungsweise zu analysieren und einzusortieren – sprich: ihn dank Expertise zu verstehen und einen Film auch abseits primärer Wirkeffekte als Teil kontemporärer Filmkultur und -geschichte zu begreifen. Der Kritiker bereitet einen Film quasi für die öffentliche Diskussion auf. Dazu ist es gerade nötig, nicht einfach Publikumsprognosen in den Raum zu spekulieren, sondern ihn zur Not auch auf unpopuläre Weise zu ‚lesen‘. Gerade dadurch kann es nämlich (auch wenn das, sicher, unwahrscheinlich ist) dazu kommen, dass ein kognitives Defizit wie das von Dir attestierte um eine weitere Perspektive erweitert und damit aus der Welt geschafft wird. Eine Kritik, die nur sagt: „Ist zynisch. Gewaltproleten werden lachen“, wiederholt eben nur das, was Gewaltproleten eben machen – ohne analytische „Außenperspektive“. (ja, ich weiß: das ist jetzt sehr rumtheoretisiert, aber muss manchmal sein).

    Absatz 3: Erwachsene schützt man vor sich selbst durch Medienkompetenz, Bildung und Abbau sozial schwer verträglicher Wohlstands- und Bildungsgefälle. Am einzelnen Film bissi rumschnippeln bringt da goar nüscht.

    Absatz 4: Ja, sollte jeder. Dazu gehört aber auch eine transparente Quellenlage. Wenn mir jemand was vorkaut und vorschneidet, kann ich auch nicht in mich gehen, um auszulosten, was man sich zumutet oder nicht: Das „Nein, schau ich mir nicht an“ möchte ich bitte selber sagen dürfen, ohne dass mir eine FSK diese Entscheidung abnimmt. Ich werde mir „Hostel 2“ jedenfalls nicht anschauen, weil ich schon den ersten Teil blöd, langweilig und abstoßend fand – „Hostel 2“ wird nicht anders sein. Trotzdem werde ich auch in einem solchen Fall zensurierende Maßnahmen nicht hinnehmen.

    Grüße
    Thomas

  • Reply Dülp 15. 6. 2007 at 17:24

    @ Thomas:

    zum 2.Absatz: Ich brauche keine soziologische Untersuchung, um grob schätzen zu können, dass 90% der Leute „Hostel“ nicht als Kommentar zum Irak-Krieg verstehen. Natürlich haben Kritiker die Pflicht, sowas daraus zu lesen, so es denn vorhanden sein sollte. Ich meinte meine Aussage gar nicht als Kritik, an der feuilletonistischen Herangehensweise an sich. Mich stört, dass Produzenten, Regisseure etc so etwas als Rechtfertigung benutzen können, so nach dem Motto: „Ja, das Volk mag nur eine Gewaltorgie sehen, aber es ist einfach zu dumm, das Kunstwerk zu erfassen.“

    Zum 3. Absatz: Ich finde nicht, dass jede denkbare schauspielerisch bzw. digital nachgestellte Perversität der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollte/darf. Extrembeispiele überlasse ich der Phantasie des Einzelnen. Und aus diesem Grund akzeptiere ich auch eine Institution, die die Grenzen festlegt. Nun arbeiten für die FSK keine Stammtischbrüder, sondern Experten, bei denen die Entscheidung ganz gut aufgehoben ist. Die Filme werden nicht nach starren Grenzen, sondern im gesellschaftlichen und zetlichen Kontext bewertet. Das ist auch der Grund dafür, warum heute Filme locker durchgewunken werden, die vor 20 Jahren noch kassiert wurden. Ein „Das “Nein, schau ich mir nicht an” möchte ich bitte selber sagen dürfen, ohne dass mir eine FSK diese Entscheidung abnimmt“ ist für meinen Geschmack entweder nicht konsequent zu Ende gedacht oder ein ganzes Stück zu libertär.

  • Reply Andreas Zeller 15. 6. 2007 at 18:58

    Die Fragen ist doch, warum *mir* etwas verboten/vorenthalten werden soll, was vielleicht andere aus guten Gründen nicht sehen sollten? Oder andersrum: Wenn von mir aus die Mehrheit meiner Mitmenschen zurecht vor einem Werk geschützt werden müssen, warum dann auch ich? Soll jetzt künftig jeder, beim Kauf eines Kinotickets seine Schulbildung/Sozialisation beweisen?

    Natürlich kann man es positiv finden, dass die Entscheidungen der FSK in „gesellschaftlichem und zeitlichen Kontext“ bewertet werden. Ist sicherlich auch besser als die Listen, die es in den USA gab (gibt?). Man kann das aber auch als Zeichen für Beliebigkeit sehen, denn warum soll etwas, was heute problemlos gesehen werden kann vor 20 Jahren schädlich gewesen sein? Wenn wir heute einen Lebensmittelzusatz als kreberregend bezeichnen, war er es schon immer, man wusste es nur nicht. Es geht dabei um Erkenntnisgewinn. Die Regeln der FSK ändern sich aber ständig, wird eine Gewaltdarstellung deshalb plötzlich harmloser, ein nackter Körper natürlicher? Bei den Entscheidungen der FSK geht es eben nicht darum, die Bürger vor Schaden zu bewahren sondern „gesellschaftliche Werte“ durchzusetzen, bzw. zu definieren. Ich will als mündiger Bürger diesen Werten aber vielleicht nicht entsprechen?!

  • Reply Dülp 15. 6. 2007 at 23:46

    Du hast es genau erfasst. Es geht um „gesellschaftliche Werte“. Die sind übrigens ein Anzeichen von Demokratie. Die Mehrheit legt fest, was erlaubt ist und was nicht. Warum *dir* etwas verboten ist, was andere aus guten Gründen nicht sehen sollten? Aus dem gleichen Grund, könntest du fragen, warum *du* kein Heroin spritzen darfst, obwohl du im Gegensatz zu der Mehrheit damit gut umgehen kannst. Oder warum *du* kein Schaf über deiner eigenen Badewanne schächten darfst, obwohl du auf die Hygiene achten würdest. Oder warum *du* kein Lagerfeuer mitten im Naturschutzgebiet entfachen darfst, obwohl du in der Freiwilligen Feuerwehr bist.

    Von *dir* geht vielleicht keine Gefahr aus. Aber man muss nunmal pauschale Regelungen treffen, sonst gibts Anarchie.

    Dass die Regeln sich an dem gesellschaftlichen Kontext orientieren, kannst du nicht wirklich als beliebig bezeichnen? Das ist gerade nicht beliebig, sondern pragmatisch und trägt der Realität Rechnung. Die Gewaltdarstellung wird nicht weniger heftig, aber man traut den Jugendlichen eine andere Medienkompetenz zu. Das ist positiv, aber ob die Vetrauen auch gerechtfertigt ist, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

    Gegenfrage: Wo ziehst du die Grenze? Gibt es deiner Meinung nach etwas, dass man im Kino nicht zeigen darf?

  • Reply Olly 16. 6. 2007 at 12:02

    Ich denke auch, dass nicht alles was möglich ist, auch wirklich gemacht werden muss. Ich habe gerade mal nachgeschaut, aktuell erhalten ca. ein Prozent der zur Prüfung vorgelegten Filme nur mit Schnittauflagen eine Freigabe. Das war vor Jahren noch deutlich mehr.

    Dülp bringt es ziemlich gut auf den Punkt. Normal sollte es so sein, dass die Macher der Filme selbst in einem bestimmten Rahmen bleiben. Und ich glaube langsam, dass gerade die Macher dieser Gewaltpornos inzwischen keine Grenzen mehr kennen und sich immer weiter steigern müssen. Normal bin ich auch gegen jegliche Schnitte, aber im aktuellen Fall Hostel 2 – bei abgerissenen Geschlechtsteilen und Folter an Minderjährigen – da fehlen mir echt die Argumente.

  • Reply Andreas Zeller 16. 6. 2007 at 12:19

    Wo ich die Grenze sehe?

    Persönlich kann ich Dir das ganz genau sagen: ich würde weder Hostel noch Saw sehen, egal wie gekürzt. Ich erlebe genug Elend im RL, dafür muss ich nicht auch noch ins Kino. (Ich reagiere sehr empfindlich auf Folter und finde sie überhauptnicht unterhaltsam. Das schrecklichste was ich je im Kino ertrug waren 2 Folter-Szenen in Greenaways „Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber“)

    Aber grundsätzlich sehe ich das anders. Und ich bin mir ehrlich nicht sicher, ob diese Gewaltorgien nicht harmlos sind für die „Volksgesundheit“, im Vergleich zur Dauerberieselung durch das TV und andere Medien. Ich mache mir viel mehr Sorgen über das völlige Verschwinden von Solidarität (Stichwort Gesundheitssystem) als über physische Gewalt in unserer Gesellschaft.

  • Reply Renington Steele 16. 6. 2007 at 12:27

    Kurzer Einwurf: Der abgeschnittene Pimmel sieht grotesk nach Gummi aus, die Szene hat einen fast comichaften Charakter.

    Das Kind wird nicht gefoltert sondern erschossen, was man übrigens nicht sieht. Man sieht „nur“ am Ende der Szene die Leiche auf dem Boden.

    Was ist denn der Rahmen? Wenn wir von Film als Kunst reden, dann, sorry, kann ich keinerlei Rahmen akzeptieren. Schon Warhol hat in einem seiner Filme ein Kind aus dem Fenster geschmisse, da war es sogar ein Baby.

    Filmemacher sollten sich keinerlei Selbstzensur unterlegen, was nicht heisst, das ich im Mainstream überzogene Gewaltdarstellungen akzeptieren kann, die lediglich der Profitmaximierung dienen. Ein Beispiel wäre da die unsägliche „Gesichter des Todes“-Reihe.

    So gesehen beantworte ich Dülps Frage: „Gibt es deiner Meinung nach etwas, dass man im Kino nicht zeigen darf?“ mit einem Nein.

    Und stecke damit in einem Dilemma. Denn konsequenterweise müsste ich dann auch, als Extrembeispiel, pädophile Szenen akzeptieren müssen.

    Die Grenze zu ziehen ist extrem schwer und kann nur dadurch gezogen werden, wenn man die Darstellungen im Kontext des Werks sieht, mit anderen Worten: ist der abgetrennte Pimmel Teil der Ästhetik? Im Falle von Hostel 2 kann ich sagen: Ja, ist er.

    Die Szene, in der eine von der Decke baumelnde Jungfrau mit einer Sense zerschnitten wird, ist ebenfalls so überzeichnet und stilisiert, dass ich da auch keine Schnitte anlegen würde.

    Aber ich bin ja auch einiges gewohnt ;-)

  • Reply Soraly 16. 6. 2007 at 14:02

    Ohne den zweiten gesehen zu haben berufe ich mich auf den ersten. Genau die, von Renington, angesprochene Überstilisierung findet auf solch übertriebenen Bahnen statt, dass er entgegen von Roths eigener überzeugender Meinung nicht realistischer als „Saw“ wirkte, sondern seinen gewissen Unterhaltungsbogen genau aus jenen Szenarien speiste. „Hostel“ ist grenzwertig, entbehrt sich meiner Meinung nach aber jeglicher Kontroversität.

    Die im Voraus schon gezeigte Meuchelung der Frau in der Badewanne, zeigt exakt selbiges Bildnis. Allerdings stößt der Gedanke an einer Meute Fußballspielender mit dem Kopf eines Jungen auf, geht mir vom Hören-und-Sagen zu weit. Ob Roth nicht vorher abblendet sei dahin gestellt. Für mich wird sich das heute Abend zeigen.

  • Reply Renington Steele 16. 6. 2007 at 14:29

    Berichtigung: am Ende wird einer der Bösen geköpft, mit dessen Kopf Fußball gespielt wird. Es ist nicht der Kopf eines Jungen.

  • Reply Soraly 16. 6. 2007 at 14:34

    So viel zu richtiger Berichterstattung, es ging immer sehr ausschweifend um den Kopf eines Jungen. Die jetzige Variante wirkt für mich nun nicht anders, als die Rachegelüste Paxtons, der in Teil 1 seinen Peiniger abschlachtete.

  • Reply Renington Steele 16. 6. 2007 at 14:41

    Es sind die Buben, die mit dem Kopf Fußball spielen, da geriet wohl irgendwann was durcheinander. Stille Post, anyone?

  • Reply Soraly 16. 6. 2007 at 14:43

    Wie würdest du das Gewaltpotential in Hinblick auf Teil 1 einschätzen? Erstreckt sich jenes weiterhin auf 3-4 „harte“ Sequenzen?

  • Reply Renington Steele 16. 6. 2007 at 15:25

    Ganz so punktuell wie im ersten Teil vielleicht nicht, aber schon ähnlich, ja.

  • Reply Binding 17. 6. 2007 at 16:08

    Die ganze Diskussion ist ewig die gleiche und flammt immer wieder auf, wenn ein Film die Zuschauer polarisiert. Es geht dabei stets um die Freiheit der Kunst vs. den Jugendschutz. Aber hallo? Der Film ist ab 18 Jahren freigegeben, und Erwachsene sind hierzulande mündige und freie Bürger! Damit sollte eigentlich alles klar sein.

    Abgesehen davon geht es dabei auch oft um Geschmacksfragen vs. Genre-Elemente, die eben jedes Individuum unterschiedlich sieht. Aber auch hier: Hallo? Wir sprechen über Fiktionen – das ist nicht mit dem echten Leben gleichzusetzen und deswegen auch völlig anders zu bewerten! Und ja: Man kann das auch als Entertainment bezeichnen, denn nichts anderes ist es letztlich unter kommerziellen und kulturpsychologischen Gesichtspunkten.

    Es gibt ein tolles Zitat von George Orwell zu diesem Thema, und das ist auch meine abschließende Haltung dazu: „Ich verabscheue, was Sie sagen. Aber ich werde Ihr Recht, es zu sagen, bis zum Tod verteidigen.“

  • Reply Dülp 17. 6. 2007 at 22:12

    Ich will das ganze mal von dem Film wegtragen, denn um das Einzelwerk geht es sicher nicht. Dem Zitat von Orwell kann ich mich nur voll und ganz anschließen.

    Allerdings steht es hier aus dem Kontext gerissen. Hier geht es um ein Gegenüber von Menschenwürde und Meinungsfreiheit, und man muss abwägen, welches Gut überwiegt. Sich pauschal auf Meinungsfreiheit zu berufen und damit den liberalen Kunstversteher raushängen zu lassen ist mir zu einfach. Und da muss auch Renington klar widersprechen. Kunst darf alles? Nein, wenn es um die Menschenwürde geht nicht.

    Das hat vor allem in dem Grenzbereich zwischen Kunst und Mainstream seine Bedeutung. Und ich weigere mich, auch wenn ich mich als absolut liberal bezeichne, alles zu akzeptieren, was darstellbar ist. Dein Beispiel, Renington, trifft es schon sehr gut. Wenn du meinst, alles muss erlaubt sein, steckst du in einem versch… Dilemma. Aber solange du das erkennst, hast du deine Einstellung wenigstens zu Ende gedacht.

  • Reply Nerdcore — Die Grenze der Belastbarkeit 18. 6. 2007 at 0:01

    […] haben wir eine sehr gute Diskussion bei den Filmfreunden zum Thema Zensur durch die FSK im Film und die Grenze von Gewaltdarstellungen […]

  • Reply Renington Steele 18. 6. 2007 at 0:28

    Kunst darf alles, das ist nunmal per se so. Das Problem entsteht in der Tat in der Vermengung von künstlerischem Ausdruck und kommerzieller Verwertung, die auch die Masse anziehen soll/muss.

    Hier liegt nämlich die Sau begraben: wenn ein Regisseur einen Film dreht, geht es schon vorneweg um kommerzielle Interessen. So ein Film ist dennoch nicht losgelöst von seiner Kunstform, sprich: der Regisseur wagt einen Spagat zwischen Kunst, laut der er alles darf, und Kommerz, laut dessen er den „Jugendschutz“-Gesetzen obliegt.

    Daneben würde mich sowie so mal interessieren, ob wir in den heutigen Zeiten nicht grundsätzlich neu über Jugendschutz nachdenken müssen, in denen faktisch Jugendliche per Internet schon jegliche Form von sexuellen Praktiken und Gewaltdarstellungen gesehen haben.

    Agitpop hat dazu einen sehr guten Artikel geschrieben:

    Das kann auch für andere Dinge gelten: Kimberly Peirce, Regisseurin von Boys Don’t Cry, berichtet beispielsweise davon, dass die MPAA zwar kein Problem mit dem Kopfschuss in Großaufnahme hatte, aber unter anderem damit, dass sich ein Junge Sperma vom Mund abwische und ein weiblicher Orgasmus zu lange (!) dauere. Wie man später feststellt: Ein weiteres Problem der Community Standards ist natürlich auch, dass sich diese über die Zeit verändern. Das ist übrigens auch ein Problem für Deutschland: Filme die in den Achtzigern wegen expliziter Gewaltdarstellung indiziert oder beschlagnahmt wurden (beispielsweise The Evil Dead 2 oder Dawn of the Dead) wirken geradezu harmlos im Vergleich zum derzeitigen Folterporn-Subgenre. Ganz zu schweigen davon, dass sich beispielsweise Dawn of the Dead inzwischen zum veritablen Filmklassiker gemausert hat.

    Aber diese Wertedebatte kann natürlich auch in die andere Richtung schwingen: Gesellschaften können auch restriktiver werden. Man versuche mal einen Film wie Life of Brian (gerne auch über eine andere Religion) in der Gegenwart zu drehen. Für Hollywood heißt das, dass man in Sachen Sex viel kritischer beäugt wird, als das noch in den Siebzigern der Fall war. (Bei irgendeinem modernen Exploitation-Slasher-Film hatte ich das schon einmal angemerkt: Die Gewalt hat zugenommen, aber Gott schütze uns vor den entblößten Brüsten der Hauptdarstellerin.) Bloß weil ein sexueller Akt in einem Film aus den Siebzigern heute im US-Fernsehen zu sehen ist, heißt dass nicht dass der gleiche sexuelle Akt nicht der Grund sein kann warum ein moderner Film keine Jugendfreigabe erhält. Dabei legt TFINYR gleich noch ein weiteres Problem der MPAA-Ratings offen: Legt ein Regisseur Protest gegen die Bewertung seines Films ein, dann darf er keine Präzedenzfälle präsentieren. Bloß weil in Basic Instinct der Genitalbereich von Frau Stone zu sehen ist oder in Scary Movie der Schädel einer Person (für den komödiantischen Effekt) von einem Penis durchbohrt wird, ist das kein Argument dafür, dass ein anderer Regisseur in seinem Film mit ähnlichem davon kommt.

    Sollte jeder mal lesen..

  • Reply Batzman 18. 6. 2007 at 14:12

    Kunst darf alles. Ausser streng riechen.

  • Reply thomas-matterne.de 19. 6. 2007 at 11:59

    Darf Kunst alles?…

    Wobei man bei dem Auslöser zu einer ziemlich interessanten Diskussion bei den Fünf Filmfreunden vielleicht auch erst einmal über den Begriff Kunst diskutieren könnte. Es geht um fünf von der Freiwilligen Selbstkontrolle herausgeschnittenen Minute…

  • Reply Ein paar Gedanken zur FSK at Nerdtalk 19. 6. 2007 at 21:47

    […] hat, werde ich noch ein paar Takte zu Hostel Part 2 schreiben. Ich hatte mich schon bei den Fünf Filmfreunden an der sehr interessanten Diskussion beteiligt. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft […]

  • Reply Nerdtalk Episode 1 at Nerdtalk 20. 6. 2007 at 0:11

    […] Diskussion zur FSK bei den 5 Filmfreunden, This Film is not yet rated, Wirres.net: Ich bin schwach, Spreeblick: China und das Internet, Spreeblick: Fütterungszeit, Adical, Live Earth Konzert, Moviepilot    Standard Podcast [52:29m]: Play Now | Play in Popup | Download (1) […]

  • Reply Binding 12. 7. 2007 at 15:19

    Hier noch ein interessanter Nachtrag zum Thema „Gewalt als Unterhaltung“ in Form eines Zitats aus der „Neuen Zürcher Zeitung“ vom 28. Juni:

    „Das Vergnügen mit Horror beruhte indessen schon immer auf dem Angriff auf moralische Normen. Um ein echtes Paradox handelt es sich dabei nicht. Denn wie die heutige Emotionsforschung zeigt, ist es nicht etwa das Schmerzhafte ihres Erlebens, das negative Gefühle negativ macht, sondern die Tatsache, dass die Objekte, auf die sich die Emotionen beziehen, unter negativen gedanklichen Konzepten eingeordnet werden. Anders gesagt kann man sowohl die eigene Angst als auch die Bedrohung, die sie auslöst, in Filmen durchaus angenehm erleben. Die Beunruhigung über die Frage, warum wir uns einen Film anschauen, in dem die Helden zerstückelt werden, gehört im Übrigen zu dessen Affektdramaturgie: Horror bricht gezielt den Vertrag, den wir beim Kauf einer Kinokarte normalerweise abschliessen.“

    Der ganze Artikel ist übrigens ziemlich lesenswert!

    (http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/film/der_blutige_sommer_von_2007_1.519957.html)

    Und noch ein kleiner cineastischer Zirkelschluss: Wie regagiert unter diesen Voraussetzungen wohl das Gehirn des weiblichen Opfers aus „Strange Days“, das per „SQUID“-Technologie die Sicht- und Erlebnisweise des Mörders WÄHREND DER EIGENEN ERMORDUNG wahrnimmt???

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