„Hier spricht Zodiac.“
Originaltitel: Zodiac
Herstellungsland: USA 2007
Regie: David Fincher
Darsteller: Jake Gyllenhaal, Mark Ruffalo, Robert Downey jr., Anthony Edwards





San Francisco in den Siebzigern. Ein Serienkiller namens Zodiac treibt sein Unwesen und ermordet wahllos die unterschiedlichsten Menschen, bricht seine Muster und verschickt Botschaften an den San Francisco Chronicle, in denen er codierte Geheimbotschaften unterbringt, die seine nächsten Taten ankündigen. Der Film begleitet die Protagonisten auf Seiten der Zeitung, Starreporter Paul Avery und Karrikaturist Robert Graysmith, und der Polizei, Inspector Dave Toschi und sein Partner William Armstrong. Keiner von ihnen schafft es, den Serienkiller dingfest zu machen.
Man sollte man die Erwartung begraben, es hier mit einem klassischen Serienkiller-Film zu tun zu haben, für dessen Genre Fincher selbst in den Neunzigern mit „Se7en“ die Blaupause schuf. Fincher, der im San Francisco der Siebziger Jahre groß wurde und der selbst in einem von der Polizei eskortierten Schulbus fuhr, nachdem der Killer angekündigt hatte, einen solchen zu attackieren, sagt über Zodiac:
Er möchte “Zodiac” nicht als Thriller über einen Serienmörder verstanden wissen und auch nicht als Meditation über das Böse. “Es ist ein Zeitungsfilm”.
Hier funktioniert der Film auch am besten, der kalte, quotengeile Umgang der Medien mit den Taten, was durch die sich leise breitmachende Panik unter der Bevölkerung und die zunehmende Ratlosigkeit der Ermittler kontrastiert wird. „Zodiac“ kann man am besten mit einer Redensart beschreiben: der Weg ist das Ziel. Die Geschichte ist bekannt, der Killer wird nie geschnappt und daraus wollte Fincher was machen, was ihm teilweise sehr gut gelungen ist. Nach dem Ende des Film macht sich eine gewisse Unbefriedigung breit, was natürlich Absicht ist angesichts der realen Ereignisse, das Ende allerdings, *Spoiler* bei dem sich dann doch irgendwie andeutet, dass der Hauptverdächtige Leigh der Zodiac-Killer war, steht dem aber entgegen. *Spoiler Ende*
Technisch und formal ist der Film brillant, die Kernhandlung – also die Mordserie -, wird in den ersten 90 Minuten abgehandelt, wonach der Film umschwenkt auf seine eigentliche Story: den Impact der Ereignisse auf den Alltag der Protagonisten. Wie das Leben des Reporters Paul Averys unter der Morddrohung des Zodiac zerbricht und er zu einem zynischen Säufer verkommt, die Verzweiflung der Polizisten, die Besessenheit des Karrikaturisten, der im Verlauf der Handlung vom Neben- zum Hauptdarsteller wird und dessen Ehe daran zerbricht.
Die üblichen Finchschen Kameraspielereien sind auch dabei: da wird ein Auto aus der Vogelperspektive verfolgt, die Schwenks erfolgen dabei so, dass das Auto immer exakt vertikal mittig im Bild bleibt. Weitläufige Panoramen werden mit wackelnder Handkamera kontrastiert und die siebziger Jahre werden in liebevollen Details wieder lebendig. Ich sage nur: Pong.
„Zodiac“ ist erstaunlich ruhig, erzählt seine Geschichte in einem unaufgeregten Ton, der nur selten von wirklich fesselnden oder harten Szenen unterbrochen wird. Dazu gehört die Szene, in der der Killer in einer Fernsehshow anruft oder der Messermord im schwarzen Zodiac-Kostüm. Manchmal erinnert „Zodiac“ an „Die Unbestechlichen“ mit Dustin Hoffmann und Robert Redfort auf der Spur des Watergate-Skandals, nur dass dort am Ende eine Auflösung stand, während bei „Zodiac“ am Ende eine Zerfaserung der Handlung in… Nichts stattfindet.
„Zodiac“ erzählt seine Story in einem nüchternen, sachlichen Ton, rekonstruiert die realen Ereignisse in allen Details, formt eine anonyme Drohkulisse die nie aufgelöst wird. Man kommt sich ein wenig so vor, als verfolge man die gar nicht so uninteressante Unterhaltung zweier Fremder in der U-Bahn und muss mitten im Gespräch aussteigen. Fincher will natürlich genau diese unaufgelöste Ratlosigkeit erzeugen, was ihm sehr gut gelingt, der Film ist sehr atmosphärisch und subtil bedrohlich.
„Zodiac“ ist ein hervorragender Film, man könnte ihn als Komplementärfilm zu „Kaltblütig“ von Truman Capote betrachten, an dessen Ende einer akribisch aufgeschriebenen Repoprtage über einen Mord an einer Familien die Exekution der Mörder steht. Diese Befriedigung bietet „Zodiac“ nicht und bricht damit alle Regeln.
- Renington Steele •
- Juni 18th, 2007 •
- 3 Kommentare
1 Trackback
- 20.06.2007 - Lister Lichtspiele



















Puh! Endlich eine Kritik zu “Zodiac” hier bei den filmfreunden. Hab selber eine geschrieben und war sehr angetan von dem Film. Deine Kritik hat mir sehr gut gefallen, hat alles wichtige ohne Längen auf den Punkt gebracht.
Danke!
Kommentar #1 von thadeus am 18.06.2007 um 16:24 Uhr
Der schlechteste und langweiligste Film 2007. Da lege ich mich schon jetzt fest.
Kommentar #2 von Daniel am 24.06.2007 um 21:13 Uhr