FSK-Schnitte als Gewaltverherrlichung

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Hochinteressante, wie immer sehr lange Rezension von „This Film is not yet rated“ auf Agitpop:

In fünfzehn bis zwanzig Jahren wird eine Generation junger Medien- und Soziologiestudenten an ihren Magisterarbeiten sitzen, sich SAW und Hostel angucken und feststellen, dass diese Filme etwas über unsere Zeit aussagen. So wie Night of the Living Dead oder Texas Chainsaw Massacre etwas über die USA der späten Sechziger und frühen Siebziger aussagen. (Und mal wieder als Videotipp: The American Nightmare. Und sei es nur für die Szenen mit Tom Savini.) Was es sein mag, dass diese Filme über unsere Zeit aussagen? Die Antwort überlasse ich den kleinen Rackern der Zukunft, die gerade in diesem Moment “Die dicke Anna” auf ihre Handys runterladen. Mistbratzen.

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hier der Kommentar der Frankfurter Rundschau (by the way: das neue Tabloid-Format gefällt mir sehr, dürfen richtige Zeitungen ruhig mal nachmachen):

Aber für die Zensoren steckt der Horror-Teufel im Detail. Wie lebt es sich nun also ohne ihn? Man sollte es vor dem heutigen Kinostart nicht sehen, aber jemand, der für besagte Prüfstelle tätig ist, hat es doch verraten: Das Kind wird nicht mehr erschossen, der Mann nicht mehr kastriert und auch das schreckliche Ende der jungen Frau entzieht sich der Beobachtung. So schön ist die Welt, wenn man ihr den Teufel austreibt.

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Dieser Eingriff in die Kunstfreiheit ist einer der Gründe, wegen denen die FSK immer wieder stark in der Kritik steht. Ein anderer Kritikpunkt ist dass man mit zweierlei Maß messe. Dass man den Blockbustern der wichtigen Verleihe mehr durchgehen lasse, als kleineren Filmvertrieben. Stark kritisiert wurden in der letzten Zeit etwa die Entscheidung das Remake von Krieg der Welten ab sechs Jahren freizugeben. Trotz der generell bedrohlichen Stimmung und trotz eines ganzen Flusses voller Leichen. Gleichermaßen fragwürdig erschien das FSK-16-Rating für 300. Ein Film der sich in Sachen Splatter auch nicht zurückhielt. Solche Entscheidungen wirken darum besonders WTFig, weil im Falle von Hostel: Part II ja explizit darüber entschieden wird, welche Szenen einem volljährigen Kinogänger nicht zugemutet werden dürfen.

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Das Problem der FSK mit Filmen ist ja selten die Gewalt an sich, sondern eher der Umstand, dass ein Film die Folgen von Gewalt zeigt. Da wird dann oft nicht zwischen dem Zelebrieren dieser Folgen und dem Einsatz als abschreckendes Mittel unterschieden. Als Beispiel dafür soll mal Band of Brothers dienen. Die DVD-Box erhielt ein FSK-16-Rating, weil man aus der Carentan-Episode rund eine Minute Material entfernte. Für mich eine mehr als überraschende Entscheidung: Schließlich geht es in Band of Brothers darum möglichst dicht am realen Kriegsverlauf zu bleiben und die Taten der 101. Airborne eben nicht zu glorifizieren, sondern auch zu zeigen, wie hart, brutal und verlustreich die Schlachten in Normandie und Bastogne waren. Widerspricht es nicht diesem Sinn, wenn man nun die härtesten Szenen schneidet, den Krieg also quasi “verharmlost”? Im Gegenzug würde man es ja auch kaum wagen einen Film über den Holocaust “jugendfrei” zu schneiden.

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Ich glaube, ich hätte TFINYR (This Film is not yet rated) auch ausgehalten, wenn Kirby Dick neunzig Minuten lang nur John Waters interviewt hätte. Egal ob der sich nun amüsiert vorstellt, wie die MPAA sich medizinische Experten anheuert, die den Mitgliedern dann Begriffe wie “Felching” erklären müssen, über die Abu-Ghreib-Bilder redet oder ob er attestiert, dass die alten Regeln inzwischen nicht mehr gelten, weil das Internet dafür gesorgt habe, dass ein großer Teil der Jugendlichen inzwischen sexuelle Handlungen extremster Natur auf ihren Rechnern gesehen hätten.

In : Thema

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  1. PlayStar

    Bjööörn! *kreisch*
    ;)

  2. grobi

    Bjööörn!
    Playstaaar!
    *kreisch*

    %-/

  3. Björn

    Spartaaaaaaaa?

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