Review

Primeval – Die Fährte des Grauens

Standard, 19. 6. 2007, Renington Steele, 11 Kommentare

„Slavery was a good thing. Anything to get the fuck out of Africa is a good thing.”

primeval.jpgOriginaltitel: Primeval
Herstellungsland: USA 2007
Regie: Michael Katleman
Darsteller: Dominic Purcell, Brooke Langton, Orlando Jones, Jürgen Prochnow, Gideon Emery

★☆☆☆☆

Ein Fernsehproduzent, eine Reporterin, ein Kameramann und ein Forscher fliegen nach Burundi in Afrika, um das berüchtigte Killerkrokodil Gustave zu fangen, dass Gerüchten zufolge schon über 300 Menschen verspeist haben soll. Dabei treffen sie nicht nur auf mörderische Echsen sondern auch auf böse Warlords, die es gar nicht gerne haben, wenn ihre Hinrichtungen gefilmt werden.

Dieser Film ist absoluter Mist. Viel mehr muss man zu „Primeval“ nicht sagen, ich versuch’s aber trotzdem. Es fängt ja schon beim Namen des Biests an: Gustav. Entschuldige mal, aber: Jason Vorheese, Freddy Kruger, Gremlin oder auch Pumpkinhead, das sind Namen für Monster. Frankenstein. Und hier? Gustav? Hallo? Gustav? Da könnte man sich stundenlang drüber auslassen. Gustavs sind Comicfiguren aus Entenhausen, ganz und gar spießig und irgendwie so: Gustav. Gustav. Gustav! Man stelle sich einfach vor, man hätte damals „Godzilla“ nicht Gozilla sondern, sagen wir mal, Jochen getauft. Da muss man ja anfangen, zu lachen. Und wenn man über Monster lacht, dann ist es um einem ernstgemeinten Monsterfilm nicht gut bestellt, auch wenn der Name dem echten Namen des echten Viechs entspricht, auf dessen Gefräßigkeit der Film basiert.

Und das ist nur der Anfang. Dieser Film strotzt vor Klischees, Afrikaner sind entweder Wilde oder Unterdrückte, böse Militaristen oder wollen in den Westen. In einer Szene muss der Prochnow dann auch folgerichtig mal mit lauter, kräftiger Stimme zeigen, wer hier im Busch der Massa ist. Ein Schelm, wer dabei an Rassismus denkt.

Das Monster ist viel zu selten im Bild, meistens ist dies ein schlechter Film über Warlords in Afrika und wenn das Viech mal im Bild ist, sind die Tricks ausnahmslos schlecht. Das Agieren der Schauspieler hölzern zu nennen wäre ein Kompliment. Das Trauerspiel von Jürgen Provnow ist nur mit einer enormen Prise Masochismus zu ertragen und es kommt einem vor, als säße man in einem Film von Uwe Boll, obwohl es gar kein Uwe Boll-Film ist.

Mir fehlen ein wenig die Superlative, um diesen Film zu zerreißen, denn er bietet von Anfang bis Ende lediglich Schwächen. Ach was, Schwächen. „Primeval“ bietet von Anfang bis Ende ausschließlich Dreck. Das Drehbuch ist eine Peinlichkeit sondergleichen, die Regie wirkt bemüht dilletantisch, die Schauspieler agieren wie Marionetten, die Tricks kriege ich in Photoshop besser hin. Einzig und allein die Kameraarbeit könnte man als durchschnittlich bewerten, die schwenkt zwar immer und immer wieder um die Protagonisten herum, tut das aber immerhin anständig. Mehr fällt mir wirklich nicht ein zu diesem Machwerk, das nichtmal als Trash funktioniert und bei dem man sich am laufenden Band ärgert, auch wenn der Film gegen Ende noch ein klein wenig Spannung transportiert.

Mein Tipp: bloß nicht ansehen, weder im Kino noch auf DVD. Man glaube mir einfach: „Anaconda“ ist ein Meisterwerk dagegen.

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11 Kommentare

  • Reply Flusskiesel 19. 6. 2007 at 10:48

    Was ein Verriss!

    Vielleicht haben die gemerkt, dass so ein Krokodilmonsterfilm noch ein bisschen langeweilig ist und wollten ihn schön aktuell und afrikathematisch („Blood Diamond“, „Lord of War“) aufpeppen?

    Dann hätte man doch gleich richtig einen auf Symbolik machen können: Das Viech ist dann eben eine Metapher für die Warlords, und wenn sich hinterher noch herausstellt, dass das Monster durch fiese Genversuche westlicher Wissenschaftler entstanden ist (bzw. ein Großkonzern das Tier irgendwie ausnutzt, um die Bevölkerung zu terrorisieren), haben wir einen Monsterfilm mit Sozialbezug.

    Aber das scheint wohl nicht zu klappen.

    Wenigstens weiss ich jetzt, dass ich den Film nicht nur nicht, sondern auch auf gar keinen Fall gucken werde. Danke dafür!

  • Reply Eay 19. 6. 2007 at 11:15

    Das Ende des Films hat mir immerhin ein „Wartet lieber bis der Film im Nachtprogramm von RTL auftaucht!“ rauskitzeln können.

  • Reply Osiris 19. 6. 2007 at 11:25

    Der Jürgen Prochnow hat wirklich kein glückliches Händchen was seine Filmauswahl angeht. Erst spielt er bei House of the Dead mit, welcher unterirdischer ja nicht mehr geht, und jetzt bei Primeval, der wohl ähnlich schlecht gemacht ist.

  • Reply justus_jonas 19. 6. 2007 at 13:29

    Ja. Jürgen Prochnow, oder – wie er immer wieder gerne genannt wird (von Filmkennern wie Thomas Gottschalk & Co.) – „Unser Mann in Hollywood“. Was war denn der letzte gute Film, in dem „Uns Jürgen“ so mitgespielt hat? „Beerfest“?

  • Reply justus_jonas 19. 6. 2007 at 13:33

    Obwohl: Ein Film, in dem Prochnow Schwarzenegger spielt??? Auf die Idee muss man auch erst mal kommen.

  • Reply frater aloisius 19. 6. 2007 at 21:39

    Wenigstens das Poster…Das ist richtig schööööön.

  • Reply Mal Sehen 20. 6. 2007 at 8:51

    Und dann doch noch ein Punkt? Renße, du bist zu nett.

  • Reply Kiran 20. 6. 2007 at 12:26

    Warum verfilmen die denn so nen Dreck? Wie wäre es denn mal hiermit:

    http://www.sf-fan.de/artikel-und-news/reptilia–der-neue-roman-von-thomas-thiemeyer.html

    Reptilia von Thomas Thiermeyer, basiert zwar auch auf einer afrikanischen Legende bietet aber Filmstoff a lá Jurassic Park. Übrigens hat das Monster in diesem Buch auch einen wesentlich besseren Namen:

    Mokéle-mbêmbe – zwar schwerer auszusprechen, trotzdem authentisch afrikanisch! Hier der Link zur Sage:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Mokele_Mbembe

    gruss

    Kiran

    ps: Gustav klingt echt Megaschlecht :)

  • Reply Patrick 20. 6. 2007 at 16:26

    Rene, danke! Nichts geht über ordentlich Ablachen zum Feierabend.
    Das ist einer besten Beiträge hier ever. Bitte irgendwie sticky festhalten oder so. Sagenhaft!

  • Reply F5 - Die Fünf Filmfreunde 20. 6. 2007 at 21:51

    […] Patrick: Rene, danke! Nichts geht über ordentlich Ablachen zum Feierabend. Das ist einer besten Beiträge hier ever…. […]

  • Reply jan 21. 6. 2007 at 1:01

    hatte eben gerade das „vergnügen“ in der sneak preview dieses meisterwekr zu sehen.
    wer denkt diese kritik sei übertrieben, der hat recht! er ist übertrieben zu positiv.
    der film ist wirklich unter aller kanone und bietet besten stoff für eine parodie. schlechter gehts kaum schausp. leistung/effekte des krokos/drehbuch/…
    der film taugt allemal was als komödie, denn die szene, in der der schwarze kameramann vor dem monster durch die afrikanische steppe wegrennt, ist wirklich zum brüllen komisch.

    @#1 an die metapher habe ich auch gedacht (kombiniert mit einem wirklich schönen movie über die warlords hätte das was werden können)
    ich habe in der schlussszene gehofft, dass ihnen wenigstens etwas gelingt und sie einen erzählkreis schließen können, d.h. kroko würde nicht mehr angreifen, weil waffenstillstand ist und der „böse geist“ verschwindet. pustekuchen, das ende wird absichtlich offen gemacht für einen nachfolger, den es hoffentlich nie geben wird!

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