Review

Clerks II

Standard, 22. 6. 2007, Batzman (Oliver Lysiak), 8 Kommentare

Elias: Since God created man, and man created the Transformers, the Transformers are like a gift from God, Randal!

Randal Graves: No sir. They are not a gift from God. They are an unholy curse from the beast we call the Desolate One. The Transformers were a total slight against God. In as much as God sent his only begotten son to die on the cross to redeem mankind and all we did to pay him back was make terrible fucking cartoons, like the Transformers.

Originaltitel: Clerks II
Herstellungsland: USA 2006
Regie: Kevin Smith
Darsteller: Brian O’Halloran, Jeff Anderson, Jason Mewes, Kevin Smith, Jake Richardson, Trevor Fehrman, Jennifer Schwalbach Smith

[rating:4.5]

Clerks II

Vorgeschichte siehe Clerks. Dante (Brian O’Halloran) und Randel (Jeff Anderson) sind mittlerweile Thirtysomethings und doch hat sich wenig geändert. Nachdem der Quick-Stop-Markt abgebrannt ist, jobben sie in einem Fast-Food-Restaurant der Mooby-Kette.

Noch immer sind sie in ihrem Slackertum verhaftet, treiben durch ihre Leben, diskutieren über Popkultur und die Welt, foppen ihren 19jr christlich bewegten Kollegen Elias (Trevor Fehrman), wegen seiner No-Sex-before-Marriage-Attitüde und seiner Vorliebe für Transformers und Lord of the Rings und haben, gemessen an gesellschaftlichen Stufen, kaum die unterste erreicht.

Zumindest Dante versucht sich am Erwachsenwerden und will seine gutsituierte Emma Freundin (Jennifer Schwalbach Smith) heiraten und mit ihr wegziehen. Bürgerlich werden. Eine Entscheidung die Randal mit gemischten Gefühlen betrachtet, konfrontiert sie ihn doch mit seiner Erfolgs- und Perspektivlosigkeit.

Obendrein deutet sich nun da Dante weggehen will an, daß zwischen ihm und seiner Mooby-Chefin Becky Scott (Rosario Dawson) mehr als nur Freundschaft besteht. Vielleicht wären auch alle Probleme einfacher zulösen, wenn nicht dauernd noch die verdammten Kunden in den Laden kämen und etwas zu essen wollten und sich dann noch über beiläufig geäusserte rassistische Bemerkungen aufregen.

Und was genau steckt hinter der Abschiedsparty die Randel für Dante organisiert?

Ein Sprichwort sagt „You can’t go home again„, doch das hat Hollywood noch nie abgehalten aus einem erfolgreichen Film das letzte Sequel rauszupressen, solange es Kohle versprach. Ein Vorwurf, den sich auch Kevin Smith gefallen lassen musste, als er verkündete er würde eine Fortsetzung zum 1994 entstandenen Kult-Hit „Clerks“ drehen. Und das nachdem er zum einen mit „Jay & Silent Bob strike back“ das Askewniverse, jenen Geschichtenkosmos in dem auch Mallrats, Chasing Amy und Dogma spielen, offiziell abgeschlossen hatte und danach mit „Jersey Girl“ einen veritablen Mainstream-Flop hinlegte.

Von den Kritikern ignoriert wird dabei allerdings, das Geld nicht wirklich ein Motivationsgrund gewesen sein kann, denn wenn es darum gegangen wäre hätte Smith wohl die Zähne zusammengebissen und sich durch die „Green Hornet“-Verfilmung gequält, die man ihm angeboten hatte, für die er sich letztlich aber nicht bereit fühlte. Und so besann er sich lieber auf das was er kennt und drehte statt einem $80Mio. Popcornfilm einen $5Mio. Low-Budget-Film, der wohl wieder eher sein Publikum ansprechen würde.

Eine sehr gute Entscheidung, wie man nach Ansicht des Films bestätigen kann. Schade, daß der Streifen hierzulande erst mit einjähriger Verspätung startet und viele Hardcorefans sich jetzt schon die DVD besorgt haben werden. Schade auch, daß man wohl diesmal auf Synchronisation setzt, derweil der erste Teil hier als OmU in die Kinos kam.

Sehenswert sind die weiteren Abenteuer von Randal und Dante in jedem Fall, denn was manchen Sequels die erst Jahre später gedreht wurden zum Problem gerät, ist in diesem Fall ein Vorteil. Mehr noch als der alberne, witzige und unterschätzte „Jay & Silent Bob strike back“ taugt „Clerks II“ als Klammer, als Bookend für das Askewniverse. Nach über zehn Jahren fragt er sich wo seine Figuren mittlerweile stehen, was sie wollten, was sie erreicht haben.

Unterschwelliges Hauptthema des Films ist damit auch die Selbstfindung, die Neubestimmung der Slacker-Generation, die sich der geachteten Arbeit und dem Erfolg verweigert und ohne Ziel, aber dennoch nicht wirklich unglücklich durchs Leben geht. Die Angst hat erwachsen zu werden, aber zu alt ist um sich noch wie Jugendliche zu benehmen. Randals Angst Dante zu verlieren, ist dabei ebenso nachvollziehbar, wie Dantes unzufriedenheit mit dem Status Quo.

Das Smith diese letztlich doch bittersüsse, melancholische Story so witzig erzählt wie er es tut, ist ihm hoch anzurechnen. Nicht ganz so ernsthaft wie der wunderbare „Chasing Amy„, aber weniger überdreht als „Mallrats“ oder „Jay & Silent Bob…“ schafft es Smith berührende Momente zu schaffen und gleichzeitig derbste Scherze, Sex mit Tieren, groteske Dialoge und Popkulturreferenzen unter einen Hut zu bekommen und Figuren zu erschaffen, die auf ihre verschrobene Art sehr liebenswert sind.

Dante Hicks: You wouldn’t wanna be with a girl with an oversized clit?
Randal Graves: No because the next step would be a guy with an undersized dick.

Erstaunlich auch, daß sich Smith selbst sehr zurücknimmt, Jay & Silent Bob sind wieder die Randfiguren, die sie im ersten Teil waren, mittlerweile von ihrem Drogenkonsum befreit (als kleine Anspielung auf Jason „Jay“ Mewes Drogenkarriere, die ihn mehrfach abstürzen ließ) aber immer noch das obskurste Hetero-Männer-Pärchen nach Laurel & Hardy.

Trefflich besetzt sind auch die neuen Figuren des Films. Rosario Dawson ist ein extrem sympathischer und bodenständige Boss, die den genauen Gegenpart zu der von Kevin Smiths Frau Jennifer gespielten Freundin Dantes steht. Eine echte Entdeckung ist der Newcomer Trevor Fehrman, der als naiver Christen-Nerd eine Glanzleistung abliefert. Seine Mimik, seine Gestik und sein Sprachduktus passen perfekt zu Smiths Dialogen und so entwickeln sich die Szenen mit Elias zu den Highlights des insgesamt gelungenen Films („Say what you will about Jesus, but leave the „Rings“ alone. „). Erfreulich auch zu sehen, das die Gelegenheitsschauspieler Brian O’Halloran und Jeff Anderson wieder stimmig in die von ihnen in Clerks und Clerks der Serie kreierten Figuren finden und ihnen auch in den dramatischen, emotionaleren Szenen die angemessene Tiefe geben können.

Neue Fans wird Smith mit dem Film wohl nicht gewinnen, denn noch immer muss mit seiner Mischung aus groteskem Humor, ernsthaften Anliegen und tonnenweise sexuellen Anspielungen und politischen Unkorrektheiten umgehen können und sie mögen. Aber wenn man das tut, gibt es eigentlich keinen Grund, warum einen nicht auch „Clerks II“ bestens unterhalten sollte.

Und auch wenn man mittlerweile schon sehr günstig an die gut bestückte UK-DVD des Films kommt, möchte ich jeden ermutigen sich den Film auch im Kino anzuschauen. Denn nur wenn sich der Kinoseinsatz rentiert, besteht die Chance, daß man auf den nächsten Smith-Film hierzulande nicht wieder monatelang warten muss.

Ausserdem ist Kino immer schöner.

Schwiiing.

PS: Wer Clerks II mag, sollte auch mal einen Blick auf den Streifen „Waiting“ mit Justin Long werfen, der sich sehr am ersten Clerks orientiert und ebenfalls in einem Schnellrestaurant spielt.

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8 Kommentare

  • Reply Screws 22. 6. 2007 at 1:45

    Hab den Film schon gesehen und muss zu geben, das Smith damit eine sehr gelungene Fortsetzung zu „Clerks“ gelungen ist.

    Der Film beantwortet meiner Meinung nach zumindest einen Teil der Fragen die der erste Teil aufgestellt hat, ausserdem bietet er einem mal wieder einiges zu lachen – ganz so wie, es der geneigte Zuschauer, von Kevin Smith gewohnt ist.

    Ich fand ihn sau gut – und werde ihn mir definitiv auch im Kino anschaun…auch wenn ich befürchte das die Deutsche Synchro wieder mal den ein oder anderen Witz kaputt macht…aber das kennt man ja.

  • Reply Georg 22. 6. 2007 at 20:04

    Als ich gestern „Full Metal Village“ gesehen habe (sehr empfehlenswert), lief vorher der deutsch synchronisierte Trailer zu „Clerks II“ — die Stimmen passen nicht die Spur zu den Charakteren, die Übersetzungen sind grässlich und das timing bei den gags nicht existent. Die deutsche Version ist, zumindest dem Trailer zufolge, eine _absolute_ Katastrophe und gleicht somit 99% aller deutschen Synchrofassungen.

    Ich stimme allen Kritiken zu, „Clerks II“ ist klasse, hat schlagfertige Dialoge, glaubwürdige neue Charaktere und ist der beste Kevin Smith Film seit „Chasing Amy“ (wenn wir die beiden „An Evening with Kevin Smith“ DVDs mal außen vor lassen). Mich stört nur, dass er zwar in New Jersey spielt, aber völlig offensichtlich in Kalifornien gedreht wurde.

  • Reply xDest 22. 6. 2007 at 22:15

    Links am 22.06.2007…

    Es ist Schade, dass Comicfreunde offensichtlich keine großen Blogger sind. Einzeig unser englischsprachiger Freund, der ansonsten von seiner Odyssee in der bayrischen Landeshauptstadt berichtet, zeigt uns seine Errungenschaften. Das sind aber auch…

  • Reply NOT IN MY HOUSE! » RNDM MOVIE STUFF 29. 6. 2007 at 13:28

    […] RNDM MOVIE STUFF this trailer looks superbad: yap so sach ich ab jetzt hallo: the longest handshake ever damm, ich freu mir nen arsch weg: gelbsucht meine lieblings-rumsteher sind zurück: dude […]

  • Reply paolo pinkel 14. 7. 2007 at 3:03

    Kann der Besprechung hier nur zustimmen. Habe den Film vor ein paar Monaten gesehen und hab verdammt viel gelacht aber es gab auch sentimentale(re) Momente. Ein mehr als würdiger Nachfolger aber in der dt. Synchro sicherlich im Vergleich für´n Arsch.

  • Reply BatzLog - Noch etwas Salz? » Letztes Lichtspiel: Death Proof 20. 7. 2007 at 2:40

    […] wenn sie sich das ewige Gelaber stecken würden. Rosario Dawson, die zur Zeit auch noch in Clerks II zu bewundern ist, ist so sympathisch und sexy, das man sie knuddeln möchte. Traci Thoms als […]

  • Reply Mental Savage :: Filmkritik: Clerks II :: July :: 2007 25. 7. 2007 at 19:32

    […] ernste und sehr emotionale Untertöne. Eine wirklich gelungene Fortsetzung, die zu recht fast überall hochgelobt worden ist. Clerks II, USA 2006 – deutscher Kinostart: […]

  • Reply Fanboys (Review) | Die Fünf Filmfreunde 28. 7. 2009 at 2:52

    […] thematisiert, was es bedeutet erwachsen zu werden, ein eigenes Leben zu führen (sehr schön in Clerks II abgehandelt), bleibt Fanboys platte […]

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