Ich bin der englischen Sprache ganz ordentlich mächtig. Ich arbeite in einem amerikanischen Unternehmen und habe viel mit englischen Kollegen zu tun. Ich war dreimal in Amerika und fünfmal in England und rede, seit ich auf dem C64 in einer international angesehenen Cracker-Gruppe unterwegs war, regelmäßig in dieser Sprache. Dennoch ziehe ich – vielleicht nicht jede, aber doch einige – Synchronfassung dem Original vor und es wird Zeit, dem Originalversionssnobbismus Einhalt zu gebieten. Jawohl.
Denn ich bin kein native Speaker, which means, ich muss in meinem Köpfchen die gesprochenen Zeilen immer noch übersetzen. Das dauert mal mehr, mal weniger lang. Und dazu habe ich während des Anschauens eines Filmes wenig bis gar keine Lust. Noch dazu kommt, dass viele Filme Slangausdrücke nutzen oder in Dialekten gehalten sind, die beim geneigten deutschen Zuschauer als Kauderwelsch ankommen. Wer „Trainspotting“ im Original gesehen hat, weiß was ich meine.
Überhaupt, warum sollte ich mir die Mühe machen und mich dieser Übersetzungstortur auszusetzen? Weil einige Dialogbruchteile nur unzureichend übersetzt werden? Nun, bei einer Übersetzung geht nunmal per se ein gewisser Teil der Sprache verloren, und wenn es „nur“ der Rythmus der Sprache ist. Ganz ehrlich: damit kann ich leben. Ich kann sogar mit teilweisen Sinnverfälschungen leben, die Batzman so oft anprangert. Jetzt mal ehrlich: an einer Story, wie „psychokranker Sohnemann hat Wahnvorstellungen und redet mit seiner toten Mutter, während er Blondinen meuchelt“, daran ändert auch ein sinnverdreht übersetzter Dialog nix.
Ein Film lebt von Dichte, von der Konzentration auf das Geschehen auf der Leinwand, vom Eintauchen in die Story, von der Identifikation mit den Figuren. Wenn diese die gleiche Sprache sprechen, wie man selbst, dann hilft das dabei ungemein. Ich mag mir nicht die Arbeit machen, jeden Film dreimal ansehen zu müssen, nur um ihn zur Gänze zu verstehen und um damit anzugeben, ihn im verkackten Original gesehen zu haben.
[Ironie] Ich unterstelle mal ganz frech: die Originalversionsanhänger sind pure Snobs, die sich an ihren Sprachkenntnissen aufgeilen und diejenigen latent als doof bezeichnen, die sich auf dieses Spiel nicht einlassen wollen. Über die hervorragenden Englischkenntnisse in skandinavischen Ländern jubeln, weil diese ja nur Originale zeigen, gleichzeitig aber über die fortschreitende Anglikanisierung der deutschen Sprache meckern. Jaja, Ihr seid mir die richtigen, hihi. [/ironie]
Und zum Schluß möchte ich noch kurz Max Goldt zitieren, und der hat ja bekanntlich sowieso immer Recht:
Auch ein Engländer versteht kein Wort, wenn eine ungelernte Pfannkuchenbraterin aus Kansas City über die Mühsal ihres Lebens spricht.
[...]
Gerade weil Film ein visuelles Medium ist, sollte es einem vergönnt sein, den Dialogen so mühelos und nebenbei wie möglich zu folgen.
Nichts als eine schäbige Notlösung ist das Untertiteln. Da wird der Zuschauer gezwungen, mit seinem Blick an der unteren Bildkante zu verharren, so dass er außerstande ist, seine Aufmerksamkeit der Bildkomposition zu widmen. Alfred Hitchcock sagte, ein Film verliere fünfzehn Prozent seiner Kraft, wenn er untertitelt ist, aber nur zehn Prozent bei guter Synchronisation. Ich würde die erste Zahl durch fünfzig ersetzen und sie zweite durch fünf. (Aus „Die Kugeln in unseren Köpfen“)
Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen und wenn Euch demnächst wieder ein Filmsnob das gewöhnliche „Im Original ist er aber tausendmal besser“ entgegenschleudert, dann schleudert ein lautes „Pah!“ zurück, gefolgt von einem „Dann hast Du ihn nicht richtig gesehen!“
+++

Batzman meint:
Meine Meinung zu dem Thema und dem dämlichen immer wieder geäusserten und im Endeffekt nur aus Minderwertigkeitskomplexen resultierenden Snobismus-Vorwurf hatt ich ja vor einem Jahr schon im Artikel Sprachfehler zusammengefasst und ausdrücklich versucht eben nicht polemisch an das Thema heranzugehen, sondern sachlich und nachvollziehbar. Das Ganze jetzt wieder auf diese blöde Snob-Ebene zu ziehen, find ich eher kontraproduktiv und hat was albern trotziges.
Wenn ich Filme sehe oder Bücher auf Englisch lese, dann übersetze ich die eben nicht im Kopf auf deutsch, sorry. Und wer eine Sprache wirklich beherscht bei dem läuft das Verständnis automatisch ab. Ich muss keine dauernde Transferleistung vollbringen und auch in Dialekte kann man sich schnell einhören, genau wie man das in deutsche Dialekte auch kann.
Wer keine OFs schauen möchte, der soll es sein lassen. Die Kritik der Synchronisation (die auch innerhalb der Synchronbranche und bei den Sprechern sehr groß ist) wendet sich in erster Linie gegen SCHLECHTE Synchros – warum man diese nun um jeden Preis mit einer wurstigen “Mir doch egal”-Haltung verteidigen muß, anstatt sich dafür einzusetzen, daß die Synchros wieder besser werden und sich mehr Mühe geben (und vielleicht auch mal wieder etwas aufwendiger produziert werden), entzieht sich meinem Verständnis.
- Renington Steele •
- Juli 16th, 2007 •
- 76 Kommentare










































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