Die Kritiken sind größtenteils wohlwollend und auch das Publikum scheint zufrieden zu sein. Nach jahrelanger Entwicklung und einer PR-Kampagne die auf extremes Anteasen und Geheimnisse setzte, nach Pressevorführungen die so knapp vor den Filmstart gelegt wurden, daß die Monatsmagazine meist keine Reviews mehr schreiben konnten, ist er jetzt endlich da.
Und wie ich in meinem Review schrieb, er ist lustig und unterhaltsam. Klar gelangweilt hab ich mich auch nicht unbedingt im Kino.
Was mich dennoch überrascht ist jene überschwengliche Begeisterung die derzeit überall zu vernehmen ist. Wenn die Simpsons für etwas bekannt waren, dann für ihren intelligenten, subversiven Humor, für ihren Mut unbequemes in 22min Episoden zu packen und es so zu verkaufen, daß die Leute es dennoch gucken. Was die Serie in ihren besten Zeiten immer von der Masse abgehioben hat, war ihr inspirierter Mix aus bitterer Satire, Popkultur-Referenzen und Slapstick-Momenten die auch die kleineren Zuschauer lustig fanden.
Während sich die Punkte zwei und drei auch im Film zur Genüge wiederfinden, sieht es mit satirischem Biss leider doch eher mau aus. Der Film geht dorthin wo es eben nicht wehtut. Er begnügt sich auf eine enttäuschende Weise damit, wiederzukäuen was die Serie schon x-mal durchexerziert hat. Homer macht etwas dummes, es gibt verheerende Konsequenzen, die Familie wird angefeindet, es gibt Spannungen zwischen Homer und den anderen Simpsons und zum Schluss besinnt er sich und erkennt seine Fehler und will sie wieder gut machen.
Das ist das Standard-Setup für viele der nicht ganz so großartigen Serienfolgen, ergibt aber meist solide unterhaltsame 22min. Aber reicht das wirklich für einen Kinofilm?
Noch dazu für einen der als Ereignis gepusht wird? Hat man sich vielleicht vom Erfolg der Simpsons immer zuviel versprochen? Waren die satirischen, kritischen, unbequemen Motive letztlich vielleicht für den Erfolg nicht so wichtig, weil die Leute eh “nur lachen” wollten?
Wenn einem etwas auffiel in den letzten Staffeln, dann das die Simpsons selten noch wirklich giftig wurden. Wo sich South Park in ungeahnte (und unvermutete) Höhen aufschwang um respektlos alles anzugreifen, was den Machern gegen den Strich geht, da dümpelten die Simpsons, von einzelnen Episoden abgesehen, in eher bekannten Gewässern.
Wenn South Park Scientology attackierte und dafür auch in Kauf nahm, daß einer der Stammsprecher deswegen ausstieg (und sie das sogar noch in einer eigenen Folge thematisierten), da meiden die Simpsons das heikle Thema bewusst, wohl aus Angst die Sprecherin von Bart könne sich ebenfalls verabschieden.
Dort wo sich der Film satirisch gibt, macht er das ohne wirklich wehzutun. President Schwarzenegger wählt per Abzählreim eine von fünf undenkbaren Problemlösungen, Lisa darf auf freundliche Weise Al Gore veralbern, Fox wird mit Samthandschuhen milde parodiert… – aber jeder Gag ist ein Selbstzitat von oft schärferen Angriffen die in früheren Serienfolgen schon besser gemacht wurde. Selbst die Szene mit Homers spiritueller Erleuchtung durch eine mysteriöse Frau kommt eher wie eine Variante seiner Chilli-induced-halluzination aus der Folge “El Viaje Misterioso de Nuestro Homer” daher, ist optisch aber nicht so originell umgesetzt wie damals, ganz zu schweigen davon, daß Johnny Cash als ratgebender Koyote mehr Stil hatte.
Woher also diese Begeisterung, diese Euphorie, dieses ausrasten und “sich wegschmeissen” im Kino, für etwas das an keiner Stelle mehr ist als eine wirklich lange TV-Episode. Reicht “nur lustig” wirklich aus? Erwarten Simpsons-Fans nichts mehr als ein paar gelungene Lacher und Variation des Bekannten, wenn sie 7 Euro für eine Kinokarte hinlegen?
Ein Kritiker der Mercury News schreibt:
” The writers, who come breathtakingly close to outnumbering the animators in the closing credits, have lost none of their gift for self-mockery. Following the “Itchy & Scratchy” cartoon that opens the movie, Homer (Dan Castellaneta) quickly reminds us that they’re in on the joke.
“I can’t believe we’re paying to see something we get on TV for free,” he bellows. “If you ask me, everybody in this theater is a big sucker.” Then, pointing directly into the camera, he adds, “Especially you!”
Fortunately, this joke arrives at the beginning, when we can all still laugh at ourselves for doing exactly what he says we’re doing. By the end of the movie, it’s a lot less funny. ”
Ein weiterer von Soundtrack.net konstatiert:
“Unfortunately, The Simpsons Movie is more like a lengthy television episode, begging the question as to why it took so long to deliver something so ho-hum, and after all the hype and build up, is this really the best they could do? (…)
It’s been a long time coming, and with the advertising blitz in full force, you’d think that they would have delivered something worthwhile. Instead, The Simpsons Movie is good for a few laughs, but is probably best seen on DVD.”
Die Los Angelas Times schreibt:
“Unlike “South Park: Bigger, Longer, Uncut,” “The Simpsons Movie” doesn’t venture anything more transgressive than it usually does; it doesn’t take the gloves off. Sure, there are jokes equating the U.S. government with the only evil madmen capable of encasing a town in a giant cheese dome, but it’s nothing it hasn’t done before, and nothing we don’t hear every night on “The Daily Show With Jon Stewart.”
If anything, the movie feels a little safer (though I should say I stopped watching regularly years ago) than the show, focusing on the individual crisis and subsequent spiritual growth of each individual Simpson (with the exception of Lisa, who apparently didn’t need it).”
Die Frage für mich bleibt: Ist das genug für einen Kinofilm?
Und wenn es genug ist, hat man die Simpsons-Fans vielleicht all die Jahre einfach falsch eingeschätzt?
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Juli 28th, 2007 •
- 28 Kommentare









































Pingback: Nerdcore — Von wegen gelb.