„Es gibt keine Grenzen. Nicht für den Gedanken, nicht für die Gefühle. Die Angst setzt die Grenzen.“
– Ingmar Bergman
Bergman wurde am 14.7.1918 in Schweden geboren. Schon früh war er von Stummfilmen begeistert, studierte dann Literaturwissenschaften und ging dann ans Theater. Aber die Leidenschaft für den Film liess ihn nie los. 1946 drehte er seinen ersten Film “Krise”. Ab da ging eine beispiellose Karriere los, die ihn erst zur goldenen Palme nach Cannes brachte, von da zum goldenen Bären nach Berlin und dann zu 3 Oscars und dem goldenen Löwen und zuletzt der “Palme der Palmen” für sein Lebenswerk.
So nachdenklich, melancholisch und ruhig seine Filme auch waren, er selbst schien nie wirklich zur Ruhe zu kommen. Bergman war sechsmal verheiratet, “wilde Ehen” nicht mitgezählt. Von 76 bis 81 lebte und arbeitete er in München, weil er in Schweden der Steuerhinterziehung bezichtigt wurde. Übrigens zu Unrecht. Bergman war ein Arbeitstier, er drehte über 60 Filme und Dokus und wenn er gerade nicht drehte, dann inszenierte er am Theater. Über 120 Stücke (auch in München).
Als er Ärger mit der Zensurbehörde bekam, die ihm immerwieder Scherereien wegen Nichtigkeiten machten, reagierte er mit der grösstmöglichen Coolness der Filmgeschichte: Er schnitt in den Vorspann seines Films “Persona”, von 1966, 3 Frames eines erigierten Penis. Kaum wahrnehmbar. Aber trotzdem da. Das nenn ich mal grossartigen Protest.
Nun sind seine Filme (und ich habe weiss Gott nicht viele von ihm gesehen…) nicht gerade leichte Kost. “Szenen einer Ehe” ist ein Abgesang auf die Institution, an die so viele Menschen als grösstes Glück glauben. Oder “Wilde Erdbeeren”. Der Film der ihm den goldenen Bären und eine Oscarnominierung für das beste Drehbuch einbrachte. Ein Mann auf der Suche nach sich selbst. Kindheitserinnerungen werden wach, als er die Dörfer seiner Jugend mit dem Auto durchquert. Klingt erstmal rührend, ist aber ein bitteres Portrait über das Altern. Das junge Mädchen, seine Schwiegertochter, die ihn begleitet, führt ihm immerwieder vor Augen, wie schön das jung sein ist und was er alles versäumt hat. Von Alpträumen geplagt, sieht er seinen eigenen Tot schon bedrohlich nahe. Ihr seht: Popcorn geht anders.
Ein ebenfalls sehr bekannter Film von ihm: “Das siebente Siegel”. Man könnte das ganze als Depressionsfantasie bezeichnen. Ein Ritter (Max von Sydow!) spielt seine letze Partie Schach gegen den Tod. Der Tod selbst verfolgt ihn den ganzen Film über. Bis er schlussendlich gewinnt, der Ritter aber wenigstens durch seinen Tod eine Familie retten konnte. Wenn Hollywood sowas macht, kommt “Rendevous mit Joe Black” dabei heraus. Berman aber lässt den Tod durch die Dünen Schwedens schleichen und das Schachspiel findet dann auch am Strand statt. Trostlosigkeit galore. Um sich ein Bild davon machen zu können, ohne gleich aus dem Fenster springen zu wollen, sei die Parodie von French and Saunders empfohlen, die genau das ausmacht, was alle grossen Parodien auszeichnet: Der Blick fürs Detail.
[YouTubeDirektBergmanSortOfDays]
Ich bin mir ziemlich sicher: Bergman hat sich kaputt gelacht.
Ernst Ingmar Bergman ist heute, im Alter von 89 Jahren, in seinem Haus auf der Ostseeinsel Fårö gestorben. Woody Allen und Lars von Trier haben eines ihrer Vorbilder verloren. Und das Kino einen seiner Visionäre.
- Nilz N Burger •
- Juli 30th, 2007 •
- 9 Kommentare










































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