R.I.P.: Michelangelo Antonioni

1 Comment

antonioni.jpg

Am 19.9.1912 erblickte Michelangelo Antonioni das Licht der Welt. Nach einem Studium in Bologna ging er 1939 nach Rom um “sein Leben dem Film zu widmen”. Das tat er erstmal in Form von Filmkritiken. Erst für eine Tageszeitung, dann für die Zeitung “Cinema”. Hier löste er allerdings grosse Kontroversen aus, da er NS-Propagandafilme wie “Hitlerjunge Quex” oder “Jud Süss” über den grünen Klee lobte. Er hat sie losgelöst ihrer politischen Botschaft analysiert, rein filmisch gesehen. Das war aber zu unsensibel (als ungünstiges Merkmal kam noch hinzu, das der Herausgeber der Zeitschrift der Sohn von Mussolini war…) und nach mehreren Scherereien musste er die Redaktion verlassen. Zur gleichen Zeit aber studierte er in Cinecitta Filmtechnik und traf unter anderem solche Leute wie Rossellini. Nach ein paar Kurzfilmen in den späten 50ern, ging es in den 50ern mit seinen Langfilmen los.

Seine zwei wichtigsten und bekanntesten Filme entstanden direkt aufeinanderfolgend mitte der 60er Jahre. “Blow Up” und “Zabriskie Point”.

“Blow Up” ist die Geschichte über einen Fotografen, der glaubt auf einem seiner Bilder zufällig einen Mord fotografiert zu haben. Auf eigene Faust versucht er nun herauszufinden, was es damit auf sich hat. Als die Dinge immer merkwürdiger werden, weiss er nicht mehr wie sehr er seiner Wahrnehmung trauen kann. Selbstzweifel deluxe und ein grosses Fragezeichen über dem Film, der den Zuschauer noch lange über die eigene Wahrnehmung grübeln lässt. Wenn man es schafft sich auf den coolen, ästhetisierenden Stil des Filmes einzulassen. Kann man ja mal versuchen, ist nämlich gerade erst digital Re-mastered wieder ins Kino gekommen.

“Zabriskie Point” ist, einfach gesagt, eine Studentenrevolte-Liebesgeschichte. Ein junger, protestierender Student und (davon unabhängig) eine Angestellte beschliessen auszubrechen, alles hinter sich zu lassen. Sie fahren in die Wüste. Dabei scheitern sie aber an den eigenen Ansprüchen. Weder die politische Revolte, noch der persönliche Ausstieg wollen klappen. Der Konsum, der Kapitalismus ist überall, man kann sich ihm nicht entziehen, und da wo er nicht ist, erkennt man nur, das man da nicht hingehört: Am Zabriskie Point, mitten in der Wüste. Politisch war vielen dieser Film zu schwammig. Antonioni hat ihn ja selbst als Sympathiebekundung zur Studentenrevolte verstanden. Vielen war er aber zu liberal, trotz seiner starken Symbolik. Um mal klar zu machen, wie stark die war (subtil geht anders), hier die Finalszene aus ZP:

[YouTubeDirektBumm]

Antonioni war ein Filmliebhaber, dem es vor allem um starke Bilder ging. Der die Kraft des bewegten Bildes schon immer im visuellen sah. Nach einem Schlaganfall 1985, musste er deutlich kürzer treten und machte so gut wie keine Langfilme mehr.

Michelangelo Antonioni starb im Alter von 94 Jahren, gestern in Rom.

In : Thema

About the author

1 Comment

  1. Andreas Zeller

    Er war einer der ganz grossen.

    Auch sehr sehenswert ist übrigens “Professione: Reporter”, die Rundfahrt über den Platz ist extrem beeindruckend und ganz ohne CGI entstanden…

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked (required)

Fünf Facefreunde
Fünf Filmtumblr
  • photo from Tumblr

    officialgaygeeks:

    That lightsaber sound lol


    Get the My Neighbor Groot shirt http://buff.ly/1EFUcA2 http://ift.tt/1BEBgm8

    11/16/14

  • photo from Tumblr

    pennyfornasa:

    Putting The Cost Of The ESA’s Rosetta Mission In Perspective

    "So what do we get for our €1.4bn? Rosetta is both an astounding feat of engineering (catapulting a tonne of spacecraft across millions of kilometres of space and ending up in orbit around a comet just 4 km across) and an extraordinary opportunity for science (allowing us to examine the surface of a lump of rock and ice which dates from when the Solar System formed).

    Like a lot of blue-skies science, it’s very hard to put a value on the mission. First, there are the immediate spin-offs like engineering know-how; then, the knowledge accrued, which could inform our understanding of our cosmic origins, amongst other things; and finally, the inspirational value of this audacious feat in which we can all share, including the next generation of scientists.

    Whilst those things are hard to price precisely, in common with other blue-skies scientific projects, Rosetta is cheap. At €1.4bn, developing, building, launching and learning from the mission will cost about the same as 4.2 Airbus A380s—pretty impressive when you consider that it’s an entirely bespoke robotic spacecraft, not a production airliner. On a more everyday scale, it’s cost European citizens somewhere around twenty Euro cents per person per year since the project began in 1996.

    Rosetta has already sent us some stunning images of Comet 67P/Churyumov–Gerasimenko and today’s landing will, with any luck, provide us with our first close-up glimpse of the chaotic surface of this dirty snowball. If you’re a sci-fi fan, then, you might consider the mission to have been worth its price tag just for the pictures. The total cost for the Rosetta mission is about €3.50 per person in Europe; based on the average cinema ticket price in the UK (€8.50), it has cost less than half of what it will cost for you to go to see Interstellar.”

    Via Scienceogram: http://scienceogram.org/blog/2014/11/rosetta-comet-esa-lander-cost/

    Find Out How Budget Cuts Canceled NASA’s Own Comet Landing Mission: http://www.penny4nasa.org/2014/11/11/how-budget-cuts-canceled-nasa-own-rosetta-comet-landing-mission/

    11/15/14

  • photo from Tumblr

    meatbicyclevevo:

    i never wanted this to end

    10/20/14

  • photo from Tumblr

    iambluedog:

    Life is too short to be holding on to old grudges

    10/20/14

  • photo from Tumblr

    10/09/14