Zur Notwendigkeit eines Filmkanons

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Es gibt ja immer wieder Diskussionen über Listen und Bewertungen von Filmklassikern, obwohl viele, die auch dabei mitreden (wollen), eben diese Klassiker der Filmgeschichte überhaupt nicht – oder vielleicht nur vom Hörensagen – kennen. Um Werke filmh

istorisch aus künstlerischer Sicht richtig einordnen zu können – und auch um Vergleichsgrundlagen für aktuelle Rezensionen zu haben – ist es aber unbedingt notwendig, sich auf bestimmte, allgemein anerkannte Kriterien und einen auf einem allgemeinen Konsens beruhenden Kanon beziehen zu können! Das klingt jetzt zwar sehr altmodisch und oberlehrerhaft, ohne sowas versinkt aber alles in völliger Beliebigkeit. Und das kann's halt auch nicht sein.

Der genialste Text, der zu diesem Thema meiner Meinung nach bisher geschrieben wurde, stammt von Paul Schrader, dem Regisseur von unter anderem „Katzenmenschen“. Außerdem war er Drehbuch-Autor von vielen bekannten Filmen, zum Beispiel auch von „Taxi Driver“. Sein Text ist ins Deutsche übersetzt gerade im neuesten „Steadycam“-Heft nochmal abgedruckt worden, er wurde aber auch im Februar bereits in der Berlinale-Beilage der FAZ veröffentlicht und ist auf deren Website als Langfassung noch online verfügbar. Die Lektüre ist absolut lohnenswert und lehrreich. Im Folgenden ein paar der besten Zitate als Zusammenfassung:

„Was ist ein Kanon? Ein Kanon gründet definitionsgemäß auf Kriterien, die über allgemeine und persönliche Geschmacksvorstellungen hinausweisen.“

„Zu einem Kanon gehört die Vorstellung, daß er nicht nur etabliert, sondern auch verteidigt wird, und im vergangenen Jahrhundert wurde er weit öfter in Frage gestellt als verteidigt. Ohne Verteidiger ist der Kanon ein praktisches Hilfsmittel (Lehrstoff) oder eine Frage des Geschmacks (Lieblingsfilme).“

„Die Kunst des audiovisuellen Geschichtenerzählens wird durch jede technische Innovation – Tonbühne, Kran, Farbe, Breitwand, hochempfindlicher Film, drahtloses Mikrofon, Videokamera, Steadicam, digitales Schneiden, digitale Bilder – neu definiert.“

„… könnte man vielleicht eine Liste zusammenstellen, die den Etappencharakter des Films anerkennt. Ein Filmkanon ist meines Erachtens an zwei Bedingungen geknüpft: erstens muß er Filme im Kontext des Filmjahrhunderts, einer Übergangszeit, beurteilen, und zweitens muß er sich auf eine Vielfalt ästhetischer Kriterien stützen.“

„Das Kunstwerk wird die Regeln immer umgehen. Sie sind aber ein notwendiger Rahmen für jeden, der beurteilen will.“

„Originalität ist unabdingbar für den Kanon – das betreffende Thema muß auf neue, ungewöhnliche Weise ausgedrückt werden – aber es ist

die über Originalität hinausgehende Fremdartigkeit, die einem Werk Bestand verleiht.“

„Die Form eines Films muß in der Mitte oder am Ende nicht dieselbe sein wie am Anfang. Der Filmkritiker beurteilt das Wechselspiel von Formen hinsichtlich Funktion (kommerziell, didaktisch, ästhetisch) und Inhalt. Bei einem großen Film verbinden sich die formalen Brüche zu einem neuen, fremdartigen Ausdruck von Funktion.“

„Filme oder Filmemacher sind nicht nur nach ihren individuellen Qualitäten, sondern auch nach ihrem Platz in der Filmgeschichte zu beurteilen.“

„große Kunst lebt fort, kann immer wieder erfahren, von nachfolgenden Generationen bewundert werden, wird mit der Zeit immer bedeutender. Dieser Test hat selbst das Zeitalter technischer Reproduktion überstanden.“

„Daß manche Filme auch nach wiederholtem Betrachten nichts von ihrer unmittelbaren Wirkung verlieren, macht sie zu wahren Klassikern.“

„Große Filme reißen den Zuschauer aus seiner Passivität und fordern ihn zu kreativer Mitwirkung auf. Kino ist keine einseitige Angelegenheit. Große Filme gehen auf den Zuschauer zu, fordern ihn heraus. Indem sie Erwartungen unterlaufen oder Widersprüche zeigen, veranlassen sie den Zuschauer, gewissermaßen in die Leinwand zu greifen und das kreative Mobiliar hin und her zu schieben. Mit einem Whodunnit? hat das nichts mehr zu tun. Der Zuschauer identifiziert sich, auch gegen seine Erwartungen, zieht Schlußfolgerungen, auf die der Film keinen Einfluß hat, und gibt dem Film seine ganz persönliche Ordnung. Große Filme fordern und gewinnen das kreative Engagement des Zuschauers.“

„Kanons sind definitionsgemäß elitär.“

„Der Kanon interessiert sich nicht für kommerzielle Aspekte, auch nicht für Nationalität oder politische Korrektheit. Es besteht kein Grund, kommerziell erfolglose Filme gegen erfolgreiche auszuspielen. … Genre und Stoff spielen keine Rolle, ebensowenig Alter, Hautfarbe und Geschlecht der Filmemacher. Derlei Faktoren bereichern die Diskussion, beeinflussen sie aber nicht. Gleichberechtigung hat im Kanon nichts zu suchen. … Ein Film mag das Produkt einer starken Einzelpersönlichkeit oder mehrerer Personen sein; beide Male ist es nur der Film, den man zu beurteilen hat. … Für den Film spricht nur der Film selbst.“

„Es ist viel leichter, Listen aufzustellen, als sie zu begründen.“

Batzman meint:

Das ein Kanon oder auch nur ein Grundwissen nötig ist um eine Diskussion zum Thema Film führen zu richtig. NOch wichtiger wäre es aber, daß den Leuten einfach beigebracht würde zu diskutieren und zu argumentieren.

Nicht nur in den Kommentaren der Filmfreunde, auch in vielen Foren, der IMDB

oder in privaten Gesprächen krankt eine ernsthafte Auseinandersetzung einfach daran, daß die Leute nicht in der Lage sind ihre Meinung zu reflektieren und zu begründen oder auf die Argumente eines gewinnen den gro?ten Nutzen www.besten-casino-liste.de aus Ihrer Gaming-Erlebnis. anderen einzugehen, diese zu bewerten und ggf. zu widerlegen.

Was vorherrscht ist etwas das ich immer als Meinungsrülpser empfinde. Die reine Äusserung einer Meinung, die man halt irgendwie einfach hat. Diese ist in der Regel rein emotional und wird deswegen auch nicht begründet. Das erklärt auch die Häufung von Superlativen und die Reduktion auf die Extreme “Das war der beste Film den ich gesehen hab!”, “Das war die voll kras geilste Hamma-Action evaaaaa!” oder “Das war der beschissenste Film der war doch echt voll krass lahm!”

Abgesehen davon das die Verwendung von Ausrufezeichen meist proportionel umgekehrt zum IQ der Person steht, finden sich in diesen Äusserungen keine Auseinandersetzung mit Film. Filme werden geguckt und irgendwie difus auf einer “Boah”-Skala verortet, differenzierungen finden nicht statt.
Deswegen wird es jedesmal auch als Sakrileg empfunden, wenn jemand anderes die Meinung nicht in genau denselben Extremen teilt. Selbst einer tendenziellen Zustimmung wird vorgeworfen, daß sie nicht zustimmend genug sei.

Argumente die sich auf Schwächen (aber auch auf Stärken) beziehen, werden ignoriert und können nicht verarbeitet werden, was in Kommentaren mündet, die völlig zusammenhanglos sind oder sich auf die stete Wiederholung einer Standardreplik beschränken: “Jeder hat eben einen anderen Geschmack”, “Wer den Film nicht mag soll ihn eben nicht gucken”, “Das wird wohl jeder anders sehen”, “Der Film war hammaaaa und wenn du was intellektuelles willst, biste da halt falsch.”

Solange die Leute nicht die niedrigsten Fertigkeiten einer Diskussion beherschen , ist es leider auch illusorisch zu hoffen, sie würden sich obendrein noch eine gewisse filmische Grundbildung aneignen.

Die Bereitschaft Filme zu sehen die älter als 10 Jahre sind ist bei den meisten nicht sehr ausgeprägt, schwarz/weiß gilt immer noch als Unansehbar oder Synonym für Arthaus und das Schimpfwort der Stunde ist (neben schwul) der Begriff “intellektuell”. Der Bildungshass bricht sich grade in Foren und Kommentaren oft ungehindert Bahn, denn es wird als Angriff auf das eigene EGo empfunden, mit Dingen konfrontiert zu werden die man nicht versteht.

Man könnte das als Chance begreifen, neugierig sein und dazulernen, aber in der Regel wird “Denken” als Angriff empfunden. Die zahlreichen Kommentare die immer wieder vehement einfordern man müsse doch mal das Hirn ausstellen, sprechen da eine deutliche Sprache.

Ich möchte dem entgegenhalten:

Ab und zu könnten diese Leute ihr Hirn vielleicht auch mal anstellen. Die Notwendigkeit es beim Besuch eines Filmes extra auszustellen, scheint mir nämlich bei vielen nicht wirklich gegeben.

Und dann können wir nochmal über einen Filmkanon reden.

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In : Thema

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  1. verschwender

    „Es ist viel leichter, Listen aufzustellen, als sie zu begründen.“

    Wie wahr…

  2. Christian

    Ich kann ja selber kaum glauben, dass ich mir gerade diese lange Textwalze durchgelesen habe. Aber es hat sich gelohnt. “Das Jahrhundert des Films ist Anfang, Mitte und Ende der Moderne.” Aber witzig, dass sich Schrader im Verlauf seiner Recherche von Ray Kurzweil zur Singularität hat bekehren lassen.

  3. matz-o-man

    ok, und der Link zum guten begruendeten Kanon? (und wenn es ein ‘spezieller’ Kanon wäre)

    (oder gibt es gar keinen?)

  4. Toolscheik

    Es dauert zwar eine Weile Schraders Ausführungen zu lesen, sie sind aber im Prinzip recht interessant, gerade da ich dieses Thema auch für recht strittig halte, aber immer gerne mal etwas dazu lese. Nur fehlt mir hier an einigen Stellen der Hintergrund ein wenig.

  5. JR

    Was ist das für ein sinnloser Müll? Das übliche intellektuelle Studentengewäsch!

  6. Nilz N Burger

    und wieder das alte problem von geschriebener ironie. zumindest hoffe ich das JR das ironisch gemeint hat, sonst sollte er vielleicht wieder die matrixtrilogie weitergucken gehen.

    anosnten tu ich mich schwer, wie ja eigentlich alle, mit einem kanon. sicher, ein vernünftiger kanon erleichtert die historische einordnung. andrereseits gibt es nie flexible kani (ist das die mehrzahl?), einmal veröffentlicht scheinen sie wie in stein gemeisselt, das macht sie ja gerade so unerträglich. das kritiker sich eher ein bein ausreissen, als zuzugeben ihren kanon ändern zu müssen, ist nunmal traurige realität.

    letztenendes darf man die diskussion um einen kanon nicht so ernst nehmen. ausser natürlich dieser dämliche, schlechte, beschissene, sofort wieder abzuschaffende kanon der deutschen filmschaffenden, in dem sie, ich glaube sogar mit dem kulturstattsminister oder so, versucht haben eine liste an filmen zusammenzustellen, die schüler unbedingt gesehen haben sollten, um ihnen das faszinosum film erklären zu können. da stehen filme drauf..aua aua aua.

    ich stell mir dann immer die 15-jährigen vor, denen der begeisterte lehrer “stalker” zeigt. genau. geile idee. kommt sicher riesig an, bei stalker schlaf ja sogar ich ein…;)

  7. Batzman

    Über einen Kanon kann man nicht nur diskutieren, sondern soll es ja auch.. und ich finde immer man kann die filmische Wichtigkeit eines Films anerkennen und ihn trotzdem sackelangweilig finden.

    2001, Apocalypse Now, Stalker oder die Drei Fraben Trilogie entlocken mir auch nur Gähnen, aber ich denk schon, daß man sie sich mal angeschaut haben kann um Rückbezüge zu verstehen, zu sehen wie spätere Filme von ihnen beeinflusst wurden oder sich wie z.B. “Dark Star” im Falle von “2001” daran abarbeiteten.

    Ein Kanon kann und sollte ergänzt werden und variiert werden – aber ohne die Vergangenheit kapiert man die heutigen Filme nicht. Und jemand dessen filmische Sozialisation nur Werke nach 1990 umfasst, kann zwangsläufig nur ein sehr eingeschränktes Urteil abgeben, weil er grundsätzlich erstmal alles für toll und neu hält und keinerlei Einordnungsrahmen hat. Geschweige denn die Fähigkeit sich ausser in allgemeiner Zustimmung oder Abneigung dazu zu äussern…

  8. Renington Steele

    Dass ein Kanon nicht in Stein gemeißelt ist, sagt Schrader ja selbst mit diesem Zitat…

    >Die Kunst des audiovisuellen Geschichtenerzählens wird durch jede technische Innovation – Tonbühne, Kran, Farbe, Breitwand, hochempfindlicher Film, drahtloses Mikrofon, Videokamera, Steadicam, digitales Schneiden, digitale Bilder – neu definiert.

    Selbstverständlich müssen, hmm, ästhetische Anspruche immer an die fortschreitenden technologischen Entwicklungen angepasst werden, nicht aber an die Rezeptionsfähigkeiten der Generation Jamba.

    >Was ist das für ein sinnloser Müll? Das übliche intellektuelle Studentengewäsch!
    >„Kanons sind definitionsgemäß elitär.“

    Right.

    Wer Filme generell als Kunstform begreift, und nicht als Event, der begreift Film auch grundsätzlich elitär. Der Event-Charakter des Blockbusters wurde nämlich irgendwann Mitte der Neunziger, wahrscheinlich früher, von Marketing-Strategen am Reißbrett entworfen. Da kann alles nur noch „Boa, Geil!“ sein, genau wie am Ballermann. Und das ist beleibe nicht mein Niveau.

    Mir scheint, es ist die Generation am Rezipienten-Zug, die noch nie ein Buch in die Hand genommen hat. Und ich denke, das wird sich auch wieder ändern.

    Die Hoffnung stirbt zuletzt.

  9. Dülp

    Wie entsteht so ein Kanon? Eigentlich sollte er doch organisch wachsen, sich entwickeln, ohne jemals eine starre Auflistung zu sein. Ein Möchtegern-Kanon, wie ihn Nilzenburger zurecht kritisiert, aufgestellt von einem höchst parteiischen Zirkel, taugt nichts.

    Das, was ich als Film-Kanon empfinde, wurde mir über die Jahre nicht in einer Top100-Aufstellung vermittelt, sondern durch interessiertes Lesen und durch Empfehlungen besehener(oder was ist eigentlich das Adäquat zu belesen?) Menschen.

    Wenn durch diese Quellen ein Film als absoluter Burner, als wegweisend oder in irgendeiner anderen Form als einzigartig und stilbildend beschrieben wurde, dann hat mich die pure Neugier dazu getrieben, ihn mir anzuschauen.

    Die oben gestellte Frage. Wo gibt es diesen Kanon nachzulesen? ist genau deswegen eine Frage, auf die es keine Antwort gibt. Man muss sich den Kanon selbst erarbeiten. Wer dazu nicht bereit ist, für den gibt es unter Umständen hin und wieder eine Umfrage unter Filmschaffenden, ich kann mich z.B. an ein Cinema-Sonderheft aus den frühen Neunzigern erinnern, in dem “Die Kinder des Olymp” auf Platz 1 gelandet ist.

    Wer diese innere Neugier nicht verspürt und statt sich z.B. statt einmal Citizen Kane oder Der große Diktator zu sehen lieber zum dritten Mal Scary Movie Teil 24 reinzieht, dem kann ich das nicht vorwerfen. Der lässt sich halt lieber berieseln, statt den eigenen Horizont zu erweitern.

    Die Frage ist dann nur noch: Mit wem will ich diskutieren? Oder sollte ich nicht lieber die Schnauze halten, wenn ich nichts beizutragen habe.

  10. Renington Steele

    @ Dülp:
    >Die oben gestellte Frage. Wo gibt es diesen Kanon nachzulesen? ist genau deswegen eine Frage, auf die es keine Antwort gibt. Man muss sich den Kanon selbst erarbeiten.

    Sehr schön gesagt. Mich erinnert das an Musik. Ich kenne haufenweise Leute, die interessieren sich genau Null für Musik, und hören genau deshalb den letzten Dreck.

    Ich erkenne aber auch das Recht zur Berieselung an, wenn einfach die Lust fehlt, sich mit den Beatles, Led Zeppelin oder eben Abel Ferrara oder Romero auseinanderzusetzen. Bei diesen Menschen fehlt eben das Film-Gen.

    Dass sie aber dennoch ihren Bockmist bis aufs Blut verteidigen, obwohl sie selbst eingestehen, dass es hier und da wackelt, das begreife ich nicht. Wenn einem die Leidenschaft für den Film fehlt, warum dann die Aufregung?

    Dazu ein Zitat von Batz:

    >denn es wird als Angriff auf das eigene Ego empfunden, mit Dingen konfrontiert zu werden die man nicht versteht.

    So wird es wohl sein. Es ist eben das alte Spiel. „Transformers“ ist Opium fürs Volk. So siehts mal aus.

  11. Batzman

    @Dülp

    Genauso sehe ich das auch. Solange jemand argumentiert macht das diskutieren Spaß auch wenn man nicht einer Meinung ist (Wobei: Wenn man einer Meinung ist, diskutiert man ja eh seltener ;)) Aber das reine rausblähen von einer unbgegründeten Meinung, die auch auf Nachfrage nicht artikuliert werden kann, ist für eine Auseinandersetzung völlig irrelevant und interessiert mich überhaupt nicht.

    Würd ich nur wissen wollen, wie Leute einen Film bewerten, würd ich Statistiken lesen oder Umfrageergebnisse. Aber ob Kreti und Pleti mir nun sagen, daß sie Transformers oder Van Helsing voll Hamma fanden, darauf verzichte ich liebend gern, weil es keinen Ansatz bietet sich damit auseinanderzusetzen.

  12. Seppel

    >denn es wird als Angriff auf das eigene Ego empfunden, mit Dingen konfrontiert zu werden die man nicht versteht

    Ich bin mir nicht so sicher, ob sich der Fanboy-Effekt, wie er im Transformers-Thread wunderbar zu begutachten ist, nur auf “Nichtverstehen” reduzieren lässt. Und ich kann jeden verstehen, dem das Blut kocht, wenn behauptet wird, er dürfe seine Meinung zu dem Streifen nur dann äußern, wenn er die Drei-Farben-Filme durchlitten hat.

    Ich verstehe übrigens gar nicht, wieso “elitär” von allen Seiten als was schlechtes verstanden wird?

  13. Renington Steele

    @ Seppel: Ich kann im Gegenzug nicht verstehen, warum sich Fanboys nicht dazu herablassen können, einzugestehen, dass ein Film scheiße ist. Ich bin selbst Star Wars Fanboy und finde den letzten Teil der neuen Teile, trotz enormer Schwächen sehr schön. Und zwar alleine wegen der Szene, in der Darth Vader der Helm aufgesetzt wird.

    Ich habe keinerlei Problem damit, dass der Film auseinandergenommen wird, im Gegenteil: ich finde es witzig. Ganz alleine, weil ich es auf einer anderen Ebene anerkenne, dass der Film formal enorme Mängel hat.

    Was fehlt, ist, wie Batz richtig sagt, die grundlegene Bereitschaft, zu diskutieren. Oder die Fähigkeit. Vielleicht fehlt, wie schon oft an anderen Stellen angemerkt, in Deutschland ein Fach wie in den USA: der Debatier-Club.

  14. cine:plom

    Was ist der Plural von Kanon?…

    Ich möchte fortan jeden Wochentag einen neuen Filmkanon. Wer macht mit?…

  15. Seppel

    Ganz ehrlich, wie man so fanatisch Filme wie Armageddon und wohl Transformers (ich war nicht drin) gegenüber kritischen Äußerungen “in Schutz nehmen” kann ist mir auch ein Rätsel. Da scheint es bei einigen tatsächlich einen Komplex und Abwehr-Reflex gegen “Intellektuelle” zu geben.

    Ich glaube nur nicht so sehr, dass es etwas mit Ego zu tun hat oder dass zu wenig Perpektive auf die Filmgeschichte da ist – einen Pop-Film kann meiner Meinung nach jeder hinreichend gut einschätzen, da brauche ich keine tiefgreifende Fachkenntnis für. Klar ist deswegen nicht jede Meinung gleich wertvoll – und die Spacken aus dem TF-Thread sind eh jenseits von Gut und Böse. Man muss aber auch nicht Film studieren um was zu “Star Wars” sagen zu dürfen, obwohl das eine interessante Perspektive erlauben kann.

    Ein Debattier-Club wäre allerdings mal was.

  16. Christian

    Man kann übrigens auch als Intellektueller “300” und den letzten Michael-Bay-Schinken ganz fanboyig großartig finden und allen anderen Meinungen diskursiv den Vogel zeigen. Man findet nur andere Formulierungen dafür. Ich weiß das, ich mach das manchmal so ;-) Nichtsdestotrotz kann man dabei trotzdem mehr meinen und vermitteln wollen als “ich mag das, ihr mögt das nicht, ich bin toll und ihr seid doof”.

    Diskurskultur wertend zwischen highbrow und lowbrow auszudifferenzieren, erscheint mir für die Fragen hier wenig ergiebig. Eine plump scheuernde Aint-It-Cool-News-Besprechung und ein ehrlich und an der richtigen Stelle angebrachtes “woah, geil, wie sich das Ding da von da nach dort bewegt” kann sachlich informativer und ergiebiger sein als so manche feuilletonistisch oder akademisch inzestuöse Diskursphrasenjonglage. Auch eine “Boah”-Skala kann aussagekräftig sein, wenn sie über mindestens zwei verschiedene belegte Skalenwerte verfügt.

    Am liebsten sind mir die Texte und Auseinandersetzungen, die mit beiden Inventarien umzugehen wissen, dem lowbrow und dem highbrow.

    Ach ja, auch das Kindchen, das nur Actionfilme post 1995 kennt, kann evtl. innerhalb dieser Kenntnis sehr detaillierte Analysen anstellen, zu denen ein reiner Renoir-bis-Antonioni-Experte wiederum vielleicht nicht das notwendige Genre-Wissen aufbrächte. Beides hat seinen Wert.

    Alles ist relativ. Die Welt ist erst einmal ohne Wert. Wir strukturieren sie uns und wir können uns hierzu z.B. einen Kanon aufstellen, einen für den Zweck, einen für den anderen Zweck, einen zum Spaß, einen für die Lehre, einen für das eigene ästhetische Wohlbefinden, einen als gemeinsame Kommunikationsgrundlage, einen mit hohem diskursiven Anspruch und einen als “meine voll krassen Lieblingsfilme”.

    Alles ist erlaubt. Aber es setzt sich das durch, was … Na was sich eben durchsetzt :-)

  17. matz-o-man

    ich stimme mit den Kommentare hier groesstenteils ueberein.

    @Rennington: mein naive Frage war gestellt ohne dem Link zu folgen..

    allerdings muss ich der Aussage: “Einen Kanon muss man sich selbst erarbeiten” in gewisserweise wiedersprechen. Ich wuerde diesen Kanon sowieso eher als Hinweise verstehen. Damit kann ich ne Menge Zit sparen und bekomme einen Hinweis auf Filme auf die ich ansonsten vielleicht nie gekommen waere.

  18. Binding

    Was einen Cineasten ausmacht, ist doch letztlich die Frage, ob er sich wirklich für das Medium Film (als Kunst) interessiert oder nicht. Wenn es nicht so ist, ist er kein Cineast und sucht nur Unterhaltung. Aber wenn es so ist, beschäftigt er sich mit dem Thema auch auf einer übergeordneten Ebene und interessiert sich für filmtheoretische, filmhistorische und filmästhetische Aspekte. Die eingangs erwähnte Frage muss sich jeder stellen, der hier mitdiskutieren will. Natürlich darf jeder eine Meinung haben, aber wer sich die Frage mit “Nein” beantwortet, wird eh kaum verstehen, worum es überhaupt geht – und sollte sich daher erstmal Gedanken über sich selbst machen und vielleicht mal James Monacos Standardwerk “Film verstehen” lesen. Das wäre ein Anfang.

  19. BurgerKurger

    @Nilz: Was hast du denn bitte gegen die Matrix-Trilogie? Ich werd sie mir jedenfalls demnächst wieder reinziehen!

  20. Batzman

    “Film verstehen” da hab ich mich auch durchgequält ;) Monacos hat zwar das Standardwerk geschrieben und es ist viel grundlegendes drin, aber er hat ehrlich nen Stil das es die Sau graust. Es gibt andere Werke wie z.b. von Knut Hickethier fassen ähnlich allgemein zusammen, sind aber wesentlich lesbarer als der olle Monaco.

    Ich stimme aber zu, daß man sich eben fragen sollte ob man überhaupt interesse an einer Auseinandersetzung über Filme hat oder nur irgendwie “meinung” kundtun will. Letzteres find ich halt meist nicht sehr spannend.

  21. Toolscheik

    Sehr interessante Diskussion, hätte ich vielleicht gestern Abend doch nicht noch weggehen sollen.

    Mir persönlich gefällt auch diese Idee vom persönlichen Kanon, der wächst und ständig im Wandel begriffen ist. Das ist dann stets eine bereicherende Erfahrung, zB ist mir damals bei Blade Runner, den ich etwas spät gesehen hatte, aufgefallen, wie allein dessen Ästhethik viele andere Filme nach ihm beeinflusst hatten. Das ist jetzt nicht zwangsläufig eine neue Erkenntnis, da ich dies schon öfter gelesen habe, aber zumindest konnte ich es dann nachvollziehen.

    Da ist dann auch gleich die Parallele zu den anderen Medien, und deren mögliche Kanons.

    Trotzdem bin ich der Ansicht, dass es einen gewissen übergreifenden filmischen Kanon geben müsste, eine Handvoll Werke, nicht viele. Die Auswahl sollte natürlich durch, ich nenne es einfach mal Filmkenner, erfolgen, und keine “wir haben 100 Leute gefragt”-Sachen.

    Im Prinzip gibt es ja schon einen gewissen Meta-Kanon, unausgesprochen, aber innerhalb fachkundiger Kreise, mitunter, einstimmig als “zugehörig” bezeichnet.

    Aber das Grundproblem bleibt.

  22. Toolscheik

    Bezüglich Standardwerke: Schrader verweist ja auf David Bordwell, den ich persönlich auch ganz gut geschrieben finde.

  23. imYemeth

    “Einen Kanon muss man sich selbst erarbeiten”
    Aber ist der Zweck eines Kanons nicht eben der, dass er über eine persönliche Beliebigkeit hinausgeht und versucht aufgrund objektiver Kriterien Filme zu finden die für alle dieselbe Relevanz haben?
    Die lobenswerte Herangehensweise Schraders ist ja grade dass er nicht sagt, den Film finde ich wichtig und darum kommt er auf meine Liste, sondern dass er erst Kriterien entwickelt und dann Filme findet die diesen Kriterien entsprechen.
    Ich kann seine Argumentation und die resultierende Liste weitestgehend nachvollziehen, auch wenn ich selbst nicht Schraders Meinung bin und wohl eher historische Kriterien einsetzen würde (z.B. wenn sie folgende Filme/Regisseure nachhaltig beeinflusst haben, beispielhaft neue Techniken umsetzen…), als ästhetische oder moralische.

    Von den diskussionsunfähigen Menschen mal abgesehen denke ich schon dass ein Kanon eine gute Sache wäre, wenn man ihn ohne Absolutheitsanspruch verfasst: Hier sind 20 Filme, die aufgrund dieser Kriterien wichtig für die Betrachtung von Filmen überhaupt sind… ohne zu behaupten dass dies nun die 20 “besten”, “schönsten” oder “wichtigsten” Filme überhaupt sind, aber eben 20 Filme die man als Diskussionsgrundlage kennen sollte.

  24. noch was?!

    wozu einen filmkanon? wesentlich wichtiger wäre eine art medienkunde, als fach in der schule. wer wirkungsweisen und absichten von Medien einzuordnen und zu analysieren versteht, wird sich selbst eine meinung bilden können und braucht keinen kanon.

  25. Binding

    Medienkompetenz ist das Wort. Und klar ist auch, dass es ohne Medienkompetenz keine ernstzunehmende Filmkritik und auch keinen Kanon geben kann. Und weswegen es einen Kanon braucht, hat Schrader ja sehr gut auf den Punkt gebracht.

  26. WELTRAUMAFFE » Blog Archive » Linksammlung vom 12.12.2007

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    Haha! Well done!

    11/27/14

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    11/16/14

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    pennyfornasa:

    Putting The Cost Of The ESA’s Rosetta Mission In Perspective

    "So what do we get for our €1.4bn? Rosetta is both an astounding feat of engineering (catapulting a tonne of spacecraft across millions of kilometres of space and ending up in orbit around a comet just 4 km across) and an extraordinary opportunity for science (allowing us to examine the surface of a lump of rock and ice which dates from when the Solar System formed).

    Like a lot of blue-skies science, it’s very hard to put a value on the mission. First, there are the immediate spin-offs like engineering know-how; then, the knowledge accrued, which could inform our understanding of our cosmic origins, amongst other things; and finally, the inspirational value of this audacious feat in which we can all share, including the next generation of scientists.

    Whilst those things are hard to price precisely, in common with other blue-skies scientific projects, Rosetta is cheap. At €1.4bn, developing, building, launching and learning from the mission will cost about the same as 4.2 Airbus A380s—pretty impressive when you consider that it’s an entirely bespoke robotic spacecraft, not a production airliner. On a more everyday scale, it’s cost European citizens somewhere around twenty Euro cents per person per year since the project began in 1996.

    Rosetta has already sent us some stunning images of Comet 67P/Churyumov–Gerasimenko and today’s landing will, with any luck, provide us with our first close-up glimpse of the chaotic surface of this dirty snowball. If you’re a sci-fi fan, then, you might consider the mission to have been worth its price tag just for the pictures. The total cost for the Rosetta mission is about €3.50 per person in Europe; based on the average cinema ticket price in the UK (€8.50), it has cost less than half of what it will cost for you to go to see Interstellar.”

    Via Scienceogram: http://scienceogram.org/blog/2014/11/rosetta-comet-esa-lander-cost/

    Find Out How Budget Cuts Canceled NASA’s Own Comet Landing Mission: http://www.penny4nasa.org/2014/11/11/how-budget-cuts-canceled-nasa-own-rosetta-comet-landing-mission/

    11/15/14

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    meatbicyclevevo:

    i never wanted this to end

    10/20/14

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    Life is too short to be holding on to old grudges

    10/20/14