Die Neue Schule des Films

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Schöner Artikel auf Telepolis über die neue Schule des Films, in der die Geschichten sich vornehmlich auf die Protagonisten konzentriert, selbst bei Filmen, die eigentlich auf sinnverschwurbelte Gigantomanie setzen müssten. Als einen der ersten Vertreter dieses Genres nenne ich einfach mal „War of the Worlds“, bei dem Spielberg auf die Darstellung des Weltuntergangs verzichtete und die Story streng auf die Geschehnisse um die Familie fokussierte – und damit einen der besten Vertreter des Katastrophenfilms der neueren Zeit schuf.

Kein Wunder, dass Roland Emmerich mit 10,000 B.C. sehr weit nach hinten in der Menschheitsgeschichte geht. Seine Filme haben spätestens mit Independence Day das Feldherrenhügel-Kino wiederbelebt. Hautnah werden seinen Filme nicht einmal, wenn der Vater seinen Sohn in einer tiefgefrorenen Bibliothek wieder findet. Mussten sie vergangenes Jahrhundert auch nicht sein: Die Aufgabe der Filme war pures Entertainment. Wenn Katastrophen wie etwas zu groß geratene Echsen in New York oder Volksaufstände im Parallel-Ägypten auf der Leinwand tobten, schmeckte das Popcorn. Damit sind diese Streifen von gestern.

Merklich öffnen sich neue Sichtweisen für das Mainstream-Kino, die ihre Anleihen aus Horrorfilm und ihre Kameraführung aus Projekten wie dem Blair Witch Project holen. Was in The Last Winter noch wie ein klaustrophobisches Kammerspiel daher kommt, nähert sich in Right at your Door beklemmend. Was wäre, wenn die großen Katastrophen, beispielsweise eine Naturkatastrophe oder die Explosion der Bombe über Los Angeles, nicht wie in Terminator III aus der Vogelperspektive zu sehen wäre? Brad und Lexi haben keine Verbindung mehr zur verseuchten Außenwelt. Und die Zuschauer haben ihre Allwissenheit verloren. Sie bleiben mit den Protagonisten am Ort des Geschehens gefesselt.
Last Winter

“Lost”-Produzent J.J.Abrams spitzt dieses Wahrnehmungsverfahren noch weiter zu und dreht einen Monsterfilm im Stil eines YouTube-Videos. Die verwackelte Kamera fängt Partybilder ein und bleibt das einzige Auge, das die Zerstörung einer Stadt aufzeichnet. Konsequenterweise verweigert sich der Film aller Vorabinformationen. Nicht-Wissen gehört zum ästhetischen Kalkül des Films. Die dadurch höhere Komplexität in der Rezeption trägt einem Vermarktungsprinzip Rechnung, das Steven Johnson als Konsequenz der medialen Mehrfachverwertung sieht. Was nicht bei einem ersten Sehen komplett entschlüsselbar ist, kann sich Chancen auf dem DVD-Markt ausrechnen.

Klar ist, dass nicht alle Filme diesen Schwenk brauchen. Es gibt natürlich weiterhin Evan Almighty. Hier fehlt der Abstand zu Bambi-Filmen, um wirklich als Satire ernst genommen zu werden oder mit der genannten Stimmung Nähe zu erzeugen. Solche Filme wenden sich auch eher an grölende Achtjährige.

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