Resident Evil: Extinction

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“You’re just another asshole…!”

Originaltitel: Resident Evil: Extinction
Herstellungsland: Australien / Deutschland / Frankreich / Großbritannien / USA
Erscheinungsjahr: 2007
Regie: Russell Mulcahy
Darsteller: Milla Jovovich, Oded Fehr, Ali Larter, Iain Glen

★★★½☆

Resident EVil III

Die Welt hat sich weiter gedreht. Die virale Zombieinfektion hat die Erde verkarstet und die meisten Menschen dahingerafft um sie als Untote neu erstehen zu lassen. Zurückgezogen in ihren unterirdischen Hives bastelt die Firma Knirps aka Umbrella Corporation weiterhin an einem Gegenmittel.
Man hofft die Zombies zähmen zu können, aus einem Antiserum, welches man aus dem Blut von Alice-Klonen zusammenbraut. Dafür verschleisst man Alice’ in rauhen Mengen.
Die echte Alice (Milla Jovovich) durchstreift derweil die öde Welt, rangelt sich mit Zombies, Hinterwäldlern und versucht von der Umbrella-Meshpoke unentdeckt zu bleiben.
Das ändert sich, als sie auf einen Konvoi überlebender trifft, die sich in einem Wüstenkaff einer Horde Zombiekrähen erwehren müssen. Alice hilft ihnen und versucht die Truppe nach Alaska zu führen. Angeblich gibt es dort eine sichere Enklave. Doch vorher muß man noch nach Las Vegas um Vorräte und Benzin zu bekommen. Und dort lauert eine ganz neue Gefahr…

Okay es gibt zwei Arten von Zombiefans. Solche die Resident Evil hassen und als Kinderkacke abtun und solche die zwar erkennen, daß es sich hier um Mainstream-Zombies handelt, aber dennoch gerne sehen wie Milla den Hackfressen in die Eingeweide tritt. Ich zähle mich eindeutig zu letzteren, denn ich mochte den ersten Teil, der trotz eines FSK16-Schnitts einige schöne Schockszenen, nebst Referenzen auf die Romero-Klassiker bot. Der zweite Teil war da schon schwieriger, war er doch trotz 18er Freigabe extrem zahm und belanglos geraten. Ohne Milla, hätte er sich von mir sicher einen Totalverriss eingefangen.
Dem dritten Teil sah ich also mit gemischten Gefühlen entgegen, schöpfte aber Hoffnung als der Regisseur Russel Mulcahy verkündet wurde. Ich glaube an den Mann, auch wenn er seit Highlander nichts wirklich großes im Kino mehr abgeliefert hat (dafür aber bei den ersten Folgen von “Queer as Folk”-Regie führte und dessen Look mitbestimmte). Er hat selbst in mittelmässigen Filmen ein Händchen für große Bilder, für Gravitas, für schwarzen Humor und nicht ganz ernstgemeinte Posen.

Und meine Hoffnungen haben sich in bescheidenem Rahmen erfüllt. Man sollte nicht mit großer Erwartung an einen “Resident Evil”-Film herangehen, aber man kann gute Unterhaltung und Spaß erwarten. Mulcahy ist nach dem eher mauen zweiten Teil eine willkommene Ergänzung auf dem Regiestuhl, den er bringt zum einen den dringend benötigten Scope in die Geschichte, schafft es wirklich mal apokalyptische Bilder einer zerstörten Welt zu zeigen und was noch wichtiger ist, er bringt in mehr als einem Sinn frisches Blut in die Reihe.

Denn wenn man den “Resident Evil”-Filmen etwas vorwerfen konnte, war es ihre blutarmut, die Scheu mal wirklich im Gekröse zu mantschen, was einem Zombiefilm meist nicht so gut bekommt. Der erste schaffte es mit Andeutungen und recht dichter Spannung darüber hinwegzuhelfen, der Zweite versagte leider völlig, weil er glaubte Rumgeballere wäre ein Ersatz für Zombies. Mulcahy gibt uns endlich wieder latschende Leichname aus der großen Tüte. Nicht so elaboriert wie in “Land of the Dead” aber sehr viel detailreicher als in den Vorgängern, stapfen hier Hunderte von Zombies durch die Gegend. Sogar fressen dürfen sie diesmal, was man ihnen bisher auch versagt hatte.
Das Gore-Level ist zwar immer noch eher im mittleren Bereich anzusiedeln, aber deutlich höher als bei 1 und 2. Kopfschüsse, Bisswunden und dank Millas mobiler Macheten körbeweise zerschlitzte Untote und gespaltene Schädel. Das ein oder andere Romero-Zitat wird sich auch hier wieder finden.

Zudem schafft es Mulcahy, nach einem Drehbuch von Paul W. S. Anderson, der im ersten Teil noch Regie führte, die Geschichte einigermaßen schlüssig weiterzuerzählen, wobei er hauptsächlich an den ersten Teil anschließt und aus dem Zweiten nur das Nötigste übernimmt. Alice hat durch Kontakt mit dem T-Virus besondere Kräfte, die sie nur unzureichend beherrscht, noch immer hat sie Schwachstellen, die die Umbrella Corp ihr als Sicherung eingepflanzt hat und noch immer ist sie 1000x cooler als 10 Vin Diesels zusammen.

Ich weiß, Milla spaltet die Lager. Die einen lieben sie, die anderen hassen sie. Ich finde, sie ist eine der wenigen wirklich coolen Actionfrauen und wenn ich mich je vor einer Horde Untoter, GEZ-Fahnder oder Abmahnanwälte retten lassen müsste, dann nur von ihr.
Nach wie vor schafft sie ihre seit “5th Element” erprobte Mischung aus hilfloser Kindfrau und tougher Megabitch überzeugend zu präsentieren. Selbst als Mad Max-Milla-Verschnitt macht sie im Staubmantel und engem Höschen eine gute Figur. Immer hart am Rande der Comicfigur und der Selbstparodie, macht es dennoch Spaß zu sehen, wie sie unkaputtbar den mutierten Matschköppen Zunder gibt. Ausserdem besitzt Alice die geniale Fähigkeit in Nahaufnahmen einen Airbrush-Weichzeichenfilter einzuschalten, der ihr Gesichts stets aussehen lässt, wie ein Titelblatt der Amica oder TV-Spielfilm. Das soll ihr mal einer nachmachen!

Die im letzten Teil noch so irritierende Wackelkamera kommt in diesem Film dankenswerter Weise nur selten zum Einsatz, die Actionszenen sind insgesamt origineller und übersichtlicher choreographiert. Die Musik ist Dienst nach Vorschrift und bietet im Abspann eine schöne Post-Grunge-Version von White Rabbit.

Realistisch oder superlogisch ist das ganze natürlich an keiner Stelle, noch leugnet der Film seine Herkunft. Die Anklänge an die Game-Reihe sind optisch wie inhaltlich noch immer gegeben, stören aber wohl die breite Masse an Zuschauern nicht, die nie einen virtuellen Spaziergang in Racoon-City gemacht haben. Optisch war Exctinction für mich bisher der überzeugenste Film der Reihe, bietet soliden Mainstream-Zombie-Horror der diesmal deutlich blutiger und spassiger ausfällt als sein Vorgänger.

Die Hardcore-Gucker bleiben wohl weiterhin besser daheim, ich freu mich derweil of “Resident Evil 4: A fistful of Millas” :=)

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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27 Comments

  1. Marcel

    moment jetzt. videospielverfilmung, renzensiert vom batz, 3,5 punkte. irgendwas stimmt hier nicht, meine erkältung scheint mich grad endgültig umzuhauen ;)

  2. Denis

    Als ich eben die 3 1/2 Sterne gesehen hab, hab ich definitiv erwartet, dass jemand anders als Batzmann das Review geschrieben hat ^^.

    ansonsten super Review, spoilerfrei, und ganz oft “Milla” oder “Alice” *gg*

    kleinere Rechtschreibfehler, die mir beim lesen ins Auge gesprungen sind:
    3. Absatz:
    “Man sollte nicht mir großer Erwartung” mir -> mit

    “Ergänzung auf dem Regiestuhl, den er bringt zum”
    den -> denn

    5. Absatz:
    “hat und noch immer ist 1000x cooler als 10 Vin Diesels”
    -> noch immer ist “sie”

    Grüße

    Denis

  3. Tino

    Sehr gut Denis, vielen Dank für die Hinweise. -.-

    Keks?

  4. DraMaticK

    Top! Ist gekauft/geguckt. Das wär er aber auch ohne das Review ;)

  5. quietearth

    Hm … Ich war gestern abend in dem Film und muss sagen, dass er mich nicht vom Hocker gehauen hat. 3 1/2 Sterne – wofür? Für mich war der Film ähnlich schlecht wie Fantastic Four 2. Ich wei nicht, aber irgendwie wollte der Film nicht so recht in die Gänge kommen. Der Anfang ließ viel erwarten. Leider schloß sich daran ein Mittelteil an, der – man kann es nicht anders sagen – weit hinter den am Anfang aufgebauten Erwartungen zurück blieb. Der Schluß hingegen war wieder etwas besser. (Mal abgesehen davon, dass das Ende mal wieder offen bleibt.)
    Alles in allem würde ich der Wertung einen Stern abziehen. Aber das ist ja bekanntlich Ansichtssache.

  6. David

    Wie kann man den Regisseur loben?
    Das Wegfahren mit der Kamera, um die 1000 Klone zu zeigen, das Vorbeihuschen(!) von Schatten hinter Alice unten im Bunker (der Typ hält sich für einen Gott und huscht heimlich im Hintergrund rum?), die “Schock”-Effekte, wenn sich jemand umdreht und da ein Zombie ist und jeder wusste schon vorher, was passiert…
    Alles schon dagewesen, alles bekannt, nichts überraschend. Alles schon in tausend anderen Filmen dieser Art gesehen.
    Was mit der Gruppe passiert ist bleibt offen,allgemein ist das Ende das schlechteste an dem Film. Popcorn Kino, mehr nicht.

  7. Denis

    @ Tino:

    normalerweise sind die Freunde dankbar für solche hinweise und ändern das dann fix ab.

    zumindest soweit mir das aufgefallen ist.

    War ja auch nicht besserwisserisch oder so gemeint. Aber wenns nicht gerne gesehen wird, dann wirds nich mehr vorkommen.

    Nichts für ungut

  8. Batzman

    @Denis

    Hey kein Stress, Hinweise auf Typos find ich völlig okay. Du hast was zur Kritik geschrieben und die Typos angemerkt, da hab ich gar kein Problem mit und werd das auch ändern.

  9. SpielerZwei

    Ich finde es ja ein wenig schade, dass sich hier augenscheinlich so wenig Zocker herumtreiben. Damit wird mir der größte Spaß an Diskussionen um die Resi-Filme genommen, denn viele Fans der Spiele finden die Filme nicht “werkgetreu genug” und ich halte dann immer kräftig dagegen, weil ich alle Resi-Spiele vor Teil 4 total zum Kotzen und extremst überbewertet finde.
    Schade…

  10. Vagabond

    Menno… ich hatte mich schon auf einen herzhaften Verriss gefreut.

  11. Frank

    War der…. schlecht. Früher gab es solche Filme für eine Mark als Ramsch-VHS, heute sind es Blockbuster. Degeneration?

  12. Vagabond

    Sorry für Doppelpost:
    Das sehe ich ähnlich, SpielerZwei. Die RE-Teile vor Nummero 4 haben die Dynamik eines Kontinentaldrifts. Daher ist mir die Werktreue auch ziemlich egal, gute Filme sind die ersten beiden aber trotzdem nicht.

  13. Marcel

    @5 (batz)

    hast du einen zwillingsbruder? ;)

  14. Gasoline

    @Spieler 2:
    Ich liebe die Resident Evil Spiele. Der erste Film trifft – wie ich finde – das Ambiente der Spiele recht gut. Teil II der Filmreihe war… naja. Ganz unterhaltsam, wenn man ihn von der RE-Reihe losgelöst betrachtet. Denn wer mit Jill Valentine Nemesis besiegt hat, der war von dieser Nemesis-Version – Milla hin oder her – schon ein wenig enttäuscht (zumindest ich).

    Teil III wird vermutlich heute Abend fallen. Egal wie die Kritiken ausfallen. Mehr als Pop-Corn-Kino erwarte ich gar nicht!

  15. Flusskiesel

    Komich – wieso habe ich die Kommentare für diesen Eintrag abonniert, obwohl ich bisher gar keinen Kommentar abgegeben habe?

    Auf jeden Fall:
    Für die Milla würde ich mir sogar solchen Zombie-Stuss ansehen. ;-)

  16. thadeus

    “Und meine Hoffnungen haben sich in bescheidenem Rahmen erfüllt. Man sollte nicht mit großer Erwartung an einen “Resident Evil”-Film herangehen, aber man kann gute Unterhaltung und Spaß erwarten.

    Müsste da nicht Renington Steel Terror machen?

  17. paliato

    hehe, der satz zum weichzeichner gefällt mir. dermaßen auffällig hab ich das länger nicht mehr gesehen.
    deiner review kann ich im großen und ganzen zustimmen. allerdings habe ich da mehr negative punkte auf der liste wie zB die schon erwähnten (vorbeihuschen? hallo? buh-effekte …). mir kam der ganze film etwas “lala” vor. es fehlt mir irgendwie der spannungsbogen (nagut, den gabs im miesen zweiten auch schon nicht) und auch die richtig fette action, sozusagen.
    naja, ich schaue ihn mir lieber nochmal an, bevor ich meine endgültige meinung bilde, aber im moment bin ich hin und her gerissen zwischen doch ganz ok finden und irgendwie blöd finden. milla ist allerdings immer ein argument für ersteres :D

  18. Gasoline

    Ok, hab ihn nun gesehen und… bin enttäuscht.

    Kein Spannungsbogen, hölzern durch die Gegend staksende Charaktere, deren (vorhersagbares) Schicksal den Zuschauer völlig kalt lässt und Dialoge, die mir noch sinnleerer vorkamen, als in den ersten beiden Teilen (was schon eine stolze Leistung darstellt).
    Positiv sind mir eigentlich nur Alice’s erster Auftritt und einige schöne Blider aufgefallen. Und der “Endkampf” war ja wohl extrem unspektakulär.

    Alles in allem eine weitere Filmreihe, wo der erste Teil durchaus sehenswert, der Rest aber vernachlässigbar bis überflüssig ist.

  19. www.GlotzKind.de - Blog

    […] verkorkst und will nie so wirklich passen. Ein Besonderheit kommentiert der Batzman bei den Fünf Filmfreunden so: “Ausserdem besitzt Alice die geniale Fähigkeit in Nahaufnahmen einen […]

  20. suicide

    Es gibt eigentlich 3 Arten. Die 3. Art sind Zocker, die die Spielserie gut finden aber von den Filmen enttäuscht sind. Zu denen gehöre ich. Teil 1 war noch ganz OK, aber Teil 2 war einfach nur schlecht. Und Teil 3 schau ich mir nur an, wenn ich dazu gezwungen werde ;)

    Ach wäre das schön gewesen: Ein geiler Splatter/Grusel Film im Herrenhaus.

  21. Batzman

    @ mal

    Gedöns ;)

    Wer Transformers mag darf sich zu RE nun wirklich nicht negativ äußern. Gegen Transformers ist jeder Resident Evil Film noch Citizen Kane.

  22. Mal Sehen

    Alter, ich hab mir gestern den Film angeschaut und was soll ich sagen..?

    Es gibt wissenschaftliche Beweise dafür, dass es keinen schlechteren Film in den letzten 5 Jahren gegeben hat, als diesen. Punkt. Dies ist nicht von der Hand zu weisen, mit keiner einzigen Argumentation!

    Ich will wirklich kein Filmenazi sein, aber dieser Film ist abscheulich schlecht. IIch weiß nicht wann ich das letzte Mal soviele Gehirnzellen verloren habe, als bei diesen anderthalb Stunden! Ich will mein Leben wieder!!!

  23. Mal Sehen

    Nee, wirklich: Ich schaue mir mit der Kleinen dutzende Filme aus der Liga “Anaconda” an, weil dieser Schrott das Hirn herrlich freispült, aber so einen Scheiß habe ich seit “Americas Most Wanted” und “Battlefield Earth” nicht gesehen! Ich habe ihn nicht einmal ausmachen können, so paralysiert war ich!

    Und meine Fresse: Ich kenne mich mit schlechten Filmen wirklich aus. Wie du erwähntest: Ich konnte mich sogar an Transformers erfreuen!

  24. DarklordofPeel

    @ Mal

    Gegenbeweiß:

    Meet the Spartans!

    nuff said :)

  25. Mal Sehen

    Verdammt…

    Ok, Nach Meet the Spartans der mieseste Film der letzten Jahre!

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