Es herbstelt mal wieder. Das richtige Wetter für einen Kino- oder DVD-Abend. Zeit für ein paar Filme im Quickcheck.
STELLUNGSWECHSEL +++ INVISIBLE +++ ENTTARNT – VERRAT AUF HÖCHSTER EBENE +++ CLOAKA +++ ZONING
Stellungswechsel – Deutschland 2007
Ratlose Männer in Zeitalter der Post-Emanzipation. Fünf Kerle, vom schüchternen Jüngling, über den arbeitslosen Schriftsteller, bis zum ehemaligen Geschäftsführer sehen sich damit konfrontiert, daß ihre klassischen Wertvorstellungend und Erfolgsmodelle nicht mehr funktionieren. Sie sind arbeitslos, chancenlos und verstehen nicht mehr was die Frauen eigentlich wollen. Vollends ins Wanken gerät ihr Weltbild, als sie feststellen, daß es Frauen gibt die ihnen Geld zustecken um sich sexuelle Gefälligkeiten zu erkaufen.
Im von der Pleite bedrohten Feinkostladen ihres Kumpels raufen sich die fünf zusammen und beschließen in die Offensive zu gehen. Wenn die Frauen schon die Macht übernommen haben, dann wollen sie daran partizipieren. Sie gründen einen Call-Boy-Dienst und bieten ihre Dienste auf einer Internetseite an. “Deutsche Feinkost zum anfassen – Mit Orgasmus-Garantie”. Nur zu dem dumm, das sie alle nicht grade Experten sind, was die Erfüllung ihrer Kundenwünsche angeht.
Stellungswechsel hat viele gute Ideen und eine extrem sympathische Besetzung. Von Herbert Knaup, über den purzligen Kostja Ullmann und den liebenswert hilflosen Florian Lukas. Es gibt viele gute One-Liner und gelungene Gags, die den Film nicht langweilig werden lassen. Dennoch bleibt am Ende ein wenig das Gefühl einen Snack, statt eine vollwertige Mahlzeit bekommen zu haben. Denn nach einem elaborierten Setup, kollabiert die Story, wenn es denn endlich mal losgehen soll. Die eigentliche Story um die Call-Boy-Agentur wird nach ewiger Vorbereitung sehr schnell abgehandelt und reichlich gehudelt zum Schluss in ein Happy-End überführt.
Dazu kommt, daß es dem Film optisch an Ideen mangelt, was sicher nicht nur am eher überschaubaren Budget gelegen haben wird. Das ganze wirkt leider wie ein TV-Film der nur durch Zufall im Kino läuft. Und wahrscheinlich ist er im TV oder auf DVD auch besser aufgehoben, denn Spaß macht er trotz seiner Schwächen durchaus, auch wenn ein paar Drehbuchüberartbeitungen mehr ihm sicher ganz gut getan hätten.
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The Invisible – Gefangen im Jenseits – Schweden 2002





Moment mal, die Story kommt einem doch bekannt vor? Ein Teenager kommt nach einem unerfreulichen Abend nach Hause um festzustellen, daß er ein Geist ist? Ganz genau, diese Story durfte man grade im Kino erleben, denn wieder einmal hat sich Hollywood bei einem skandinavischen Film bedient.
Hier nun also das Original, das, wen wundert es, mal wieder origineller und spannender ausgefallen ist. Niklas Reaktion auf seine Situation, sein Frust darüber als Geist durch die Welt zu irren und zu niemandem Kontakt aufnehmen zu können ist mit drastischen Szenen und schwarzem Humor, aber auch melancholischer Trauer versetzt. Die Suche nach seinen Mördern (oder war es eine Mörderin), die Frage ob er überhaupt wirklich tot ist, hält eine geschickte Ballance zur grimmigen Schilderung des jugendlichen Alltags seiner Protagonisten, die fast so ziellos durch ihr Leben steuern, wie der geisterhafte Teenager.
Wer einen Horrorthriller erwartet kjönnte enttäuscht werden, aber wer sich auf eine ebenso spannende wie schwarze Reise in schwedische Alltagsabgründe einlässt wird eine positive Überraschung erleben.
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Enttarnt – Verrat auf höchster Ebene (The Breach) – USA 2007





Der kleine FBI-Trainee Eric O’Neil fühlt sich geehert als man ihm einen gewichtigen Auftrag zuteilt. Als persönlicher Assistent des hochrangigen FBI-Spezis Hannssen, soll er diesen Überwachen, denn man vermutet, daß dieser Geheimnisverrat mit höchstsensiblen Informationen betreibt.
Doch schon bald gerät er in eine Zwickmühle, er respektiert Hannssen und es fällt ihm schwer zu glauben, daß dieser Profi, dieser routiniert und Anti-Spionage-Experte selbst zum Verräter geworden sein soll. Obendrein belastet das doppelte Spiel, daß O’Neil treiben muß seine Beziehung und er läuft Gefahr droht mehr zu verlieren, als nur den Respekt von Hannssen…
Der auf einer wahren Begebenheit basierende Thriller, der die Story des schwerste Sicherheitslecks der jüngeren US-Geschichte nacherzählt, lebt von seiner starken Besetzung. Die Kammerspielartig inszenierte Freund/Feindschaft zwischen Ryanne Phillippe als O’Neil und Chris Cooper als Hannssen hält einen über die volle Laufzeit bei der Stange. Der Film ist klassisch inszeniert, ohne größere Mätzchen und Spielereien, verlässt er sich auf die Spannung der eigentlichen Geschichte und erinnert damit an die großen Spionage-Thriller der 70er und 80er Jahre. Wohl nichts für das breite Publikum, daß mehr Schauwerte und Action erwartet, aber unterhaltsames Futter für alle die auf kondensierte True-Crime-Filme stehen.
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Cloaca – Niederlande 2003





Auch wenn der Titel derbe Assoziationen nahelegt, geht es in dieser Theater-Verfilmung doch mehr um die inneren Abwässer und Abgründe der Figuren. Vier Studienfreunde, alle mittlerweile in den 40ern, finden notgedrungen wieder zueinander. Jeder hat seine eigenen Probleme, vom Politiker bis zum düpierten Verwaltungsangestellten, bis zum süchtigen Künstler. Für sie alle wird es Zeit Rückschau zu halten, sich zu fragen wo sie gelandet sind und wie es weitergehen soll. Fehler haben sie alle gemacht und jetzt sind sie aufeinander angewiesen, denn alleine kommt keiner aus dem Schlamassel wieder raus, der sein Leben darstellt.
Das Theaterstück, das in London u.a. auch von Kevin Spacey inszeniert wurde und in Deutschland mit Rufus Beck auf die Bühne kam, bietet in seiner Filmversion viel Platz für Drama und zugespitzte Dialoge. Die Besetzung ist in topform und verliert bisweilen nur dadurch, daß man das ganze zu filmisch aufbereitet hat. Um Abwechslung bemüht werden viele Szenen auf unterschiedliche Locatiosn verteilt, die im Theater kondensierter, auf wenige Orte beschränkt blieben. Das nimmt der Story manchmal etwas von ihrer klaustrophobischen Unaufhaltsamkeit. Dennoch fasziniert es diese vier Midlife-Krisen auf Beinen dabei zu beobachten wie sich gegenseitig fertig machen, auf die Palme bringen und dann doch wieder aneinander hängen. Kein “einfach-so-wegguck”-Film aber ein guter Ersatz für einen Theaterabend.
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Zoning – Deutschland 1986





Ein Ultra-Modernes Hochhaus, zwei Männer und eine wahnwitzige Idee. In einem Raum, der beim Bau vergessen wurde richten sie sich ein und begehen von dort aus Überfälle, versetzen die Mitarbeiter in Angst und Schrecken und werden von Mal zu Mal dreister.
Hier wurde ein Filmkleinod aus deutschen Landen wiederveröffentlicht, daß in den 80ern Seltenheitswert hatte: Ein Thriller aus Deutschland. Kein kopflastiges Grübeldrama, keine Beziehungskomödie, kein Slapstickklamauk. Neben “Abwärts” ist Zoning einer der wenigen konsequenten Versuche eine mainstreamige, spannende Story zu erzählen, die sich eindeutig an Hollywood-Vorbildern orientiert ohne diese einfach zu kopieren. Zwar wirkt der Superwolkenkratzer heutzutage nicht mehr so spektakulär wie damals, sind einige der Tricks und Computertüfteleien überholt, dennoch kann der Film noch immer unterhalten und überzeugen und bietet einen schönen Einblick ins Yuppie-Jahrzehnt aus deutscher Sicht.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Oktober 7th, 2007 •
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