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“Und wo solls hingehen?”

Originaltitel: Sophiiiie!
Herstellungsland: Deutschland 2002
Regie: Michael Hofmann
Darsteller: Katharina Schüttler, Alexander Beyer, Martin Brambach, Ercan Durmaz, Robert Stadlober

★★★★☆

Sophiii

Sophie (Katharina Schüttler) irrt durch die Nacht. Zielllos, getrieben davon irgendwo anzukommen. Ihr Ziel ist nur scheinbar klar. Am Morgen hat sie einen Termin für eine Abtreibung, denn Sophie ist nach einer Vergewaltigung schwanger.

Ihr Freund hält zu ihr, doch sein absolutes Verständnis treibt die junge Frau nur noch weiter fort. Sophie sucht den Absturz, zieht durch Kneipen, fängt Streit mit den betrunkenen Gästen an, steigt in Taxis und fragt die Fahrer wo sie hinwollen. Landet in Puffs, Hotels und Kinos.

Kreuzt den Weg von schüchternen Jüngelchen, arroganten Angestellten, biedern Familienvätern und durchgeknallten Psychopathen. Sophiee wird diese Nacht nicht so schnell vergessen.

Was Katharina Schüttler (hochgelobt für ihre “Hedda Gabler” Interpretation an der Berliner Schaubühne) hier abliefert rechtfertigt die vielgenutzte Formulierung, der schauspielerischen Tour de Force. Sie ist es die den FIlm trägt, die die Handlung beherrscht und die es schafft die im Grunde tragische Geschichte zu keinem Zeitpunkt moralinsauer, weinerlich oder belehrend wirken zu lassen. Ihre Sophie ist hochgradig irritierend, witzig, schlagfertig und eindeutig an der Klippe zum Selbszerstörerischen. Es hat etwas voyeristisches, wenn man sieht wie diese junge Frau scheinbar sehenden Auges von einer brisanten Situation in die nächste stolpert.
Ob sie anfängt Trucker in der Bar anzupöbeln und fast vergewaltigt wird (und sich nur retten kann, indem sie die Genitalien ihres Angreifers als Geisel nimmt) oder ob sie scheinbar naiv mit einer Rotlichtgrösse ins Hinterzimmer geht und schon bald darauf einer Waffe gegenübersteht. Stets ist Sophie offensiv, agressiv und dennoch verletzlich und im Endeffekt völlig überfordert mit sich und ihrer Situation. Wenn ihr der schüchterne Kinoangestellte, mit dem sie sich in ein Hotelzimmer flüchtet gesteht er wolle “nicht sofort Sex” mit ihr, weil er sie erst besser kennenlernen wolle, dann kann sie damit nicht umgehen, verspottet ihn und lässt ihn fluchend zurück.

Bis zum Morgen wird sich einiges klären um dann dennoch nocheinmal zu kippen… und auch das Ende lässt die Zuschauer geschockt und irritiert zurück.

Die rauhe ungeschliffenen Polaroid-Optik in der der Film gedreht ist, verstärkt dabei den Eindruck der Momentaufnahme. Man beobachtet diese junge Frau bei ihrer Odyssee, ohne das Gefühl einer bewussten Inszenierung zu haben. Fast dokumentarisch stolpert man mit Sophie durchs nächtliche Hamburg, durch Taxis, Ubahnen, Kneipen und Cafes, bis man fast ebenso ermattet wie sie dem Tagesanbruch entgegensieht.

Ein starker Film, den sein galliger, trockener Humor stets davor bewahrt langweilig und melodramatisch zu werden.

***

Die DVD bietet ein solides Bild, Trailer, B-Roll-Material und Interviews mit den Darstellern. Ein Audiokommentar fehlt leider, denn ich hätte gerne gewusste, wie man einige der drastischeren Szenen gedreht hat. Dennoch eine empfehlenswerte Scheibe und begrüssenswert, das dieser Film doch noch den Weg auf DVD geschafft hat.

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7 Kommentare

  1. und dann nur 3,5 sterne? bezieht sich die wertung auf die dvd oder ausschließlich auf den film?

    Kommentar #1 von pulmoll am 07.10.2007 um 15:49 Uhr

  2. Okay, die Wertung war für die DVD gedacht, aber als Film hat er 4 verdient… :)

    Habs geändert

    Kommentar #2 von Batzman am 07.10.2007 um 16:58 Uhr

  3. Hab den damals im Kino gesehen, hat mich schwer verstört, was sehr positiv gemeint ist.
    Sollte man sich antun, aber leider bin ich mit deinem Text nicht ganz einverstanden. An der Klippe zur Selbstzerstörung? Sie macht und lässt sich mit voller Konsequenz kaputt machen, und das in einer Intensität die mich völlig geschafft hat. Das ist doch gerade das Interessante am Film.

    Kommentar #3 von V'kar am 07.10.2007 um 21:05 Uhr

  4. @V’kar

    Du hast Recht aber ich würd nicht sagen, daß die Formulierung deiner Aussage widerspricht. Es ist eine bewusste Selbstzerstörung, die aber dennoch aus der Affektsituation heraus entsteht. Ich bin mir nicht sicher, daß sie am nächsten Morgen alles noch genauso wieder tun würde…

    Kommentar #4 von Batzman am 08.10.2007 um 02:57 Uhr

  5. Danke für das Review. Werd mir den Film hoffentlich demnächst ansehen können.

    Kommentar #5 von aragon am 10.10.2007 um 13:18 Uhr

  6. Film kam heute nacht auf ard und ich bin davon schwer mitgenommen. Also was Frau Katharina Schüttler da leistet find ich ganz groß.

    und egal wie schlecht das Fernsehen sonst ist….wenn ich die Möglichkeit habe per Zufall im nächtlichen Programm auf so einen Film zu treffen… kann es nicht so schlecht darum bestellt sein. …meiner meinung nach

    Kommentar #6 von temper am 16.03.2009 um 02:55 Uhr

  7. da ich bis vor kurzem noch in berlin gelebt habe, hatte ich das vergnügen katharina schüttler live in der schaubühne in den stücken “zerbombt”, “hedda gabler”, “trauer muss elektra tragen”, “penthesilea” zu sehen”. eine schauspielerin, die sich konsequent einem wie auch wie immer gearteten mainstream widersetzt und immer eine herausforderung darstellt.

    Kommentar #7 von volker garbers am 16.03.2009 um 22:06 Uhr

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