Review

Chasing Ghosts: Beyond the Arcade

Standard, 22. 10. 2007, Anne, 4 Kommentare

Chasing Ghosts: Beyond the Arcade ist kein Dokumentarfilm, er ist eine Liebeserklärung. An eine Zeit, in der Spielhallen für viele nicht bloß zum neuesten Zeitvertreib, sondern einer wahren Lebenseinstellung wurden. Zwischen wildem Gefiepe und großen Pixeln wurden die Geeks von nebenan, Ende der 70er plötzlich zu Superstars, als sie schier unerreichbare Rekorde aufstellten und dafür willentlich unzählige Stunden lang den Ruf der Natur überhörten. Die Teens und Twens (sämtlich männlich, natürlich) wurden am Ende sogar auf der Straße erkannt, durften sich in Fernsehshows messen und eine bisher eher unpopuläre Stadt namens Ottumwa in Iowa wurde zum Nabel der Spielwelt. Indem sie sich selbst zur Video Capital of the World ernannte, jedoch stets fleißig in Person von Walter Day, die von den Arkaden-Jüngern erreichten Höchstleistungen dokumentierte. Ruhm gab es für 25 Cent, those days.

Der Film präsentiert auf charmanteste Art und Weise, Eindrücke von damals und lässt die Glanzzeit von Pac-Man, Space Invaders und grober Grafik erneut aufleben. Dies gelingt nicht zuletzt so gut, weil seine Protagonisten vorwiegend einfach unglaublich sympathische Nerds sind, die schlicht ihrer Leidenschaft fürs Videospiel frönten und eventuell das ein oder andere Groupie – Ich wollte es zuerst auch nicht glauben, aber weshalb sollte das hüben anders sein, als drüben? – nicht verschmähten. 1984 war jedoch die ganze Spielhallenfreude nicht nur auf dem absteigenden Ast, weil die Konsolen ihren heimischen Siegeszug antraten, sondern quasi schon längst wieder Geschichte. Doch sieht man in Chasing Ghosts ebenso, wo die einstigen Bezwinger von Q*bert und Frogger heutzutage gelandet sind und was diese Zeit schließlich für sie bedeutet. Ich bin wirklich sehr begeistert von dieser Doku und würde sie nicht nur beinharten Zockern aufs Allerwärmste weiter empfehlen. Schließlich zähle ich mich selbst auch nicht zu jenen und kannte so manches Spiel kaum namentlich. Von den damaligen Arkaden-Stars einmal ganz zu schweigen. Komplette Newbies erhalten jeweils eine bestens visualisierte Einführung ins spielerische Geschehen und wahre Fans schmunzeln halt selig im Kinosessel. Dieser Film ist und macht in erster Linie einfach das, worum es damals ursprünglich immer ging: Spaß!

(Ich gestehe: Eigentlich hatte mich der Regisseur bereits am liebenswerten Schlafittchen, als der Space Age Love Song zu Beginn erklang. I have a soft spot for it, as they say…)


Direkt drauf los spielen

 
 
 
Anne bloggt normalerweise auf Ohwhataworld.de über alles mögliche. Das sind besonders Dinge, die ihr Herzchen bumpern lassen und dies können wunderbare Musik, großes Kino, fantastische Konzerte, bewegende Literatur, Skandinavien oder auch die Muppets sein. Oder eben einfach nur Gedanken, die so in ihr hochblubbern.

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4 Kommentare

  • Reply Mama 2. 11. 2007 at 0:14

    What´s the name of the song at the beginning?

  • Reply schocklage » Blog Archive » random zeug 23. 11. 2007 at 20:32

    […] kinofilm über arcade games? aber klar […]

  • Reply Dokumentation: Chasing Ghosts – Beyond The Arcade : misterhonk.de 22. 2. 2010 at 2:06

    […] Ghosts ist eine höchst sehenswerte Dokumentation Liebeserklärung an das Goldene Zeitalter der Videospielgeschichte, deren Helden sowie Weltmeister der 1982er Arcade […]

  • Reply Doku: Chasing Ghosts – Beyond the Arcade - Nerdcore 24. 2. 2010 at 12:01

    […] drei Jahren schrieb Anne bei den Filmfreunden ein Posting zur Doku „Chasing Ghosts – Beyond the Arcade“, die genau wie „King of Kong“ (eine Doku […]

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