Free Rainer – Dein Fernseher lügt!

13 Comments

“Die Erde ist doch eine Scheibe…”

Originaltitel: Free Rainer
Herstellungsland: Deutschland / Österreich 2007
Regie: Hans Weingartner
Darsteller: Moritz Bleibtreu, Elsa Sophie Gambard, Milan Peschel, Simone Hanselmann, Gregor Bloéb

★½☆☆☆

Free Rainer

Der zynische und frustrierte Produzent Rainer (Moritz Bleibtreu) wird durch einen Unfall mit einem Opfer des Fernsehens konfrontiert. Pegah (Elsa Sophie Gambard) hat ihren Vater verloren und macht Leute wie Rainer und ihr Programm dafür verantwortlich. Sie schafft es auch in ihm ein Umdenken zu provozieren. Zusammen mit ein paar Hartz-Empfängern plant er die allmächtigen Quoten zu sabotieren um endlich wieder Anspruch in die Flimmerkiste zu bringen.

Nachdem Weingartner in “Die fetten Jahre” seine politische Message noch mit spannenden Dialogen, schauspielerischen Talenten und einem Sinn für Humor zu verknüpfen wusste, lässt er seine Zuschauer in seiner Inszenierung über die “Befreiung der TV-Haushalte” nun leider mit einem müden Kopfschütteln zurück. Denn der Versuch, das Kinopublikum zu besseren Menschen zu erziehen, scheitert an zu hohen Ambitionen und einer überzogenen Ernsthaftigkeit, mit der Weingartner die Volksverdummung durch das Fernsehprogramm in Frage stellt.

So leidet das Drehbuch unter einer an Körperverletzung grenzenden Banalität, die man so auch aus Seifenopern im hiesigen TV kennt. In ihren Diskussionen über den Fernsehkonsum kommt das Schauspiel-Ensemble über das Niveau von Vorschulkindern meist nicht hinaus. Zudem nimmt man keinem der Darsteller die Rolle des TV-Revolutionärs wirklich ab. Dies spiegelt sich vor allem in der Figur des TV-Produzenten Rainer wider, dessen Wandlung vom erfolgreichen Yuppie zum geläuterten Weltverbesserer nur ungläubiges Stirnrunzeln hervorruft.

Denn so überzeugend Bleibtreu zu Beginn des Films noch das zugekokste Ekelpaket mimt, so surreal wirkt er später als Anführer seiner bunt zusammen gewürfelten Mitstreiter im Kampf gegen die Unterhaltungsmaschinerie.

Nach knapp zwei Stunden, in denen man nur vereinzelt lachen konnte, verlässt man das Kino letztlich mit der Feststellung, dass das, was man sonst in der heimischen Bildröhre sieht, kaum schlechter ist als das, was man soeben auf der großen Leinwand ertragen musste. Bleibt nur zu hoffen, dass Weingartner für seinen nächsten Film wieder die richtige Mischung aus revolutionärer Botschaft und guter Unterhaltung findet. Denn ansonsten sind für den zweifelsohne talentierten Regisseur ggf. schon bald seine eigenen fetten Jahre vorbei.

+++

Gastkritik von
Tobias Schulze Darup

+++

Hier gibts ganz im Sinne von FREE RAINER ein Quiz rund um Medien-Satiren:

In : Review

About the author

13 Comments

  1. Flusskiesel

    Bei dem, was ich von dem Film bisher gesehen und gelesen habe, kann ich auch nur meine Verwunderung über diese merkwürdige Geschichte zum Ausdruck bringen.

    Ich hätte das mit der Wandlung von “Rainer” einfach so gemacht:

    Eine – politische hoch motivierte, aber eigentlich völlig unfähige – Truppe entführt Rainer und zwingt ihn zum Widerstand. Nach und nach sympatisiert er mit seinen Entführern, verliebt sich blablabla, dann hat er die rettende Idee mit den Arbeitslosen und der Quotenbox.
    Oder so.

    Damit kriegt man zur Not auch mal einen Film voll.

  2. Alex

    Zum Vorrednet: Ist das nicht die Handlung von “Die fetten Jahre sind vorbei”?

    Ich hab mir den Film gestern auch angeguckt. Wir waren die Einzigen im Kino…

    Auf jeden Fall kann ich mich der Kritik hier nicht zu 100% anschließen. Gelacht habe ich halt des Öfteren, schon aus diesem Grund würde ich mehr als eineinhalb Sterne vergeben. Denn wie die Fernsehlandschaft Deutschlands dargestellt wird ist mehr als nur passend. Das passt wie die Faust aufs.. ne ; )
    Und gerade der Anfang sollte schon für mindestens 2 Sterne gut sein. Hier spielt Bleibtreu wirklich sehr überzeugend. Es wirkt aber auch jeden Fall so, als das nach den ersten Szenen der Regisseur ausgetauscht wurde.

    Dem Rest der Kritik muss ich mich leider anschließen. Es kann zwar nicht geleugnet werden, dass man nach dem Film wohl öfter über das Thema anchdenkt, aber dafür hätte es auch ne gute Doku im Fernsehn getan.

    Der Film ist leider sehr langatmig und und versucht einfach zu viel Handlung unterzubringen und schafft das nur, indem er die Dinge total banal widergibt.

  3. Hans

    Tja, das alte deutsche Filmemacher Problem:

    – zu viele Themen
    – zu wenig in die Tiefe
    – Figuren nicht klar gezeichnet

    Die Film- und Fernsehautoren und Redakteure hier sind wirklich ein peinliches Pack…

    Und dann aber die Welt verbessern wollen… peinlich, peinlich, peinlich

  4. Michel

    Wir waren die Einzigen im Kino

    Ich erhöhe auf 6.

    Der Film hätte gut werden können, wenn er nicht zig Längen gehabt hätte. Zwischendurch wäre ich beinahe eingeschlafen.

    Das Tempo der ersten Viertelstunde hätte gerne beibehalten werden können.

    Großartig neues hat man nicht entdecken können.

  5. pascal

    Witzig, wie viele immer noch den Fehler machen sich selbst ernst zu nehmen — endet nie gut.
    Man konnte ja schon am missionarischen Eifer, mit dem die Herren Bleibtreu & Weingartner in Promo-Interviews zu überzeugen versucht haben — weil sie ja die einzigen waren die das bemerken, man muss das ja mal sagen, erwachet! — dass der Film mies wird.

  6. Khesrau

    Der Film war schlimmer als Van Helsing. Und das will etwas heißen.

    Man braucht diesen Blödsinn nicht mal auseinander zu nehmen. In diesem Fall dürften sich ausnahmsweise mal wohl alle einig sein.

    Highlight waren zwei ältere Frauen neben uns, die unbedingt in der Mitte sitzen wollten. “Kino ist schon etwas Tolles.” – “Ja, und ich kann es auch nicht verstehen, dass man sich Filme aus dem Internet holt. Die jungen Menschen wissen das Kinoerlebnis gar nicht mehr zu schätzen.”

    Mit ihren Gesprächen könnten sie glatt die Themenvielfalt des CINEMA-Magazins erreichen.

  7. Patrick

    Also mir hat der Film gefallen, genau wie Van Helsing übrigens. JA, man hätte ihn deutlich spannender machen können, aber ich tue die Schwächen mal als sympatisch dilettantisch ab und erfreue mich an der originellen Idee und einem Thema, das wirklich mal mehr Aufmerksamkeit verdient.

  8. Irreversibel

    Ich kann generell auf bildungsbürgerlich angehauchte Besserwisserei verzichten, die dem Pöbel mit erhobenem Zeigefinger beibringen will, was er zu tun bzw. zu sehen hat und was nicht. Wenn dass dann allerdings – wie in diesem Film geschehen – noch ausgerechnet genau mit den eigentlich kritisierten Methoden des Trash-TVs (flache Witze, eindimensionale Charaktere, simples gut/böse-Schema) passiert wird es jedoch völlig unerträglich (obwohl es natürlich auch einer unbeabsichtigten Ironie nicht entbehrt).

  9. Yuri

    Dummfernsehen [nenne ich jetzt mal vereinfachterweise so, auch wenn das vielleicht ein bisschen polemisch wirkt] ist an sich ja nicht schlimm – nur sobald es nichts anderes mehr gibt, wird es meiner Ansicht nach kritisch.

    Ich meine, wer’s sehen will… bitte. Solange ich nicht muss.

    [Der Beitrag ist jetzt etwas am Thema – also dem Film – vorbei, sorry, habe ihn aber nicht gesehen.]

  10. MC Winkel

    Schade – ich habe gehofft, dass dieser Film groß werden könnte. Werde den aber vermutlich trotzdem schauen und mich dann nochmal melden…

  11. Bubbel

    ich fand den Film gut. Die ersten Minuten waren ganz nett, der Rest war aber besser. Allein die Idee des gnazen verdient schon 4 Sterne

  12. Free Rainer – Dein Fernseher lügt - Filmkritik

    […]kommt im Querschnitt der Kritiken, die ich so gelesen habe, eher nur mittelmäßig bis schlecht weg. Eine Tatsache die ich absolut nicht nachvollziehen kann. Mir und den knapp 30 anderen Studenten[…]

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked (required)

Fünf Facefreunde
Fünf Filmtumblr
  • photo from Tumblr

    officialgaygeeks:

    That lightsaber sound lol


    Get the My Neighbor Groot shirt http://buff.ly/1EFUcA2 http://ift.tt/1BEBgm8

    11/16/14

  • photo from Tumblr

    pennyfornasa:

    Putting The Cost Of The ESA’s Rosetta Mission In Perspective

    "So what do we get for our €1.4bn? Rosetta is both an astounding feat of engineering (catapulting a tonne of spacecraft across millions of kilometres of space and ending up in orbit around a comet just 4 km across) and an extraordinary opportunity for science (allowing us to examine the surface of a lump of rock and ice which dates from when the Solar System formed).

    Like a lot of blue-skies science, it’s very hard to put a value on the mission. First, there are the immediate spin-offs like engineering know-how; then, the knowledge accrued, which could inform our understanding of our cosmic origins, amongst other things; and finally, the inspirational value of this audacious feat in which we can all share, including the next generation of scientists.

    Whilst those things are hard to price precisely, in common with other blue-skies scientific projects, Rosetta is cheap. At €1.4bn, developing, building, launching and learning from the mission will cost about the same as 4.2 Airbus A380s—pretty impressive when you consider that it’s an entirely bespoke robotic spacecraft, not a production airliner. On a more everyday scale, it’s cost European citizens somewhere around twenty Euro cents per person per year since the project began in 1996.

    Rosetta has already sent us some stunning images of Comet 67P/Churyumov–Gerasimenko and today’s landing will, with any luck, provide us with our first close-up glimpse of the chaotic surface of this dirty snowball. If you’re a sci-fi fan, then, you might consider the mission to have been worth its price tag just for the pictures. The total cost for the Rosetta mission is about €3.50 per person in Europe; based on the average cinema ticket price in the UK (€8.50), it has cost less than half of what it will cost for you to go to see Interstellar.”

    Via Scienceogram: http://scienceogram.org/blog/2014/11/rosetta-comet-esa-lander-cost/

    Find Out How Budget Cuts Canceled NASA’s Own Comet Landing Mission: http://www.penny4nasa.org/2014/11/11/how-budget-cuts-canceled-nasa-own-rosetta-comet-landing-mission/

    11/15/14

  • photo from Tumblr

    meatbicyclevevo:

    i never wanted this to end

    10/20/14

  • photo from Tumblr

    iambluedog:

    Life is too short to be holding on to old grudges

    10/20/14

  • photo from Tumblr

    10/09/14