Von Löwen und Lämmern

7 Comments

“Das ist kein Geschenk. Das ist Propaganda!”

Originaltitel: Lions for Lambs
Herstellungsland: USA 2007
Regie: Robert Redford
Darsteller: Robert Redford, Meryl Streep, Tom Cruise

★★★☆☆

Von Löwen und Lämmern Wie müsste ein Film theoretisch bestückt sein, sodass mein Interesse bis auf den Nullpunkt sinkt. Keine schwere Frage: Tom Cruise, Meryl Streep und Robert Redford in einem Happen. Vielleicht noch den Schwiegeroma-Traum Redford Regie führen lassen und ein geschmeidiges Wachkoma par excellance steht ins Haus!

Aber dann sah ich den Trailer zu Von Löwen und Lämmern und musste mir klammheimlich eingestehen, dass der Film doch irgendwie interessant aussah. So machte ich mich auf, ins Kino, ohne jemandem Bescheid zu sagen. Ich habe immerhin ein Image zu pflegen und wenn ich jemand nahestehendem erzählt hätte, dass ich mir freiwillig einen Film mit Robert Redford und Tom Cruise anschaue, kann ich auch gleich sagen, dass Der Englische Patient und Der Pferdeflüsterer meine Lieblingsfilme sind, um meinen sozialen Untergang zu besiegeln!

Aber ich habe mich geirrt. Und das kommt ja nun nicht oft vor, wie Kenner zu berichten wissen, denn in mir schlummert nicht nur die pure Essenz eines Filmfreundes – wer mich kennt, weiß auch, dass ich den guten Geschmack gebunkert habe. Es ist Segen und Fluch zugleich. Aber wir wollen nicht über meinen zurecht hochgelobten guten Geschmack reden, sondern über den “Anti-Kriegsfilm” des Herrn Redfords. Die Geschichte in Kürze (also quasi abgekürzt, was der Redford schon unglaublich kurz hingeklatscht hat):

Drei Geschichten, eine Verbindung: Der Feldzug in Afghanistan. Während Dr. Stephen Malley (Robert Redford) in seinem kuscheligen Büro den Studenten Todd (Andrew Garfield) zusammenfaltet ob seiner neu aufgetretenen Faulheit und Resignantion (des Studenten, versteht sich), kämpfen zwei seiner Ex-Studenten in Afghanistan um ihr Leben. Die dritte Geschichte zeigt den ehrgeizigen Senator Jasper Irving (Tom Cruise), der Janine Roth (Meryl Streep), einer renommierten Journalistin, seinen Plan um die Rettung der Demokratie in Afghanistan erzählt. Gemeinsam haben alle Beteiligten eines: Sie sind Amerikaner die ihr Land lieben. Jeder auf seiner Art und jeder mit einer Lösung gesegnet, die keine neben sich erträgt. Während die zwei Soldaten Ernest (Michael Pena) und Arian (Derek Luke) der Meinung sind, dass man seinem Land am Besten dient, indem man sich als Kanonenfutter anbietet, ekelt der Senator Irving den Zuschauer mit Plattitüden, wie sie nur ein Politiker bringen kann, der selber nie gekämpft hat. Dr. Malley möchte seinem Land etwas gutes tun, indem er die Augen seines ansonsten sehr talentierten Studenten öffnet und die Journalistin? Sie möchte ihrem Land helfen, indem sie zwischen diversen Varianten ihrer traurigen Gesichtsausdrucke den einen oder anderen nicht gerade uninteressanten Fakt an den Mann bringt.

Ich hätte diesem Film gerne zwei Bewertungen gegeben: Einmal zwei Sterne und gleich dahinter vier.
Tom Cruise – so muss ich zugeben – spielt beinahe erschreckend exzellent den blinden Senator, der nicht sehen will, dass sein Land nur mehr Schaden anrichtet, anstatt zu “helfen”. Und auch Redfords Einstellung zu Veränderungen, die man bewirken kann, haben mir mehr als gut gefallen und meine linke Ader pulsierte freudig erregt! Der Rückblick in das Leben der beiden Soldaten, als sie noch unter Dr. Malley studierten war ein grandioses Beispiel dafür, wie Amerika zweigeteilt sein muss. Und doch… doch störte mich etwas. Mag es an Meryl Streeps Egalheit liegen, oder an der Kürze des Films, die beinahe ein Schlag ins Gesicht des Zuschauers gleich kommt. Vielleicht das viel zu offene Ende, die mir vorkam, wie ein “Whups, ich muss weg!”.

Aber die eine oder andere Frage stelle ich mir nun: Warum kommt der Film erst jetzt? Warum viereinhalb Jahre nach Beginn dieses Kreuzzuges?
Und: War das alles?

Der gute Wille ist da. Jetzt muss der amerikanische Zuschauer nur noch etwas damit anzufangen wissen.

In : Review

About the author

Bei den Filmfreunden bloggt Malcolm über die wunderbare Welt der seichten Unterhaltung. Auf eye said it before bloggt der freundlichste Filmfreund (Nilz N Burger) über Flausch, Werbung und WTF. Wenn er gerade nicht bloggt, arbeitet Malcolm freiberuflich als Digital Creative, wo er das Internet zu einem schöneren Ort macht. Nichts zu danken.
  • http://klabauterlog.wordpress.com/ DerTim

    Ich glaube das ist das generelle Problem von Filmen dieser Machart: für den Amerikaner kommen sie zu spät und dem durchschnittlichen Europäer sagen sie nichts neues.

    Trotzdem ist es wichtig das sie gibt und das sie jemand macht; und das es Robert Redford ist verwundert mich nicht. Außerdem glaubt dem mit Sicherheit eher jemand als Michael Moore.

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Mal Sehen

    Genau richtig.

  • http://www.abspannsitzenbleiber.de Abspannsitzenbleiber

    Paarundneunzig Minuten sind ein “Schlag ins Gesicht des Zuschauers”? Ich fand es angenehm kompakt und eigentlich ganz erfrischend, dass man zur Abwechslung auch mal wieder in anderthalb Stunden auf den Punkt kommen kann.

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Mal Sehen

    Für mich war es wirklich so, dass nach knapp anderthalb Stunden das Ende einfach so abrupt kam und noch soviel hätte erzählt werden können/müssen, dass es mir wie ein Schlag ins Gesicht vorkam..

  • Echo

    Ich fand ihn echt sehr gut.
    grade dass von dir plötzliche Ende, gefiel mir. es lässt halt viel offen, der Zuschauer wird eben selbst mit einer Frage verabschiedet und muss sich entscheiden…

    Ausserdem ist Robert Redford meiner Meinung nach ein exzellenter Schauspieler, der mal abgesehen von der Pferdeflüsterer fast nur gute Filme gemacht hat…
    “die Unbestechlichen” ist genial….

  • http://cineasten.myblog.de Moviesteve

    Ich gehöre ja auch zu denen, die die Kürze eher gut fanden. Der Film endet, bevor er anfangen kann, zu langweilen.
    Außerdem soll das Ganze ohnehin wohl mehr so eine Art Diskussionsgrundlage sein und kein vollwertiges Hollywood-Politepos. Insofern wäre das Projekt zumindest als einigermaßen gelungen anzusehen.

    Viel störender empfand ich die zu bequeme Mitte des Films. Kein Ausschlag nach links oder rechts. Stattdessen dominierte Seichtigkeit und Zuschauer aller politischen Lager können mehrfach zustimmend nicken – wenngleich an verschiedenen Stellen. Etwas mehr Subjektivität hätte der Dramatik auf die Sprünge geholfen, so bleibt man seltsam unbeteiligt. (Ausführlicher: http://cineasten.myblog.de/cineasten/cat/53838/0/Kino)

    PS: Was ich ehrlich gesagt immer etwas befremdlich finde, sind Kritiker, die sich selbst zwar “die pure Essenz eines Filmfreundes” bescheinigen, ihre Filmauswahl dann allem Anschein nach aber von bloßen Namen und der verbundenen Anti- bzw. Sympathie abhängig machen.

    Ok, letztlich hast Du Dir den Film angesehen, brauchst Dir diesen Schuh also nicht mehr anziehen. ;)
    Loswerden muß ich das trotzdem mal.

    Ich finde es generell traurig, wenn man vor die Entscheidung für oder gegen einen Kinobesuch die Angst um seinen Ruf und die Befürchtung eines vermeintlichen “sozialen Untergangs” stellt.
    Ich weiß schon, das hast Du sicherlich überspitzt formuliert und es war bestimmt eher als auflockernd lustiger Einstieg zu einem trockenen Politfilm gedacht. Letzten Endes bleibt aber der Beigeschmack einer billigen Anbiederung an die angenommene Masse (nach dem Motto “haltet mich bloß nicht für uncool, ich weiß ja, Tom Cruise ist eigentlich voll doof, Robert Redford voll langweilig”). Bei solch unprofessionellem Getexte ist es schade um die vielen Zeilen. Dann lieber mehr Text zur Filmbesprechung selbst. Die fällt nämlich arg kurz aus.
    Wollt ich nur mal als konstruktive Kritik beisteuern. :)

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