Review

Verwünscht

Standard, 16. 12. 2007, Batzman (Oliver Lysiak), 9 Kommentare

Giselle: „Nobody has been very nice to me.“
Robert: „Yeah, well, welcome to New York.“
Giselle: „Thank you.“

Originaltitel: Enchanted
Herstellungsland: USA 2007
Regie: Kevin Lima
Darsteller: Amy Adams, James Marsden, Michaela Conlin, Susan Sarandon, Sonny Vellozzi

[rating:3.5]

verwünscht

Giselle (Amy Adams) ist eine echte Märchenbraut. Sie wartet in ihrer kleinen Zeichentrick-Waldhütte zusammen mit ihren Tierfreunden auf Prinz Charming (James Marsden), der sie entdeckt und heiraten wird um all ihre Träume wahr werden zu lassen.
Was auch prompt passiert. Nur leider hat die böse Stiefmutter und Königin (Susan Sarandon in einem extended Cameo) andere Pläne und entsorgt „uns Gisella“ in das gar nicht so märchenhafte New York. Dort läuft sie prompt dem Anwalt Robert (Patrick Dempsey) und seiner Tochter in die Arme, die als einzige etwas Mitgefühl für die verirrte Fast-Prinzessin zeigen, die sich so gat nicht mit den rauen unfreundlichen Sitten der Großstadt anfreunden mag. Robert nimmt sie auf Wunsch seiner Tochter widerstrebend bei sich auf, was er jedoch schon bald bedauern soll, denn Gisella entpuppt sich als Herausforderung für jeden rational denkenden Menschen. Ob sie Ungeziefer als Putztruppe einsetzt, aus Vorhängen Kleider schneidet oder im Park Musicalnummern anstimmt, diese Frau ist nichts für Robert, der ja eigentlich schon eine Freundin hat…

Disney goes Shrek? Naja nicht ganz, aber dennoch ist der Einfluß der Dreamworks-Konkurrenz unverkennbar im neusten Disney-Film, der als Mischung aus Trick und Realfilm sowohl eine Hommage, als auch eine gutmütige Parodie auf klassische Disney-Filme und Disney-Kitsch darstellt. Regisseur Kevin Lima, bisher nur durch Disneys „Tarzan“ als Advokat sexualisierter Zeichentrickfiguren aufgefallen, schafft es einen in weiten Teilen sehr vergnüglichen selbstreflektiven Film abzuliefern, der dank seiner treffenden Besetzung und großer Zitierfreude wirklich Spaß macht. Auch wenn er sich überdeutlich vom grünen Oger hat inspirieren lassen.

Es ist ein Film für Fans und diejenigen die normalerweise vom Zuckerguß der mausigen Lovestories genervt werden. Und Amy Adams schafft es, eine Nervensäge zu spielen, der man letztlich doch nicht böse sein. Spätestens wenn sie trotz Roberts Aufforderung: „Please, dont sing!“ im Central-Park in eine Song-and-Dance-routine ausbricht bei der zum Schluß alle Parkbesucher mitmachen, sollte der Film auch das Herz des größten Grinches erobert haben.

Brillant auch James Marsden, der seine Talent für schmierige Künstlichkeit jüngst in Hairspray unter Beweis stellte und hier abermals eine lebende Karikatur spielen darf. Und ebenfalls schön Timothy Spalls, noch als rattiger Peter Petigrew aus den Harry Potter-Filmen bekannt, der hier das unwillige Handlanger der bösen Königin gibt. Susan Sarandon hat zwar nicht wirklich viel Screentime, wenn sie erscheint dann meist gezeichnet, als mittelprächtig gerenderter Drache oder unter meterdickem Make-Up, aber dennoch gibt sie eine überzeugende böse Hexe ab, die herrlich genervt die Unfähigkeit ihres Gehilfen kommentiert.

Wer sich den Spaß machen möchte kann ja mitzählen, auf wieviele klassische Disneyfilme von Schneewittchen, über Mary Poppins bis Beauty and the Beast hier referenziert wird. Für einen ersten Schritt den Disney in Richtung Ironie macht (wenn man mal einige In-Jokes aus „Emperors New Groove“ aus vor lässt, der ja eh eher wie ein Warner-Cartoon daherkam), ist „Enchanted“ sehr gelungen und gibt einen warmherzigen und spassigen Weihnachtsfilm für die sprichwörtliche ganze Familie ab, der genug Witz besitzt, daß sich nicht nur die 10jr im Publikum gut unterhalten fühlen – auch wenn es zum Ende hin dann etwas arg süßlich wird. Aber da konnte Disney wohl noch nicht ganz aus seiner Haut.

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9 Kommentare

  • Reply malde 16. 12. 2007 at 21:46

    müsste der Film nicht eigentlich „Verwunschen“ heißen? :)

  • Reply Batzman 16. 12. 2007 at 22:51

    Eigentlich müsste er Verzaubert heißen ;)

  • Reply Gilly 17. 12. 2007 at 16:04

    Der Trailer lässt auf jedenfall kurzweiligen Familienspass vermuten.

  • Reply Kazehime 30. 12. 2007 at 16:16

    Mir hat der Film nicht besonders gefallen. Was eine geniale Parodie hätte werden können und es in einigen wenigen Ansätzen auch ist, wird gegen Ende eher noch kitschiger als die anderen Disneyfilme, die zu karikieren er in der Vorschau versprochen hatte, allerdings meiner Ansicht nach zwar mit viel Herzschmerz, aber völlig ohne den Zauber, der Disney doch größtenteils so liebenswert machte.

    Die Schauspieler überzeugen zwar alle, doch was sollen sie schon machen, bei diesem Drehbuch haben sie keine Chance.

  • Reply stb247 3. 1. 2008 at 20:36

    Was für ein süßer Film!

    Hach, der war sooo schön altmodisch. Im positiven Sinne. Die Songs waren super und Amy Adams steht im Lexikon unter „super cute“.

    Absolut empfehlenswert für hoffnungslose Romatiker, die sich an Arielle und Beauty and the Beast nicht sattsehen können.

  • Reply strawberry 24. 1. 2008 at 11:11

    Der Film hat mich wahrlich verzaubert.

    Er ist zwar arg vorhersehbar und das Ende extremst kitschig – aber trotzdem überzeugt er durch nette Einfälle und eine schöne Aufmachung. Und vor allem Amy Adams spielt so herrlich treu-doof naiv, dass es eine wahre Freude ist, sie von einem Fettnäpfchen ins nächste plumpsen zu sehen! Man muss halt immer bedenken, dass Disney die Finger im Spiel gehabt hat – daher darf es schon eine Schicht Zuckerguss mehr sein :o)

  • Reply F5 — Sweeney Todd 22. 2. 2008 at 0:19

    […] Sweeneys, der unheimlich sardonische Timothy Spalls, der nach seiner positiven Rolle in “Verwünscht” jetzt wieder einen Schleimbeutel vom Feinsten geben darf und nicht zuletzt der großartige […]

  • Reply BatzLog - Noch etwas Salz? » Letztes Lichtspiel: Sweeney Todd 22. 2. 2008 at 0:24

    […] Sweeneys, der unheimlich sardonische Timothy Spalls, der nach seiner positiven Rolle in “Verwünscht” jetzt wieder einen Schleimbeutel vom Feinsten geben darf und nicht zuletzt der […]

  • Reply Squall2k 7. 3. 2008 at 21:32

    Der Film war übel. Ich mag Disney eigentlich (zumindest die neueren…oder „Cap & Capper), aber „Verwünscht“ war eine Riesenenttäuschung.

    Parallelen zu Shrek konnte ich beim besten Willen nicht ausmachen. Der Film war kitschig ohne sich dabei ein einziges Mal wirklich selbst auf die Schippe zu nehmen. Ironie konnte ich auch nicht wirklich erkennen. Einfach unlustig.

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