Berlin am Meer

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“Wenn ich in Berlin leben müsste, würd ich mir irgendwann auch einreden, wie hip und toll es hier ist.”

Originaltitel: Berlin am Meer
Herstellungsland: Deutschland 2007
Regie: Wolfgang Eissler
Darsteller: Jana Pallaske, Robert Stadlober, Axel Schreiber, Anna Brüggemann

★★★½☆

Berlin am Meer

Tom (Robert Stadlober) und seine Freunde Malte (Axel Schreiber), Margarete (Jana Pallaske) und Mitsch (Claudius Franz) sind urbane Mittelstands-Slacker. Sie leben in Berlin, träumen vom großen Durchbruch, lassen sich von den Eltern aushalten oder schlagen sich mit Kellnerjobs im Cateringservice durch. Zusammen mit Malte will Tom als DJ Karriere machen, doch heimlich plagen ihn Selbstzweifel und das er sich ganz spießig bei Musikhochschulen beworben hat, bleibt vorerst sein Geheimnis.
Die Clique gerät durcheinander als Mitschs Schwester Mavie (Anna Brüggemann) zu aus Bayern Besuch kommt. Mitsch, der seinen Eltern verheimlicht, daß er sein Medizinstudium längst abgebrochen hat, fürchtet die Entdecktung und steht mit der strebsamen und karriereorientierten Mavie auf Kriegsfuß.
Malte baggert eh alles an was nicht bei drei auf den Bäumen ist und Tom, linkisch und unsicher beginnt sich in Mavie zu verlieben.
Dieser Sommer wird die Freundschaft der Clique auf die Probe stellen.

Fluffig trifft diese zwischen nostalgischer Verklärung und melancholischem Humor pendelnden Berlinfilm sehr gut. Die Story ist natürlich nicht weltbewegend, aber es geht auch weniger darum einen komplexen Plot zu erzählen. Der Film lebt durch seine Figuren und wird wohl nur diejenigen wirklich ansprechen, die sich ein bißchen in sie hineinversetzen können. Die jenes schwebende Gefühl des jung-aber-nicht-mehr-so-jung seins verstehen, in dem der Alltag und die dräuende Frage nach der Zukunft mit dem unbeschwerten Leben im Vakuum von Schule, Uni und Abhängen kollidiert.

Natürlich idealisiert und romantisiert Regisseur Eissler sein Berlinbild, was letztlich aber nur konsequent ist, denn er schildert die Perspektive jener Zugezogenen, die sich aus der Provinz in die Großstadt flüchteten, auf der Suche nach ihren Träumen und einem “anderen” Leben. Nur aus dieser Perspektive ist es zu verstehen, warum die Aussicht wieder nach Hause zurückzukehren, zu den Eltern gehen zu müssen, es nicht geschafft zu haben und Berlin verlassen zu müssen, die Schlimmste aller Vorstellungen ist. Luxusprobleme allemal, aber nachvollziehbare für jeden der eine Weile in Berlin gelebt hat.

Die Besetzung schafft es zudem, dem Film auch über einige Längen zu helfen. Anna Brüggemanns Mavie schafft es von der Zicke zu einer letztlich doch liebenswerten Figur zu werden, Axel Schreiber gibt den impulsiven Halodri sehr überzeugend, Jana Pallaske nimmt man ihre burschikose, erzsympathische Rolle auch ohne zu zögern ab und Robert Stadlober, der wie so oft herzzerreisen weidwund aus der Wäsche guckt, spielt das was er am besten kann: Einen liebenswerten, eher introvertierten und unsicheren jungen Mann, der zwischen Pathos, Angst und Humor in der Schwebe hängt. Claudius Franz als Mitsch bleibt leider etwas Randfigur und zu eindimensional als Mitsch der sich etwas zu sehr in seine Abscheu gegenüber seiner Schwester reinsteigert.

Berlin am Meer ist eine Skizze, ähnlich wie Schwarze Schafe die Vignette eines Berlin-Gefühls, eines Großstadtgefühls, das nicht jeder wird nachempfinden können. Optisch kommt er verspielt daher, zitiert Casablanca, Arthauskino und Kultfilme wie Diva, bietet angenehm beiläufig kleine Gags und Effekte. Liebenswert macht den Film dabei aber die unkrampfige Leichtigkeit mit der er erzählt wird und nicht versucht mehr zu sein als er ist. Nicht das große Drama, nicht die tiefschürfende Aussage zum Großstadtleben sondern eine kleine, leichte unterhaltsame und fast altmodisch romantische Sommergeschichte.

Und das ist schon mehr als andere “deutsche Beziehungskomödien” für sich reklamieren können.

+++

Mit Robert Stadlobet, Anna Brüggemann und Axel Schreiber beim Filmcheck.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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2 Comments

  1. dvux

    war gestern im kino und hab ihn mir aufgrund des trailers + dieser kritik angeschaut. also ich muss sagen das ich einen film – wohlgemerkt eine deutsche produktion – gesehen hab, der spaß macht. er ist “leicht” und versucht nicht krampfhaft irgendwelche höhere moral der jugend zu verklickern. schöne erholsame unterhaltung und ein film der garantiert den weg in mein DVD-Archiv finden wird…

    by dvux

  2. Mucke

    Wenn man über die vorsehbare Geschichte hinwegsieht und nicht zu viel erwartet, wird man tatsächlich gut unterhalten.

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