Das hatte ich ja ganz vergessen: das Konzept Cloverfields – nein, ich meine nicht die dämliche Wackelcam -, nämlich die Erzählung eines Apokalyptischen Angriffs auf die vertraute Umgebung aus der Perspektive der Betroffenen, ganz ohne Wissenschaftler und Helden, die gab es ja schon einmal. Nämlich vor drei Jahren mit „War of the Worlds“ von Spielberg. Den ich genau wie Batzman für einen hervorragenden Film halte, und das trotz dem sektendurchgeknallten Cruise.

1. Monsterdesign
Cloverfield verweigert einem fast bis zum Ende den Blick auf das Monster, nur um am Ende mit Mittelmäßigkeit zu enttäuschen. Ich finde das Design immer noch okay, gemessen an dem Buzz, der um das Monster gemacht wurde, konnte es aber nur abstinken. Dagegen die Tripods: alleine die Dreibeinigkeit der Roboter wirkt so fremdartig auf den Betrachter, das Unbehagen aufkommt. Dazu noch die schiere Wucht der Angriffe und wir haben hier Viecher, die tatsächlich bedrohlich wirken.

2. Inszenierung
Bei der Wackelcamorgie von Cloverfield von einer Inszenierung zu sprechen, fällt mir schwer. Alleine das Wort widerspricht ja dem Wackel-Konzept, das eben nicht Inszenierung, sondern Authentizität transportieren will. Was dem Film in meinen Augen mehr schadet als nutzt. Dagegen die virtuose Regie von Spielberg, der mit „War of the Worlds“ damals endlich mal wieder einen harten Film ablieferte, wie man es von ihm seit der Eingangssequenz von „Saving Private Ryan“ nicht mehr gesehen hatte. Wenn die Roboter ganze Straßenzüge in Schutt und Asche legen, Tom Cruise durch den Staub ehemaliger Menschen rennt, dann entwickeln diese Szenen eine rohe, archetypische Gewalt. Ganz wie man sie von Riesenviechern sehen möchte.

3. Froschperspektive
In beiden Filmen ist der Plot „Riesenmonster/Roboter greifen Erde/New York an“ nur der Rahmen für die Mini-Dramen, die sich bei den flüchtenden abspielen. In beiden Fällen ist die eigentliche Handlung aber mehr als dürftig: da hätten wir einmal die Yuppies aus New York, die die Freundin aus dem Hochhaus holen wollen und auf der anderen Seite den flüchtenden Cruise mit seinen beiden Kindern. Hier kann keiner der beiden Filme besonders punkten, wobei das virtuos inszenierte Kammerspiel in der Mitte von „War of the Worlds“, in der Cruise erst gegen einen irren Tim Robbins und dann gegen eine schlängelnde WackelAußerirdischen-Kamera kämpft, eher für die Marsianer spricht. Spielberg hat ja nichtmal die Schlacht der Army gegen die Roboter gezeigt. Er begnügte sich am Ende mit dem brennenden Schlachtfeld.

4. Effekte
Die Effekte von Cloverfield sind gut. Echt jetz. Die Integration der Zerstörung durch das Monster in die Wackelbilder ist sehr gelungen und passt. Aber gegen „War of the Worlds“ stinken sie natürlich ab, der eben nicht unter der Last eines dogmatischen Konzepts leiden muss. Spielberg kann eben einfach mal in einer Totalen die Vernichtungsorgie der Außerdirdischen zeigen, wo „Cloverfield“ immer nur wackeln und mal hier mal da einen zusammenkrachenden Wolkenkratzer erhaschen darf. Ergo ist auch eine der stärksten Szenen aus „Cloverfield“ diejenige, in der das Trüppchen das Viech von einem Hochhaus aus beobachtet. Einer der wenigen Ruhepunkte im Film.

Auch wenn es problematisch ist, „War of the Worlds“ einen Monsterfilm zu benennen, das apokalyptische Setting sowie die subjektive Perspektive haben beide Filme gemein. Und der bessere Film ist „War of the Worlds“ in jedem Fall, alleine schon durch die virtuose Inszenierung. „War of the Worlds“ kommt heute Abend auf Pro7, Anschaubefehl!
Und jetzt: steinigt mich.
- Renington Steele •
- Februar 24th, 2008 •
- 27 Kommentare
- Schlagwörter: Cloverfield, WarOfTheWorlds
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