Verschärfter Jugendschutz: No More Tortureporn for You!

11 Comments

Die Bundesregierung plant eine Gesetzesänderung, nach der Filme wie „Saw“ oder „Hostel“ nicht mehr öffentlich beworben werden dürfen.

Eine geplante Gesetzesänderung sieht vor, einen neuen Begriff einzuführen: Videospiele oder Filme sollen keine Kennzeichnung bekommen, wenn die Gewaltdarstellungen “das Geschehen beherrschen”.

Für die betroffenen Bildmedien wäre dies fatal. Die Verweigerung eines Kennzeichens darf nicht verwechselt werden mit dem Urteil “Keine Jugendfreigabe”, das dem früheren “Nicht freigegeben unter 18 Jahren” entspricht. Erhält etwa ein Film hingegen keine Kennzeichnung, darf er auch nicht beworben werden. Das Werk dürfte zwar öffentlich gezeigt werden, aber jeder Hinweis auf die Vorführung wäre strafbar. (FR, danke Dirk!)

Faktisch ist ein solches Gesetz als Zensur zu werten, denn was nicht beworben wird, wird auch nicht wahrgenommen. So jedenfalls die Denke der Regierung und Tilmann P. Gangloff, Verfasser des Artikels in der Frankfurter Rundschau, der sich dann noch eine ziemlich anmaßende Frechheit erlaubt, wenn er schreibt:

[...] die Maßnahme wird vor allem Filme wie “Hostel” oder “Saw” treffen, in denen munter gemetzelt wird – die weitaus überwiegende Mehrheit der Kinofans hat keinerlei Interesse an diesen Splatter-Filmen und wird ihnen keine Träne nachweinen.

Ich gehe natürlich davon aus, dass Herr Gangloff die überwiegende Mehrheit der Kinofans gefragt hat, bevor er seinen Unsinn verbreitet, schließlich ist ja Recherche ein grundlegendes Handwerkszeug des Journalisten, aber darum geht es mir nur am Rande. Mir geht es viel mehr darum, dass in Zeiten, in denen sich Filmfans ihre Informationen immer mehr im Netz zusammensuchen und dort mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit nicht nur auf Seiten, in Foren, auf Blogs, die deutschem Recht unterliegen, eine solche Regelung natürlich völlig ins Leere läuft.

Torture Porn ist zwar meistens ziemlicher Müll, für verdeckte Zensurmaßnahmen bietet er aber keinen Anlass. Wir hier bei den Filmfreunden, und ich denke, ich kann da auch für die anderen vier sprechen, werden jedenfalls weiterhin auch über derbe Horrorfilme schreiben, sollte dieses Gesetz tatsächlich so durchgewunken werden. Mit anderen Worten: die Bundesregierung kann uns mal, wir machen hier weiterhin den Ash. Egal, was kommt: Hail to the King, Baby!

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In : Features, Thema

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  • Claas

    SEHR GUT FREUNDE!!!

    (und sollte dieses Gesetzt tatsächlich beschlossen werden, dann wäre ich mal extrem sprachlos und zweifle einmal mehr an meiner Regierung)

  • http://www.e13.de Kiki

    Also ich fänd’s eigentlich ganz klasse, wenn man künftig auf Plakate, die diese abartige Scheiße im öffentlichen Straßenverkehr bewerben, verzichten könnte. Dann gibt’s hoffentlich auch keine verstörten und dreijährigen mehr, die auf _gar_keinen_Fall mehr durch die Soundso-Straße gehen wollen und nach behutsamen Nachbohren (no pun intended) erfährt man dann, daß das an dem Folterwerbeplakat für Saw oder Hostel oder sonstigen Müll liegt, der dort überlebensgroß an der Liftaßsäule hängt – was ich übrigens auch als erwachsener Mensch als extrem widerwärtig empfinde.

    Im Ernst, wie man sich als vermeintlich zivilisierter und aufgeklärter Mensch gegen Guantanamo aussprechen und gleichzeitig solche Filme goutieren kann, werde ich nie verstehen. Muss ich ja auch nicht, aber das Argument mit dem Werbeverbot ist Quatsch erster Güte: Ein Verbot bzw. die Unerreichbarkeit einer Sache hat den Anreiz, sie zu erwerben noch immer gesteigert. Und das Publikum findet schon, was es will – für Pornos wird ja auch nicht geworben, trotzdem werden sie gesehen.

  • KaioShin

    Das Gesetz wird doch in der Computerspielszene schon seit Monaten diskutiert. Schön dass es Filmguckern jetzt auch endlich mal auffällt dass es sie auch betrifft…

  • Felix

    signed @ Kiki
    Wenns allein die Plakate vertreibt, halt ichs schon für gelungen. und mal ehrlich:

    Es ist wie bei den Games:
    Wers haben will kauft es. auch wenn das Spiel nur unter der Ladentheke zu finden ist.

    Zensur ist da für mich nen bissel weit hergeholt.

  • Injecter

    Auch wenn mir Saw, Hostel und Konsorten krass am Arsch vorbei gehen, finde ich das doch einen großen Schwachsinn.

    Interessant wäre zu wissen, ob diese Einstufung immernoch die FSK macht, und was mit Zombie-Filmen werden soll. Bei denen gehts ja meist auch um Splattern nur halt Splattern von (un)totem Fleisch…

    Auf jeden Fall kann ichs einerseits nur befürworten, dass ihr dagegen ankämpfen wollt, ABER wenn das alles tatsächlich so durchkommt und die Bestrafung dafür auch entsprechend übertrieben ist stünden wir womöglich mit 0 Filmfreunden da.
    Und das wäre ja dem Ganzen auch nicht dienlich.

  • Benane

    wenn wo der Bruce Campbell dabei ist dann kann man dem bedenkenlos zustimmen auch wenns mist ist hauptsache das Bruce Campbell bild ist in der news ^^

  • http://aloisius.blogg.de frater aloisius

    ganz nebenbei bin ich auch jetzt schon gespannt, ob nach dem nächsten Schulamoklauf oder ähnlichem dann gerufen wird: “Kein Wunder dass die amoklaufen, die jungen Leute schauen ja auch Folterpornos – gleich verbieten!”
    …Oder ob dann doch nochmal Counterstrike oder Marilyn Manson aus der Mottenkiste gezaubert wird.

  • morgulbrut

    Eure Regierung hat ja schön einen an der Waffel…

    Wenn dann ein Filmfan, der auch mal gern was stupfsinnig heftiges sehen will, ich z.b. liebe auch mal “sinnlose” Gewaltorgien, immer nur intellektuelle Studiofilme ist auf die Dauer auch langweilig, sich im Internet schlau machen will und dabei auf die ganz üblen Sachen stösst (ja es gibt sie wirklich, die Snuffmovies) wills mal wieder keiner gewesen sein ;)

    “Das Werk dürfte zwar öffentlich gezeigt werden, aber jeder Hinweis auf die Vorführung wäre strafbar.”
    Dieser Satz alleine ist ja an Dummheit kaum mehr zu überbieten.
    Ihr Frucht- und Gemüseladen um die Ecke darf Äpfel verkaufen, aber niemandem sagen, dass er Äpfel im Sortiment hat, und diese auch nicht in die Auslage legen ? Super Ideen haben die da in Berlin ;)

    Grüsse aus der Schweiz, wo Politiker noch nicht ganz so verblödet sind ;)

  • Meaty

    @morgulbrut: Haha – da kann ich ja richtig froh sein, demnächst in die Schweiz umzuziehen! Wusste gar nicht, dass die im dem Bereich Filmzensur so frei sind! Von Österreich wusste ich´s ja – aber die Schweiz auch? Freut mich!
    Auch wenn mir Filme wie Hostel oder Saw gewaltig egal sind – aber es gibt ja genügend Filmperlen aus dem Horrorgenre, die hier nach wie vor unter Zensur leiden. Freue mich schon darauf, in der Schweiz dann meine DVD-Sammlung zu komplettieren.
    (Und weil wir dann schon beim Thema Amokläufe sind: Wenn in Österreich und der Schweiz die ganzen bösen Horrorfilme erlaubt sind – warum hat man dann noch nichts von Amokläufen in diesen Ländern gehört? Könnte es nicht vielleicht doch an etwas anderem liegen?)

  • http://www.e13.de Kiki

    “Grüsse aus der Schweiz, wo Politiker noch nicht ganz so verblödet sind ;)”

    -> Das war jetzt das Land, in dem Katzen künftig das Recht auf täglichen Blickkontakt zu anderen Katzen haben, richtig?

    “(Und weil wir dann schon beim Thema Amokläufe sind: Wenn in Österreich und der Schweiz die ganzen bösen Horrorfilme erlaubt sind – warum hat man dann noch nichts von Amokläufen in diesen Ländern gehört? Könnte es nicht vielleicht doch an etwas anderem liegen?)”

    -> Da wird nicht Amok gelaufen sondern die Probleme im Keller gewälzt.

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Batzman

    Was mich an solchen Diskussionen am meisten nervt ist, daß ich mich gezwungen sehe für einige Filme zu kämpfen, die ich nicht ausstehen kann. Ja ich find das Folterporno-Genre generell scheiße, ja ich halte Eli Roth auch für einen einfältigen, homophoben und eher unsympathischen Typen und ja, ich könnte wunderbar ohne Saw und Hostel leben. Wobei… Saw 1 war ja eigentlich ziemlich gut. Und auch The hills have eyes war gelungen und The Devils Rejects ebenso… und…

    und da sind wir im Dilemma: Es gibt keine Zensur in diesem Bereich, die wirklich differenzieren würde. Wie man an der Beschlagnahmungs- und Zensurwelle der 80er Jahre sieht – deren hanebüchene Schwachsinnsurteile oft heute noch gelten – wird dieses Verbot immer auch Werke treffen, die es nicht verdient haben. Und um mich noch unbeliebter zu machen: Ich find selbst Werke die explotativ und schlecht sind wie Hostel sollten nicht verboten werden. Ab 18 klar. Harte Alterskontrollen gerne. Aber kein Werbeverbot. Denn wer nur glaubt, das Werbung böse Plakate und Werbespots trifft, der denkt zu kurz: Gemeint ist auch die öffentliche Erwähnung, Diskussion und Rezension dieser Filme. Nicht umsonst stehen auch Filmlexika und diverse Ausgaben einiger Computerzeitschriften auf dem Index. Und sorry, nur weil ich etwas für dumm halte und ihm eine bedenkliche Message unterstelle, darf ich es nicht “verbieten”. Ich find Volksmusik, CSU-Wahlprogramme, Roland Koch, die katholische Kirche und das Abendprogramm im ZDF auch höchst bedenklich und glaube das dort bisweilen eine menschenverachtende Ideologie vermittelt wird, aber dennoch hilft Verbannung nicht, dem Problem Herr zu werden. Das funktionietr nur über Auseinandersetzung.

    Das doofe “denkt denn niemand an die Kinder”-Argument, gespickt mit der “Kind will nicht durch die Strasse gehen”-Anekdote ist genau das was es ist – Anekdotische Beweisführung, die zudem hinten und vorne klappert. Denn Kinder haben vor allem möglichen Angst. Ich mochte als kleines Kind gewisse Seiten in einem Märchenbuch nicht aufschlagen, weil mich die dort abgebildeten Hexen und Monster gegruselt haben. Andere Kinder fürchten sich vor den Riesen in “Wo die wilden Kerle leben” und wieder andere fangen panisch an zu kreischen, wenn in Disneyland die Riesenmaus auf sie zukommt. Von der Angst die etwas ältere Kinder haben, wenn sie die Nachrichten hören und von Kriegen, Umweltkatastrophen und Terrorpanik etwas mitbekommen, ganz zu schweigen. Angst gehört zum Erwachsenwerden, Kinder brauchen Märchen und Monster – freu nach Bruno Bettelheim. Ich find süßliche kitschplakate mit Lindsey Lohan drauf ebenso gruselig wie eins von Hostel – aber Verbote bringen einen da nicht weiter. Sie sind wenn es um fiktive Popkulturwerke geht kontraproduktiv und eine Ausrede keine Auseinanderstzung betreiben zu wollen. Grad Eltern machen es sich da sehr einfach: Alles womit sie selbst zu faul sind sich zu beschäftigen gehört verboten. Ob “Killerspiele”, Horrorfilme, Internet.. alles zensieren, einschränken und überwachen… das Killerargument Jugendschutz wird es schon richten. UNs sowieso herrscht ja bei vielen die Meinung vor: Alles was mich nicht interessiert und ich doof finde, kann ruhig verboten werden. Prima, wenn ich auch so denken würde, hätten wir Werbevoerbot von Rosamunde Pilcher Büchern, Rap-CDs, Jennifer Biederman-Alben und gläubigen Christen. Guter Plan oder?

    Das du, Kiki, dich nicht entblödest Horrorfilmkonsum und reale Mißhandlung und die “Kellerkinder”-Fälle in einem Atemzug zu nennen, sollte dir selbst als bedenklich auffallen.

    Und nochmal zu dem Zitat hier: “Im Ernst, wie man sich als vermeintlich zivilisierter und aufgeklärter Mensch gegen Guantanamo aussprechen und gleichzeitig solche Filme goutieren kann, werde ich nie verstehen”

    Ich übersetze das mal: “Wie man einen Tatort gucken und trotzdem gegen den Holocaust sein kann, werde ich nie verstehen.”
    “Wie man James Bond gut finden und gleichzeitig die Aktionen des CIA verurteilen kann, ist mir schleierhaft.”
    “Wie man Spaghetti essen kann und trotzdem Silvio Berlusconi ablehnt, will nicht in meinen Kopf.”

    Wie? Das hat ja alles nix miteinander zu tun?

    Eben.

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    Part of the cast of Avengers: Age of Ultron.

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    No CAPES!

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    » Because only Vin Diesel could ever be ridiculously nerdy enough to attend the UK world premiere red carpet for Guardians of the Galaxy wearing a “I am Groot” t-shirt and walking on stilts

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    Eeeewwwww

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  • Ohgott Transformers!


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