Die Bundesregierung plant eine Gesetzesänderung, nach der Filme wie „Saw“ oder „Hostel“ nicht mehr öffentlich beworben werden dürfen.
Eine geplante Gesetzesänderung sieht vor, einen neuen Begriff einzuführen: Videospiele oder Filme sollen keine Kennzeichnung bekommen, wenn die Gewaltdarstellungen “das Geschehen beherrschen”.
Für die betroffenen Bildmedien wäre dies fatal. Die Verweigerung eines Kennzeichens darf nicht verwechselt werden mit dem Urteil “Keine Jugendfreigabe”, das dem früheren “Nicht freigegeben unter 18 Jahren” entspricht. Erhält etwa ein Film hingegen keine Kennzeichnung, darf er auch nicht beworben werden. Das Werk dürfte zwar öffentlich gezeigt werden, aber jeder Hinweis auf die Vorführung wäre strafbar. (FR, danke Dirk!)
Faktisch ist ein solches Gesetz als Zensur zu werten, denn was nicht beworben wird, wird auch nicht wahrgenommen. So jedenfalls die Denke der Regierung und Tilmann P. Gangloff, Verfasser des Artikels in der Frankfurter Rundschau, der sich dann noch eine ziemlich anmaßende Frechheit erlaubt, wenn er schreibt:
[...] die Maßnahme wird vor allem Filme wie “Hostel” oder “Saw” treffen, in denen munter gemetzelt wird – die weitaus überwiegende Mehrheit der Kinofans hat keinerlei Interesse an diesen Splatter-Filmen und wird ihnen keine Träne nachweinen.
Ich gehe natürlich davon aus, dass Herr Gangloff die überwiegende Mehrheit der Kinofans gefragt hat, bevor er seinen Unsinn verbreitet, schließlich ist ja Recherche ein grundlegendes Handwerkszeug des Journalisten, aber darum geht es mir nur am Rande. Mir geht es viel mehr darum, dass in Zeiten, in denen sich Filmfans ihre Informationen immer mehr im Netz zusammensuchen und dort mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit nicht nur auf Seiten, in Foren, auf Blogs, die deutschem Recht unterliegen, eine solche Regelung natürlich völlig ins Leere läuft.
Torture Porn ist zwar meistens ziemlicher Müll, für verdeckte Zensurmaßnahmen bietet er aber keinen Anlass. Wir hier bei den Filmfreunden, und ich denke, ich kann da auch für die anderen vier sprechen, werden jedenfalls weiterhin auch über derbe Horrorfilme schreiben, sollte dieses Gesetz tatsächlich so durchgewunken werden. Mit anderen Worten: die Bundesregierung kann uns mal, wir machen hier weiterhin den Ash. Egal, was kommt: Hail to the King, Baby!

- Renington Steele •
- Mai 1st, 2008 •
- 11 Kommentare
- Schlagwörter: Horror, Jugendschutz, Law, Politics
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