The Internet… it’s a series of tubes!
Originaltitel: Untraceable
Herstellungsland: USA 2008
Regie: Gregory Hoblit
Darsteller: Diane Lane, Colin Hanks, Billy Burke, Joseph Cross, Mary Beth Hurt






Susi Schnüffel ist die Ermittlungsgranate der Cyberpolizei. Sie kann alleine am Geruch eine IP-Adresse erkennen und hat wahrscheinlich das Internet erfunden und ist nur zu bescheiden es zuzugeben. Obendrein hat sie noch eine Tochter namens Lame Plot Device und einen langweiligen Kollegen namens Tom Hanks Langweiliger Sohn.
Als sie mit ihrem WINDOWS-PC (sehr dezent inszeniert) auf eine Website namens Killwithme.com kommt, merkt sie sofort: Das ist keine “Mein kleines Pony”-Fanseite. Zum einen ist das Layout komisch und zum anderen werden da Katzen totgemacht.
Sofort stürzt sie sich in die Ermittlungen, denn ein wirklich böser Wutz macht schon bald nicht nur Katzen tot sondern auch dicke Nachbarn und langweilige Kollegen. Der Clou ist: Je mehr Leute die Website besuchen, desto schneller sterben die Opfer vor der Kamera, denn der böse Wutz hat die drolligsten Vorrichtungen aus Jigsaws Garagenflohmarkt aufgekauft und macht damit Unfug. Susi Schnüffel weiß sofort: Das ist nicht gut, dem sollten wir das Handwerk legen!
*SOME SPOILER AHEAD*
Okay, wer von euch würde 8€ zahlen um sich einen dieser schönen “Raubkopierer sind Arschgeigen”-Spots auf 90min ausgedehnt anzuschauen? Was keiner? Dann spart euch besser Untraceable, denn neben vielen anderen Ärgerlichkeiten ist dieser Film vor allem eins: Eine linkische, hilflose und entlarvende Breitseite gegen das, was die Hollywoodstudios als ihre echten Feinde ansehen. Das Internet und seine verdorbenen widerwärtigen Nutzer.
In brachialster “You wouldn’t steal a car…”-Manier hämmert der Film von Beginn an eine Botschaft durch, Jeder der Im Netz was anderes macht als Geld für Itunes, Amazon, Ebay und ähnliches auszugeben ist ein verkommener Perverser. Schon im Intro darf Susi Schnüffel einem 13jr Hacker, den sie selbst in Sekundenschnelle identifiziert hat, ein schwer bewaffnetes Rollkommando auf den Hals hetzen. Denn unter dem Deckmantel illegaler Musikdownloads wollte der böse Bube Kreditkartendaten klauen und dafür kommt er jetzt wahrscheinlich auf den elektrischen Stuhl oder ins Bootcamp.
Momente wie dieser wiederholen sich ständig. Natürlich ist der Filmraubkopierer den das FBI später stellt auch ein ekelhafter Perverser, der sich am Tod anderer Leute ergötzt. Natürlich zieht sich die Tochter mit ihrem illegal heruntergeladenen Pferdehoppelspiel einen Backdoortrojaner (eines der Lieblingsworte der Macher) auf den Rechner. Natürlich ist der Mörder ein jugendliches Computergenie, daß nur dadurch in den Wahnsinn getrieben wurde, weil böse Videosites den Selbstmord seines Vaters zur öffentlichen Belustigung freigegeben haben (TV-Sender würden sowas wie machen). Anonymität? NetNeutrality? Recht auf Privatsphäre? Alles nur dummes Zeug linker Spinner, die dem FBI die Arbeit erschweren wollen. Immer wieder schimmert der Ekel der Macher vor dem nichtkommerziellen, wilden und nicht verstandenen Internet durch, daß gehörig dämonisiert werden muß.
Ähnlich wie die schlimmsten Boulevardmagazine, wird ein reißerisches Thema plakativ umgesetzt. Mit dem Unwissen des Publikums, aber deren Willen sich von hysterischer Panikmache ins Bockshorn jagen zu lassen, arbeitet auch dieser Film, der uns bestätigt wie böse und abartig das Internet abseits der Shoppingsites ist. Auch wenn die Protagonisten mit schicken Fachbegriffen um sich werfen, verstanden haben sie genauso wenig wie die Drehbuchautoren. Backdoortrojaner, Botnet und Blog (man achte drauf was dort als Blog bezeichnet wird), Mirrorsites und Cyberporn – so wie einer der ältere Detektive zugibt davon nichts zu verstehen, so setzt auch der Film darauf, daß die Zuschauer sich vom halbgaren Techbabble blenden lassen und es für bare Münze nennen. Wie Boulevardmagazine a la Planetopia, Panorama, SpiegelTV oder SternTV, die sich auch sensationsheischend über Killerspiele, Kinderpornos und ähnliches ereifern (nicht ohne diese minutenlang und genüßlich im Bild zu zeigen), um der Volksseele Platz für ihre gesunde Betroffenheit, Vorurteile und Empörung zu geben, verlässt sich auch dieser Film darauf, daß emotionale, kenntnisfreie Gefühle den Verstand ausschalten und die Zuschauer glauben, sie hätten einen wichtigen Film gesehen, der sich kritisch mit einem Thema beschäftigt.
Doch die vorgeschobene Voyeurismuskritik demaskiert sich in den ausgewalzten Todesszenen selbst als verlogen, wenn sie sich genau an dem aufgeilt was der Film angeblich kritisiert. Bisher waren alle Filme, die sich mit dem Netz und seinen Gefahren befassten peinlich, unrealistisch und drehten sich die Welt so zurecht, wie sie sie gerne hätten und auch Untraceable macht hier keine Ausnahme. Denn die behaupteten Szenarien würden wohl kaum – trotz viel ernsthaft vorgetragenen Technikgeblubber -einem Realitätscheck standhalten. Sie dienen einzig der Panikmache und des Spannungsaufbaus, und versagen selbst dabei ziemlich, denn der Film ist weder spannend noch überraschend. Jede Figur ist in den ersten zehn Minuten als funktionales Element erkennbar, daß dann auch nicht weiter charakterisiert wird. Spätestens wenn Colin Hanks zum zweiten mal aufdringlich und unelegant seine dauernden Cyberdates erwähnt, wird einem klar: Junge du bist Toast. Natürlich schwingt auch hier wieder die Grundangst vor dem Netz mit: Kind geh nicht ins Internet, denn da sind nur Psychos die dich umbringen werden. Am peinlichsten ist wohl Susis Tochter, deren Rolle ganz offensichtlich nur existiert um sie an einer Stelle des Films in Gefahr zu bringen.
Charakter oder ein Eigenleben hat keine der Figuren, sie sind alle nur leere Hüllen die pausenlos Quasseln und so tun als würden sie ermitteln oder moralische Weisheiten von sich geben, so lange bis wieder die nächste Folterporno-Szene kommt, die lippenleckend zeigt wie ein Mensch stirbt und gleichzeitig böse mit dem Zeigefinger wackelt, wenn sie uns den praktischerweise gut sichtbaren Page-Visits-Counter mit den Besucherzahlen zeigt. Wobei man das jugendliche Computergenie schon beglückwunschen muß, denn selbst größere Websites gehen unter derartiger Videostreamlast schonmal in die Knie. Vielleicht sollten YouTube und Co mehr psychopathische Mörder zur Systemoptimierung einstellen.
Was unter all der Panikmache und dem Cybergeklingel untergeht ist natürlich auch, daß der Film nur eine altbackene und x-mal besser erzählte “Genialer Verbrecher vs. hartnäckige Ermittlerin”-Story serviert und dabei so gar keine Überraschungen aufbietet. Nimmt man das ganze Web-Gewäsch weg, bleibt wenig über als eine unterdurchschnittliche Folge einer schlechten Krimiserie, die jede echte Wendung oder Charaktermomente vermissen lässt. Warum sich gute Schauspieler für diesen Dreck hergegeben haben, bleibt zweifelhaft. Oder sie mußten wirklich dringend ihre Miete zahlen.
Fazit des Films: Das Netz ist grundböse und von Perversen bevölkert, Raubkopierer sind so schlimm wie Mörder, am Ende kriegen die Bösen immer ihr fett weg und alles wird gut.
Der moralische Kosmos dieses unverständlicher Weise mit “Besonders Wertvoll” ausgezeichneten Machwerks ist so reaktionär wie verlogen.
Copy kills movies? Böswillig wäre die Frage zu stellen, wie viele male man diesen Streifen kopieren müßte, damit er auch wirklich tot ist. Aber vielleicht will man das auch nicht, denn auch Piraten haben ja ihren Stolz. Und wenn sich die Qualität dieser Gurke rumspricht, lassen sie vielleicht freiwillig die Finger davon und schauen sich lieber auf einer illegalen Seite Tierpornos an. Die machen sicher mehr Spaß.
Die technisch kompetente Machart und die soliden Schauspielerischen Leistungen können weder die unspannende Inszenierung, die vorhersehbare Story noch die durch und durch fragwürdige und verlogene Machart kompensieren. Bah, weg damit.
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Stattdessen lieber Feed ansehen, der das Thema von verschiedenen Seiten beleuchtet, Diskussionsanstöße gibt und auch in der Darstellung des Nets halbwegs realistisch bleibt.


Von 






































100% agree mit der Kritik.
Ich ärger mich jetzt noch über das ausgegebene Geld.
Aber anderthalb Sterne? Das heist, du setzt diesen Film echt mit Transformers gleich? ich mein, Transformers hatte wenigstens noch kickass Effekte, das ist doch eigentlich mehr? ^^
Grüße
stimmt… ich gebs ungern zu aber der film ist noch schlechter als transformers.
Als ich den Trailer gesehen hab, saß ich schon mit Hand vor der Stirn im Kino und dachte nur “Oh Gott!”. Natürlich gleich hinter mir: “Krass, da gehen wir rein, oder?”…
Ja keine Frage, wie konnte Gregory Hoblit nach dem eigentlich ganz guten “Fracture” und dem anschaubaren “Frequency” sowas machen. Beim Trailer schon hab ich mir gedacht, das gibts doch nicht dass das irgendjemand glaubt, dass man einen Autobordcomputer hacken kann und dann lenken kann. bei “after the sunset” wars ja nicht zu ernst gemeint und ein lustiger gag aber wenn so etwas ernst gemeint ist krieg ich immer Brechreiz. Is das gleiche wie mit CSI: Miami, Las Vegas, NY
Batz, ich habe herzhaft gelacht. Also Verrisse hast Du wirklich drauf!
All das habe ich beim Trailer aber schon genauso erwartet. Da ging’s mir wie usp (Kommentar 3, immer diese ulkigen User-Namen), aber wirklich vollkommen genauso inkl. des Hand-vor-die-Stirn-schlag-Gefühls.
So ein unglaubwürdiger Mist.
Und gerade eben muß ich mit Schrecken feststellen, daß der Film wirklich von Gregory Hoblit ist!? (Danke an vic für den Hinweis.)
Ich meine: Zwielicht, Dämon, Das perfekte Verbrechen – allesamt recht sehenswerte und spannend unterhaltsame Thriller. Und dann sowas?
Selbst Frequency war bei aller Logik-Freiheit noch irgendwie sympathisch brav und recht nett anzusehen.
Nee, nee, nee. Was fürn Trauerspiel.
Lesenswerter Filmbericht, danke für die Warnung. Allerdings habt ihr mich jetzt wenigstens neugierig auf den Trailer gemacht. *cybersearch*
youtube.com/watch?v=5jWFMaRN63...
;)
Das Machwerk hat bei “Rotten Tomatoes” 15 Wertungs-Prozent bei 125 Reviews eingefahren. Das reicht mir im Grunde schon vor der deutschen Veröffentlichung, und die hiesige Besprechung bestätigt mir das nur noch. Abgehakt.
Die Story klingt übrigens ziemlich stark nach einem schlechten RipOff einer ziemlich guten Folge der Serie Millenium:
german.imdb.com/title/tt0648268/
Soviel zum Thema (Raub)kopierer sind Verbrecher…
Ich hab auch nur den Trailer gesehen, mir aber den Film dazu genau wie beschrieben vorgestellt.
Mensch – eure Kritik deckt sich zu 100 Prozent mit meiner:
thriller.suite101.de/article.c...
Und ich dachte schon ich wäre der Einzige, dem die üble Propaganda aufstößt.
Am besten fand ich ja, dass erklärt wurde, es wäre verboten, DVDs zu kopieren. Und warum ICANN nicht einfach die Domains sperrt … na ja.
Schade nur, dass sich eine so tolle Schauspielerin wie Diane Lane für diesen Schund hergibt.
PS: Eure Kritiken sind herrlich! Jene zu “Ruinen” erinnert mich an eine von mir, die sich mit ID4 befasste. Werde mir eure Seite gleich einmal bookmarken.
Komisch, erst wird aller Detailtreue gezeigt, wie drei Menschen elendig verrecken und zum Schluss kommt dann heraus, dass sich der Film gegen eben jene “Perverse” richtet, die sich so einen Scheiß reinziehen. Der Film ist ein einziger Paradox. Die Moral ist weit hergeholt und schlicht und ergreifend unwahr.
Super Kritik.