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Indiana Jones und das abgeschaltete Denken

Standard, 26. 5. 2008, Renington Steele, 24 Kommentare

Allen Leuten, die immer behaupten, die Menschen sollten doch bitte bei gewissen Filmen im Kino einfach mal den Kopf ausschalten, sei dieses Review bei Telepolis an denselben auf Lebenszeit festgetackert.

„Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull“ ist ein Film ohne echte Überraschungen und daher enttäuschend – und nach all der Erwartungsfreude ist die Tatsache dann doch etwas zu wenig, dass sich Spielberg hier seinen persönlichen Kindergeburtstag gegönnt hat.

Der Irrtum all derjenigen, die es hier nun ablehnen nachzudenken – womit sie nur verraten, dass sie am liebsten überall darauf verzichten würden -, ist, dass man ihrer Ansicht nach über dumme Dinge nicht nachdenken kann oder dass Unterhaltung mit Nachdenken nichts zu tun hätte. „Nachdenken schadet nur“, behaupten manche. Aber wobei eigentlich? Wenn der Film gut ist, ist er gut. Nachdenken schadet nur, wenn man beim Nachdenken darauf kommt, wie blödsinnig er im Grunde ist. Aber zumindest darüber, dass Spielberg viel nachgedacht hat, wird man sich doch wohl einigen können, oder? Sollte man dann nicht auch über Spielbergs Gedanken nachdenken? Es ist ein Irrtum anzunehmen, dass nur das, was den Verstand beleidigt, unterhalten kann, dass etwas, um unterhalten zu können, auch wirr und grob sein muss.

Warum behandelt man seinen Geist so, wie man den eigenen Körper niemals behandeln würde? Wer ernährt sich eigentlich nur von McDonald’s? Wer glaubt, dass McDonalds gesund ist? Ab und zu trotzdem mal zu McDonald’s gehen, macht jeder. Aber muss man deswegen behaupten, es sei gesund? In einer Filmkritik geht es nur darum, zu benennen, um was für eine Art Film es sich handelt.

Wer dann gegen Intellektuelle schimpft, die einem den Spaß rauben, den darf man erinnern, dass Indiana Jones selbst ein Intellektueller ist, der in diesem Fall von McCarthy wegen Nonkonformismus vertrieben wird. Und was er in der Maya-Pyramide sucht, ist Wissen, nicht Entertainment.

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24 Kommentare

  • Reply usp 26. 5. 2008 at 15:22

    Besonders aufgeregt hat mich der ganze schmarrn mit dem Magnetismus. Schwarzpulver (nicht magnetisch) wird durch die ganze Halle angezogen, die Lampen jedoch erst als die Holzkiste geöffnet wird…

    Aber mit Physik hatten sie es eh nicht so ganz… Indy wird mit einem Schlitten weggeschossen, mit dem man die maximalen G-Kräfte auf den menschlichen Körper gemessen hat – und unangeschnallt ist ihm danach nur ein wenig schwindelig…

  • Reply Renington Steele 26. 5. 2008 at 15:41

    Naja, im zitierten Teil geht es ja nicht nur um Indiana Jones, sondern viel mehr um dieses dämliche Argument, man solle doch bitte seinen Kopf ausschalten… als ob das geht.

  • Reply Arno Nym 26. 5. 2008 at 15:56

    Der zitierte Text ist schon ganz richtig, wird aber bei „ist doch nur Unterhaltung“ Argumentationen nicht deinen Text hier vom 11.9.07 als mein persönliches Standardwerk zu dem Thema ablösen.
    (Wobei ich auch in der Lage bin dem einen oder anderem Film nen Fanboybonus zu spendieren.)

  • Reply r0ssi 26. 5. 2008 at 16:14

    mir egal, mir egal, mir egal, lalalalala

  • Reply Renington Steele 26. 5. 2008 at 16:18

    @ Arno Nym: Huch, Danke… hab nochh überlegt, den zu verlinken ;)

    @ r0ssi: Nix da… weghören gildet nicht ;)

  • Reply Benedikt 26. 5. 2008 at 17:07

    Naja, bei den anderen Indy-Teilen kommt man mit Nachdenken auch nicht wirklich weiter…

  • Reply Renington Steele 26. 5. 2008 at 18:01

    Aber es stört eben auch nicht…

  • Reply Felix 26. 5. 2008 at 19:15

    Naja die alten Teile hatten wenigstens noch gewisse kleine Dinge die einem nur beim aufmerksamen Zugucken klar wurden. R2-D2 werden wohl nur wenige in Temple of Doom gesehen haben.

    Ich denke das ist es auch was Bemängelt wird. Einfach die Liebe zum Detail. Jemanden tatsächlich unter einem LKW herzuziehen und damit einer der besten Stunts der Geschichte abzuziehen. solche Sachen. Allerdings hat der Text oben wohl wenig mit Indiana Jones zu tun. Oder dessen Manko.

    Ich hab den neuen Indy leider noch nicht gesehen. Es ist aber auch klar das keiner der ersten Drei eine wissenschaftliche Abhandlung sein sollte. Sondern pure Unterhaltung mit Qualität. Das der neue nen bissel übertrieben daher kommt mag sein, macht trotzdem das ganze nicht unbedingt schlecht.

    Und wenn man etwas falsches zitiert, macht man die Sache an sich nicht richtiger. Das ist wohl bei dem zitierten Text passiert.
    Der ist das absolut bescheuerts was ich je über einen Film gelesen hab. Das Ende des erste Abschnitt ist ne Verkennung der Tatsachen und der zweite Teil ist ne Bodenlose Frechtheit.
    Daher reiß ich mir das festgetackerte Review vom Kopf und stopfs der meinen Kopf attackierenden Person sonst wohin.

  • Reply Bernie 26. 5. 2008 at 19:27

    Quote: Der Irrtum all derjenigen, die es hier nun ablehnen nachzudenken – womit sie nur verraten, dass sie am liebsten überall darauf verzichten würden

    Öhm, ja, bischen pauschalisiert wa?

  • Reply wuhbadl 26. 5. 2008 at 19:32

    Der Telepolis-Artikel ist mir heute ebenfalls positiv aufgefallen. :) Diesen Teil davon finde ich auch sehr schön und passend zum obigen Zitat:

    „“Indiana Jones“-Filme sind barockes Patchwork-Kino, das jenen Kinderspielen ähnelt, in denen Playmobilritter gegen Legocowboys kämpfen, auf Modelleisenbahnen fahren und mit China-Krachern in die Luft gesprengt werden. Was dann immer so dagegen argumentiert wird – der Film will ja „nur“ Unterhaltung sein (was auch die Unterhaltung unterschätzt) -, führt weit am Thema vorbei. Denn die Frage ist ja zum einen die, ob unterhalten wird, und da kann man in diesem Fall schon geteilter Meinung sein, aber auch, mit welchen Mitteln.

    Wenn „Indiana Jones“ manchen nicht gefällt, geht es nicht um billige Effekte, nicht um Bilder, die ihren Second-Hand-Charakter zum Inhalt machen so wie eine stonewashed-Jeans. Es geht um billige Inhalte, um Gedanken mit Second-Hand-Charakter. Es geht darum, was es über eine Kultur verrät, wenn ihre erfolgreichsten Produkte aus Kinderquatsch bestehen, und wenn die erwachsenen Konsumenten dieses Kinderquatsches damit auch noch ein gutes Gewissen haben. Dass in einem Kindergarten die Spaßverderber mit Hohn und Spott beworfen werden, dass man sie diskreditiert, sollte jedenfalls nicht überraschen. „

  • Reply Rock_Holiday 26. 5. 2008 at 19:39

    Und wenn er mir nun trotzdem gefallen hat? Dann sind mir solche Wortgefechte doch vollends egal. Wie langweilig, zu allem immer eine Meinung haben zu müssen, die über „hat mir gefallen“ hinaus geht.

    Zitat:
    „Der Irrtum all derjenigen, die es hier nun ablehnen nachzudenken – womit sie nur verraten, dass sie am liebsten überall darauf verzichten würden -, ist, dass man ihrer Ansicht nach über dumme Dinge nicht nachdenken kann oder dass Unterhaltung mit Nachdenken nichts zu tun hätte.“

    Daraus spricht nichts als Arroganz eines Schreibers, der sich durch sein gut oder schlecht finden für erhaben hält, es aber längst verlernt hat, sein Weltbild auch mal grade sein zu lassen. Was für eine Sackgasse – gerade eben eine Sackgasse für das Denken.

  • Reply Felix 26. 5. 2008 at 20:01

    Zitat:
    „Dass in einem Kindergarten die Spaßverderber mit Hohn und Spott beworfen werden, dass man sie diskreditiert, sollte jedenfalls nicht überraschen.“

    Das kommt wohl auf den Spass an, oder? Nur weil man nicht will, dass andere Spaß haben beim angucken der Blumen oder von mir aus kleinem Getier über dem man erhaben ist, muss mans wohl nicht schlecht machen. Falls doch sollte man auf Hohn und Spott gefasst sein, den man dann auch verdient hat.

  • Reply BlueTreeArrangement 26. 5. 2008 at 20:36

    Ach, Leute…

  • Reply jellyamison 26. 5. 2008 at 22:39

    „same old, same old“
    ich finde eigentlich nicht, dass diese diskussion zur rezeption dieses films so sehr passt.
    die argumente, die online so zum film ausgetauscht werden verharren eigentlich kaum im „es ist auch manchmal gut bei mcdonalds (Oooohh Gott, diese Analogie hat echt ihren Zenit überschritten) essen zu gehn-ist halt en blockbuster kopf abstellen ist angesagt“ sumpf. dazu kennen die leute indy zu sehr, haben sich die dvds zu oft reingezogen und haben durchaus andere argumente parat. die diskussion dreht sich doch vielmehr um andere punkte. beispielsweise darum, welche total abgedrehten dinge selbst für indy zu unglaubwürdig sind und …warum der dritte akt so scheiße ist …und so…
    und bei den kritikern, die besagen, dass es sich bei den film um eine achterbahnfahrt handelt, die schon …. gut genug … ist (verena lueken, faz) geht es dann eher drum wie nah man den filmen ursprünglich steht. (damit will ich nicht sagen, dass auch „fans“ (was auch immer das ist) den film rundherum geil finden können.

  • Reply jellyamison 26. 5. 2008 at 22:39

    „…nicht auch fans“ sollte das wohl heißen.

  • Reply Renington Steele 26. 5. 2008 at 22:48

    Was mich an dem Film am allermeisten stört, ist, dass er wie eine Satire auf die Indiana Jones-Reihe wirkt und nicht als Teil derselben. Dass es genug Leute gibt, die sagen, man solle deshalb einfach mal seinen Kopf abschalten, ist aber Tatsache.

  • Reply jellyamison 26. 5. 2008 at 23:09

    ja, ich hatte die kommentare vor mir nicht richtig gelesen. und diese leute gibts wohl auch immer. aber der artikel geht ja viel weiter…

    „Solcher Art völlig geschmack- und instinktlosen Umgangs mit bestimmten Abgründen des realexistierenden Schreckens waren die „Indiana Jones“-Filme schon immer gnadenlos unbekümmert – Hiroshima-Opfer kaufen ja sowieso keine Eintrittskarten.“

    Ich kann nur zustimmen. Vom zynischen Unterton im letzten Satzteil mal abgesehen.

    „Dazwischen liegen zwei Stunden atemloses Hetz-Kino, das eher an ein Computerspiel erinnert als an einen Film:“

    Das müsste man mal genauer untersuchen aber ich würde sagen, dass die Indy-Filme selbst einen großen Einfluss auf das Konzept von Computerspielen hatten.

    „Fortwährend hat der Held eine neue Herausforderung zu bewältigen – Skorpione, drei Wasserfälle hintereinander, mörderische Eingeborene …“

    Nenene…genau das ist nämlich eines meiner Hauptprobleme mit Crystal Skull, die aber Rüdiger Suchsland wahrscheinlich nicht besonders interessieren, weil er mit dieser Art von Kino nie besonders viel anfangen konnte. Er beschäftigt sich mit dieser Art von Film lieber auf der Meta-Ebene und das ist auch gut so. Liest sich ja teilweise ganz nett. Obwohl der alte Seeßlen in seinem Zeitartikel (den er offensichtlich geschrieben hat ohne den Film gesehen zu haben) noch ein bisschen mehr Verständnis für die Filme mitbringt.
    Mein Problem ist, dass die Herausforderungen, denen Indy sich tatsächlich stellt eher rar gesät und (insbesondere in den letzten 30 Minuten) uninspiriert sind. Dass Indy eigentlich gar nicht mehr viel zu tun hat.

    Die Kritik, dass es sich bei diesem Film eher um ne Indy-Parodie handelt, kann ich einfach nicht so ganz nachvollziehen. Also …ich kann mich in dieses Denken irgendwie schon reinversetzen. Dieser Kritikpunkt wird ja gerade bei Last Crusade immer wieder angebracht. Aber ich habe diese Situationen und Charakterzüge, welche als parodistisch beschrieben wurden schon immer geschätzt. Für mich ist das Indy.

  • Reply Renington Steele 26. 5. 2008 at 23:25

    >aber ich würde sagen, dass die Indy-Filme selbst einen großen Einfluss auf das Konzept von Computerspielen hatten.

    Sehr (sehr) interessante These. Muss ich mal drüber nachdenken.

    >Die Kritik, dass es sich bei diesem Film eher um ne Indy-Parodie handelt, kann ich einfach nicht so ganz nachvollziehen.

    Ich schon. Na klar, war Indy immer eine Parodie auf Pulp, hat das Genre aber dennoch ernst genommen. Das tut er in diesem teil nicht mehr. Dieser Indy wirkt wie eine Parodie auf eine Parodie und diese exponentielle Steigerung seiner Mittel… lässt ihn kacke aussehen.

  • Reply Mr Noyes 27. 5. 2008 at 11:05

    Ich glaube, dieses Problem sollte – wie schon von anderen Lesern angemerkt – auf einer anderen Ebene diskutiert werden als: „Der Film ist blöd und jeder, der damit kein Problem hat, ist selber blöd! Nyah!“ [Der Begriff „Nyah“ wurde hier aus dem amerikanischen übernommen, weil er einfach zu gut passt. Wer Ihn nicht kennt, einfach mal googeln]

    Wie wäre es, wenn der Verfasser mal exemplarisch an einem Film, wie z.B. Indy, klar macht, was er „dumm“ fand und wieso diese Dummheit den Filmgenuß verhinderte. Vielleicht kommt man so einer klareren Analyse des Problemes näher, denn das würde mich schon irgendwie interessieren. Übrigens habe ich nach den Anschauen von Cloverfield ein verwandtes Thema für mich entdeckt, und zwar die Dummheit der Charaktere eines Filmes und ab wann es nervt – insofern frage ich hier nicht ganz uneigennützig.

  • Reply Kiran 27. 5. 2008 at 14:36

    @ Felix: Ich muss kurz klugscheissen. Das mit R2-D2 war nicht im „Temple of Doom“. Man sieht die Figuren nur kurz in den Wandzeichnungen bei der Bundeslade im ersten Teil.

    Sooooo, weiter machen!

  • Reply Cristo 2. 6. 2008 at 23:13

    >aber ich würde sagen, dass die Indy-Filme selbst einen großen Einfluss auf das Konzept von Computerspielen hatten.

    >Sehr (sehr) interessante These. Muss ich mal drüber nachdenken.

    Uncharted !?
    Der wohl beste Indy Teil den es gibt ;)
    Hat mich stark an den Anfang vom Jäger des verlorenen Schatzes erinnert … und zwar vom Anfang bis zum Ende des Spiels (oder besser, bis kurz vor’s Ende)

    Mir fallen etliche Spiele ein, die von Indy profitiert haben. Aber dieses ganz besonders (Wenn man die indy Rollenspiele mal außen vor lässt [Fate of Atlantis *sabber*] )

  • Reply Renington Steele 2. 6. 2008 at 23:30

    Uncharted ist nicht nur einer der besten Indy-Teile ;) sondern auch eins der besten Spiele derzeit. Absolut großartig!

  • Reply Markus 8. 6. 2008 at 0:37

    „Der Irrtum all derjenigen, die es hier nun ablehnen nachzudenken – womit sie nur verraten, dass sie am liebsten überall darauf verzichten würden“

    Als wenn der Mist überhaupt zum Grübeln einladen würde. Gute Schokolade, schlechte Schokolade. Meine Schokolade ist besser als deine. Friss meine Schokolade, oder ich schimpfe dich einen Idioten. Ich glaube, ihr braucht mal echte Probleme und ganz besonders: ein Leben, dann würde euch das dekadente Gequatsche schon vergehen.

  • Reply Renington Steele 8. 6. 2008 at 0:42

    Yeah. Get a Life. Noch so ein Argument von jemandem, der keine Argumente hat.

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