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Ich bin niemand der Idole hat. Denn Idole bedeuten immer eine unkritische Vergötterung und das liegt mir einfach nicht. Das bedeutet jedoch nicht, daß es nicht Menschen gibt vor denen ich immensen Respekt habe und eine große Zuneigung zu ihnen und ihrer Arbeit verspüre.

Rogert Ebert ist einer dieser Menschen. Er ist vielleicht der berühmteste Filmkritiker der Welt und eine der wenigen Legenden, die sich diesen Status hart erarbeitet haben. Ihm und seinem verstorbenen Kollegen Gene Siskel mit dem er 20 Jahre lang Siskel & Ebert moderierte gebührt der Verdienst ernsthafte, geistreiche, unterhaltsame, leidenschaftliche und spannende Filmkritik im Fernsehen populär gemacht zu haben.

Wenn sich Siskel und Ebert stritten flogen die Fetzen, es ging hart zur Sache und es wurde ernstlich gestritten. Die beiden zeigten dem Publikum, daß man sich mit Filmen auseinandersetzen kann, das man unterschiedlicher Meinung sein kann und sich dennoch respektieren.

Rogert Ebert liebt Filme. Er hat seine Vorlieben und Abneigungen, doch der bisweilen bei der deutschen Kritik vorherrschende Snobismus gegenüber Genre- und Unterhaltungskino ist ihm völlig fremd. Er kann sich für einen guten Horror und Slasherfilm genauso begeistern, wie für Arthaus-Dramen, Komödien, Romanzen, SciFi und Blockbuster. Er hat trotz seiner 66 Jahre keine Berührungsängste, weder mit Trivialkultur noch mit intellektuellen Werken. Er war als Kind ScienceFiction-Fan, hat zusammen mit Russ Meyer gearbeitet, ein Filmfestival gegründet, Filme vor der Versenkung bewahrt, Bücher geschrieben mit Titeln wie “Your movie sucks” and “The 100 best movies of all Time”, DVD-Kommentare eingesprochen, einen Publitzerpreis gewonnen, sich den Satz “Two Thumbs Up” patentieren lassen und als einer der ersten bekannten Kritiker das Internet für sich entdeckt und nutzen gelernt achja und er bloggt auch.
Er ist offen und formuliert gut, er argumentiert persönlich, aber nicht unsachlich. Er ist pointiert, analytisch aber nie kalt. Er hat Humor und Selbstbewusstsein und es macht einfach Spaß seine Reviews zu lesen oder anzuschauen, egal ob man mit ihnen übereinstimmt oder nicht.

Denn das ist das großartige an guten Kritiken: Sie bringen einem andere Sichtweisen und erklären andere Standpunkte ohne daß man zwangsläufig ihrer Meinung sein muß. Siskel und Ebert funktionierte auch deswegen, weil es den Leuten zeigte wie man argumentiert und das es mehr gibt als nur “boah toll” oder “doof”.

Eine schwere Krebserkrankung und lange Krankenhausaufenthalte haben Ebert eine ganze Weile ausser Gefecht gesetzt. Er ist mittlerweile nicht mehr fit genug und durch Operationen im Gesicht in Mitleidenschaft gezogen, kann derzeit nur mittels eines Sprachcomputers sprechen, so daß er sich entschlossen hat seine TV-Show nicht weiter zu führen und seinem Kollegen und Siskel-Nachfolger Roeper zu überlassen. “I ain’t a pretty boy anymore“, meinte er selbstironisch und natürlich war das ein Filmzitat (aus Raging Bull). Dennoch schreibt er weiter und denkt nicht ans Aufhören, denn Ebert liebt und lebt für Filme.

Dieses lange aber ausgesprochen spannende und interessante Interview das vor seinem letzten Krankenhausaufenthalt 2005 geführt wurde gibt Einblick in Eberts Leben, seine intensive und turbulente Beziehung zu Gene Siskel, seiner Art Filme zu bewerten und seiner generellen Sichtweise zu Filmen. Er erklärt wie er bewertet, warum Sternewertungen für ihn immer genrespezifisch und nicht objektiv vergleichbar sind. Wie er zum Fernsehen kam, wie sein Verhältnis zu Regisseuren ist und warum er auch Filme mit Schwächen sehenswert findet.

Hier gehts zum dreiteiligen Interview

Nicht abschreckenlassen von einem sehr lahmen Intro mit ganz viel Stühlen und leichter Tonasynchronität. Es kommt drauf an was der Mann erzählt und das ist cool.

[Videolinks via Daywalker Thanx!]

2 Trackbacks

  1. 28.07.2008 - Rogert Ebert sagt Goodbye… - Die Fünf Filmfreunde
  2. 04.03.2009 - Siskel & Ebert - Der Film | Die Fünf Filmfreunde

6 Kommentare

  1. http://www.atthemoviestv.com

    das archiv macht so viel spass

    Kommentar #1 von Marcel am 31.05.2008 um 03:15 Uhr

  2. sehr schöner text zu einem auch von mir sehr respektierten kritiker.

    Kommentar #2 von julian am 31.05.2008 um 19:38 Uhr

  3. Hm… “At the Movies” als Begriff ist doch wohl nicht irgendwie geschützt oder!?

    Kommentar #3 von Xander am 31.05.2008 um 22:11 Uhr

  4. Feine Würdigung! Ebert ist für mich seit vielen Jahren die allererste Instanz, wenn ich mich über neue (und auch alte!) Filme informiere.

    Ich teile seine Urteile – im Nachhinein – natürlich nicht in jedem Fall, aber sie sind – im Vorhinein – immer so aussagekräftig und für mich gut einzuschätzen, dass ich mir eine konkrete Vorstellung machen kann, ob mir ein Film gefallen wird oder nicht.

    In Deutschland sehe ich im professionellen Feuilleton weit und breit nicht mal im Ansatz ein derartige Kompetenz und kritische Qualität.

    Kommentar #4 von Boris am 31.05.2008 um 22:51 Uhr

  5. Exzellenter Beitrag! Wenn ich bei IMDB einen mir unbekannten Film nachschlage, bin ich immer froh, wenn bei den external reviews „Roger Ebert, Chicago Sun Times“ auftaucht: Seine klugen, sachlichen und trotzdem nicht emotionslosen Besprechungen sind immer lesenwert, meist zutreffend (für mich), oft lehrreich und nie langweilig.
    Wären sie Pflichtlektüre, käme man wohl ohne F5-Kommentarfibel /a> aus.

    Kommentar #5 von stefan am 03.06.2008 um 17:18 Uhr

  6. Das Lesenswerte an Ebert ist meinesachtens seine analytische Tiefgründigkeit fern eines intellektuellen Habitus’. Und er erdet die Charakterbeschreibungen auf sehr empathische Art. In seiner Kritik zu “Leap Year” schildert er den Verlobten, dem letztlich die Frau vom good guy ausgespannt wird, folgendermaßen: “He does nothing, absolutely nothing, wrong. For veteran filmgoers, he has one fatal flaw: He has a healthy head of hair, and every strand is perfectly in place. No modern movie hero can have his hair combed.”

    Kommentar #6 von Ancketill Brewer am 14.01.2010 um 11:24 Uhr

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